Wissen

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Wissen ist gerechtfertigter Glaube. Damit unterscheidet es sich vom bloßen Glauben oder bloßer Meinung. „Wissen“ ist abgeleitet vom althochdeutschen Verb wissan, das seinerseits von der Form „gesehen haben“ kommt, was auch etymologisch auf die Begründetheit verweist. Für den Begriff des Wissens findet sich seit der Antike im philosophischen und wissenschaftlichen Diskurs keine präzise und übergreifende anerkannte Definition, vielmehr gibt zahlreiche, häufig ähnlich klingende Definitionen, die jeweils abhängig vom Standpunkt des Definierenden formuliert wird (siehe unten). Seit dem 20. Jahrhundert wird der Begriff zunehmend aus dem Blickwinkel der Informatik betrachtet.

Als eine Art kleinster gemeinsamer Nenner lassen sich drei Aussagen formulieren:

  • Dem Wissen liegen Informationen zugrunde, oder anders formuliert: Wissen ist mit Bedeutung ausgestattete Information.
  • Diese Informationen müssen derart aufeinander bezogen sein, dass sie nachvollziehbar in sich stimmig sind (Kohärenz).
  • Neben der inneren Übereinstimmung muss sich Wissen in Übereinstimmung mit den wahrnehmbaren Bedingungen einer Umwelt befinden.

Wissen steht in der griechischen Philosophie im Gegensatz zur Meinung. Demnach impliziere Wissen Wahrheit und könne durch keine Argumentation widerlegt werden, während eine Meinung zwar wahr sein könne, aber diskutabel sei. Dies ist aber umstritten (siehe auch Positivismusstreit).

  • Die Epistemologie, die den griechischen Wortstamm für Wissen (episteme) im Namen trägt, ist die Lehre von der Erkenntnis. Erkenntnis folgt erst dann aus Wissen, wenn erkannt wird, welche Relevanz die Einzelinformationen für die Lösung eines gegebenen Problems besitzen. Wissen kann man demnach also als potentielle Nutzinformation definieren.
  • Mit den sozialen Implikationen des Erwerbs von Wissen beschäftigt sich die Wissenschaftssoziologie.


Verschiedene Wissensdefinitionen

Während es auf den ersten Blick klar zu sein scheint, was Wissen bedeutet, ist es sehr schwer, eine allgemein gültige Definition dafür anzugeben. Für jede bekannte Definition gibt es Fälle, in denen sie offensichtlich nicht das wiedergibt, was wir unter Wissen verstehen.

  • Wissen ist eine vorläufig wahre Zustandsgröße und ein selbstbezüglicher Prozess. Seine Definition verändert es bereits, da diese selbst zum Bestandteil des Wissens wird. Voraussetzung für Wissen ist ein wacher und selbstreflektierender Bewusstseinszustand, der dualistisch angelegt ist. Wissen ist durch Erfahrungskontext getränkte Information. Information ist ein Datenbestandteil, welcher beim Beobachter durch die beobachterabhängige Relevanz einen Unterschied hervorrief. Daten sind etwas, was wahrgenommen werden kann, aber nicht muss. Diese Definition ist im Einklang mit dem Fachgebiet Wissensmanagement und dem DIKW Modell. Letzteres stellt Daten, Informationen, Wissen und Weisheit in einer aufsteigenden Pyramide dar und führt zu Organisational Memory Systems, deren Hauptziel es ist, die richtige Information, zur richtigen Zeit an die richtige Person zu liefern, damit diese die am besten geeignete Lösung wählen kann. Damit wird Wissen mit seiner Nutzung verknüpft.
  • Reale und imaginäre Objekte, Systeme und Prozesse können gegeneinander abgegrenzt und daher beschrieben und definiert werden. Wissen hingegen ist ein selbstbezüglicher Begriff für eine Gesamtheit und nicht überschaubar. Die Selbstbezüglichkeit zeigt sich in der Tatsache, dass eine Definition des Begriffs Wissen das Wissen selber verändert, weil die Definition ebenfalls Bestandteil des Wissens ist.

Es kann daher nur eine Beschreibung der Wirkung von Wissen erfolgen.

  • Wissen bezeichnet die Gesamtheit aller organisierten Informationen und ihrer wechselseitigen Zusammenhänge, auf deren Grundlage ein vernunftbegabtes System handeln kann.

Das Wissen erlaubt es einem solchen System – vor seinem Wissenshorizont und mit der Zielstellung der Selbsterhaltung – sinnvoll und bewusst auf Reize zu reagieren.

  • Die pluriformen Ergebnisse der Erkenntnistheorie und der Wissenschaftsgeschichte machen die Aussage plausibel, dass der Mensch immer nur glaubt zu wissen. Zu oft wurden ganze Gebäude des Wissens zum Einsturz gebracht, wenn sich eine neue Hypothese als tragfähiger erwies – bis auch dieses vermeintlich gesicherte Wissen durch neue Erkenntnisse in Zweifel gezogen wurde. Und so wird der Zweifel zu einer der Triebfedern neuen Wissens.
  • Edmund Gettier zeigte dabei an Beispielen, dass die Annahme (d.h. eine weitere Definition des Begriffes), Wissen sei gerechtfertigter wahrer Glaube, unseren Wissensbegriff nicht treffend abzubilden vermag. Dieses Problem nennt man das Gettier-Problem.

Formen des Wissens

Deklaratives versus prozedurales Wissen

Bezeichnet in der Kognitionspsychologie das Wissen über Fakten („Wissen was“), in Abgrenzung von handlungsorientiertem („Wissen wie“, prozedurales Wissen). Folgende Formen des deklarativen Wissens können unterschieden werden:

  • Wissen über Fakten: Zu den Fakten gehören numerische Fakten wie „das Planck'sche Wirkungsquantum ist  h  =  6,6261 · 10-34 Js “ oder Propositionen wie „Der Wolf ist ein Raubtier“.
  • Wissen über Konzepte und Konzepteigenschaften: Konzepte werden durch ihren Konzeptnamen, ihre Extension und ihre Intension definiert. Extension ist die Menge aller Objekte, die zu dem Konzept gehört, die Intension ist die Menge der Merkmale, die ein Objekt besitzen muss, um zum Konzept zu gehören. Man unterscheidet zwischen Individualkonzepten, die als Extension eine einelementige Menge besitzen, und Massenkonzepte wie Flüssigkeiten oder Schüttgut, die keine stückweise abzählbare Extension besitzen.
  • Wissen über semantische Beziehungen: Semantische Beziehungen sind Aussagen zu zwei oder mehreren Konzepten, wie zum Beispiel
    • Abstraktionen: (Schrank ist ein Möbelstück).
    • Teil-Von-Beziehungen: (Klinge - ist Teil vom - Schwert).
    • Ist-Ein-Beziehung (Wolf - ist ein - Raubtier).
    • Zeitliche Beziehungen (chronologische Abfolge, Simultanität).
    • Räumliche Beziehungen (Behälter - Inhalt).
    • Kausalbeziehungen (Blitz - Donner).
  • Wissen über Ereignisse und Handlungen: Ein Ereignis ist eine Zustandsänderung eines Objektes zu einem bestimmten Zeitpunkt oder über ein Zeitintervall hinweg. Eine Handlung ist ein Ereignis, das von einem Aktor ausgelöst wurde.
  • Wissen über Regeln und einschränkende Bedingungen (Constraints): Wissen über einschränkende Bedingungen ist Wissen über die Unzulässigkeit von Zuständen oder Zustandsänderungen.
  • Metawissen: Wissen über Wissen, wie z. B.
    • Wissen über die Verlässlichkeit (Reliabilität) bzw. Güte (Validität) von Fakten oder anderen Wissensarten.
    • Wissen über Wissensqualität.
  • Wissen als soziale Konstruktion: Grundlegend stellt die Wissenssoziologie fest, dass Erkenntnis nicht im Individuum, sondern in einem sozialen Kontext eingebettet ist, das bedeutet Wissen ist sozial bedingt.

Narratives versus diskursives Wissen

Jean-François Lyotard unterscheidet zwei Formen von Wissen:

  • diskursives Wissen – das im Diskurs ermittelte Wissen der Moderne mit expliziter Legitimation. Wissenschaftliches Wissen ist spezifisches diskursives Wissen, das dem akademischen Diskurs und seinen akademischen Regeln unterliegt;
  • narratives Wissen – das traditionelle Wissen in Form von Geschichten und Erzählungen, das sich implizit selbst legitimiert.

Operatives Wissen und Orientierungswissen

(Wie nutze ich das Wissen, das ich habe? Wie finde ich meinen Weg, da ich noch nicht genug weiß?)

  • Wissen über Vorgänge und Verfahren: Ein Vorgang ist eine lang andauernde Handlung. Ein Verfahren ist eine festgelegte Anzahl von miteinander verketteten Einzelhandlungen, für die oft eine bestimmte Reihenfolge verbindlich ist. Wissen über ein Verfahren bezeichnet man auch als "know how", Gewußt Wie.
    • Wissen, wie man Wissenslücken schließen kann (zum Beispiel indem man Unbekanntes erfragt).
    • Wissen, wie man neues Wissen aus vorhandenem Wissen ableitet (Inferenzstrategien).
    • Wissen, wie man Wissen strukturiert und neues Wissen hinzufügt.
  • Wissen über Probleme und Problemlösungsstrategien: Bildung einer formalen Beschreibung eines Problems mit dem Ziel der Klassifikation des Problems in eine bekannte Problemklasse, zu der eine Problemlösungsstrategie bekannt ist.

Psychologie und Wissen

Die Lernpsychologie beschäftigt sich mit dem Erwerb von Wissen, wobei zahlreiche Theorien und Methoden entwickelt wurden, um den Wissenserwerb zu vereinfachen und zu verstehen.

Begriffsfeldabhängige Ansätze

Im Gegensatz zum umgangssprachlichen Verständnis von Wissen bemüht sich der von Helmut F. Spinner begründete Karlsruher Ansatz der integrierten Wissensforschung (KAW) um eine Systematisierung des gesamten Begriffsfeldes um "Wissen aller Arten, in jeder Menge und Güte"; Spinner initiierte daher das Wissensarten-, Wissensordnungs- und Wissensverhaltensprojekt.

Er schlägt folgende Terminologie vor:

  • "Wissen ist semantische Information (unabhängig von Richtigkeit und Wichtigkeit)"
  • "Information ist inhaltliches Wissen"
  • "Erkenntnis ist Information plus x"

Im Rahmen des Wissensmanagement wird Wissen als eine Ressource betrachtet, die nicht nur von Individuen, sondern auch von anderen Systemen wie Gruppen und Organisationen erzeugt bzw. ausgehend von implizitem Wissen explizit gemacht wird.

Literatur

  • Daniel Geiger & Georg Schreyögg: Wenn alles Wissen ist, ist Wissen am Ende nichts ?!, in: DBW, 63. Jhrg., 2003.
  • Jean-François Lyotard: Das postmoderne Wissen. Ein Bericht (Towards the Postmodern), Passagen-Verlag, Wien 1999.
  • Matthias Vogel & Lutz Wingert (Hg.): Wissen zwischen Entdeckung und Konstruktion. Erkenntnistheoretische Kontroversen, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 2003.
  • Paschen, Harm: Zur Entwicklung menschlichen Wissens Die Aufgabe der Integration heterogener Wissensbestände. März 2005
  • Jacques Maritain: Die Stufen des Wissens. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1954

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