Simon Petrus

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Simon Petrus (* in Galiläa, Datum unbekannt; † vermutlich in Rom um 65) war einer der ersten Juden, die Jesus von Nazaret als Jünger in seine Nachfolge berief. Informationen über ihn überliefert vor allem das Neue Testament (NT). Dort ist Petrus erster Bekenner, aber auch Verleugner Jesu Christi, dann, nach den ältesten NT-Texten, der erste männliche Augenzeuge des Auferstandenen sowie Sprecher der Apostel und Leiter der Jerusalemer Urgemeinde.

Hinzu kommen Notizen von Kirchenvätern, wonach Petrus erster Bischof von Antiochia sowie Gründer und Haupt der Gemeinde von Rom gewesen und dort als Märtyrer hingerichtet worden sein soll. Ihre Historizität ist umstritten. Der Katholizismus führt den Primatsanspruch des römischen Bischofs und damit das Papsttum auf Petrus zurück („petrinisches Prinzip“). In der orthodoxen und römisch-katholischen Kirche wird Petrus als Heiliger verehrt.

Nach allen Evangelien lautete sein Name Simon. Den Beinamen Petrus soll Jesus persönlich Simon verliehen haben; wo und wann er dies tat, überliefern die Evangelien unterschiedlich.

Bedeutung

in der katholischen Theologie

Die katholische Tradition betrachtet Petrus als ersten Vorsteher (Papst) der ecclesia catholica, das heißt, einer „universalen Kirche“. Sie leitet daraus das Amt des Papstes und den Führungsanspruch des Heiligen Stuhls für die Gesamtkirche ab. Diese Autorität des Petrus begründet sie vor allem mit Jesu Zusage nach Mt 16,18f:

Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein.

Nach römisch-katholischer Auffassung ist der Papst als Bischof von Rom demnach ein Nachfolger Petri. Linus wäre dann sein unmittelbarer Nachfolger gewesen. Die besondere Vollmacht des Petrus als Stellvertreter Christi auf Erden und Leiter der ganzen Kirche sei in einer ununterbrochenen Kette auf alle seine Nachfolger im römischen Bischofsamt übergegangen (Apostolische Sukzession). Diese Auslegung der neutestamentlichen Passagen begründet also bis heute den Anspruch des Papstes auf die Führung aller übrigen Ortskirchen.

in der evangelischen Theologie

Die protestantischen und anglikanischen Kirchen lehnen seit der Reformation wie zuvor bereits die orthodoxe Kirche seit dem frühen Mittelalter die römisch-katholische Lehre eines „Petrusamtes“ und damit den Anspruch der römischen Kirche auf die Führung der Christenheit ab.

Petrus ist auch nach evangelischem Verständnis ein besonderer Jünger Jesu, aber nur als Ur- und Vorbild aller gläubigen Menschen, die trotz ihres Bekenntnisses zu Christus immer wieder versagen und trotz ihres Versagens von Gott die Zusage der gegenwärtigen Vergebung und zukünftigen Erlösung erhalten.

Verehrung

Der Gedenktag von Petrus und Paulus ist der 29. Juni. Ihnen zu Ehren ist in der Orthodoxen Kirche ein leichtes Fasten, das so genannte Apostelfasten, von drei Tagen (26. Juni) bis zu diesem Tag üblich.

Petrus ist einer der wichtigsten katholischen Heiligen und gilt als Schutzpatron

  • der Päpste
  • der Städte Rom, Trier, Regensburg, Worms, Bremen und Posen
  • der Berufe Metzger, Glaser, Schreiner, Schlosser, Schmied, Gießer, Uhrmacher, Töpfer, Maurer, *Ziegelbrenner, Steinhauer, Netzweber, Tuchweber, Walker, Fischer, Fischhändler, Schiffer
  • der Reuigen, Büßenden, Beichtenden, Jungfrauen und Schiffbrüchigen

Katholische Gläubige rufen Petrus als Heiligen an gegen Besessenheit, Fallsucht, Tollwut, Fieber, Schlangenbiss, Fußleiden und Diebstahl.

Im Volksglauben wird er auch für das Wetter, insbesondere das Regenwetter verantwortlich gemacht, weil er die Schlüssel zum Himmel hat. Mit diesen Schlüsseln wird er auch als Wächter einer real vorgestellten Himmelstür angesehen, der die anklopfenden Seelen der Verstorbenen abweist oder einlässt. Diese Vorstellung ist als Motiv zahlreicher Witze stark trivialisiert und banalisiert worden.

Weltweit sind wie der Petersdom im Vatikan zahlreiche Orte und Kirchen nach Petrus benannt.

Literatur

  • Rudolf Pesch: Simon-Petrus. Geschichte und geschichtliche Bedeutung des ersten Jüngers Jesu Christi Hiersemann, Stuttgart 1980. ISBN 3-7772-8012-7
  • Christfried Böttrich: Petrus. Fischer, Fels und Funktionär. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2001. ISBN 3374018491 (populärwiss., seriös)
  • Michael Hesemann: Der erste Papst. Archäologen auf der Spur des historischen Petrus. Pattloch, München 2003. ISBN 3-629-01665-0
  • Engelbert Kirschbaum: Die Gräber der Apostelfürsten St. Peter und St. Paul in Rom, St. Benno-Verlag, Leipzig 1974 / Societäts-Verlag, Frankfurt am Main 1974 (Über die Ausgrabungen unter der Confessio von St. Peter, 3. Auflage m. Nachtragskapitel von Ernst Dassmann)
  • Wilhelm Lang: Die Petrus-Sage. Reinwaschungen und Legendenbildungen des frühen Judentums und Christentums, Nachdruck, Wissenschaftlicher Verlag, Schutterwald/Baden 1998. ISBN 978-3-928640-40-4 (aus protestantischer Sicht)
  • Petrus - Der Apostel mit dem voreiligen Mundwerk. in: John F. MacArthur: Zwölf ganz normale Menschen. Christliche Literatur-Verbreitung, Bielefeld ²2005, S. 43-75. ISBN 3-89397-959-X (PDF-Download, geschrieben aus evangelikaler Sicht)
  • Katja Wolff: Der erste Christ. WFB-Verlag. ISBN 978-3-930730-03-2

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