Seele

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Die Seele ist aus philosophischer und religiöser Sicht der immaterielle Sitz von Empfindungen und Charaktermerkmalen.

Etymologie

Das deutsche Wort Seele stammt vom althochdeutschen se(u)la ab, was ebenfalls in der Bedeutung Seele verwendet wurde und wahrscheinlich auf zum See gehörend zurückgeführt werden kann (unklare Herkunft). Nach germanischer Vorstellung waren die Seelen der Ungeborenen und Verstorbenen nämlich Teil eines Mediums ähnlich dem Wasser. Der griechische Begriff Psyche (ψυχή) bedeutet Hauch, Atem**.

Religionen

Christentum

Seele in der Bibel

Biblische Wortbedeutung: Im Alten Testament wird für Seele das hebräische נפש (näfäsch) verwendet, das mit "atmen" (nafasch) zusammenhängt. Im Neuen Testament steht für Seele das griechische ψυχή (psyché). "Näfäsch" kommt 753 Mal vor, "psyché" 105mal. Beide Begriffe werden in einer großen Bandbreite übersetzt (KJV: für Näfäsch allein in 17 Varianten). Am häufigsten wird es in den Psalmen (141 Mal) genannt.

Die Seele in der Bibel ist der Sitz der inneren Emotionen und des Charakters oder ein Bild für das Lebewesen selbst. Seele wird verwendet, wenn es um das Verlangen des Menschen, um sein „vitales Selbst“ geht [1]. Der irdische Mensch ist eine Einheit aus Seele, Körper und Geist. „Meine Seele“ (z.B. in den Psalmen) steht für „mein Leben“ oder einfach mit der Bedeutung „Ich“.

Nach 1. Mose 2,7[2] bläst Gott dem Menschen Geist (Lebensodem)[3] in den Körper. Dadurch wird er zu einer lebendigen Seele. Der Körper geht zurück zur Erde, der Geist zu Gott[4].

Biblische Zitate

Altes Testament
  • Die Seele kann geplagt sein:
Wie lange plagt ihr doch meine Seele und peinigt mich mit Worten! Vorlage:Bibel
  • Der HERR erquickt die Seele:
Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Er erquicket meine Seele. Vorlage:Bibel
  • Die Seele dürstet nach Gott:
Wie der Hirsch lechzt nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir. Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Vorlage:Bibel
  • Gott sättigt die durstige Seele:
Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten, die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete, die dann zum HERRN riefen in ihrer Not, und er errettete sie aus ihren Ängsten und führte sie den richtigen Weg, daß sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten: Die sollen dem HERRN danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut, daß er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem. Vorlage:Bibel
Neues Testament
  • Die Seele kann vertilgt bzw. umgebracht werden:
Und es wird geschehen: Jede Seele (psyché), die nicht auf diesen Propheten hören wird, soll vertilgt werden aus dem Volk. Vorlage:Bibel
Fürchtet aber vielmehr den, der die Seele wie auch den Körper in der Gehenna umbringen kann. Vorlage:Bibel.
  • Die Seele ist nach dem Tod im Hades:
Und du wirst meine Seele nicht dem Totenreich [Hades] preisgeben und nicht zulassen, dass dein Heiliger die Verwesung sehe.Vorlage:Bibel
  • Die Seele muss vor Gott erscheinen:
Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut getragen. Und er dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine Früchte sammle. Und sprach: Das will ich tun: ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen, und will darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre; habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und wem wird dann gehören, was du angehäuft hast? So geht es dem, der sich Schätze sammelt und ist nicht reich bei Gott. Vorlage:Bibel-21
  • Die Seele (im Sinne von Ego) für seine Freunde dahingeben:
Niemand hat größere Liebe als die, daß er sein Leben [psyché] läßt für seine Freunde. Vorlage:Bibel
  • Seelen = Menschen
Dann sandte Joseph hin und berief seinen Vater Jakob zu sich und seine ganze Verwandtschaft von fünfundsiebzig Seelen. Vorlage:Bibel
  • Der Seele soll es gut gehen:
Mein Lieber, ich wünsche, daß es dir in allen Dingen gutgehe und du gesund seist, so wie es deiner Seele gutgeht. Vorlage:Bibel
  • Johannes sah, dass Seelen lebendig wurden und mit Christus tausend Jahre regierten:
Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre. Vorlage:Bibel

Seelenlehre in den Konfessionen

Katholizismus

Die Katholische Kirche geht wie die klassischen Philosophen von der Unsterblichkeit der Seele aus. Seelen von Menschen, die bestimmte Bedingungen nicht erfüllt haben, werden nach katholischer Lehre in einem Fegefeuer unter Leiden geläutert oder in einer Hölle endlos gequält.

Protestantismus
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Im Protestantismus wurde die katholische Seelenlehre zum Teil aufgegeben zugunsten der Ganztod-Theorie (der ganze Mensch, Seele mit Körper, stirbt im Tod; der ganze Mensch wird von Gott aus Gnade vollendet). Mit der Auferstehung wird die Seele wieder lebendig gemacht.

Hinduismus und Buddhismus

In der deutschsprachigen Literatur wird üblicherweise der hinduistische Begriff Atman als Seele übersetzt. Er steht für das ewige, unzerstörbare Selbst eines Menschen, das beim Tod den Körper verläßt und bei der Wiedergeburt den neuen Körper betritt. Der Buddhismus kennt keine unsterbliche Seele, sondern definiert im Anatman geradezu das Gegenstück in Form der Nichtseele.

Philosophie

Die philosophischen Sichtweisen lassen sich als Varianten des Leib-Seele-Problems auffassen.

Einige klassische Philosophen (insbesondere Platon[5], Descartes sowie Thomas von Aquin) lehren die Unsterblichkeit der Seele. Dieses folge aus der Tatsache, dass die Seele eine immaterielle, nicht zusammengesetzte Substanz ist. Da sie nicht aus Teilen bestehe, könne sie auch nicht in solche zerfallen und vergehen.

Eine Antithese der modernen Philosophie besagt, dass das Wesen der Seele einem Computerprogramm gleiche. Schaltet man den Computer aus (entsprechend dem körperlichen Tod), so bleibe auch das Programm nicht erhalten (die Existenz der Seele erlischt). Diese Vorstellung ist mit einer modernen naturwissenschaftlichen Sichtweise vereinbar und ermöglicht so einen Gewinn an Anschaulichkeit - die Anschauung muss jedoch als unvereinbar mit einer modernen Sichtweise der Psychosomatischen Medizin bezeichnet werden, in der gerade das Maschinenparadigma den Unterschied zu einer apparatenhaften psychischen Sichtweise herausstellt.

Wichtige Beiträge zur Philosophie der Seele stammen von Platon, Aristoteles, Epikur, Plotin, Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft), Arthur Schopenhauer und John Carew Eccles, deren Sichtweisen jeweils in den entsprechenden Artikeln ausführlich beschrieben werden.

Literatur

  • Johann Figl, Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Religionswissenschaft. Königshausen & Neumann, Würzburg 2002, ISBN 3-8260-2377-3.
  • Simon L. Frank: Über die Seele des Menschen. Einführung in die philosophische Psychologie. Alber, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-495-47936-8.
  • Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Der Begriff der Seele in der Philosophiegeschichte. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-2796-5.
  • Klaus Kremer (Hrsg.): Seele. Ihre Wirklichkeit, ihr Verhältnis zum Leib und zur menschlichen Person (Studien zur Problemgeschichte der antiken und mittelalterlichen Philosophie; Bd. 10). Brill, Leiden 1984, ISBN 90-04-06965-8.
  • Caspar Söling: Das Gehirn-Seele-Problem. Neurobiologie und theologische Anthropologie. Schöningh, Paderborn 1995, ISBN 3-506-78586-9.

Quellen

  1. [1] Studylight: The Old Testament Hebrew Lexicon
  2. Vorlage:Bibel
  3. [2] Blue Letter Bible: Hebräischer Grundtext mit Referenzierung nach Strong zu Gen. 2:7; s. H5397: Geist
  4. Vorlage:Bibel, auch Prediger genannt
  5. Platon#Erkennen_als_Wiedererinnern

Weblinks


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