Scientology

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Scientology-Gebäude mit Banner in Los Angeles

Scientology ist ein durch den Science-Fiction-Schriftsteller L. Ron Hubbard gegründetes, in der Öffentlichkeit umstrittenes Lehrsystem mit darauf bezogenen praktischen Methoden, das für sich beansprucht, exakte Techniken anzubieten, um Menschen zu helfen, sich ihrer spirituellen Existenz über mehrere Leben hinweg bewusst zu werden und – damit einhergehend – leistungsfähiger in der physischen Welt zu werden. Die organisatorische Basis des Lehrsystems ist vor allem die Church of Scientology, es wird jedoch auch außerhalb davon angewendet.

Scientology bezeichnet sich selbst als angewandte religiöse Philosophie [1], als Technologie [1] und als Religion.[2] Sie ist in der Bundesrepublik Deutschland jedoch nicht als solche anerkannt: Für Deutschland hat das Bundesarbeitsgericht am 22. März 1995 festgestellt[3], dass Scientology der Status einer Religionsgemeinschaft nicht zusteht.

Laut der Organisation sei der Begriff Scientology aus dem lateinischen Wort scio und dem griechischen Wort logos gebildet, und bedeute wortwörtlich Wissen über das Wissen. [4]

Scientology wird in Deutschland auf Bundesebene und teilweise auf Landesebene wegen Verdachts auf "Bestrebungen gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung" vom Verfassungsschutz beobachtet und regelmäßig in den entsprechenden Verfassungsschutzberichten erwähnt.

Geschichte

Im Jahre 1950 vom amerikanischen Science-Fiction-Autor L. Ron Hubbard ursprünglich als psychotherapeutisches Selbsthilfesystem unter dem Namen „Dianetik“ konzipiert, wurde die Lehre 1952 mit Erscheinen des Buches „Scientology 8-80“ zur Philosophie Scientology ausgebaut, und 1954 in den USA als „Church of Scientology“ mit dem Anspruch einer Religion gegründet.[5]

Scientologische Praktiken und Lehren wurden in den folgenden Jahren unter Leitung des Gründers L. Ron Hubbard in Richtung immer genauerer Anweisungen weiter ausgearbeitet. Nach Machtkämpfen innerhalb der Organisation kam es ab 1982 zu zahlreichen Austritten und der Gründung von scientologischen Gruppen außerhalb der Church of Scientology, wie zum Beispiel die Freie Zone oder Ron's Org.

Schon vor dem Tod von L. Ron Hubbard im Jahre 1986 übernahm David Miscavige die Führung der Organisation. Zwar ist seit 1982 Heber Jentzsch Präsident der Church of Scientology International[6], aber David Miscavige, der in der Hierarchie als einziger den Rang eines „Captain“ hat und Vorsitzender des Religious Technology Center (das die vielfältigen Marken- und Urheberrechte von Scientology verwaltet) ist, gilt als die einflussreichste Person innerhalb der Scientology-Organisation.[7]

Anfang der 1970er Jahre begann Scientology ihre Tätigkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Die Standorte der Organisation werden im deutschsprachigen Raum als Kirchen (in Deutschland 8, in der Schweiz 5, in Österreich 2) und Missionen bezeichnet.

Laut unabhängigen Publikationen wird die Mitgliederzahl weltweit auf ca. 150.000 geschätzt. Scientology selbst spricht von über 10 Millionen Anhängern[8]. In Deutschland sollen es laut staatlichen Quellen zwischen 5.000 und 6.000 sein[9], Scientology selbst wiederum verweist auf 12.000 aktive Mitglieder in Deutschland.[10]

Lehre und Jargon

Laut der Scientology-Lehre besteht das physikalische Universum aus MEST, was als Abkürzung für Matter, Energy, Space und Time (dt.: Materie, Energie, Raum und Zeit) steht. Ein lebendiger Organismus setzt sich aus Materie, Energie, Raum und Zeit zusammen und ist vom Thetan belebt. Theta ist ein griechischer Buchstabe und steht hier für Geist oder Gedanke, das liegende Theta „∞“ ist das Symbol für die Unendlichkeit. Der Thetan – und somit jeder Mensch – ist unsterblich, jedoch durch vieles negativ beeinflusst und in seiner Entfaltung gebremst. Der Mensch setzt sich laut Scientology aus drei Teilen zusammen:

  • Thetan (unsterblicher Geist)
  • Mind (Verstand)
  • Body (sterblicher Körper)

Der Bestandteil Mind setzt sich nach Hubbard aus dem analytischen und dem reaktiven Teil zusammen. Der analytische Teil nimmt Erfahrungen wahr und behält sie, um Probleme zu lösen. Er denkt in Unterschieden und Ähnlichkeiten. Der reaktive Teil speichert körperliche bzw. emotionelle Schmerzen und versucht die Person einzig und alleine nach dem Reiz-Reaktions-Prinzip zu lenken. Er setzt alles gleich. Beispiel: Jemand hört die Sirene eines Rettungswagens. Diese Wahrnehmung wird gleichgesetzt mit dem eigenen Unfall=Schmerz=Verlust=Versagen=Angst=Einsam=Wut=das Leben ist schlimm=Schweißausbruch=wegrennen=u.s.w. Hubbard beschreibt in seinem Buch „Dianetik – die moderne Wissenschaft der geistigen Gesundheit“ eine Technik, die er Auditing nennt, um die Auswirkungen des reaktiven Teil des Minds aufzulösen. Es beschreibt die Theorie und Praxis von „Dianetik“, der bis heute praktizierten Grundlage von Scientology, die sich speziell mit den negativen Einflüssen auf den menschlichen Geist befasst.

Scientology-Tech

Tech (Abkürzung für Technology), auch Scientology-Tech, bezeichnet bei der Scientology-Organisation spezielle Übungen, Techniken und Prozesse.

Auditing

Das sogenannte Auditing (von lateinisch audire, hören – unterscheide: Auditing) nimmt eine zentrale Rolle in der scientologischen Praxis ein und ist eine besondere Form von Gespräch zwischen Auditor (Zuhörer) und dem sog. Preclear (die Person, die auditiert wird). Dabei wird oft das E-Meter verwendet.

Während es sich ursprünglich um eine relativ freie Form der Rückführung auf der "Zeitspur" des Auditierten zu therapeuthischen Zwecken (Dianetik) handelte, werden in der Church of Scientology in exakt vorgegebener Form der Scientology-Tech (Fragen oder Fragen-Sets /Scientology-Prozesse) Fragen stellt, die der Preclear beantwortet.

Das Ziel ist nach Angaben von Scientology, „Geschehnisse“ (emotionaler und körperlicher Schmerz, insbesondere bei Bewusstlosigkeit) aufzufinden, welche den meisten psychischen Schwierigkeiten zu Grunde liegen sollen. Diese Geschehnisse sollen so lange erzählend wiederholt erlebt werden, bis ihre "Ladung" (emotionale Spannung) verschwindet. Der Auditor soll durch aufmerksames Zuhören und Beobachten der Anzeigen des E-Meters solche "Engramme" finden und möglichst im Laufe der Rückführung das "Basic" (das erste, das psychische Problem auslösende Ereignis) finden und "entladen". [11]

Scientology-Auditoren werden darauf trainiert, zuzuhören und Antworten zu bestätigen, Fragen zu wiederholen und prozessfremde Reaktionen in jedem Fall zum Prozess zurückzuführen.

Einige Psychologen sehen „Auditing“ als eine psychologische Technik an, die mittel- und langfristig zu Abhängigkeit und Manipulierbarkeit führen kann. [12] Während Hubbard in seinen Schriften Hypnose für seine Methodik ablehnt ("In der dianetischen Praxis wird Hypnose nicht angewandt" [13]), spricht der Anderson-Report von 1971 davon, dass beim Auditing hypnotisierende Techniken eingesetzt werden.[14]

E-Meter

Ein so genanntes „E-Meter“

Beim Auditing findet oft das E-Meter Anwendung. Dieses Gerät verfügt über eine Spannungsquelle, Elektroden und eine Messeinrichtung. Was das Gerät misst, wenn es Kontakt mit der Haut eines Menschen hat, kann etwa der Hautwiderstand, ein muskuläres oder neuronales Aktionspotential, die Größe der Kontaktfläche zur Haut, ein induktiv eingekoppelter Strom aus nahe liegenden elektomagnetischen Feldern oder auch eine Summe dieser Quellen sein. Das Gerät wird von Scientology derzeit als Modell Mark Super VII zum Preis von ca. 4.000 USD verkauft. Da der Hautwiderstand nach Ansicht von Hubbard von geistigen Bildern und Emotionen beeinflusst werde, würden Gedanken also Reaktionen beim „E-Meter“ verursachen, so dass der „Auditor“, die das Gerät überwachende Person, mit Hilfe des Gerätes unbewussten und bewussten emotionalen Schmerz beim „Auditing“ eines Probanden aufspüren könne. Da es sich lediglich um eine Messung des Hautwiderstandes handele, sind Kritiker wie unabhängige Wissenschaftler allerdings der Ansicht, dass die Ergebnisse ohne Aussage seien. Ein Lügendetektor berücksichtigt neben der Änderung des Hautwiderstandes durch Schwitzen auch noch andere Parameter, wie Atemfrequenz, Puls und Blutdruck.

Der Thetan

Scientology bezeichet das unsterbliche Wesen eines Menschen als Thetan (in Anlehnung an den griechischen Buchstaben theta θ). Laut L. Ron Hubbard existierten die mindestens 350 Milliarden Jahre alten Thetane bereits vor jeder Schöpfung. Scientologen streben das Wiedererlangen der ursprünglichen Fähigkeiten eines Thetans an.

Zu Beginn seines Lebens sei jede Person ein so genannter Pre-Clear und könne, mittels körperlicher und geistiger Reinigungs- und Bearbeitungsprozesse, letztendlich ein so genannter Clear werden. In diesem anzustrebenden Zustand sei die Person von ihrem „reaktiven Verstand“ befreit, der sie zuvor dazu gezwungen habe, auf der Grundlage erlebter traumatischer Erfahrungen zu reagieren. Der befreite Verstand könne nun alle auftretenden Probleme mit inneren Zuständen, anderen Menschen oder Gegenständen in den Griff bekommen.

Nachdem ein Mitglied den Zustand Clear erreicht habe, führe der Weg zur völligen Befreiung über derzeit acht Operating-Thetan-Stufen (kurz: OT-Stufen) hin zum Ziel des frei operierenden Thetans; dieser sei nicht mehr an Materie, Energie, Raum und Zeit – kurz MEST – gebunden. Die auf diesen Stufen erreichten Fähigkeiten reichten in den esoterischen Bereich und umfassten u.a. auch außerkörperliche Erfahrungen.

Während sich die Clear-Stufen mit der Aufarbeitung traumatischer Ereignisse auf der „Gesamtzeitspur“ eines Wesens auf der Erde befassen (sowohl innerhalb des Lebenszeitraums von der Empfängnis an, aber auch in vorherigen Leben), betreffen die OT-Stufen darüber hinausgehend Bereiche wie Leben auf anderen Planeten und galaktische Katastrophen (OT III), Beeinflussungen von geistigen Entitäten, Implants, Exteriorisation u.a.

Unter den OT-Prozessen wird von Kritikern häufig ein Passus aus OT III zitiert, um die vermeintliche Absurdität der Hubbardschen Lehre vorzuführen: Die dort niedergeschriebene Arbeitsanweisungen zur spirituellen Entwicklung thematisieren sogenannte Body-Thetane (BTs) – körperlose Thetane, die aufgrund eines gemeinsamen traumatischen Erlebnisses „Cluster“ bildeten und sich an körperliche Wesen anhefteten. Diese Body-Thetane behindern eine Person beim Erreichen der geistigen Freiheit.

Thetane auf der Erde würden demnach unter anderem durch Body-Thetane beeinträchtigt, die vor 75 Millionen Jahren Opfer einer Katastrophe ("incident II") geworden seien, deren Verursacher Xenu, der „Herrscher über eine Konföderation von 21 Sonnen und 76 Planeten“ gewesen sei. Angeblich, um ein damaliges Überbevölkerungsproblem zu lösen, habe Xenu unzählige Thetane zur Erde verschleppt, sie in gefrorenem Zustand in der Nähe von Vulkanen platziert, und diese dann mithilfe von Wasserstoff-Bomben zur Explosion gebracht.

Die solchermaßen traumatisierten Thetane seien zudem für 36 Tage einer Reihe von Implants ausgesetzt worden. Hierunter sei generell ein bei Bewusstlosigkeit oder Schmerz eingepflanzter Komplex aus Absichten und Gegenabsichten, Handlungsanweisungen und Postulaten zu verstehen. Die verabreichten Implants hätten darüber hinaus verschiedenste Bilder wie etwa über Gott und den Teufel, die römisch-katholische Kirche, Szenen wie aus dem modernen England, Weltraum-Epen, Helikopter oder Züge enthalten, um die BTs Xenus Vorstellungen entsprechend zu beeinflussen. Gleichzeitig sei die Erinnerung an diese Behandlung unterdrückt worden.

Nach einer 6-jährigen Auseinandersetzung sei Xenu von loyalen Offizieren gefangen genommen worden, indem er in einem von einer ewigen Batterie versorgten Kraftfeld in den Bergen einsperrt wurde – dort soll er sich heute noch befinden.

Scientology-Feiertage

  • 13. März (Geburtstag von L. Ron Hubbard)
  • 9. Mai (Jahrestag der Herausgabe von Dianetik)
  • 12. September (Tag des Auditors)
  • 7. Oktober (Jahrestag der Gründung der internationalen Vereinigung von Scientologen)

Tätigkeit

Die Tätigkeit von Anhängern der Scientology besteht hauptsächlich darin, das Auditing durchzuführen und weitere Anhänger zu Auditoren auszubilden bzw. weitere Leute für Scientology zu begeistern und so auch neue Geldquellen zur Verbreitung der Lehre und Ideologie zu erschließen.

Manche Scientologen sind in verschiedenen Scientology-Projekten im sozialen Bereich tätig (z.B. Narconon, Criminon, Psychiatriekritik), deren Zweck aber gemäß Kritikern ebenfalls hauptsächlich in der Verbreitung von Scientology liegt.

OCA-Test

Scientology-Stand in einer Fußgängerzone

Zur Mitgliederwerbung bieten Scientologen häufig in Fußgängerzonen einen kostenlosen Persönlichkeitstest an, der OCA-Test oder auch Oxford-Kapazitätsanalyse genannt wird. Ein Zusammenhang des Tests mit der Universität von Oxford besteht nicht. Dieser Test umfasst 200 Fragen, welche auf die Auswertung individueller Schwächen und Probleme abzielen.

Da bei umfassender Fragestellung keine Person als völlig frei von individuellen Problemen zu charakterisieren sein wird, erbringt das Testergebnis regelmäßig zumindest einige wenige Schwächen oder Problempunkte des Probanden. Hiervon ausgehend erfolgen kostenpflichtige Angebote von Scientology bzw. einer Suborganisation an die jeweilige Person hinsichtlich jener Lebensbereiche, die nach Ergebnis des Tests der Verbesserung bedürfen.

Kritiker raten von einer Teilnahme an dem Test, der auch von unter anderem Namen operierenden Scientology-Organisationen angeboten wird, ab. Sie beanstanden zum einen die fehlende Wissenschaftlichkeit des Tests, zum anderen den "Disseminationsdrill", laut dem der jeweilige Scientology-Mitarbeiter beim Probanden im Auswertungs-Gespräch nach dem persönlichen "Ruin" suchen solle. Dies sei ein unerwünschter Zustand, welcher der Person als unerwünschter Zustand real ist oder ihr real gemacht werden kann; der Probanden soll davon überzeugt werden, dass Scientology diesen gefundenen Zustand handhaben könne. Somit sei der OCA-Test kein Test, sondern eine Verkaufshilfe. Auch sei ein Hilfebedürftigkeit suggerierendes Testergebnisses unausweichlich; bei einer weit gefassten Frage wie „Lügen Sie manchmal?“ indiziere die Antwort „ja“ ohne weiteres ein „Problem“, gleiches gelte aber auch für die Antwort „nein“, da dann eben ein typisches Verhalten verdrängt werde.

Kosten

Nicht nur die Ausbildung zum Auditor sondern auch das Auditing, also der geistliche Fortschritt, wird zu fixen Preisen pro Kurs oder pro Stunde verkauft, wobei Anfängerkurse weniger, fortgeschrittene geistliche Stufen sehr viel Geld kosten. Auditing auf den unteren Stufen kostet ca. 400 € für 12½ Stunden, auf einer höheren Stufe kann es 5.000 € oder mehr kosten. Das Erreichen der Stufe „Clear“ entspricht im Preis ca. dem Gegenwert eines Mittelklassewagens und die OT-Stufen dem eines Einfamilienhauses. Gemäß Scientology-Lehre sind diese Stufen nur in Scientology erreichbar und der einzige Weg zur geistigen Freiheit.

Von Anfang an wird erwartet, dass ein Mitglied seine Zeit intensiv für Scientology einsetzt (Optimalmaß für einen Kursbesuch sind 12½ Stunden pro Woche). Kritiker weisen darauf hin, dass dies ein übliches Vorgehen von Sekten sei, um Menschen von organisationsfremden Bezugspersonen zu entfernen und in die direkte Abhängigkeit einer Gruppe zu bringen.

Scientology-Organisationen

Scientology Verein

Freie Zone

Anfang der 1980er Jahre kam es nach Richtungskämpfen im Management zur Gründung der Freien Zone, die aus unabhängigen Splittergruppen außerhalb der offiziellen Scientology-Organisation besteht. Diese Splittergruppen verwenden die gleiche Technologie wie Scientology, werden aber von Scientology als Feinde betrachtet, da sie falsche Technologie-Abänderungen vornähmen. Umgekehrt erklären Vertreter der Freien Zone, dass sie die ursprünglichen Materialien von Hubbard verwenden und werfen den offiziellen Scientology-Organisationen vor, diese nach seinem Tod geändert zu haben.

Kontroversen und Kritik

Charakterisierung als Religion

Über den religiösen Status von Scientology gibt es kontroverse Debatten.

Während sich Scientology bisweilen selbst als Religion versteht, wird die Scientology-Kirche in der Bundesrepublik Deutschland nicht als Religion anerkannt. Für Deutschland hat das Bundesarbeitsgericht am 22. März 1995 [15] festgestellt, dass Scientology der Status einer Religionsgemeinschaft nicht zukommt.

Die großen christlichen Kirchen Deutschlands sowie viele kirchliche, staatliche und unabhängige Sektenberatungsstellen stufen Scientology indessen als so genannte „gefährliche Psycho-Sekte“ und als ein auf Gewinn ausgerichtetes Wirtschaftsunternehmen [16] ein.

In den USA, in Italien, Spanien, Schweden, Ungarn, Portugal, Mexiko, Australien, Neuseeland und Taiwan hat Scientology – teilweise nach Prozessen bis zu den höchsten Gerichten – den Status einer religiösen und gemeinnützigen, von Steuern befreiten Organisation zuerkannt bekommen.

Scientology und andere geistliche Praktiken

Scientology bezeichnet sich als überkonfessionell und ist dies auch insofern, als dass Scientologen aus Sicht von Scientology problemlos nominelle Mitglieder ihrer angestammten Religion bleiben können. Allerdings wird klar erwartet, dass Verpflichtungen gegenüber Scientology den Vorrang haben und Scientologen sich die Weltanschauung von Scientology aneignen. Intensive geistliche Praktiken jeder Art außerhalb von Scientology (z. B. Meditation, Yoga, Seelsorge, Exerzitien, Beten) sind für Scientologen nicht gestattet. Da die Weltanschauung von Scientology mit der traditionellen Theologie von Christentum, Judentum und Islam nicht vereinbar ist, ist eine Doppelmitgliedschaft aus der Sicht mancher anderer Religionen und Konfessionen nicht möglich.

Scientology und Kinder

Auch für die Geburt und Erziehung hat L. Ron Hubbard in seinen Schriften Richtlinien gegeben. Insbesondere solle während der Geburt so wenig wie möglich gesprochen werden. Begründet wird dies mit Hubbards Engrammtheorie, nach der das Kind in möglichen Momenten von Bewusstlosigkeit während der Geburt gesprochene (besonders emotionsgeladene) Worte zu späteren psychischen Beeinträchtigungen beim Kind führen könnten. In einem 1958 geschriebenen Hubbard-Text ist zu lesen:

Des weiteren sollte die Geburt selbst unter so wenig Anästhesie wie möglich erfolgen, so ruhig wie möglich und mit so wenig Gesprächen (no-talk) wie möglich verlaufen, und das Neugeborene sollte nicht sofort gebadet oder der Kühle ausgesetzt werden, sondern recht fest und sicher (tightly) in eine warme Decke gehüllt werden, sehr sanft (soft), und dann ungefähr einen Tag in Ruhe gelassen werden (left alone).

Insbesondere Letzteres werten Kritiker Hubbards als seelische Grausamkeit, da die frühe Mutter-Kind-Bindung unterbunden werde. Auch Hubbards Anweisungen über Babynahrung werden von vielen Medizinern kritisch gesehen.

In dem erstmalig 1951 erschienenen Werk "Kinder-Dianetik" fordert Hubbard auf den Seiten 85–86 der deutschen Ausgabe von 1983 ebenfalls die stille Geburt sowie den Verzicht auf Anästhesie oder Narkose, da eine Geburt ohne Betäubung weniger "engrammatisch" sei. Im Gegensatz zu dem oben erwähnten Text von 1958 wird hier von der Trennung von Mutter und Kind abgeraten:

Ein Arzt, der die natürliche Geburt praktiziert, wird das Kind auf den Bauch der Mutter legen, noch bevor die Nabelschnur durchtrennt wird, und sobald die Nabelschnur durchtrennt und abgebunden worden ist, wird die Mutter das Kind liebkosen und stillen.

Kinder werden wie Erwachsene als Wesen („Thetane“) betrachtet, die lediglich einen noch kindlichen Körper bewohnen. Deshalb sei deren Selbstbestimmung nur zur Abwendung von Gefahren für die Kinder einzuschränken. Nach Scientology ist den Kindern auch in erheblichem Maße Mitarbeit und Eigeninitiative zuzutrauen und zuzumuten. Kritiker sehen in diesen Vorstellungen eine Legitimation von Kinderarbeit.

Scientology und Medizin

Eine Besonderheit von Scientology ist der so genannte „touch-assist“, bei dem die betroffene Körperstelle des Kranken oder Verletzten berührt wird, um diesen wieder in geistigen Kontakt mit dem entsprechenden Körperteil zu bringen. Diese geistige Auseinandersetzung, die vor und während der Erkrankung vernachlässigt worden sei und deshalb letztlich zu dem jeweiligen Problem geführt habe, schaffe deutliche Erleichterung. Diese und ähnliche Methoden werden in Abwandlungen bei verschiedenen Zuständen angewendet, z.B. auch bei Fieber („fever-assist“).

Kritiker sehen dieses Vorgehen als medizinfeindlich und unter Umständen gefährlich, wenn dadurch wichtige medizinische Hilfe versäumt wird.

Scientology schreibt dazu unter anderem:

Somit haben wir das Gebiet der Medizin, das sich an die unmittelbare Verletzung, an chirurgische Angelegenheiten wie Entbindungen und akute Infektionen und dergleichen wendet, und auch an solche Dinge wie Schürfungen und Kratzer, die bei Unfällen entstehen, sowie an Verabreichung von Medikamenten und Antibiotika, um den Tod eines Patienten in einer Notlage zu verhindern. Das ist die Rolle der Medizin. Wo es eine Tendenz für Krankheit und Verletzung gibt, wo Krankheit oder Verletzung verlängert werden oder wo Unglück und Besorgnis geistige und körperliche Verstimmung verursacht, bewegen wir uns im Bereich der Scientology, denn solche Dinge werden am besten geheilt, verhindert oder behoben, indem man dafür unmittelbar und direkt den Thetan und dessen auf den Körper gerichtete Tätigkeit konsultiert.

Verhältnis zu Aussteigern und Kritikern

Scientologen verstehen ihre Lehre als einzigen funktionierenden Weg zu „völliger Freiheit“. Kritiker von Scientology werden mit rechtlichen und anderen Mitteln bekämpft, was zu zahlreichen Prozessen führte. In den USA und Kanada wurden hochrangige Scientologen, darunter die Ehefrau des Gründers, wegen Infiltration von Regierungsstellen verurteilt. In Kanada wurde Scientology als juristische Person deshalb verurteilt.

Scientologen sollen aufgrund ihrer Lehre anders denkende Partner, Familienmitglieder und Freunde so handhaben, dass sie ihre Kritik an Scientology nicht äußern, oder den Kontakt mit ihnen abbrechen („Disconnection“) bzw. sich vom kritischen Partner trennen („Separation Order“), da sonst in der Sicht von Scientology ihr geistlicher Fortschritt behindert wird.

Ehemalige Scientologen, die sich in Gruppen zusammenschließen oder sich öffentlich gegen Scientology äußern, verlieren jeden Kontakt mit Familienmitgliedern innerhalb von Scientology. Auch Kritiker der Organisation werden als feindliche Personen angesehen. Ein beliebtes Mittel, Kritiker zu bekämpfen, ist, sie mit einer Flut von Prozessen einzudecken. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Klagen Aussicht auf Erfolg haben, sondern der schon 1955 von L. Ron Hubbard genannte Zweck ist, „mehr zu belästigen und entmutigen als zu gewinnen“.

Aussteiger berichten, dass viele Mitglieder sich hoch verschuldet hätten, um die immer teurer werdenden Kurse zu bezahlen, und dass Scientology versuche, möglichst alles über ihre Mitglieder zu erfahren, um Manipulationen am Menschen vornehmen zu können. Als Grundlage hierfür werden in den von Scientology angebotenen Kursen zunächst die individuellen Schwächen der Mitglieder offen gelegt, unter anderem durch den OCA-Test.

Vertreter von Scientology verweisen darauf, dass unzufriedene Mitglieder ihre Beiträge innerhalb von drei Monaten zurückfordern könnten. Nicht in Anspruch genommene zusätzliche Spendenbeiträge – mit Ausnahme der obligatorischen Mitgliedsbeiträge – könnten weiterhin ohne zeitliche Limitierung zurück gefordert werden. Eine solche Rückforderung betrifft jedoch nur die letzte Zahlung, und hat automatisch den Ausschluss aus Scientology zur Folge. Kritiker verweisen außerdem auf die Praxis: So sind auf einem Rückzahlungsantrag von 1978 insgesamt 27 verschiedene Schritte [17] für eine Rückzahlung zu finden. Das Amtsgericht München bewertete dies als eine Reihe von Erschwernissen. [18] Auch die Rückzahlung von nicht in Anspruch genommenen Vorauszahlungen gelang teilweise nur mit gerichtlicher Hilfe.

Scientology vor Gericht

Eine Klage von Scientology gegen die Beobachtung durch den Bundesverfassungsschutz wurde 2004 in erster Instanz abgewiesen, da unter anderem „tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor[lägen], dass die Kläger ernsthaft (aa) Bestrebungen verfolgen, die darauf gerichtet sind, die im Grundgesetz konkretisierten Menschenrechte (bb) und das Recht des Volkes, die Staatsgewalt in allgemeiner und gleicher Wahl zu wählen (cc), zu beseitigen oder außer Geltung zu setzen.“ [19]

Im Saarland wurde 2005 eine ähnliche Klage in zweiter Instanz stattgegeben, weil die mehr als siebenjährige Beobachtung in einem Bundesland ohne Einrichtungen der Organisation und weniger als 20 aktiven Mitgliedern keine die Fortsetzung dieser Beobachtung rechtfertigenden Ergebnisse erbracht habe, und deshalb unter dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit unverzüglich einzustellen sei. [20]

In Berlin wurde die Beobachtung eingestellt, nachdem dem Land 2001 gerichtlich verboten wurde, Scientology mit V-Leuten zu beobachten. Eine Klage gegen die Beobachtung wurde 2003 aus formalen Gründen abgewiesen.

Verlassen von Scientology

Es gibt ehemalige Scientologen, die von starkem Druck berichten, der auf potentielle Aussteiger ausgeübt wird. Ihnen zufolge verfolge Scientology Mitglieder, auch jene, deren Mitgliedschaft erst von kurzer Dauer sei. So wird berichtet, man lauere ihnen auf der Straße auf, suche sie in ihrer Wohnung auf und belästige sie durch ständige Anrufe, um sie zu überreden, ihre Mitgliedschaft bei Scientology nicht aufzugeben. Vereinzelt soll die Verfolgung erst aufgehört haben, nachdem beträchtliche Summen Geld an Scientology bezahlt wurden.

Spezialisierte Psychologen und Ehemalige berichten, dass es nach langjähriger Mitgliedschaft für die Betreffenden schwierig sein könne, wieder ein normales Leben zu führen, und dass es Jahre dauern könne, bis die Erfahrung wirklich verarbeitet sei. Erschwerend kommt dazu, dass in Scientology verbliebene Familienangehörige und Ehepartner in der Regel den Kontakt vollständig abbrechen.

Prominente Scientologen

Scientology versucht insbesondere Schauspieler und andere Personen des öffentlichen Lebens zu rekrutieren und hat damit in den USA auch Erfolg (z.B. tritt Tom Cruise quasi als Repräsentant von Scientology auf). Weitere Personen des öffentlichen Lebens, die öfters mit Scientology in Verbindung gebracht werden bzw. sich zu Scientology bekennen, sind John Travolta, Kirstie Alley und Chick Corea.

Im deutschsprachigen Raum bekennen sich fast keine Prominenten zu Scientology, obwohl es einige prominente Scientology-Sympathisanten geben soll. Zuweilen werden namentliche Hinweise veröffentlicht, die aber von den Betroffenen regelmäßig bestritten werden.

Scientology betreibt für prominente Mitglieder so genannte „Celebrity Center“. Diese unterscheiden sich von den anderen Organisationen nur in der Hinsicht, dass sie sich speziell um Künstler und Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, kümmern. Dies kommt daher, dass L. Ron Hubbard der Ansicht war, dass Künstler die Art von Menschen sind, und schon immer waren, die die Welt von Morgen maßgeblich beeinflussen.

Literatur

populär

  • Liane von Billerbeck, Frank Nordhausen: Der Sektenkonzern – Scientology auf dem Vormarsch. Knaur-Verlag, 1994, ISBN 3426800519
  • Martin Gardner: Fads & Fallacies in the Name of Science. Dover Publications, New York 1957, S. 267 (eng.) [1]
  • Wilfried Handl: Scientology: Wahn und Wirklichkeit - 28 Jahre in einer Psychosekte, Verlag Mensch vs Scientology, Wien 2005, ISBN 3-200-00394-4
  • Jörg Herrmann (Hg): Mission mit allen Mitteln. Der Scientology- Konzern auf Seelenfang, Rowohlt, 1992, ISBN 3499193418
  • Eberhard Kleinmann: Psychokonzern Scientology. Geschichte – Organisation – Verbreitung. Bietigheim 2004, ISBN 3-93184-307-6
  • Christoph Minhoff, Martina Minhoff: Scientology. Irrgarten der Illusionen. 1998 (PDF)
  • Kin, L.: Scientology – Mehr als ein Modetrend – Die Entwicklung zur monetären Heilslehre. Die Philosophie im Klartext, VAP-Verlag Wiesbaden, 1991, ISBN 3-922367-21-6

staatlich

  • H. Küfner, N. Nedopil, H. Schöch: Gesundheitliche und rechtliche Risiken bei Scientology. Eine Untersuchung psychologischer Beeinflussungstechniken bei Scientology, Landmark und der Behandlung von Drogenabhängigen, Papst Science Publishers, 2002, ISBN 3-936142-40-8 (Auszug online, PDF)
  • Senat der Stadt Hamburg: Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft (PDF)

wissenschaftlich

juristisch

  • Diringer, Arnd: Scientology – Verbotsmöglichkeit einer verfassungsfeindlichen Bekenntnisgemeinschaft, Schriften zum Staatskirchenrecht Band 9, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-631-39806-9
  • Raik, Werner: Scientology im Spiegel des Rechts. Strukturen einer Subkulturellen Ordnung zwischen Konformität und Konflikt mit den staatlichen Normen. In: Neue kriminologische Studien. Band 24. Wilhelm-Fink-Verlag, München 2002, ISBN 3-7705-3781-5

soziologisch

politologisch

(christlich) theologisch (kirchlich)

  • Werner Thiede: Scientology – Religion oder Geistesmagie? Friedrich-Bahn-Verlag, 1995, ISBN 3-7615-9103-9
  • Georg Otto Schmid, Ist Scientology eine Religion?, 1998

pädagogisch

  • Gollnick, Rüdiger: Studien zur Ethik und Pädagogik der Scientology, Academia Verlag, 1998, ISBN 3-89665-066-1

Weblinks

Offizielle Scientology-Website

Behörden

Scientology-Kritiker

Quellen

  1. 1,0 1,1 german.scientologyhandbook.org
  2. scientology.de
  3. Bundesarbeitsgericht, Aktenzeichen: 5 AZB 21/94
  4. Was ist Scientology?, scientology.org
  5. Datumsangaben laut "Wichtige Daten in der Scientology", scientology.org
  6. Offizielle Biographie von Heber Jentzsch auf scientology.org
  7. The man behind Scientology: David Miscavige, the seldom-seen leader of the church, comes forth in his first newspaper interview to talk of a more peaceful time for Scientology, St. Petersburg Times, 25. Oktober 1998
  8. Scientology comes to town, The Pittsburgh Post-Gazette, 24. Juli 2005
  9. remid.de: „Religionen in Deutschland: Mitgliederzahlen“
  10. Scientology darf weiter beobachtet werden, Kölnische Rundschau, 12. November 2004
  11. Eine Beschreibung des Auditings, "Was ist Scientology?"
  12. OVG Münster, Az: 5 B 993/95, vom 31. Mai 1996
  13. "Dianetik", letzte Seite vom Kapitel 15: "Der Schutzmechanismus des Geistes"
  14. Anderson Report, Chapter 18: "Scientology and hypnosis"
  15. Aktenzeichen: 5 AZB 21/94
  16. DIE SCIENTOLOGY-ORGANISATION – Gefahren, Ziele und Praktiken, Herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (PDF), Stand November 1998
  17. Der Rückzahlungsverhinderungsantrag, ingo-heinemann.de
  18. Amtsgericht München, Az: 9 C 836/77
  19. VG Köln (PDF), Az: 20 K 1882/03, vom 11.11.2004
  20. http://www.menschenrechtsbuero.de/html/Saarurteil.pdf bzw. http://www.menschenrechtsbuero.de/html/OVG.pdf

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