Priester

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Priester finden sich in Religionsgemeinschaften als in der Regel eigens bestimmte, aus der Allgemeinheit ("Volk") herausgehobene Amtsträger, die sich durch religiöse Kraft auszeichnen sollen. Als Kultvorsteher nehmen sie eine Mittlerrolle zwischen der Gottheit und den Menschen ein. Sie vollziehen die kultischen Handlungen meist im räumlichen Zusammenhang mit einem Tempel, Altar oder Naturheiligtum. Sie opfern der Gottheit, leiten die Riten und verlesen sowie kommentieren ("Predigt") die heiligen Schriften ihrer Religion oder Konfession. Das deutsche Wort Priester leitet sich vom griechischen πρεσβύτερος, presbyteros - „Ältester“ ab.

Typologie

In den meisten (patriarchalen) Gesellschaften finden sich Vorstufen zum Priestertum. So hatten sich in der Regel der Hausvater (lat. paterfamilias) oder das Oberhaupt der Sippe die Wahrnehmung sakraler Funktionen gesichert. Die Ausübung solcher Dienste war zudem weithin dem König vorbehalten, der sie wahrscheinlich infolge einer zunehmenden Differenzierung der Kulte an Priester delegierte, die ihm untergeordnet waren. Ein so ausgeprägtes Priestertum ist zuerst in Neolithikum und Bronzezeit festzustellen.

In fast allen Religionen gab es Menschen, die durch besondere Kenntnisse, Fähigkeiten und Vollmachten die Verbindung zwischen dem "übernatürlichen" Bereich und der Alltagswelt der Menschen vermittelten und dadurch ordneten, heilend wirkten oder Erkenntnisse gewannen. In den Hochkulturen hat sich in der Regel im Umfeld der Tempel ein eigener Priesterstand mit klar geregelten Rechten und Pflichten entwickelt. Im Gegensatz zur "Konkurrenz" der Schamanen und Medizinmänner hing die Tätigkeit der Priester nicht von Ekstase, Trance und ähnlichen Zuständen ab, auch wenn es immer wieder Überschneidungen zwischen den "heiligen Männern" gab. Priester werden von Amts wegen tätig; ihre Aktivität bedarf keiner spezifisch spirituellen Vorgabe und Ausrichtung. Mönche hinwiederum erlangen (und vermitteln) göttliche Kraft aus ihrer Lebensführung und nicht wie Priester um eines Amtes willen.

Römisch-katholische Kirche

Im zweiten Jahrhundert bildete sich die bis heute geltende dreigliedrige hierarchische Struktur heraus: Bischof, Ältester (presbyteros, "Priester") und Diakon.

Zumal die Catholica eine typische Amtsreligion darstellt, ist die Stellung ihrer Priester eng umschrieben. Priester bilden zusammen mit anderen Geistlichen einen eigenen Stand, den so genannten Klerus. Dieser ist als eine Art Elitetruppe theologisch und rechtlich gegen die "Welt" gesichert und nach innen diszipliniert. Zu ihm gehören die mit Standesrechten und -pflichten einheitlich ausgestatteten, hauptberuflich tätigen Amtsträger, die sich strikt ("nach göttlichem Recht") von den so genannten Laien abgrenzen. Freilich wird die Konzeption eines möglichst uniformen Klerus von der jüngeren Theologie zunehmend in Frage gestellt.

Der Standort des Priestertums innerhalb der Gesamtgesellschaft bleibt dennoch durch Sonderstellungen charakterisiert. Auf der einen Seite gehören dazu Tabuvorschriften wie sexuelle Enthaltsamkeit (Zölibat) und allgemein das Einhalten eines detailliert vorgeschriebenen Lebenswandels (Verbot von Zweitberufen, Verbot von standesfremden oder standeswidrigen Tätigkeiten, Tragen besonderer Kleidung). Andererseits haben die Priester innerhalb der Kirche einen rechtlichen Sonderstatus inne. Es hat sich dabei eine förmliche Kaste entwickelt, die sich streng hierarchisch geordnet nach unten abschließt. Innerhalb des Priestertums finden sich Rangklassen mit abgestuften Befugnissen oder Kenntnissen (u. A. Bischof). An der Spitze der hierarchischen Pyramide steht ein höchster Priester mit allgemein umfassender Leitungsgewalt (Papst).

Die Initiation der Priester ("Rekrutierung") erfolgt nicht über eine leibliche Abfolge, sondern über eine geistige (Sukzession). Die Auswahl trifft dabei Gott selbst (so genannte Berufung), und das für immer und ewig (so genannter character indelebilis, "unauslöschliche" Prägung). Das Amt wird nicht vom Vater an den Sohn vererbt, denn nicht die Geburt, sondern eine besondere Weihe macht den Kandidaten zum Priester, der nicht in einer leiblichen, sondern über seinen „Weihevater“ in einer geistigen Ahnenreihe steht. Um so wichtiger ist es, dass die Bewerber gezielt gewählt und erzogen werden, meist in eigens dafür geschaffenen "Seminaren". Frauen werden nach heutigem Recht strikt vom Weihepriestertum ferngehalten.

Evangelische Kirchen

Die evangelische Theologie lehnt unter Berufung auf das Neue Testament ein besonderes Priestertum in der Kirche ab. Evangelische Pastoren/Pastorinnen sind keine Priester im römisch-katholischen Sinn. Alle Getauften haben gleichen Anteil am Priestertum Christi. Die Ordination der evangelischen Pfarrer und Pastorinnen gilt als Beauftragung und Segenshandlung, nicht als Sakrament. Im Gegensatz zum römisch-katholischen Weihepriestertum gilt das evangelische Allgemeine Priestertum.

Das katholische Gegenüber von Klerus und Laien ist in der protestantischen Kirche aufgehoben. Zum einen benötigt die Autorität der Bibel keine Vermittlung durch geweihte Personen. In den reformatorischen Bewegungen war es daher ein wichtiges Anliegen, allen und nicht allein den Klerikern die Lektüre der Schrift (in der Volkssprache) zu ermöglichen. Zum anderen entwickelte die protestantische Tradition den Gedanken des Allgemeinen Priestertums aller Getauften weiter und betonte, dass die Erlösung durch das Opfer Christi einmalig und endgültig ist, so dass es keiner Opferpriester und keines Priesterstandes bedarf.

Die gegensätzliche Sicht des kirchlichen Amts und die Frage seiner Legitimität stellt noch heute eines der größten Hindernisse auf dem Weg zur kirchlichen Einheit dar.

Literatur

Eugen Drewermann: Kleriker: Psychogramm eines Ideals, Walter-Verlag AG, Olten 1990, 900 S. ISBN 3-530-16902-1

Horst Herrmann: Der priesterliche Dienst IV. Kirchenrechtliche Aspekte der heutigen Problematik, Herder, Freiburg i. B. - Basel - Wien 1972.

Anne Jensen: Frauen im frühen Christentum, Peter Lang, Bern - Berlin - Brüssel - Frankfurt am Main - New York - Oxford - Wien 2002.