Papstkinder

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Unter Papstkinder fallen die entgegen der Verpflichtung ihrer Väter zum Zölibat gezeugte leibliche (nicht adoptierte) Nachkommen von Männern, die später Päpste wurden oder es zum Zeitpunkt der Zeugung schon waren.

Die Tatsache, dass solche Kinder nach katholischem Kirchenrecht als illegitim ("unehelich") galten, spielte kaum eine Rolle. Manche von ihnen wurden - teils von ihren eigenen Vätern - später "legitimiert" und bekamen insoweit die Rechte von ehelichen Kindern.

Geschichte

An die 50 Päpste haben Nachkommen gehabt. Hier können nur einige von ihnen genannt werden:

Petrus (+ 64 oder 67), der angeblich erste Papst, hatte wohl leibliche Kinder. Erst der Frauenhasser, Kirchenlehrer und Kardinal Petrus Damiani (+ 1072) lehrt, sogar der Apostel Petrus habe gefehlt, weil er verheiratet gewesen sei; freilich sei es ihm gelungen, „den Schmutz der Ehe mit dem Blut seines Märtyrertodes abzuwaschen“.

Rom kannte bis ins 9. Jahrhundert hinein Priesterkinder, die Päpste wurden: Bonifaz I. (418-422), Felix III. (526-530), Agapet I. (535-536), Theodor I. (642-649), Hadrian II. (867-872), Martin II. (882-884), Bonifaz VI. (896). Andere Päpste waren Söhne oder Blutsverwandte von Päpsten. So hatte Papst Hormisdas (514-523) einen Sohn. Dieser wurde ein gutes Jahrzehnt nach dem Tod seines Papstvaters selbst zum Papst gewählt. Er nannte sich Silverius (536-537).

Im 10. Jahrhundert begann eine gewisse Marozia, die dreimal verheiratet war und das Bett mit Papst Sergius III. wie mit anderen Heiligen Vätern teilte, "umsichtig, Päpste einzusetzen, abzusetzen, zu morden und zu gebären“ (Hans Kühner). Jedes dieser Verben ist mit zeitgenössischen Beispielen zu belegen: Einsetzen (Johannes X., Leo VI., Stephan VII., Johannes XI.), absetzen (Leo VI., Stephan VII., Johannes X.), morden (Johannes X., Leo VI., Stephan VII.), gebären (Johannes XI.).

Der vermutlich ganz ungläubige Johannes XII. (955-963) schlief mit jeder Frau, die ihm gefiel, darunter mit der Konkubine seines Vaters und deren Schwester. Dieser Papst, kaum 20 Jahre alt, vergewaltigte Rompilgerinnen, Ehefrauen, Witwen, Mädchen, die in St. Peter hatten beten wollen, und brachte es so weit, daß mit der Zeit kaum mehr eine Frau eine Wallfahrt nach Rom unternehmen wollte, um nicht in seine Hände zu fallen. Er aber kümmerte sich nicht um solche „Gerüchte“, verschleuderte ganze Städte an seine Dirnen, machte ihnen Meßkelche zum Geschenk. Auch ließ er im Pferdestall einen Diakon weihen, und einem 10jährigen Anwärter auf das Bischofsamt legte er persönlich die Hände auf. Kinder muss der Heilige Vater gleich im Dutzend gezeugt haben.

Der Sohn des Papstes Innozenz VIII. (1484-1492), Franceschetto, war seit seinem Einzug in den Vatikan in den Spielhöllen der Ewigen Stadt zu finden. Auch verübte er Einbrüche, um Geld für seine Sucht zu beschaffen. Eine eigene Gang von Kardinalssöhnen machte es nicht viel anders. Innozenz VIII. richtete im Vatikan für seinen Sohn die Hochzeit aus. Um die Kosten begleichen zu können, musste er seine Papstkrone (Tiara) versetzen. Franceschetto wird schließlich im Sarkophag seines Vaters im Petersdom bestattet werden.

Alexander VI. (1492-1503, ein relativ tüchtiger, doch häufig missgedeuteter Papst, hat als Kardinal wie als Papst vier Töchter und sieben Söhne gezeugt, darunter die berühmten Cesare und Lucrezia Borgia. Die Kinder des Borgia-Papstes waren nicht die Folge einer jugendlichen Torheit, sie verteilen sich über sein ganzes Leben (A. Uhl) - und er ist stolz auf seine Potenz.

Pius III. (1503), der nur 26 Tage regiert, hat vor seiner Wahl zum Papst 12 Kinder gezeugt. Paul III. (1534-1549) hat es auf sechs gebracht.

Forschungsstand

Der gängigen Theologie stellt sich trotz reicher Quellen das Problem nicht. Es liegen nur zwei (eher populärwissenschaftliche) Untersuchungen vor, und auch die erst seit wenigen Jahren. Von kirchlichen Interessen gelenkte Autoren, die vor allem im Dienst ihrer Kirche und weniger in dem der ganzen historischen Wahrheit stehen, schließen die Augen. Seitenblicke auf die Papstgeschichte gelten ihnen als Seitenhiebe.

Zitate

"Es gibt Herren, die sich vier, fünf, auch noch mehr Konkubinen nachts im Bett halten. Und so werden sie Priester, ja Bischöfe“ (Der hl. Bonifatius)

"Auch Heilige Väter zeugten Kinder; das liegt in der Natur der Sache. Kriminelle Energie verrät vielmehr, dass Kinder skrupellos auf Kosten der (kirchlichen) Allgemeinheit versorgt wurden. Und besondere Unmoral liegt in dem Umstand, dass alles von denselben Personen besorgt wurde, die gleichzeitig lautstark von der Notwendigkeit einer priesterlichen - und damit doch wohl auch bischöflichen und päpstlichen - Ehelosigkeit faselten und sich zudem von Amts wegen gegen jede Form von Verwandtenbereicherung (Nepotismus) wandten." (Horst Herrmann)

„Als ich selbst noch glaubte, wäre mir ein Buch dieser Art unglaubhaft erschienen, was sage ich, verrucht, sein Autor als schierer Teufel. Denn als gläubiger Katholik hatte ich, wie fast alle gläubigen Katholiken, von der Geschichte des Katholizismus keine Ahnung. Von solcher Ahnungslosigkeit lebt das Papsttum, seit es ein Papsttum gibt.“ (Karlheinz Deschner)

„Jeder ernsthafte Leser meiner Schriften muss wissen, dass ein Typus Mensch, der mir nicht Ekel machen soll, ... einem Typus Cesare Borgia hundert Mal ähnlicher als einem Christus ist.“(F. Nietzsche)

Literatur

Horst Herrmann: Die Heiligen Väter. Päpste und ihre Kinder, AufbauTB, Berlin 2004, ISBN 978-3746681108

Alois Uhl: Papstkinder. Lebensbildnisse aus der Zeit der Renaissance, Winkler, Düsseldorf 2003, ISBN 3-538-07160-8