Norbert Hoerster

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Norbert Hoerster (* 1937 in Lingen) ist ein deutscher Philosoph, der sich insbesondere mit Fragen der Rechtsphilosophie und Ethik beschäftigt. Er lehrte von 1974 bis 1998 Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Mainz.

Studium

Hoerster studierte an verschiedenen deutschen und ausländischen Universitäten Rechtswissenschaft und Philosophie. 1960 legte er beim Oberlandesgericht Hamm die erste juristische Staatsprüfung ab, 1963 schloss er an der University of Michigan sein Philosophiestudium als Magister ab.

1964 wurde er von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster zum Dr. jur., 1967 von der Ruhr-Universität Bochum zum Dr. phil. promoviert.

Nach seiner Habilitation durch die Ludwig-Maximilians-Universität München 1972 erhielt er 1974 einen Lehrstuhl für Rechts- und Sozialphilosophie an der Universität Mainz. Als Reaktion auf die Proteste gegen seine Thesen zur Bioethik ließ er sich 1998 pensionieren.

Positionen

Den Begriff der Menschenwürde als Kriterium der Ethik lehnt Hoerster ab, da dieser Begriff von weltanschaulichen Dogmen geprägt sei. Stattdessen vertritt er eine Interessenethik, wonach nicht die Würde, sondern die Interessen eines Menschen (oder eines Tieres) zu schützen sind.

Ein Überlebensinteresse noch nicht geborener Kinder sieht Hoerster als nicht gegeben an. Daher beginnt nach seiner Ansicht das Lebensrecht des Menschen grundsätzlich mit der Geburt. Konsequent lehnt er den strafrechtlich bewehrten Embryonenschutz sowie das grundsätzliche Verbot der Abtreibung ab.

Hoerster fordert, aktive Sterbehilfe zuzulassen, wenn ein unheilbar Kranker sie aufgrund reiflicher, in einem urteilsfähigen und aufgeklärten Zustand durchgeführter Überlegung wünscht. Aber auch bei schwerstgeschädigten Neugeborenen hält er Sterbehilfe für gerechtfertigt; er begründet dies damit, dass eine solche Sterbhilfe im wohlverstandenen Interesse dieser Neugeborenen liegt.

Norbert Hoersters Rechtsphilosophie ist dem Rechtspositivismus H.L.A. Harts und der Analytischen Philosophie verpflichtet. Im deutschsprachigen Raum ist er der zur Zeit prominenteste Anhänger der positivistischen Trennungsthese, der zufolge der Begriff des Rechts so zu definieren ist, dass er moralische Elemente nicht einschliesst. Die Trennungsthese folgt für Norbert Hoerster aus dem Gebot der begrifflichen Klarheit, einem Kernpostulat der Analytischen Philosophie. Ähnlich wie der Begriff des "Unwetters", das als ein "schlechtes Wetter" dennoch dem Oberbegriff des "Wetters" unterfalle, bleibe auch ein moralisch verachtenswertes Gesetz aus Gründen der begrifflichen Klarheit dem Begriff des Rechts zugehörig. Daher lehnt Hoerster die sogenannte Radbruchsche Formel ab, nach der extrem ungerechte Gesetze nicht mehr als Recht zu bezeichnen seien.

Hoerster steht somit innerhalb der deutschsprachigen rechtsphilosophischen Diskussion der Gegenwart in einem argumentativen Gegensatz zu Robert Alexy, dem Hoerster zufolge profiliertesten Anhänger der Radbruchschen Formel und der nichtpositivistischen Verbindungsthese. Eine zusammengefasste Darstellung seiner rechtsphilosophischen Ansätze enthält Hoersters Werk "Was ist Recht? (2006).

Sonstiges

Hoerster ist Mitglied des Wissenschaftlichen Beirates der Giordano Bruno Stiftung und Mitherausgeber der Zeitschrift Aufklärung und Kritik der Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg. 2008 erhielt er den Ludwig-Feuerbach-Preis des Bundes für Geistesfreiheit Augsburg.

Schriften (Auswahl)

  • Die Nichtbeachtung der Ehehindernisse des Ehebruchs ausländischer Rechte nach deutschem IPR mit Rücksicht auf die Unanwendbarkeit fremden Strafrechts (Dissertation, 1964)
  • Das Argument der Verallgemeinerung (Dissertation, 1967)
  • Utilitaristische Ethik und Verallgemeinerung (1971)
  • Abtreibung im säkularen Staat (1991)
  • Neugeborene und das Recht auf Leben (1995)
  • Sterbehilfe im säkularen Staat (1998)
  • Ethik des Embryonenschutzes (2002)
  • Ethik und Interesse (2003)
  • Haben Tiere eine Würde? (2004)
  • Die Frage nach Gott (2005)
  • Was ist Recht? (2006)

Weblinks


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