Ketzer

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Der meist militant gebrauchte Begriff Ketzer (ital. gazzari, lat. cathari) bezeichnete zunächst die Anhänger des in Südfrankreich und Oberitalien verbreiteten mittelalterlichen Katharismus, von denen sich die so genannten Orthodoxen (Rechtgläubige) abgrenzen wollten. Im Deutschen setzte sich der Begriff dann als abwertender Ausdruck in der Bedeutung „Irrgläubiger“, „Irrlehrer“ für alle Arten der Häresie durch.

Wer von "Ketzern" spricht, will Wahrheit, Legitimität, Orthodoxie, Recht u. Ä. richtig verteilt wissen: Er selbst reserviert sich das Gute und die Guten, den Anderen bleiben die Unwahrheit oder die Teilwahrheit, das prinzipiell Sektiererische. So handelt es sich bei der Bezeichnung "Ketzer" um einen Kampfbegriff, der Gegner auszumachen und schon verbal zu verfolgen sucht.

Wegen der abwertenden Bedeutung wird das Wort in der wissenschaftlichen Diskussion oft durch das neutraler wirkende Fremdwort „Häretiker“ ersetzt. In der Sache selbst hat sich damit nichts geändert.

Andererseits beziehen manche "Abweichler" den Begriff bewusst auf sich selbst. Damit distanzieren sie sich nicht ohne Stolz von der Orthodoxie und deren - meist fundamentalistisch argumentierenden - Vertretern.

Literatur

Horst Herrmann: Ketzer in Deutschland. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1978.

Adolf Holl (Hg.), Die Ketzer, Marix, Wiesbaden 2007. ISBN 978-3865391209.

Malcolm Lambert: Häresie im Mittelalter. Von den Katharern bis zu den Hussiten, Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2001. ISBN 978-3534147175