Karl Popper

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Sir Karl Raimund Popper (* 28. Juli 1902 in Wien; † 17. September 1994 in London) war ein österreichisch-britischer Philosoph, der mit seinen Arbeiten zu Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und politischer Philosophie den Kritischen Rationalismus begründet hat.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Karl Popper wurde am 28. Juli 1902 als Sohn des Rechtsanwalts Simon Siegmund Carl Popper und Jenny Popper, geborene Schiff, in Wien geboren. Seine Eltern waren zum Protestantismus konvertierte assimilierte Juden. Simon Siegmund stammte aus Prag. Die Vorfahren seiner Mutter kamen aus Schlesien und Ungarn. Der Familie Schiff entstammten viele bedeutende Persönlichkeiten des 19. und 20. Jahrhunderts: Wissenschafter, Ärzte und Musiker (so z.B. der Dirigent Bruno Walter). Popper wuchs in einem Elternhaus auf, in dem Bücher und Musik eine wichtige Rolle spielten. Bereits als Kind interessierten ihn philosophische Fragestellungen. Als Popper zwölf Jahre alt war, brach der erste Weltkrieg aus. Die Situation der Juden zu dieser Zeit in Wien war schwierig. Zum einen nahmen sie wichtige Positionen ein; Poppers wohlhabender Vater beispielsweise arbeitete eng mit dem damaligen liberalen Bürgermeister der Stadt Raimund Grübl zusammen. Zum anderen waren völkisch-antisemitische Vorurteile und Diskriminierungen alltäglich. 1918 verließ der 16-jährige Popper vorzeitig die Mittelschule und wurde Gasthörer an der Universität Wien. Er besuchte Vorlesungen in Mathematik, Geschichte, Psychologie, Theoretische Physik und Philosophie. Er legte seine Matura als Auswärtiger erst im zweiten Anlauf ab. Im Jahr zuvor scheiterte er ausgerechnet an den Fächern Latein und Logik. Von 1920 bis 1922 war Popper Schüler am Wiener Konservatorium, Abteilung Kirchenmusik, ließ jedoch den Plan, Musiker zu werden, bald wieder fallen. In dieser Zeit verdiente er seinen Lebensunterhalt als Hilfsarbeiter. Parallel zur Lehrerausbildung schloss er 1924 eine Tischlerlehre mit dem Gesellenbrief ab.

Studium

Als Popper Anfang der 1920er Jahre sein Studium begann, dominierte die politische Linke. Das so genannte Rote Wien (1918–1934) erlebte seine Blüte. Popper engagierte sich dort – zunächst vor allem an pädagogischen Fragen interessiert – auch in der sozialistischen Jugendbewegung und in der Wiener Schulreformbewegung. Gleichzeitig arbeitete er an Alfred Adlers individualpsychologischen Erziehungsberatungsstellen in den Wiener Arbeitervierteln. Für kurze Zeit war er sogar kommunistisch organisiert. Nachdem er miterlebt hatte, wie bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und der Wiener Polizei acht Menschen ums Leben kamen, wandte er sich schockiert vom Marxismus ab und wurde zu einem seiner konsequentesten Kritiker. In der damals einzigartigen Wiener Atmosphäre begegnete er Menschen wie Ruth Fischer, Hanns Eisler, Paul Lazarsfeld, Oskar Kokoschka, Adolf Loos, Arnold Schönberg und Rudolf Serkin.

Popper bestand 1924 die Prüfung an der Lehrerbildungsanstalt. Weil jedoch keine Lehrerstelle frei war, arbeitete er als Erzieher in einem Hort für sozial gefährdete Kinder. 1925 wurde er Student am Pädagogischen Institut. Aus dieser Zeit stammen seine ersten Veröffentlichungen. Sie befassten sich mit pädagogischen Themen und erschienen in Die Quelle und Schulreform. 1928 promovierte Popper bei dem Psychologen und Sprachtheoretiker Karl Bühler mit der Dissertation „Zur Methodenfrage der Denkpsychologie“. Durch das Studium bei Bühler lernte Popper die Psychologie von Oswald Külpe und der „Würzburger Schule“ kennen, was sich auf seine pädagogischen Überzeugungen und später auf seine Erkenntnistheorie entscheidend auswirkte. 1929 erwarb er die Lehrberechtigung für die Hauptschule in den Fächern Mathematik und Physik. 1930 erhielt Popper eine Anstellung als Hauptschullehrer in Wien, die er bis 1935 innehatte. Ebenfalls in diesem Jahr heiratete er seine Kollegin Josefine Anna Henninger.

Der Wiener Kreis

Dass Karl Popper begann, seine philosophischen Gedanken niederzuschreiben, war vor allem seinen Kontakten mit dem „Wiener Kreis“ zu verdanken, dem Kreis um Moritz Schlick, Rudolf Carnap und Otto Neurath. Vor allem Schlick distanzierte sich von Popper, der seine neopositivistische Position kritisiert hatte und ihm unbeherrschtes Auftreten vorwarf. Popper erhielt daher keine Einladungen zu den Sitzungen des Kreises. Herbert Feigl regte ihn an, zu schreiben, womit Popper nach einigem Zögern begann. Drei Jahre schrieb er an einem Manuskript, das heute nur teilweise erhalten ist, die erhaltenen Teile erschienen 1934 als erheblich gekürzte Fassung unter dem Titel „Logik der Forschung“ und erst 1979 unter dem Titel Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Während dieser Zeit lernte er Werner Heisenberg und Alfred Tarski kennen.

Sein wissenschaftstheoretisches Hauptwerk „Logik der Forschung“ erschien schließlich in einer Schriftenreihe des Wiener Kreises, obwohl Popper darin deren Positivismus kritisierte. Diese großzügige Möglichkeit der Veröffentlichung brachte ihm fälschlich den Ruf eines Positivisten ein. Seine Abhandlung wurde von den Angehörigen des Wiener Kreises als ein ihren Diskussionen entsprungenes Werk gewürdigt.

Emigration nach England

Von 1935 bis 1936 reiste Popper für einige Monate nach England, wo er Erwin Schrödinger, Bertrand Russell und Ernst Gombrich begegnete. Er führte intensive Gespräche mit Schrödinger und lernte Friedrich von Hayek kennen. Auf dem 2. Internationalen Kongress für Einheit der Wissenschaften in Kopenhagen war er im Juni 1936 tief beeindruckt von Niels Bohr, obwohl er selbst eine andere Interpretation der Quantenmechanik vertrat. Vor allem die Gespräche mit Alfred Tarski brachten Popper zu der Einsicht, wie er die Korrespondenztheorie der Wahrheit ohne Probleme vertreten konnte.

Die politische Lage in Österreich wurde zusehends angespannter und Popper erwartete den Anschluss Österreichs an Deutschland. In dieser Situation nahm er das Angebot einer Dozentur am Canterbury University College (heutige Universität Canterbury) in Christchurch (Neuseeland) gern an. 1937 kündigten Popper und seine Frau ihre Lehrerstellen und emigrierten dorthin. Popper musste seine Familie, die damals kranke Mutter, seine Schwester, Onkel, Tanten und Nichten zurücklassen. Sechzehn Familienangehörige wurden bis 1945 von den Nationalsozialisten ermordet.

Popper wurde Dozent an der Universität Christchurch. Obwohl das College seine Forschungsarbeit nicht förderte und verlangte, dass sich die Dozenten ganz der Lehre widmen sollten, entstanden dort The Poverty of Historicism (Das Elend des Historizismus) sowie das Werk, das ihn als politischen Denker berühmt machte, The Open Society and Its Enemies (Die offene Gesellschaft und ihre Feinde). Darüber hinaus beschäftigte er sich mit der Wahrscheinlichkeitstheorie. Wesentliches Merkmal seiner philosophischen Arbeiten war die Suche nach dem verlässlichen Kriterium für wissenschaftliche Rationalität.

Im Winter 1944/45 erhielt Popper – vor allem durch Unterstützung von Friedrich August von Hayek – das Angebot, an der London School of Economics and Political Science zu lehren, welches er annahm. Anfang Januar 1946 traf das Ehepaar in London ein, wo Popper seine Lehrtätigkeit als Außerordentlicher Professor aufnahm. 1949 wurde er parallel Professor für „Logik und wissenschaftliche Methodenlehre“ an der Universität London. Wegen der mitunter anmaßenden und aggressiven Art, mit der er seine Standpunkte vertrat, erwarb er sich dort schnell den Spitznamen „totalitärer Liberaler“.

1961 hielt Popper in Tübingen den Eröffnungsvortrag auf einer Tagung, deren Thema die Logik der Sozialwissenschaften war. Theodor W. Adorno hielt das Koreferat. Die Debatte wurde anschließend vor allem in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie fortgesetzt und war der Beginn des so genannten „Positivismusstreits“. Innerhalb der Studentenbewegung galt Popper als „Erz-Positivist“. Die eigentliche Kontroverse zwischen der kritisch-rationalen Position Poppers und dem Standpunkt der Dialektik wurde hauptsächlich von Hans Albert und Jürgen Habermas geführt.

Datei:Popper Karl Grab Wien 13.JPG
Grab am Wiener Küniglberg

Emeritierung

1965 wurde Popper von Queen Elisabeth II. für sein Lebenswerk als Knight Bachelor zum Ritter geschlagen. 1969 wurde er emeritiert, er publizierte aber stetig weiter. Er war Mitglied der von Hayek gegründeten liberalen Denkfabrik Mont Pelerin Society, der Royal Society (London) sowie der International Academy of Science. Befreundet war er u. a. mit dem deutschen Bundeskanzler Helmut Schmidt. Durch Queen Elisabeth II. wurde er schließlich noch in den Order of the Companions of Honour (CH) aufgenommen. 1973 wurde ihm der Sonning-Preis der Universität Kopenhagen verliehen.

Popper äußerte sich nur selten über Religion. Über seine Sichtweisen ist jedoch das sogenannte „verlorene Interview“[1] von 1969 bekannt. Demnach beschrieb er sich selbst als Agnostiker und lehnte für sich den jüdischen und den christlichen Glauben ab. Er äußerte jedoch Respekt vor den moralischen Lehren beider Religionen. Häufiger finden sich Sympathiebekundungen zum Humanismus. Popper war auch Mitglied der Academy of Humanism. Paul Feyerabend bezeichnete ihn als „Nachzügler der Aufklärung“[2]

Popper starb am 17. September 1994 in East Croydon, London nachdem er zwei Wochen zuvor schwer erkrankt war. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er noch an seinem Werk geschrieben.[3] Popper wurde eingeäschert, seine Urne später nach Wien gebracht und auf dem Lainzer Friedhof neben dem ORF-Zentrum Küniglberg beigesetzt, wo bereits seine Frau ruhte.

1998 wurde das erste Projekt für Begabtenförderung in Österreich, die Sir-Karl-Popper-Schule, nach ihm benannt. Außerdem trägt die Karl-Popper-Sammlung der Universitätsbibliothek Klagenfurt seinen Namen.

Werk

Hauptartikel: Kritischer Rationalismus

Das Werk Poppers lässt sich grob in Phasen unterteilen: Die erste, die von der Beschäftigung mit den Methoden empirischer Wissenschaft geprägt war und die zweite, bei der er sich mit metaphysischen Fragestellungen auseinandersetze. Die Grenze zwischen beiden lässt sich ziemlich genau auf den 15. November 1960 festlegen.[4] Popper hat sich immer vehement gegen eine hermeneutische Interpretation dieser Phasen gestellt. Er sieht die Grundzüge seines Denkens als 1919 aufgestellt und von da ab durchgängig einheitlich und ohne Strukturbrüche, mit lediglich Schwerpunktverlagerungen und gelegentlichen Klarstellungen. Die Grundauffassung von Poppers Philosophie ist die Ablehnung des Schlagworts "von nichts kommt nichts" und die Einsicht, dass ein System seine eigene Existenz nicht garantieren, sie aber selbst beenden kann.[5]

Wissenschaftstheorie

Popper legte seine Ansichten zur Wissenschaftstheorie umfassend im Werk Logik der Forschung dar, das 1934 zuerst auf Deutsch erschien und in nachfolgenden englischen und deutschen Ausgaben stetig erweitert und verbessert wurde (wenige Monate vor seinem Tod 1994 fügte Popper noch einen neuen Anhang hinzu). Später führte er sie weiter aus in Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie, Die Quantentheorie und das Schisma der Physik und Objektive Erkenntnis. Ein evolutionärer Entwurf. In Vermutungen und Widerlegungen (englisch Conjectures and Refutations) wandte er die Methode, wie im Titel angedeutet, auch praktisch an. Hier beschrieb er auch, wie er seine Demarkationsüberlegungen seit den 1920er Jahren entwickelt hatte, als er zunächst „Pseudowissenschaft“ von „Wissenschaft“ unterscheiden wollte. Als Beispiele für Pseudowissenschaften nannte er u.a. die Psychoanalyse und den Marxismus, als Beispiel für Wissenschaft Einsteins Relativitätstheorie.

In Logik der Forschung kritisiert Popper die Sicht des logischen Empirismus, der für die Naturwissenschaften die naturalistische Methode vertrat. Diese Methode basiert auf dem Sammeln von Fakten, die in logischen Protokollsätzen formuliert werden. Mittels Induktion wird dann auf allgemeingültige Naturgesetze geschlossen, entweder mit Sicherheit, oder zumindest mit einer hohen Wahrscheinlichkeit. Diese Ansichten hatten von Aristoteles ausgehend die meisten Wissenschafttheoretiker vertreten. Mit seiner Arbeit sah sich Popper im Gegensatz zu den Neopositivisten des Wiener Kreises und insbesondere den Lehren von Ludwig Wittgenstein (mit dem Popper nur ein einziges Mal zusammentraf, 1946 in Cambridge, und der ihn dort nach dem nicht unumstrittenen Bericht in Poppers Biografie mit einem Schürhaken angegriffen haben soll). Zur Frage der Induktion zeigte Popper, dass man formallogisch aus Einzelfällen kein allgemeines Gesetz ableiten (Induktionsproblem), sondern nur allgemeine Sätze widerlegen kann. Auch die Versuche, aus Einzelfällen wenigstens Wahrscheinlichkeiten von Theorien abzuleiten, hält er für verfehlt und liefert mathematische und philosophische Argumente, um die widersprüchliche Logik in Sätzen wie „Theorie A ist mit 80%iger Wahrscheinlichkeit wahr“ zu zeigen.

Popper schlägt stattdessen vor, dass Theorien (abstrakt betrachtet) frei erfunden werden dürfen. Im Nachhinein werden dann Experimente gemacht, deren Ausgang als Basissätze konventionell festgelegt werden. (Popper selbst verwendet sogar das Wort „willkürlich“, um zu verdeutlichen, dass diese Basissätze selbst nicht rational zu rechtfertigen sind.) Durch diese Basissätze können dann die Theorien widerlegt („falsifiziert“) werden. In einem evolutionsartigen Selektionsprozess setzen sich so diejenigen Theorien durch, die „wahrheitsnäher“ sind. Durch dieses „Aussieben“ falscher Theorien kommt man, so Popper, der Wahrheit immer näher, ohne jedoch den Anspruch auf absolute Wahrheit erheben zu können. Durch diese Umkehrung des klassischen Versuchs, Theorien zu „beweisen“, kommt Popper zur ungewohnten Forderung: Wissenschaftler sollten versuchen, ihre Theorien zu widerlegen bzw. mit entscheidenden Experimenten (experimentum crucis) Theorien auszusieben. Er betont zwar auch die Notwendigkeit der Kreativität beim Aufstellen einer Theorie; wichtig für den Fortschritt sei allerdings vor allem die kritische Überprüfung, die nur von den „wahrheitsnächsten“ Theorien bestanden wird.

Da sich die Richtigkeit wissenschaftlicher Sätze niemals beweisen lässt, ist das einzige Kriterium für die Wissenschaftlichkeit eines Satzes seine prinzipielle Falsifizierbarkeit. Ein Satz, der etwas über die Realität aussagt, muss seiner Form nach widerlegbar sein; Sätze, die nicht widerlegbar sind (etwa „Morgen regnet es oder auch nicht“), liefern keinen Erkenntnisgewinn. Popper betont, dass sein Ansatz allein methodologischer Art sei und keineswegs metaphysische Aussagen treffe. Die metaphysische Frage, ob es überhaupt „Naturgesetze“ gibt, lässt er bewusst offen, auch wenn er persönlich die Argumente dafür für überzeugender hält.

Poppers Ansatz wurde in philosophischen Kreisen vielfach und mit unterschiedlichen Argumenten kritisiert, insbesondere durch die relativistischen Positionen von Thomas Kuhn oder Paul Feyerabend, letzterer zweifelte sogar den Nutzen eines Faches wie der Wissenschaftstheorie überhaupt an. Imre Lakatos versuchte die Position von Kuhn rationalistischer zu interpretieren.

Ob sich Poppers Position unter Wissenschaftlern selbst durchgesetzt (siehe Wissenschaft) hat, ist umstritten. Vor allem viele Physiker (darunter etwa Albert Einstein, wie man in einem Brief nachlesen kann, der in Logik der Forschung abgedruckt ist) teilten jedoch schon früh seine Position. Umstritten war die Anwendung der Popperschen Theorien, die er hauptsächlich an den Naturwissenschaften gewonnen hatte, auf dem Gebiet der Gesellschaftswissenschaften.

Auch ein starker „Indeterminismus“ ist einer der wichtigsten Bestandteile von Poppers Weltsicht. Er sah sich hierin vor allem von der Quantenmechanik bestätigt. Metaphorisch behauptete er einmal, bisher habe man sich auch Wolken wie sehr komplexe Uhrwerke vorgestellt; tatsächlich seien aber eher Uhrwerke nur scheinbar sehr geordnete Wolken. Diesen Indeterminismus übertrug er auch auf gesellschaftliche Zustände (Die Zukunft ist offen).

Popper selbst hat seine Wissenschaftsphilosophie nicht als Falsifikationismus bezeichnet. Auch die positivistisch angehauchte Sicht, wonach Theorien durch Beobachtungen unfehlbar widerlegt werden können, hat Popper ebensowenig vertreten wie relativistische Positionen (die Sicht, dass es keine absolute Wahrheit gibt) oder die historizistische Behauptung, dass die von ihm beschriebene Methode sich notwendigerweise aus der Wissenschaftsgeschichte ergeben würde oder darin erkennbar sei. Poppers Sicht war vielmehr der Fallibilismus, d.h. die Existenz einer absoluten Wahrheit, jedoch das Unvermögen, die Übereinstimmung einer Theorie mit ihr zweifelsfrei festzustellen und die prinzipielle Fehlbarkeit des Wissens und der Wissenschaft.

Gesellschaftstheorie

Poppers in der Öffentlichkeit bekanntestes Werk ist das in alle Weltsprachen (und laut Popper[6] leider schlecht ins Deutsche) übersetzte „The Open Society and Its Enemies“ (dt. „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“) von 1945. Darin rechnet er detailliert mit den Gedankenmodellen von Platon, Hegel und Marx ab, die seiner Meinung nach totalitäre Systeme befördert haben. Als Gegenbild zu diesen „geschlossenen Gesellschaften“ entwirft er eine „Offene Gesellschaft“, die nicht am Reißbrett geplant, sondern sich pluralistisch in einem fortwährenden Prozess von Verbesserungsversuchen und Irrtumskorrekturen evolutionär fortentwickeln soll. Der Begriff Offene Gesellschaft ist in die politische Sprache eingegangen.

Popper wirft Platon vor, insbesondere mit seinen späteren Werken Politeia (Der Staat) und Nomoi (Die Gesetze) das Grundmodell des totalitären Staates ausgearbeitet und propagiert zu haben. Damit habe er auch Verrat an seinem Lehrer Sokrates begangen, der, wie Popper darlegen will, in Platons „idealem Staat“ als Aufrührer hingerichtet worden wäre. Platons Ablehnung der attischen Demokratie und seine Bevorzugung eines autoritären Regimes sogenannter „Philosophenkönige“, die nichts mehr mit dem sokratischen Philosophen zu tun haben und explizit Lügenpropaganda verwenden dürfen, versucht Popper mit vielen Textstellen zu belegen. Platon sei damit der erste und wichtigste Propagandist einer geschlossenen Gesellschaft gewesen, in der es keine Veränderung gibt und Eliten diktatorisch herrschen.

Auch sei Platon ein Verbreiter der Verfallstheorie der Gesellschaft, nach der die Gesellschaft ursprünglich in einem „guten“ (geschlossenen) Naturzustand („Mythos von der Horde“) war und jede Öffnung, Liberalisierung und Emanzipation Zeichen von Dekadenz und Verfall sind. Diese Lehre sei wichtiger Bestandteil der Propaganda aller Diktaturen geworden. Ähnliche, aber weniger umfangreiche Kritik übt Popper an Aristoteles.
Popper gesteht ein, dass Platon (und Aristoteles) ein großes, bedeutendes Werk geleistet haben und für die abendländische Philosophie und Wissenschaft von überragender Bedeutung sind. Aber „große Männer begehen große Fehler“, und es sei nötig, die totalitären Tendenzen in ihren Werken zu kritisieren.

Der zweite Band des Werkes gilt der Kritik der „orakelnden Philosophen“ des 19. Jahrhunderts, insbesondere G.W.F. Hegel und Karl Marx. Hegel hält Popper neben Fichte in erster Linie für einen Betrüger, in zweiter Linie für einen Apologeten der Staatsmacht, dessen Philosophie ebenfalls totalitäre Systeme begünstigt habe. Den Vorwurf des Betrugs – der von Arthur Schopenhauer und anderen, gegen Fichte auch von Immanuel Kant geteilt wurde – erhebt Popper mit Hinweis auf die dialektischen Methoden der Hegelschen Philosophie. Diese seien, soweit sie überhaupt verständlich sind, allein postuliert, um die Regeln der Logik auszuhebeln und etwa das autoritäre Preußen als Verwirklichung der Freiheit glorifizieren zu können. Hegel sei ein offizieller Staatsphilosoph gewesen, der mit seinem Rechts- und Machtpositivismus („Was wirklich ist, ist vernünftig“) die bestehende Staatsmacht hofiert habe. Ein größerer Teil der Hegelschen Schriften sei des weiteren absichtlich unverständlich formuliert, um Kritik unmöglich zu machen. Popper versucht auch Verbindungen dieses Denkens zu Zentralismus, Etatismus und Nationalismus nachzuweisen.

Der im Band ebenfalls kritisierte Karl Marx kommt etwas besser weg. Popper bezeichnet Marx als bedeutenden Ökonomen und Soziologen und räumt ein, dass Marx nicht ausgeschlossen habe, dass der Weg zum Kommunismus auch auf nicht-revolutionäre Weise erreichbar wäre. Vehement kritisiert er jedoch Marx' von Hegel übernommene dialektische und historizistische Methode, die letztlich zu einem geschlossenen Weltbild führe. Auch große Teile der marxistischen Kapitalismustheorie seien verfehlt. Ihm zugute hält er ein ehrliches Mitgefühl an den Leiden der sozial Schwachen und echtes Interesse an einer Verbesserung der Welt. In einer später zugefügten Anmerkung relativierte Popper diese Meinung allerdings: Marx sei offenbar „weit weniger menschlich und freiheitsliebend gewesen“, als er es angenommen hatte; er verweist hierzu auf Leopold Schwarzschilds Buch Der rote Preuße.

Die Veröffentlichung wirkte 1945 als politisches Signal. Sie greift geschlossene Denkstrukturen und Ideologiekonstruktionen an. Obwohl weder der Nationalsozialismus noch der stalinistische Sozialismus explizit genannt werden, wird deutlich, dass sich die Kritik gegen sie richtet. Popper entwirft das Modell einer offenen und pluralistischen Gesellschaft, in der sich Fortschritt langsam einstellt.

Ein weiteres Werk aus diesem Themengebiet ist „Was ist Dialektik?“[7]; in diesem kritisiert Popper die Marxsche und Hegelsche Dialektik mit den Begriffen der formalen Logik. Das 1957 erschienene The Poverty of Historicism (dt: Das Elend des Historizismus) greift wieder vor allem Marx und Hegel aufgrund ihrer Methodik an. Im Historizismus, dem Glauben, die Geschichte verlaufe gesetzmäßig und Gesellschaften ließen sich planen, sieht Popper ein Grundübel der Gesellschaftstheorie.

Poppers Kritik an Platon, Hegel und Marx wurde auch widersprochen, etwa von dem Philosophen Ronald B. Levinson,[8] von Walter Arnold Kaufmann[9] bzw. von Maurice Cornforth[10].

Levinson kritisierte Poppers Sicht von Platon in seinem 1953 erschienenen Buch In Defense of Plato. Demnach gehe es Popper oft nur um die Verbreitung seiner eigenen politischen Ideen. Popper deute Platons Schriften erst zu einem totalitären Werk um, insbesondere seien Poppers eigene Übersetzungen aus dem Altgriechischen tendenziös und verfälschend. – Popper widersetzte sich dieser Kritik in einer Anmerkung, die seit 1961 den Auflagen der Offenen Gesellschaft als Anhang beigegeben ist.

„Positivismusstreit“

Mit seiner Grundsatzdiskussion über die „Logik der Sozialwissenschaften“ auf der Tübinger Arbeitstagung 1961 entfachte Popper den irrtümlich so genannten Positivismusstreit in der deutschen Soziologie. Ihm und Hans Albert, die ausgehend vom Kritischen Rationalismus die Falsifizierbarkeit einer Theorie mit wissenschaftlichem Anspruch forderten, wurde dort von den Dialektikern der Frankfurter Schule, Theodor W. Adorno und Jürgen Habermas, widersprochen. Einen Mittelweg suchte dabei Ralf Dahrendorf.

Bekannt geworden ist in diesem Zusammenhang auch ein Brief Poppers, der –ohne dessen Einwilligung – 1971 in der Wochenzeitung Die Zeit unter dem Titel „Wider die großen Worte“ (1971, ZEIT Nr. 39, Seite 8) veröffentlicht wurde (später im Buch Auf der Suche nach einer besseren Welt im Kapitel „Gegen die großen Worte“ abgedruckt). Popper kritisiert dort die Sprache Adornos und Habermas’ als Obskurantismus. Um diese Behauptung zu belegen, „übersetzte“ er prägnante Teile von Texten, die Adorno und Habermas im Rahmen des Positivismusstreits verfasst hatten, in eine allgemeinverständliche Sprache. Nach Poppers Meinung seien diese nicht unter dem Aspekt der leichten Kritisierbarkeit geschrieben worden, sondern möglicherweise sogar im ganz gegenteiligen Verständnis: Große Worte könnten, so Popper, mitunter auch dazu dienen, intellektuell bescheidene Inhalte so zu formulieren, dass eine Kritik bewusst erschwert oder verunmöglicht werde. Er schrieb dazu:

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„Ein anderes Kochrezept ist: Schreibe schwer verständlichen Schwulst und füge von Zeit zu Zeit Trivialitäten hinzu. Das schmeckt dem Leser, der geschmeichelt ist, in einem so ‚tiefen‘ Buch Gedanken zu finden, die er selbst schon mal gedacht hat.“

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Jede Theorie sollte Poppers Ansicht aber so formuliert werden, dass eine Kritik so leicht wie möglich ist: „Wers nicht einfach und klar sagen kann, soll schweigen und weiterarbeiten bis ers klar sagen kann“ Seine Kritik am Obskurantismus ist aber nur ein Aspekt an einer umfassenderen Kritik Poppers an dem von ihm so genannten „Professionalismus“. Er wandte sich gegen die „professionelle Ethik“, ein unausgesprochenes Gentlemen-Agreement, das vorschreibt, dass Naturwissenschaftler und Philosophen ihre Autorität gegenseitig beschützen müssen. Er setzte dem die Forderung intellektueller Bescheidenheit entgegen.

Popper prägte in Anlehnung an Ockhams Rasiermesser den Begriff vom liberalen Rasiermesser, selbst bezeichnete er sich als „nichtrevolutionären Liberalen“.

„Drei-Welten-Theorie“

In der Philosophie des Geistes wehrte sich Popper sowohl gegen den klassischen Körper-Geist-Dualismus als auch gegen alle neueren monistischen Theorien. Er schlug eine gedankliche Einteilung der Welt in drei Bereiche vor, nämlich die:

  • Welt 1, das ist die physikalische Welt
  • Welt 2, die Welt der individuellen Wahrnehmung und des Bewusstseins
  • Welt 3, die Welt der geistigen und kulturellen Gehalte, die vom Einzelbewusstsein unabhängig existieren können (z. B. die Inhalte von Büchern, Theorien oder Ideen)

Popper argumentiert, dass alle drei Welten real sind, da kausale Wechselbeziehungen beobachtet werden können, wobei Welt 2 als Mittler zwischen Welt 3 und Welt 1 auftritt. Ein Beispiel wäre der Bauplan eines Hauses (Welt 3: ein Modell in einer Zeichnungsprache des Bauwesens), welcher von einem Menschen verstanden wird (Welt 2: Bewusstsein des Baumeisters) und dann in ein konkretes Haus umgesetzt wird (Welt 1: physikalisches Objekt). Das Haus gehört also gleichzeitig in Welt 1 und Welt 3.

Popper zufolge hat die klassische duale Trennung den Unterschied zwischen einem Bewusstseinserlebnis und beispielsweise dem logischen Gehalt einer Theorie ignoriert. Beides werde dort undifferenziert dem Mentalen zugeordnet.

Obwohl Popper Welt 3 für ein Erzeugnis der Menschen hält (im Gegensatz etwa zu Platons und Hegels Vorstellungen) glaubt Popper an eine Unabhängigkeit und Objektivität der Welt 3. Sein eigenes Beispiel ist die Erfindung der Zahlen, und das darauf folgende, „ungeplante“ Auffinden der Primzahlen, die schon existierten, bevor sich Menschen darüber Gedanken machten. Somit kommt den Primzahlen eine Existenz zu, die ohne den Menschen definiert ist, so wie die Existenz des Mount Everest seiner Entdeckung vorausliegt.[11]

Eine ähnliche Trennung in drei Welten kann man im klassischen Griechenland als Logos, Psyche und Physis finden, bei den Römern als Ratio, Intellectus, und Materia, und nicht zuletzt bei Kant als Vernunft, Verstand und Außenwelt.

Bedeutende Schüler

Schüler im engeren Sinn

  • William Warren Bartley war Poppers Lieblingsschüler, obgleich beide viele Jahre miteinander zerstritten waren. Bartley gab 1982/83 Poppers wichtige Postskripts zur Logik der Forschung heraus (drei Bände, deutsch 2001/2002 von Eva Schiffer und H. J. Niemann). Am bekanntesten ist sein Werk: Flucht ins Engagement.
  • Imre Lakatos – ungarisch-englischer Mathematiker, Logiker, Physiker und Wissenschaftstheoretiker. Er war zunächst in Ungarn ein kommunistischer Politiker, dann Gegner des damals herrschenden Systems; er studierte in den 50er Jahren bei Popper in London. Wendete den Kritischen Rationalismus auf die Mathematik an (Begründungsproblem der Mathematik).
  • Thomas S. Kuhn studierte bei Popper, als dieser in den USA Vorlesungen gab. Resultat war eines der in den letzten Jahrzehnten wirkungsmächtigsten Bücher der Wissenschaftstheorie: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, in dem er allerdings eine Gegenposition zu Poppers Wissenschaftstheorie bezog.
  • Paul Feyerabend war ein österreichischer Philosoph und Wissenschaftstheoretiker, direkter Schüler Poppers, der sich aber später mit seinem Wider den Methodenzwang polemisch gegen Popper absetzte. Mit dem Slogan “Anything Goes!” konterkarierte er Poppers einheitliche Methode.
  • George Soros, 1954 an der London School of Economics, Finanzmakler und Milliardär, dessen ‘Open Society Project’ in Osteuropa freiheitliche und rechtsstaatliche Strukturen zu festigen sucht.
  • Hubert Kiesewetter, in Eichstätt emeritierter Wirtschaftshistoriker, studierte in den 1960er Jahren bei Popper und war dessen Freund in Poppers letzten Jahren. Bekannt sein Buch Von Hegel zu Hitler.
  • Popper hatte viele Schüler, die bedeutende Beiträge zum Kritischen Rationalimus geleistet haben und deren Schriften für Popperstudenten interessant sein dürften: David Miller war dreißig Jahre ein enger Mitarbeiter Poppers. Beide haben viele logische und wahrscheinlichkeitstheoretische Probleme durchgearbeitet. Miller gilt in den angelsächsischen Ländern als Instanz für Fragen des Kritischen Rationalismus. Er lehrt an der Universität Coventry. John W. N. Watkins war zuerst Offizier bei der Royal Navy, dann Schüler und schließlich Nachfolger Poppers auf dessen Lehrstuhl an der London School of Economics (LSE). Er starb 1999 und gilt als wichtiger Kritischer Rationalist. Joseph Agassi studierte Physik und war von 1953 bis 1960 Forschungsassistent bei Popper. Er leistete wichtige Beiträge zum Kritischen Rationalismus. Alan Musgrave war von 1958 bis 1990 bei Popper an der LSE. Sehr lesbar ist sein UTB-Taschenbuch Musgrave, Alltagswissen, Wissenschaft und Skeptizismus. Weitere Mitarbeiter Poppers waren Ian C. Jarvie, John Worrall und Jeremy Shearmur.

Schüler im weiteren Sinn

  • Hans Albert ist ein deutscher Philosoph, Wissenschaftstheoretiker und Sozialwissenschaftler. Er hat als erster im Rahmen des Kritischen Rationalismus auch Poppers Philosophie in Deutschland stark verbreitet.
  • Helmut F. Spinner entwickelte den Fallibilismus in Richtung eines theoretischen Pluralismus.
  • Ernst Gombrich]], ein bedeutender Kunsthistoriker, beruft sich oft auf Popper und schreibt erstmals Geschichte in Poppers Sinn bewusst als Problemgeschichte.
  • Peter Medawar (1915–1987), der Nobelpreisträger von 1960 für Medizin, berief sich immer wieder auf Popper.
  • Hermann Bondi (1919–2005), Mathematiker und Kosmologe (Steady-State-Theorie des Universums), folgte konsequent der Philosophie Poppers.
  • Ralf Dahrendorf ist von Poppers Philosophie beeinflusst worden.
  • Helmut Reinalter lehrt an der Universität Innsbruck.

Schriften

  • (1930–33) Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie
  • 1934 Logik der Forschung ISBN 3-16-146234-3
  • (1957) Das Elend des Historizismus, ISBN 3-16-148025-2
  • 1945 Die offene Gesellschaft und ihre Feinde (2 Bände) ISBN 3-16-148068-6 und ISBN 3-16-148069-4
  • 1963 Vermutungen und Widerlegungen, ISBN 3-16-147311-6
  • 1973 Objektive Erkenntnis, ISBN 3-455-10306-5
  • 1976 Ausgangspunkte. Meine intellektuelle Entwicklung, ISBN 3-455-08982-8
  • 1977 Das Ich und sein Gehirn, (gemeinsam mit John Carew Eccles) ISBN 3-492-21096-1
  • 1982 Die Quantentheorie und das Schisma der Physik
  • 1982 Das offene Universum
  • 1983 Realismus und das Ziel der Wissenschaft
  • 1984 Auf der Suche nach einer besseren Welt, ISBN 3-492-20699-9
  • 1985 Die Zukunft ist Offen (gemeinsam mit Konrad Lorenz)
  • 1990 Eine Welt der Propensitäten
  • 1992 The Lesson of this Century
  • 1994 Alles Leben ist Problemlösen, ISBN 3-492-22300-1
  • 1994 Der Mythos des Rahmens
  • 1994 Wissen und das Leib-Seele-Problem
  • 1998 Die Welt des Parmenides
  • 2007 After the Open Society (im Druck, erscheint November 2007)

Reden

  • „Philosophie gegen falsche Propheten“ (HR, 7. August 1974). Interview mit Thomas Rotstein, ca. 45 Minuten.
  • „Duldsamkeit und intellektuelle Verantwortlichkeit“ (SR, 16. März 1982). Vortrag, ca. 40 Minuten
  • „Der Mythos vom Unhintergehbaren“ (BR, 27. Juli 1982). Vortrag, ca. 50 Minuten
  • „Offene Gesellschaft – offene Wissenschaft“ (HR, 17. Juli 1984). Interview mit Thomas Rotstein, ca. 30 Minuten
  • „Man soll nicht glauben, daß man ohne Risiko leben kann“ (4. Juli 1987). Gespräch mit Volker Friedrich, ca. eine Stunde
  • „Das Prinzip Kritik in der Offenen Gesellschaft“ (BR, 30. Juli 1992). Gespräch anlässlich seines 90. Geburtstages mit Willy Hochkeppel, ca. 55 Minuten

Literatur

Zu Werk und Leben

  • Martin Morgenstern und Robert Zimmer: Karl Popper. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 2002. ISBN 3-423-31060-X. Mit Bildern und Textkästen didaktisch sehr gut aufbereitet.
  • Jürgen August Alt: Karl R. Popper, Reihe Campus 1992,ISBN 3-593-34716-4, neu 2001, ISBN 3-593-36834-X. Kurze und vorzügliche Einführung.
  • Manfred Geier, Karl Popper, rororo Monographie, Reinbek 1994; 3-499-50486-5. Gut geschrieben; biographische Details; Analyse des Werks; angereichert mit vielen Bildern und Zitaten; dadurch sehr einprägsam.
  • Eberhard Döring, Karl R. Popper – Einführung in Leben und Werk, Pererga 1987, 1992.
  • Lothar Schäfer, Karl R. Popper, Becksche Reihe – große Denker, 1988.
  • Wilhelm Baum und Kay E. Gonzalez: Karl R. Popper. Morgenbuch-Verlag, Berlin 1994. ISBN 3-371-00393-0. Ein sehr dünnes Buch (98 Seiten)
  • David J. Edmonds, John A. Eidinow Wie Ludwig Wittgenstein Karl Popper mit dem Feuerhaken drohte. Eine Ermittlung München: DVA, 2002 ISBN 3-421-05356-1 (korr. Auflage: Fischer TB ISBN 3-596-15402-2 2003, 2. Aufl. 2005) über ihren Zusammenstoß in Cambridge 1946, auch eine gut verständliche Darstellung ihrer philosophischen und biographischen Unterschiede, insbes. über die Wiener Jahre und ihre jüdische Herkunft. Ebenfalls in Engl. (=Orig.) und Span. (2001)
  • Franz M. Wuketits: Wo bleibt das „liberale Rasiermesser“? Aufklärung und Kritik (1/1998), S. 34 ff.
  • Manfred Lube: Karl R. Popper – Die Bibliothek des Philosophen als Spiegel seines Lebens. Imprimatur. Ein Jahrbuch für Bücherfreunde. Neue Folge Band 18 (2003), S. 207–238, ISBN 3-447-04723-2.
  • Manfred Lube: Karl R. Popper. Bibliographie 1925-2004: Wissenschaftstheorie, Sozialphilosophie, Logik, Wahrscheinlichkeitstheorie, Naturwissenschaften. Frankfurt/Main usw.: Peter Lang, 2005. 576 S. (Schriftenreihe der Karl Popper Foundation Klagenfurt.) ISBN 978-3-631-53450-2
  • Dagmar Niemann (Übers.): Die Wege der Wahrheit. Aufklärung und Kritik (2/1994), S. 38 ff.
  • William W. Bartley: Ein schwieriger Mensch. Eine Portraitskizze von Sir Karl Popper. In Eckhard Nordhofen (Hrsg.): Philosophen des 20. Jahrhunderts (Königstein/Ts.: Athenäum, 1980), ISBN 3-434-46071-3.
  • John W. N. Watkins: Karl Raimund Popper 1902–1994. Proceedings of the British Academy 94 (1997), 645–684
  • Hans Albert: Karl Popper (1902–1994). Journal for General Philosophy of Science 26 (1995), 207–225
  • Volker Gadenne: Fortschritt zu tieferen Problemen. Protosociology 7 (1995), S. 272–281, Vorlage:ISSN.
  • David Miller: Sir Karl Raimund Popper, C. H., F. B. A. 28 July 1902-17 September 1994. Biographical Memoirs of Fellows of the Royal Society 43 (Nov. 1997). S. 368–409.

Studienführer

  • Herbert Keuth, Die Philosophie Karl Poppers, UTB-Taschenbuch (Mohr Siebeck) Tübingen 2000, ISBN 3-8252-2156-3, 444 Seiten. Das ist der zur Zeit einschlägige Studienführer, der das gesamte Werk wissenschaftlich analysiert und kommentiert, und zwar in einer Tiefe, die weit über die oben genannten Werkbiographien hinausgeht. Der Text führt zu allen wichtigen Quellen. Viele problematische Popperthesen werden zur Weiterforschung vorbereitet. Das Buch wendet sich an Leser, die Popper gründlich verstehen wollen oder eigene Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet leisten möchten.
  • Hans-Joachim Niemann, Lexikon des Kritischen Rationalismus, Tübingen (Mohr-Siebeck) 2004, ISBN 3-16-148395-2. Zur schnellen Information über die tausend wichtigsten Begriffe und Argumente von Poppers (und Hans Alberts) Kritischen Rationalismus. Mit zahlreichen Querverweisen und Verweisen auf die originalen Textstellen.

Englischsprachige Biographien

  • Malachi Haim Hacohen:Karl Popper – the Formative Years 1902–1945. Politics and Philosophy in Interwar Vienna. Cambridge: University Press 2000. ISBN 0-521-47053-6. Die einschlägige Popperbiographie bis 1945, die viel Licht auf Poppers Werk wirft und seine geistigen Wurzel freilegt. Eine Fortsetzung (Popper lebte noch weitere 49 Jahre) hat dieser Autor leider nicht geplant.
  • Bryan Magee, Popper, Fontana paperback 1973 mit sehr vielen späteren Auflagen. Sehr kurz und sehr gut. Magee war aktiver Politiker und ein Freund Sir Karls. Noch intimere Einblicke in Poppers (geistiges, ein anderes hatte er nicht) Leben, finden sich beim gleichen Autor in dessen Confessions of a Philosopher, Random House hardcover 1997, Kapitel 11.
  • Joseph Agassi, A Philosopher's Apprentice: In Karl Popper's Workshop, Editions Rodopi 1993. ISBN 9051835639. Autobiographischer Bericht von Agassi über den Eindruck, den Popper bei ihm hinterlies.
  • William W. Bartley, Karl Popper: A life, unveröffentlicht

Englischsprachige Studienführer

  • Roberta Corvi, An Introduction to the Thought of Karl Popper, aus dem Italienischen von Patrick Camiller, Routledge paperback, 209 Seiten. Eine sehr gute Analyse des Popperschen Werks mit vielen Hinweisen auf die einschlägigen Textstellen.
  • The Cambridge Companion to Popper ist seit langem in Vorbereitung, aber noch nicht erschienen. Diese Führer sind erfahrungsgemäß sehr umfangsreiche und wertvolle Studienbegleiter.
  • Steve Fuller, Kuhn vs. Popper: the struggle for the soul of science Cambridge: Icon, 2003 (repr. 2003, 2004, 2006). Sehr gut lesbare Studie über den wissenschaftstheoretischen Streit zwischen Popper und Kuhn und gleichzeitig eine interessante Einschätzung zur geisteswissenschaftlichen (Fehl-)Rezeption Poppers als traditionell und Kuhns als progressiv. Nach Ansicht des Autors ist es vielmehr umgekehrt.

Quellen

  1. Edward Zerin: Karl Popper On God: The Lost Interview. Skeptic 6:2 (1998), zitiert bei http://www.wonderfulatheistsofcfl.org/Quotes.htm
  2. Zitiert bei http://www.fortunecity.de/lindenpark/may/68/2f.html
  3. David Miller: Sir Karl Popper: A Personal Note. Popper Letters 6:2 (1994)
  4. William W. Bartley: Critical Study: The Philosophy of Karl Popper. Part I. Philosophia 6:3–4 (1976), S. 463–494
  5. William W. Bartley: Critical Study. The Philosophy of Karl Popper. Part II. Philosophia 7:3–4 (1978), S. 675&nash;716.
  6. Siehe Auf der Suche nach einer Besseren Welt, S. 103
  7. Karl R. Popper: Was ist Dialektik?. In Ernst Topitsch (Hrsg.): Logik der Sozialwissenschaften 5 (51968), 262–290.
  8. Ronald Bartlett Levinson: In defense of Plato, Russell & Russell, 1970, ASIN B0006C2PG4
  9. Walter Kaufmann: Hegel: Legende und Wirklichkeit. In: Zeitschrift für philosophische Forschung Band X, 1956, 191–226.
  10. Maurice Cornforth: The Open Philosophy and the Open Society: A Reply to Dr. Karl Popper's Refutations of Marxism, New York: International Publishers, 1968.
  11. Karl Popper (2004) Alle Menschen sind Philosophen, Serie Piper, München/Zürich, ISBN 978-3-492-24189-2; ISBN 3-492-24189-1

Weblinks



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