Kardinal

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Kardinal bezeichnet eine so genannte Dignität, die - ohne ein besonderes Amt zu vermitteln - mit vielen Privilegien ausgestattet ist, einen Titel der römisch-katholischen Kirche, der vom Papst verliehen wird ("Kreierung"). Der Titel berechtigt den (noch nicht über 80 Jahre alten) Träger zur Papstwahl und verpflichtet ihn zur besonderen Mitverantwortung an der Gesamtleitung der Kirche („Senat des Papstes“). Neben den Kardinälen, die z. B. hervorgehobene Bischofssitze einnehmen (Köln, München, Berlin), gibt es solche, die im Vatikan die Funktionen von „Ministern“ innehaben (Kurienkardinäle).

Geschichte

Kardinäle waren ursprünglich Mitarbeiter des Bischofs von Rom im Dienste der ersten Pfarreien der Stadt. Sie waren Vorsteher der tituli cardinales, der wichtigsten Pfarreien („Titelkirchen“). Bis heute wird jedem Kardinal in Rom eine Titelkirche zugewiesen. Seit 1059 wählen ausschließlich Kardinäle im so genannten Konklave den neuen Papst.

Mithilfe der Vergabe von Kardinalshüten konnten Päpste in der frühen Neuzeit ihre Beziehungen zu den europäischen Fürstenhäusern pflegen und ihre freundschaftliche Beziehung zu anderen Staaten festigen. Oft wurde ein Sohn oder ein Bruder des regierenden Fürsten zum Kardinal erhoben. Gelegentlich empfingen diese „dynastischen“ Kardinäle keine Weihen. Damit blieb ihnen die Möglichkeit, in den Laien-Stand zurückzukehren. Kardinalsernennungen verloren schließlich nach dem Westfälischen Frieden von 1648 ihre politische Bedeutung. Das Interesse europäischer Fürstenhäuser schwand, im Kardinalskollegium eigens vertreten zu sein.

Da der Papst bis 1870 Landesherr eines Kirchenstaates war, der von Bologna und Ferrara im Norden bis nach Benevent im Süden reichte, fanden sich Kardinäle auch als hohe Verwaltungsbeamte.

Heutige Bestimmungen

In der Regel werden nur Bischöfe zu Kardinälen ernannt, in Ausnahmefällen aufgrund besonderer Verdienste auch Priester. Der Papst braucht nicht den Namen eines jeden kreierten Kardinals bekannt zu geben (Kardinal in petto).

Kardinäle werden in drei Klassen eingeteilt: Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone. Sie bilden das Kardinalskollegium unter der Leitung des Kardinaldekans. Die Zahl der zur Papstwahl berechtigten Kardinäle ist auf 120 begrenzt. Kardinäle tragen meist Gewänder in "Purpur" (scharlachrot). Der frühere Kardinalshut mit seitlich herabhängenden 15 Quasten, wie er in manchen Titelkirchen zu sehen ist, erscheint heute nur noch im Wappen. Der Kardinal ist berechtigt, in jeder Kirche der Welt mit einer - mittlerweile kaum mehr getragenen - Meter langen Schleppe einzuziehen. Der Kardinal darf zudem bei Verfehlungen gegen das Kirchenrecht allein vor das Gericht des Papstes gezogen werden. Über seine Titelkirche übt er keine Gewalt aus, wohl aber sind seine beratende Schirmherrschaft und finanzielle Zuwendung gefragt. Zu den Ehrenrechten gehört die Anrede „Eminenz“. Der Titel „Kardinal“ wird in Deutschland als Namensbestandteil zwischen Vor- und Nachname geführt (korrekt: Joachim Kardinal Meisner). Ein Kardinal hat den Anspruch, in seiner Titelkirche bestattet zu werden.

Zitate

„Frömmigkeit war selten im Heiligen Kollegium der Kardinäle, Atheismus ziemlich allgemein.“ (Stendhal, Promenades dans Rome, 1829)

"Aber er hatte schon immer diese Aura eines Kardinals: hoch intelligent bei Abwesenheit jeglicher Erotik." (Uta Ranke-Heinemann über Joseph Ratzinger, DER SPIEGEL, 7. April 2005)