Heiliger Geist

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Der Heilige Geist (lat. Spiritus Sanctus) ist im Christentum nach dem wichtigsten altkirchlichen Bekenntnis des 4. Jahrhunderts (Nicäno-Konstantinopolitanum) die dritte Person der Trinität.

Judentum

Im Tanach (Altes Testament), den Heiligen Schriften des Judentums, bezeichnet der Heilige Geist (Ruach HaQodesh, wörtlich „Heiliger Atem“; Ruach JHWH – „Atem des Herrn“; Ruach HaElohim – „Gottesatem“; Ruchaká – „dein Atem“) die wirkmächtige Gegenwart Gottes im Leben der Menschen. Der Begriff ist insbesondere auf Israel und die Propheten bezogen; findet aber auch auf die ganze Schöpfung Anwendung.

Die Begriffskombination Ruach HaQodesh erscheint als Ruach Qodesho in den hebräischen Schriften nur zweimal. Die Kombination von ruach mit dem Gottesnamen oder der Gottesanrede ist dagegen häufig.

Christentum

Der Heilige Geist ist im trinitarischen Christentum eine der drei Personen Gottes (siehe Dreifaltigkeit: Gott-Vater, Gott-Sohn, Gott-Heiliger-Geist) und wird auch als dritte Person des Dreieinigen bzw. Dreifaltigen Gottes bezeichnet. Heilig ist im Sinne von „göttlich“ gebraucht. In den Konfessionen ist die Sichtweise über den Heiligen Geist unterschiedlich, der Heilige Geist wird jedoch in allen Konfessionen als solcher akzeptiert.

Die Christen fast aller Kirchen feiern 50 Tage nach Ostern Pfingsten als den Tag, an dem der Heilige Geist auf die Jünger Jesu ausgegossen wurde.

Bibelstellen

Im griechischen Neuen Testament erscheint der Begriff „Heiliger Geist“ (Hagion Pneuma) rund einhundert mal.

Das Christentum hat auch verschiedene alttestamentliche Stellen auf den Heiligen Geist bezogen ausgelegt: in der Schöpfungsgeschichte „schwebte der Geist Gottes über den Wassern“. Im weiteren Verlauf der biblischen Geschichte waren es einzelne Personen, die nach christlicher Auslegung besonders mit dem Geist Gottes erfüllt waren, z.B. Josua.

Symbole für den Heiligen Geist

Thomas C. Oden[1] führt die folgenden neutestamentlichen Symbole und Metaphern für den Heiligen Geist auf, die von der Theologie und der Kirche aufgegriffen wurden:

  • der unsichtbare Wind, aufgegriffen in Briefen von Athanasius und den katechetischen Lektionen von Cyril von Jerusalem
  • fließendes Wasser, Quellwasser (Johannes 7,37f, Off. 22,17) aufgegriffen z.B. von Ambrosius von Mailand in De Spiritu Sancto und von Johannes Chrysostomos in der 51. Predigt über das Johannesevangelium
  • Feuer (Pfingstereignis), bei Athanasius, Ambrosius von Mailand, Cyril von Jerusalem, Hildegard von Bingen
  • Salböl, aufgenommen in den Apostolischen Konstitutionen, bei Cyril von Jerusalem, im Sakrament der Firmung von der orthodoxen und der katholischen Kirche.
  • Taube (Taufe Jesu)

Kirchliche Texte und Hymnen

Wichtige altkirchliche Texte über den Heiligen Geist sind "De Spiritu Sancto" von Basilius von Caesarea, die fünfte theologische Rede "Über den Heiligen Geist" von Gregor von Nazianz und "De Trinitate" von Augustinus von Hippo.

Es gibt zahlreiche traditionelle Hymnen, in denen der Heilige Geist direkt angeredet wird, z.B. Nunc, Sancte, nobis Spiritus von Ambrosius von Mailand, Komm, o Geist der Heiligkeit (Pfingstsequenz aus dem Messbuch). Im lateinamerikanischen Katholizismus ist es darüber hinaus seit rund 30 Jahren eine Tradition, in Tageszeitungen ein Dankgebet an den Espíritu Santo zu schalten. Im Gegensatz zu den Westkirchen sind in den orthodoxen Kirchen liturgische Gebete zum Heiligen Geist im Gebrauch.

Der Filioque-Streit

Der so genannte Filioque-Streit, das heißt die Auseinandersetzung, ob der Heilige Geist

  • vom Vater ausgeht und durch den Sohn der Welt gesendet wird, oder
  • vom Vater und Sohn „als einem einzigen Prinzip“ ausgeht

war eine von verschiedenen Unstimmigkeiten, die zur Spaltung zwischen orthodoxer Kirche und römisch-katholischer Kirche führten. Die Westkirchen halten im Allgemeinen an dem „filioque“ fest, betonen also, dass der Heilige Geist aus Gott Vater und Gott Sohn hervorgehe.

Römisch-Katholische Kirche

Die Römisch-katholische Kirche kennt wie die Orthodoxe Kirche das Sakrament der Firmung oder Salbung. Darin empfängt der Firmling oder Gesalbte die sieben Gaben des Heiligen Geistes, welche dessen zwölf Früchte hervorrufen sollen. Im Katholizismus wird die Firmung Jugendlichen meist im Alter von 11 bis 16 Jahren durch einen Bischof gespendet, im Gegensatz zu den orthodoxen Kirchen, wo sie sofort nach der Taufe durch den Priester gespendet wird.

Der Hl. Geist geht aus dem Vater und dem Sohn als einem einzigen Prinzip durch „eine einzige Hauchung“ hervor. Das ist die Lehre der katholischen Kirche. Im Unterschied zum Sohn, der durch „Zeugung“ aus dem Vater hervorgeht, geht der Hl. Geist den Weg der Hauchung aus dem Vater und dem Sohn. Im Glaubensbekenntnis des Michael Paläologus aus dem Jahr 1274 wird der Heilige Geist als "vollständiger, vollkommener und wahrer Gott" bezeichnet.

Der Unterschied zwischen Zeugung und Hauchung dürfte darin begründet sein, dass der Intellekt, aus dem der Sohn gezeugt wird, und der Wille, aus dem der Hl. Geist hervorgeht, in Gott virtuell unterschieden sind, ferner darin, dass nur das Erkennen die dem Zeugungsbegriff wesentliche assimilative Tendenz besitzt, nicht aber das Wollen. Beim Erkennen ist die Ähnlichkeit („similitudo rei intellectre“) ebenso wie beim Zeugen Ziel, beim Wollen hingegen ist sie Voraussetzung („similitudo est principium amandi“). Der Hl. Geist ist zwar ebenso wie der Sohn dem Vater wesensgleich, aber er besitzt die Wesensgleichheit nicht auf Grund der besonderen Art und Weise seines Hervorgehens. Die Hauchung des Hl. Geistes verwirklicht darum nicht alle Merkmale des Zeugungsbegriffes. Der Unterschied zwischen der aktiven Zeugung und der aktiven Hauchung ist weder ein realer noch ein bloß gedachter (der Hl. Geist ist nicht gezeugt), sondern ein virtueller wie zwischen dem göttlichen Erkennen und dem göttlichen Wollen.

Der Heilige Geist ist die Quelle des Gnadenlebens eines Menschen. Papst Johannes Paul II. nannte ihn in der Tradition der Kirche einen Lebensspender.

Evangelische Kirchen

Die evangelische Konfirmation entstand aus diesem Ritual unter Verzicht auf die Salbung, wird aber nicht als Sakrament verstanden. Dabei wird vor der Einsegnung in einer Epiklese um den Heiligen Geist für die Konfirmanden gebetet. Die Einsegung wird als Stärkung im Glauben durch den Heiligen Geist verstanden.

Anglikanische Kirche

Auch in der anglikanischen Kirche wird die Konfirmation durch den Bischof durch das Auflegen der Hände gespendet, damit der Firmling im Heiligen Geist gestärkt wird.

Weitere Glaubensgemeinschaften

Einige christliche Konfessionen sprechen statt von Salbung oder Firmung von Versiegelung.

Christliche Glaubensgemeinschaften, die nicht an das Dogma der Dreifaltigkeit glauben (Nichttrinitarier, wie z. B. die Zeugen Jehovas), sehen den Heiligen Geist nicht als Person, sondern als Gottes wirksame Kraft.

Islam

Nach sunnitischer Auffassung des Islam wird der Erzengel Djibril auch als Ruh al-Qudus / روح القدس‎ /„Geist der Heiligkeit“ bezeichnet. Der Trinitätsbegriff der Christen wird vielfach missverstanden (vgl. Trinität: Islamische Sichtweise und Gabriel (Erzengel)).

Religionsgeschichtliche Parallelen

Zum Begriff des Heiligen Geistes bestehen Parallelen in anderen Religionen. Das Konzept „Hagion Pneuma“ findet sich in sehr ähnlicher Form bereits in griechischen und altindischen religiösen und philosophischen Abhandlungen, die vor dem Neuen Testament verfasst worden sind.

In der Geschichte der christlichen Mission sind oft Elemente des christlichen Glaubens mit inhaltlich ähnlichen Glaubensvorstellungen anderer Religionen konfrontiert, in diesem Licht neu verstanden und akkommodiert.

Das schamanische Pantheon kennt bei manchen Völkern ebenfalls höchste Geistwesen, denen alle anderen geistigen Entitäten untergeordnet sind. Dies ist aber bei den verschiedenen nord- und zentralasiatischen Völkern nicht durchgängig der Fall.

Literatur

Altkirchliche Quellen

  • Basilius von Caesarea: De Spiritu Sancto [1] (englisch)
  • Gregor von Nazianz: Fünfte Theologische Rede [2] (englisch)
  • Augustinus von Hippo: De Trinitate [3]

Sekundärliteratur

  • Werner H. Schmidt, Peter Schäfer, Klaus Berger, Wolf-Dieter Hauschild u.a.: Geist/Heiliger Geist/Geistesgaben I. Altes Testament II. Judentum III. Neues Testament IV. Dogmengeschichtlich V. Dogmatisch und ethisch VI. Praktisch-theologisch VII. Der philosophische Geistbegriff. In: Theologische Realenzyklopädie 12 (1984), S. 170-254 (umfassender wiss. Überblick)
  • Daniel Munteanu, Der tröstende Geist der Liebe. Zu einer ökumenischen Lehre vom Heiligen Geist über die trinitarischen Theologien J. Moltmanns und D. Staniloaes, Neukirchen-Vluyn 2003
  • Ludwig Ott, Grundriss der Katholischen Dogmatik, 11. Auflage mit Literaturnachträgen, nova & vetera, 2005, ISBN 3-936741-25-5
  • James L. Packer: Auf den Spuren des Heiligen Geists. Im Spannungsfeld zwischen Orthodoxie und Charismatik, 1989, ISBN 3-7655-2413-1
  • Thomas C. Oden: Life in the Spirit. Systematic Theology Volume Three, Kapitel 1 und 2. Systematischer Überblick über den ökumenischen Konsens in der Pneumatologie.

Einzelnachweise

  1. Thomas C. Oden, Life in the Spirit, S 41-47

Weblinks


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