Hagalil

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300px-Icon falscher Titel.png Der korrekte Titel dieses Artikels lautet „haGalil“. Diese Schreibweise ist aufgrund technischer Einschränkungen momentan nicht möglich.

haGalil onLine ist ein kostenlos abrufbares Internet-Portal. Es ist nach eigenen Angaben das "größte jüdische online-Magazin in deutscher Sprache" mit etwa 300.000 Lesern monatlich (April 2005). haGalil ist die hebräische Bezeichnung für Galiläa.

Das Projekt wurde im Jahr 1995 gegründet und unterhält Büros in München und Tel Aviv, Herausgeber sind David Gall und Eva Ehrlich.

Inhalte

haGalil ist eine Artikelsammlung und ein Bildungs- und Informationsangebot zu vielfältigen Aspekten aktuellen jüdischen Lebens, Geschichte, Kultur und Religion. Hauptthemen sind Judentum und Israel sowie Judenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus, speziell in der Bundesrepublik Deutschland.

Ziele

haGalil versteht sich selbst als Gegengewicht zu antisemitischen und nazistischen Seiten im World Wide Web. Neben der Berichterstattung über jüdisches Leben und jüdische Kultur in Geschichte und Gegenwart in Deutschland und Europa, Entstehung und Entwicklung des Staates Israel sowie dessen Einbindung im Nahen Osten ist ein zweiter Arbeitsschwerpunkt, antisemitischer und rechtsextremer Propaganda im Internet entgegenzutreten. haGalil ist dabei vor allem durch drei Projekte zur Eindämmung von Rechtsradikalismus im Internet bekannt geworden. Unter dem Motto "100 Seiten Wahrheit für jede Seite Lüge und Hass" wurden Websites mit antisemitischen oder geschichtsrevisionistischen Inhalten von den höheren Suchmaschinenrängen verdrängt.

Seit 1997 steht ein eigenes "Formular zur Meldung rechtsextremistischer Seiten" bereit, um rechtsextreme, rassistische und antisemitische Internetangebote zu melden. Es hat sich inzwischen zum weltweit meistgenutzten Angebot dieser Art entwickelt. Monatlich gehen über zweihundert Meldungen bei der Redaktion ein. Jede Meldung wird auf die strafrechtliche Relevanz der angegebenen Website geprüft und gegebenenfalls eine Anzeige gestellt. Die Anwälte des Fördervereins haGalil e.V. konnten so in mehreren Fällen eine gerichtliche Verurteilung erwirken.

Das primäre Ziel ist jedoch, die unmittelbaren Urheber rechtsextremer Seiten zu ermitteln und Polizei sowie Verfassungsschutzbehörden entsprechend zu informieren. Erst an zweiter Stelle geht es darum, die Provider zur Entfernung der Internetpräsenz zu bewegen. Bei massivem Missbrauch bestimmter Internetangebote können so Maßnahmen nach dem Medienstaatsvertrag gegen den Provider ergriffen werden. Damit wurde eine der erfolgreichsten Initiativen gegen rechtsextremistische Propaganda im Internet aufgebaut.

Der Internetdienst war es zum Beispiel auch, der als erster die häufig als antisemitisch eingestufte Rede des damaligen CDU-Abgeordneten Martin Hohmann bekannt gemacht hat.

Betreiber

Träger und Betreiber ist der Verein haGalil e.V. mit Sitz in München. Zweck des Vereins ist Förderung von Wissenschaft und Forschung sowie der Völkerverständigung. Dieser Vereinszweck wird insbesondere verwirklicht durch wissenschaftliche Forschung, die Veröffentlichung der so gewonnenen Erkenntnisse in Druck- und EDV-Medien und durch Abhaltung von Kolloquien, Diskussionsforen, Bildungs- und Aufklärungsveranstaltungen, wobei Publikationen und Veranstaltungen im Bereich der neuen Medien ganz besondere Berücksichtigung finden. Darüber hinaus werden Informationsveranstaltungen, Stadtrundgänge, Ausstellungen, Filmabende etc. für Lehrer und Schüler, Journalisten und andere Interessierte angeboten.

Finanzierung

haGalil finanziert sich durch Werbeeinnahmen sowie Spenden. Zwischen 2002 und 2004 wurde es teilweise auch durch entimon, das Aktionsprogramms der Bundesregierung "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus" in der Größenordnung von 100.000 Euro gefördert. Eine weitere Förderung wurde vom zuständigen Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Januar 2005 mit unterschiedlichen Begründungen, unter anderem einem Wechsel des Trägers, abgelehnt.

Hackangriff

Am 2. Februar 2006, 6 Uhr früh wurde die Website gehackt und dabei alle Daten vom haGalil-Server gelöscht. Einen Tag vor dem Angriff hatte haGalil die umstrittenen Mohammed-Karikaturen des dänischen Jyllands-Posten auf seiner Seite veröffentlicht und antisemitischen und antiamerikanischen Karikaturen gegenübergestellt. Neben haGalil.com sind rund 60 weitere Seiten betroffen.

Dazu David Gall, Herausgeber des Portals:

  • „Ich persönlich fand die Zeichnungen plump und dumm. Aber wenn die Reaktionen darauf bis zu Morddrohungen wie »Tötet die Dänen!« reichen, dann geht das über jedes Maß hinaus.“
  • „Die IP-Adresse, von der aus eine entsprechende Datei eingesetzt worden ist, [...] führt nach Katar“
  • „Technische Gründe und Versehen sind inzwischen auszuschließen und da muss ich wohl annehmen, dass haGalil aus ‚ideologischen‘ Gründen zerstört wurde.“
  • „Dabei haben wir uns stets gegen die Schwarz-Weiss-Malerei und die Polarisierung gegen Muslime gewandt. haGalil hat sicher nie gegen den Islam Stimmung gemacht. In den Nazis, die wir in aller erster Linie, seit inzwischen zehn Jahren, bekämpfen, haben wir sogar einen gemeinsamen Feind gesehen. Durch das Virus aus Katar seien jetzt auch Seiten wie ‚Klick nach Rechts‘ oder ‚Nazis im Internet‘ verloren gegangen, wo jeder Bürger neonazistische Vorfälle melden konnte.“
  • „Wir sind an einem Punkt angelangt, wo religiöse Auslegungen über den Wert von Menschenleben gesetzt werden. Da muss man gegenhalten – auch wenn es weh tut. Insofern fand ich es enttäuschend, wie schnell europäische Politiker einknickten und sagten, man müsse die Gefühle der Muslime respektieren. haGalil hat immer mit Muslimen das Gespräch gesucht. Denn gerade mit seinen »Gegnern« muss man sich unterhalten und gegen jede Polarisierung arbeiten.“

Das mit den Ermittlungen betraute Landeskriminalamt Bayern will an Katar ein Rechtshilfegesuch wegen rechtswidriger Datenveränderung (§303a StGB) schicken.

Ein Großteil der Daten war als Sicherungskopie vorhanden, so dass haGalil schon nach rund zwei Wochen nach dem Angriff wieder online gehen konnte.

Weblinks


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