Häufig geäußerte Argumente

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Diese Seite führt Häufig geäußerte Argumente (frequently uttered arguments) von Theisten auf und stellt ihnen eine kritisch-rationale Betrachtung gegenüber.


Theistische Argumente wurzeln üblicherweise in einem der folgenden logischen Fehler:

  • Inkonsequenz: Das Argument wird nicht weitergeführt, weil es zurückschlagen würde (Beispiel: Nichts kann aus dem Nichts entstehen).
  • Zirkelschluss: Das zu Beweisende ist Voraussetzung für die Gültigkeit des Beweises (Gott hat Recht, weil es in der Bibel steht. Die Bibel hat Recht, weil Gott es sagt).
  • Falsches Dilemma: Es werden zwei gegensätzliche Optionen angeboten, eine theistisch günstige und eine abzulehnende; andere Optionen, die plausibler wären als jede von beiden, werden unterschlagen (Entweder ist alles völliger Zufall oder es gibt einen göttlichen Plan).
  • Non sequitur: Die Schlussfolgerung leitet sich nicht aus den zugrundeliegenden Prämissen ab; daher können die Prämissen wahr sein und der Schluss dennoch unwahr (Wenn wir von einfacheren Lebensformen abstammen und meine Katze Minka eine einfachere Lebensform ist, dann stamme ich laut Evolutionstheorie von Minka ab).

Weitere verbreitete logische Fehlschlüsse lassen sich unter den genannten einordnen. So sind viele Immunisierungen gegen Kritik Zirkelschlüsse (Christentum hat nur Gutes vorgebracht, denn Schlechtes ist unchristlich) und ein Argumentum ad hominem stets ein Non Sequitur im weiteren Sinne (Wenn er Atheist ist und Atheisten gottlos sind, dann kann seine Kritik nur falsch sein).


Die Schwäche von Standpunkten, die sich so begründen, ist also nicht erst die Empirie, sondern viel grundlegender noch bereits das Erkenntnissystem selbst. Im Folgenden wird beides thematisiert, aber das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass schon durch das Fehlen logischer Richtigkeit das Argument ungültig ist. Das Argument "Gott ist Liebe: Unbewiesen und doch existent" beispielsweise disqualifiziert sich bereits durch das Non sequitur, das ihm zugrunde liegt - eine Diskussion um die wissenschaftliche Messbarkeit von Liebe kann es nicht "retten". Um aber Fehlvorstellungen über die Empirie nicht unwidersprochen zu lassen, werden derartige Diskussionen dennoch im Folgenden berücksichtigt.
Die fundamentalen logischen Unzulänglichkeiten zu verstehen ist erforderlich, um sich von empirischen Diskussionen nicht irreführen zu lassen. Bei dem Argument "Nur absolute Bibelkenner dürfen sich ein Urteil erlauben" etwa wird untersagt, eine Einschätzung ohne umfassendste Kenntnisse vorzunehmen. Diese Kenntnisse sind aber gar nicht notwendig, um (zumeist triviale) logische Fehler in der Argumentation zu erkennen. Rätsel wie "Der verschwundene Euro" veranschaulichen dies.



Inhaltsverzeichnis

Rationalität und Logik

Der Glaube ist also irrational? Na und? Er kann trotzdem wahr sein!

Es ist meine Absicht, den Menschen zu zeigen, dass der Glauben letztlich irrational (unvernünftig) und unbegründet ist. Es gibt einige Gläubige, die bereit sind, dieses Verdikt zu akzeptieren - die aber nicht vom Glauben lassen wollen, beispielsweise aus emotionalen Gründen, oder weil das Leben so erträglicher und sinnvoller erscheint (siehe Häufig geäußerte Argumente mit dem Fokus "Emotionen").

Die meisten religiösen Systeme beruhen letztlich (in ihrem Kern) auf zirkulärer und falscher Logik. Da die Richtigkeit einiger Kernannahmen zugleich dogmatisch verfochten wird, entsteht ein Gewebe aus Argumenten, die sich gegenseitig zu tragen scheinen. Dieses System hat zwei Fehler - jeder Dogmatismus ist vollkommen willkürlich, und jeder logische Zirkel lässt sich mit der gleichen Berechtigung so formulieren, dass er das Gegenteil besagt. Außerdem kann man jeden Zirkel in Tautologien (= leere Wahrheiten) zerlegen, so dass er jeden Sinn verliert und jeden Inhalt. Damit ist der Glauben im Kern irrational und inhaltlich von vollkommener Beliebigkeit. Ob man nun an Gott glaubt oder nicht, ist eine Entscheidung geprägt von Willkür und Zufällen (und man kann nur hoffen, dass die irrationale Entscheidung nicht gegen sich selbst oder andere Menschen als Waffe zum Einsatz kommt). Dies macht die Irrationalität gefährlich, hinzu kommt die Unberechenbarkeit irrationaler Menschen. Solange man sich nicht gegen die rationale Gesellschaft wehrt, ist dies in Ordnung. Aber eine Portion Irrationalität und genügend irrational fremd gesteuerte Menschen sind eine Bombe, die jederzeit zum religiösen GAU führen kann. Man sollte es sich überlegen, ob man eine Waffe in den Händen skrupelloser Menschen sein will, oder ob man nicht doch lieber anfängt, selbst und für sich zu denken.

Die Idee, dass man den Glauben nur verstehen kann, nachdem man ihn akzeptiert hat (siehe hier), beruht auf einer Denkfalle, die im Wesentlichen zirkulär aufgebaut ist und das Denken in einen Kreis zwingt. Jeder der verschiedenen Glaubensrichtungen funktioniert ähnlich, Glauben wird so leicht zu einer logische Manipulationsmaschine, eine Methode der Gedankenkontrolle, die auf der emotionalen Verstärkung bestimmter Grundansichten beruht.

Wenn etwas irrational ist, dann impliziert das, dass man nichts über den Wahrheitsgehalt sagen kann. Er kann eben nicht "trotzdem" wahr sein, er kann allenfalls sinnfrei sein, bestenfalls falsch.

Abgesehen davon basiert der Kern des christlichen Glaubens nämlich doch auf Logik - verwirft man die Logik, verwirft man auch zugleich den Glauben. Beispiel:

(P1) Um das Heil zu erlangen, muss man Jesus als seinem Retter akzeptiert haben (an ihn glauben, ihm folgen, seine moralischen Gebote für richtig halten - es ist gleichgültig, was man hier einsetzt, das Argument bleibt davon unberührt). (P2) Man akzeptiert Jesus nicht als seinen Retter ( man glaubg nicht an ihn, man folgt ihm nicht, man hält seine moralischen Gebote für falsch usw. usf.) (S) Deswegen wird man errettet werden (irrationale oder alogische Schlussfolgerung aus (P1) und (P2)).

Wenn man nun sagt, dass die Schlussfolgerung (S) falsch sei, auf welcher Basis kann man das tun? Wenn die Logik nicht in Glaubensdingen gilt, dann ist der Schluss (S) richtig. Wenn man (S) verwirft, dann deswegen, weil es nicht logisch ist, so zu argumentieren! Wenn man meint, errettet zu werden, weil (P2) bei einem lautet, dass man Jesus als seinen Retter akzeptiert (an ihn glaubt usw. usf.), dann ist das ein korrekter logischer Schluss. Wenn man behauptet, Gott stehe "jenseits" der Logik, dann ist der Schluss (S sei falsch) aber falsch und der obige Schluss (S) ist richtig, weil Gott sich eben nicht an die Regeln menschlicher Logik hält oder halten muss. Dies kann man für fast jeden Glaubenssatz sagen - wenn man meint, dass aus der Auferstehung von Jesus irgendetwas folgt, nach welcher Regel geschieht dies? Logik ist nichts anderes als die Anwendung von Regeln, zu behaupten, Logik sei in Glaubensdingen nicht angemessen ist dasselbe, wie zu behaupten, es gäbe keine Regeln im Glauben. Dann ist alles möglich, auch, dass Gott einem mit der Hölle bestraft, weil man an ihn geglaubt hat.

Wenn es Ausnahmen von den Regeln der Logik gibt (im Glauben), woher will man wissen, wo diese bestehen und wo nicht? Diese Ausnahmen könnten an jeder Stelle zuschlagen, was den Glauben zu einer Lotterie macht. Letztlich bedeutet es, wenn man keine Logik (kein regelbasiertes Denken) zulässt, dass beliebige Dinge aus dem Glauben folgen. Benutzt wird dies meist, um den Konsequenzen auszuweichen und ist reines Wunschdenken - Man hält den Glauben für wahr, weil man sich wünscht, dass er wahr ist. Das ist ein äußerst schwaches Argument.

Hinzu kommt: Wenn Gott der Schöpfer des Universums ist, dann ist diese Welt seine erste Offenbarung. Diese folgt strengen logischen Gesetzmäßigkeiten. Wenn der Glaube oder eine zweite göttliche Offenbarung (z. B. die Bibel) aber keiner erkennbaren Logik folgt, dann steht damit die zweite Offenbarung in einem offenkundigen Widerspruch zur ersten Offenbarung, was bedeutet, eine der beiden Offenbarungen ist falsch - entweder, Gott hat das Universum nicht geschaffen oder er hat sich nicht in der Bibel offenbart. In beiden Fällen ist das Christentum falsch. Die Konsequenzen für den Glauben sind verheerend, alle Argumente für den Glauben sind falsch, wenn man versucht, auf diese Weise alle Argumente gegen den Glauben falsch erscheinen zu lassen. Nichtlogisches Schließen ist beliebiges Schließen, Glauben wäre dann nur ein Wort für Beliebigkeit. Man hat sich damit (als Gläubiger) den Boden unter den Füßen weggezogen.


Glauben ist eben nicht rational zu verstehen - und Du überbewertest die Rationalität

Glauben kann man sehr wohl rational verstehen - Sigmund Freud ist dafür ein gutes Beispiel und viele andere Psychologen, Psychiater, Religionssoziologen usw. usf. ebenfalls. Dass man den Glauben selbst nicht rational nachvollziehen kann, ist eine Auffassung, die ich teile und auf meiner Website zu verdeutlichen suche. Dass man (wenn man unter "Verstehen" das "Teilen der Auffassung" begreift) den Glauben nur teilt, wenn man ihn teilt, ist eine trivial-zirkuläre Wahrheit.

Allerdings setzt das "Teilen des Glaubens" eine rationale Entscheidung voraus - ansonsten ist der Glauben durch (meist frühkindliche) Indoktrination entstanden, d. h. man hat sich nicht für den Glauben entschieden, sondern für das Festhalten an durch Gehirnwäsche aufgeprägte Glaubensgrundsätze. Wie kann man glauben, man habe eine rationale Entscheidung für den Glauben getroffen, wenn man die Rationalität so gering bewertet? Und wenn die eigene Rationalität so schlecht ist, wie kann man dann glauben, die richtige Entscheidung getroffen zu haben?

Die meisten Gläubigen treffen keine rationale Entscheidung für den Glauben. Sie glauben, was man ihnen aufgezwungen hat, bevor sie ihre Ratio entwickeln konnten. Danach hat man ihnen dann die Schwäche ihrer Ratio als eine Tugend eingeredet, um sie "bei der Stange" zu halten.

Ein anderer Ausdruck für "schwache Ratio" aber ist (auch wenn es eigentlich wie eine Beleidigung klingt) Dummheit. Man kann nur wissen, ob man nicht wegen Dummheit glaubt, wenn man die rationale Entscheidung nachholt. Dazu aber muss man die (wesentlichen) Gegenargumente kennen und verstanden haben. Man kann etwas nur wirklich dann richtig erkennen, wenn man es von allen Seiten betrachtet hat. Einseitigkeit ist keine Tugend, auch wenn man dies im Religionsunterricht oder der Bibelschule gelernt haben mag. Einseitige Information ist meist Folge einer Manipulation.

Aber Information alleine genügt nicht - man braucht noch (mindestens) eine Methode, um über den Wahrheitsgehalt von Aussagen entscheiden zu können und da ist die Vernunft unverzichtbar. Vernunftverzicht hingegen nennt man auch "unvernünftig".

Wenn man eine rationale Entscheidung im Wissen um die Argumente und Konsequenzen getroffen hat und sich für den Glauben entscheidet, dann ist das in Ordnung.


Formale Logik ist nicht alles - was ist mit den anderen Logiken?

Neben der klassischen formalen Logik (die auf Aristoteles zurückgeht) gibt es noch andere Logiken. So wird z. B. gerne die Fuzzy Logic (unscharfe Logik) angeführt, die vor allem in der Maschinensteuerung verwendet wird, und die nicht nur "wahr" und "falsch" kennt, sondern auch beliebige Zwischenzustände. Die Fuzzy Logic lässt sich allerdings, wenn auch nur näherungsweise, auf die binäre Logik reduzieren, denn sie läuft auf Digitalcomputern, und die können nur binäre, zweiwertige Logik und sonst nichts. Wenn es auf einem Computer läuft, dann beruht es auf klassischer Logik. Außerdem, und das ist interessant, wird von denen, die Fuzzy Logic verwenden, meist nur behauptet, dass man damit die Widersprüche in ihrer Religion beseitigen kann, bislang ist man mir auf Nachfrage jeden Beweis für diese Behauptung schuldig geblieben. Mehr noch, ich habe selbst in einigen Diskussionen Fuzzy Logic verwendet, und die Ergebnisse waren meist noch verheerender, als wenn ich zweiwertige (klassische) Logik verwandt hätte. Überhaupt benutze ich selbst nur selten eine reine zweiwertige Logik, sondern eine dreiwertige Logik, die die Zustände wahr, falsch und sinnfrei kennt.

Eine weitere Logik, die aber von religiösen Apologeten so gut wie nie verwandt wird, ist die dialektische Logik, die ursprünglich auf die alten Griechen zurückgeht und vor allem von Hegel und in der Folge von Marx und Engels verwandt wurde. Ich bin ein großer Freund der ursprünglichen Dialektik, ohne die hegelschen Erweiterungen.

Dann gibt es noch die sog. parakonsistenten Logiken. Auch von denen wird manchmal behauptet, sie könnten die Widersprüche in den Religionen auflösen, weil sie mit Widersprüchen anders umgehen. Aber wird ein quadratischer Kreis - nach "normalem" menschlichen Ermessen unmöglich - durch die Anwendung einer anderen Logik möglich? Nein - und es ist gleichgültig, welche Logik wir anwenden, faktische Widersprüche bleiben erhalten, ganz unabhängig von der angewandten Logik. Wir leben nicht in der Welt von Harry Potter, wo es möglich ist, bestimmte Zaubersprüche auszusprechen, und schon ändert sich die Realität. Wir können weder durch das Murmeln von Zaubersprüchen noch die Verwendung einer anderen Logik etwas daran ändern, wie unsere Welt aussieht, wir können Widersprüche nicht einfach "wegzaubern", in dem wir unsere Sicht- oder Sprechweise der Welt ändern. Wenn Allmacht und Güte und die Übel der Welt (Theodizeeproblem) zu Widersprüchen führen, so genügt es nicht, an eine andere Logik zu denken und - Hokus Pokus Fidibus: schwupps! - schon löst sich der Widerspruch in Nichts auf. Schon überhaupt nicht genügt der bloße Hinweis auf eine andere Logik, um widersprüchliche Tatsachen miteinander zu vereinbaren.

Beispiel: Es gibt keinen viereckigen Kreis. Das ändert sich nicht, auch dann, wenn ich die Perspektive ändere.

Bei dem Glauben, eine andere Logik würde an widersprüchlichen Tatsachen etwas ändern, handelt es sich folglich um primitiven, magisch-mystischen Aberglauben . Das wäre nur anders, wenn mir jemand beweisen könnte, dass sich durch Änderung des Denkens etwas an der Realität selbst ändert, aber diesen Nachweis sind bislang alle, die es behaupteten, schuldig geblieben, obwohl hohe Preise für derartige Beweise ausgelobt wurden.

Kleine Kinder müssen erst lernen, dass Sprache und Denken keinen Einfluss auf die Realität haben. Bedauerlicherweise lernen manche Menschen dies zwar für ihr tägliches Leben, aber vergessen die Unmöglichkeit des magischen Denkens sofort wieder, wenn es um ihre Religion geht. Weil nicht sein kann was nicht sein darf - nämlich, dass ihre Religion irrational ist.

"Ich glaube es, und daher ist (oder wird) es wahr" ist eine Form des magischen Denkens.


Du kannst den Glauben nicht widerlegen

Das ist ein sehr merkwürdiges Argument - eigentlich kann man es nicht einmal ein Argument nennen. Man kann auch nicht widerlegen, dass rosa Einhörner existieren - dann dazu müsste man das ganze Universum absuchen, und zwar nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit und in der Zukunft. Daher ist es praktisch unmöglich, die Existenz von rosa Einhörnern zu widerlegen. Bedeutet dies, dass rosa Einhörner existieren? Statt "rosa Einhörner" kann man nahezu alles einsetzen. Das gilt dann auch für Zeus, den Göttervater, für Zyklopen und jede andere mythologische Gestalt, sogar für jedes nur vorstellbare Wesen. Wenn man also mit diesem Argument jeden Mythos verteidigen kann, dann ist jeder Mythos "wahr". Dann haben alle Religionen recht - das Christentum, der Islam, der Hinduismus, der Schintoismus, der Buddhismus und tausende anderer, die alle einen exklusiven Anspruch haben, d. h. glauben, sie alleine seien "wahr". Das sind sie dann auch, und zwar alle gleichzeitig, so sehr sie sich auch widersprechen.

Das Argument, etwas sei wahr, weil es nicht widerlegbar ist, ist ein Universalargument. Wenn man zulässt, dass es zur Verteidigung irgendeiner Glaubensrichtung eingesetzt wird, dann ermuntert man damit jede Art von Faschisten, Terroristen und Stalinisten, für ihre jeweilige "Wahrheit" zu kämpfen, denn man hätte keine Gegenargumente. Solche Universalargumente, wie z.B. „Und Sie können auch nicht widerlegen, dass Sie mir 1.000.000 Euro schulden - ich sende Ihnen meine Kontonummer zu, damit Sie Ihre Schuld begleichen können!“, die alles "beweisen" können, beweisen zugleich überhaupt nichts.

Damit überhaupt Menschen zusammen leben können, ist es notwendig, die Beweislastregel zu beachten. Wer immer eine Behauptung aufstellt, muss sie belegen. Wenn man also sagt, Sie schulden mir 1.000.000 Euro, dann muss man selber dazu einen Beleg bringen. Nicht der vermeintliche Schuldner muss "beweisen", dass derjenige der die Behauptung aufgestellt hat im Unrecht ist, sondern der vermeintliche Gläubiger muss belegen, dass er recht hat. Wenn jemand behauptet, dass Gott existiert, dann müssen derjenige dafür auch Belege bringen. Man muss nicht beweisen, dass Gott nicht existiert.

Und so kritisch Gläubige auch gegen andere Religionen eingestellt sind - bei ihrer eigenen Religion versagt diese Kritik. Christen bereitet es keine Mühe, nicht an Shiva zu glauben. Legten sie dieselben Maßstäbe an ihre eigene Religion an, dann wären sie keine Gläubigen. Glauben ist nicht die Folge einer schwachen Kritikfähigkeit, sondern die Ursache dafür. Und diese Ursache wirkt sehr selektiv! Christen glauben nicht an Shiva, weil es keinerlei Hinweise auf seine Existenz gibt, aber sie glauben an den christlichen Gott, obwohl es keinerlei Hinweise auf seine Existenz gibt. Und dabei ist das "christliche Konzept von Gott" auch noch in sich höchst widersprüchlich, wie man anhand des Theodizeeproblems zeigen kann. Es ist "eigentlich" unmöglich, an Dinge zu glauben, die in sich widersprüchlich sind, außer, man suspendiert jede Form kritischen Denkens, wenn es um die eigenen Glaubensinhalte geht. Dann werden auch Argumente wie "Du kannst es nicht widerlegen", die man normalerweise als lächerlich ansieht, plötzlich akzeptiert. Das nennt man dann das "Wunder des Glaubens".

Amüsanterweise taucht dieses Argument oft in derselben Diskussion wie sein "Kontrahent" auf, nämlich dass auch die Wissenschaft auf Glauben und Axiomen (= Dogmen) beruht. Zunächst wird häufig versucht, die Glaubwürdigkeit und die Autorität der Wissenschaft für die eigenen Zwecke zu "rekrutieren". Schlägt das zurück, etwa weil man zeigen kann, dass Glauben und Wissen in einem Gegensatz stehen, wird sofort eine Kehrtwende vollzogen und man grenzt sich gegen die Wissenschaft ab, um sich gegen Argumente von dort zu immunisieren.


Auch wenn es keine Belege für Gott gibt, so beweist dies nicht, dass es ihn nicht gibt

Das ist nur die Umkehrung von "Du kannst den Glauben nicht widerlegen". Auch für rosa Einhörner gibt es keine Belege oder Hinweise, also kann man ihre Existenz nicht ausschließen. Bedeutet dies, dass sie existieren? Nein, sicher nicht - warum sollte es bei Gott anders sein? Mit diesem Argument könnte auch ein Marxist sagen: "Es gibt keine Beweise dafür, dass ein utopischer Sozialismus möglich ist, also ist es nicht unmöglich, und daher kämpfen wir dafür". Dasselbe Argument könnte auch ein Faschist nehmen, um für eine Neuauflage des tausendjährigen Reiches zu "argumentieren". Usw. usf. Das ist ebenso ein Universalargument wie das vorige.

Man muss in einer Diskussion schon ziemlich verzweifelt sein, um derartig schwache Argumente, die man für jeden beliebigen Unfug ebenso gut gebrauchen kann, zu verwenden. Man kann durch Immunisierung gegen Kritik nämlich jede x-beliebige Behauptung so konstruieren, dass es keine Möglichkeit mehr gibt, Beweise oder Gegenbeweise zu finden. Auch wenn es keine Belege dafür gibt, dass Marsmenschen mittels Gedankenkontrollstrahlen unsere Gehirne kontrollieren, so beweist dies nicht, dass sie es nicht tun (so entsteht Paranoia [= Verfolgungswahn]).

Wenn Sie einmal irgendwo warten müssen, und sie keine sinnvolle Beschäftigung finden, dann denken Sie sich doch mal spaßeshalber absurde Szenarien aus und verteidigen Sie sie mit diesem Argument. Sie werden erstaunt sein, was damit alles geht - es geht tatsächlich alles.

Ihr Nachbar ist der wiedergeborene Elvis? Na gut, dafür gibt es keine Belege, aber das beweist nicht, dass er es nicht ist. Sie sind ein Nachfahre des Zaren? Na gut, dafür gibt es keine Belege, aber das beweist nicht, dass Sie es nicht sind. Ihr Großvater war heimlich ein Auftragskiller? Na gut, dafür gibt es keine Belege, aber das beweist nicht, dass er es nicht war.

Es sollte Ihnen keine Mühe bereiten, noch bizarrere Möglichkeiten zu erfinden, um diese dann mit denselben Mitteln zu verteidigen, mit denen manche Christen auch ihren Glauben verteidigen. Das macht Spaß und ist ein gutes Mittel gegen Langeweile. Nach einiger Zeit hört es dann aber auf, witzig zu sein, und wenn Sie es dann von Christen zum x-ten Male hören, dann werden Sie verstehen, warum ich manchmal so sarkastisch wirke. Weil es schwer fällt, anders darauf zu reagieren.

Zusammen mit dem Mittel, Belege für etwas zu akzeptieren, aber Belege dagegen zurückzuweisen, haben Sie bereits das nötige Rüstzeug, um eine neue Sekte zu gründen. Rufmord funktioniert übrigens auch nach diesen simplen Regeln. X ist ein Pädophiler - und es gibt für ihn keine Möglichkeit, dass Gegenteil zu beweisen. Und auch, lieber X, wenn wir keine Hinweise dazu haben, dann beweist dies nicht ihre Unschuld!

Diese Argumente sind zu allem fähig, aber zu Nichts zu gebrauchen.


Deine Argumente sind nicht zwingend!

Logisch zwingend ist nichts, außer der Erkenntnis, dass man selbst existiert. Etwas logisch Zwingendes zu verlangen, ist meist ein Indiz dafür, an die Argumente von anders Denkenden höhere Ansprüche zu stellen als an die eigenen Auffassungen. Damit ist der Weg zu neuen Erkenntnissen blockiert.


Die Pascalsche Wette beweist: Der Gläubige ist immer der Gewinner [noch kein Text]

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Wissen/Denken vs. Glauben

Jeder Mensch muss an etwas glauben

Es gibt zwei Arten von Glauben. Wenn man unter Glauben das Bilden und Verwerfen von Hypothesen ansieht, dann muss jeder Mensch glauben. Wenn man den metaphysischen Glauben (z. B. an Gott) meint, dann kann man vollkommen ohne Glauben auskommen. Das ist für Gläubige schwer vorstellbar. Man könnte jetzt argumentieren, dass man dies nur als Ungläubiger verstehen kann ... aber das wäre unredlich (siehe auch: "Man kann die Bibel (oder den Glauben) nur als gläubiger Mensch verstehen")!

"Glauben" und "Wissen" ist viel unterschiedlicher, als viele glauben - Merkmal des Glaubens ist eine Abwehr von Kritik, Wissen lässt Kritik zu, und zwar besonders da, wo wichtige Dinge auf dem Spiel stehen, Wissen setzt sich immer dem Risiko des Scheiterns aus. Glauben ist Feigheit vor der Kritik. Es ist Kritiklosigkeit, welches den Glauben blind macht.


Alle Weltbilder sind gleichwertig, keines ist besser als das andere [noch kein Text]

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Jedes Denken beruht letztlich auf Glauben

Dieses Argument ist verwandt mit "Auch die Wissenschaft beruht auf Glauben und Axiomen (= Dogmen)". Allerdings ist die Argumentation trickreicher, sie geht meist so:

"Das Denken basiert u. a. auf Logik. Aber das Denken kann sich nicht selbst begründen, dann wäre es zirkulär. Es gibt auch keinen Beweis dafür, dass diese Denkgesetze richtig sind. Also akzeptiert man die grundlegenden Denkgesetze alleine dadurch, dass man glaubt! Es ist also der Glauben, der die Grundlage allen Denkens bildet. Deswegen hat Glauben Vorrang vor dem Wissen."

Der letzte Satz ist ein Non sequitur (= es folgt logisch nicht). Selbst wenn man die Denkgesetze auf Basis eines Glaubens akzeptieren würde folgt daraus nicht, dass in allen Lebenslagen der Glauben Vorrang vor dem Wissen hat. Man kann systematisch folgendermaßen herangehen:

  • (P1) Die Grundlagen des Denkens können nicht bewiesen werden.
  • (P2) Folglich beruht alles Denken darauf, dass man an die Grundlagen glaubt.
  • (S) Aus diesem Grund beginnt alles Denken mit dem Glauben.

In diesem Argument wird die Doppeldeutigkeit des Wortes "Glauben" wieder einmal ausgeschlachtet. Wenn man Glauben mit Vermuten übersetzt und den religiösen Glauben davon abgrenzt als metaphysischen Glauben, dann kommen wir zu folgendem Argument:

  • (P1') Die Grundlagen des Denkens können nicht bewiesen werden.
  • (P2') Folglich beruht alles Denken darauf, dass man vermutet, die Grundlagen seien richtig.
  • (S') Aus diesem Grund beginnt alles Denken mit dem metaphysischen Glauben???

Das ist ein klassisches Non seqitur. Man vermutet, dass die Grundlagen des Denkens richtig sind, weil sie sich in einem 3,5 Milliarden Jahre andauernden Prozesses, den man Leben nennt, bewährt haben. Man hat deswegen also eine gut begründete Vermutung, dass die Grundlagen des Denkens richtig sind. Es ist eine Vermutung wie alles Wissen. Der metaphysische Glauben allerdings hat sich nicht bewährt, er ist bloße Spekulation, ja, er ist sogar jeder Form der Bewährung entzogen. Letztlich kann der Gläubige entweder behaupten, metaphysischer Glauben sei etwas anderes als Vermuten, dann ist das Argument völlig unsinnig. Oder aber er gibt zu, dass auch metaphysischer Glauben auf reinen Vermutungen basiert, also nichts anderes ist. Dann ist der entscheidende Unterschied der, dass man die Vermutungen, auf denen das Wissen der Menschen basiert, rational rechtfertigen kann. Wenn der Gläubige das bei seinen Vermutungen auch kann, dann sind sie so gut wie seine Begründung. Kann er es nicht, sind sie schlechter.

Wie so häufig basiert die theistische Argumentation darauf, mitten in der Argumentation die Bedeutung der Worte zu ändern. Dieser Trick ist so beliebt, weil er in mündlichen Diskussionen nur sehr schwer zu durchschauen ist. Aber auch in geschriebener Form wirkt dieser Trick sehr überzeugend. Viele Theisten "glauben" an dieses Argument, wenn sie es verwenden, dann nicht, um zu betrügen, sondern weil sie selbst betrogen wurden (mit diesem und ähnlichen Tricks). Überhaupt muss man bei Theologen sehr aufpassen, weil sie alltägliche Worte oft in einer ganz anderen Weise benutzen, als man es gewohnt ist (Beispiele sind Begriffe wie Gnade, Geschenk, Liebe, Freiheit, Glauben, Vater, Erlösung, Heil, Ewigkeit, Demut, Gewissheit u. v. a. m.). Juristen machen das auch (weil ihr Fachjargon aus deutschen Worten besteht), aber die wechseln wenigstens nicht mitten in der Diskussion die Bedeutung.


Glauben und Wissen sind zwei verschiedene Dinge, die nichts miteinander zu tun haben

Diesem Konstrukt begegnet man sehr oft. Auch hier wird versucht, eine Sphäre zu schaffen, in der man vor Kritik (aus dem Bereich des Wissens) geschützt ist, d. h. man beansprucht einen Sonderstatus für sich. Auch dies ist eine Variante der Immunisierung gegen Kritik. Selbstverständlich nimmt man es gerne für sich in Anspruch, dass die Wissenschaft bestimmte Aspekte des Glaubens bestätigt, aber wehe, die Wissenschaft widerspricht dem - dann verbittet man es sich, dass das Wissen auch um die Dinge herum entwickelt wird, mit denen sich der Glauben beschäftigt.

Aber der Mensch lebt in einer Welt, in einem Universum - deswegen ist es schlechterdings unerfindlich, warum es zwei verschiedenartige "Wahrheiten" geben sollte. Und man kann nicht an Dinge glauben, von denen man weiß, dass sie falsch sind. Insofern steckt das Wissen den Rahmen ab, und ein (metaphysischer) Glauben ist nur außerhalb dieses Rahmens möglich. Da sich der Rahmen des Wissens ständig erweitert, können Glauben und Wissen auch jederzeit miteinander kollidieren - außer, man glaubt nur an Dinge, die man nicht wissen kann, und dann stellt sich die Frage, warum man daran glauben sollte, wenn es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt? Abgesehen von dem Wunsch, es sei wahr. Aber Dinge werden nicht dadurch wahr oder unwahr, dass man sich wünscht, es sei so. Auch der Glauben braucht eine Begründung, damit man überhaupt anfängt zu glauben. Nach einer gewissen Zeit, wenn der Glauben zur Gewohnheit geworden ist, meint der Gläubige, jetzt auf diese Begründung verzichten zu können, vergisst aber, dass er nie damit angefangen hätte, wenn er von Anfang an keinerlei Gründe gehabt hätte.

Wer meint, jemand würde damit anfangen zu glauben, wenn man ihm sagt: "Es gibt keine Gründe, zu glauben, deshalb tue es trotzdem" - der glaubt schon zu lange. Übrigens, mit dieser initialen Begründung trifft das Münchhausentrilemma auch den Glauben selbst in vollem Umfang. Gläubige meinen, wenn sie die Wurzeln ihres Glaubens ignorierten, entkämen sie dem Trilemma. Das ist eine Selbsttäuschung.

"Es ist unmöglich, an zwei verschiedene Fakten zu glauben, die sich gegenseitig widersprechen" (Bucaille). Auch hier sieht man, wie das Wissen um die Dinge Einfluss auf das hat, was man glaubt oder sogar glauben kann. Der Versuch, Glauben und Wissen voneinander abzuschirmen, kommt aus der schlechten Erfahrung der katholischen Kirche. Die Kirche hat eine bestimmte Kosmologie vertreten und wurde in die Rückzugsgefechte um diese Kosmologie verwickelt (Galileo Galilei als Stichwort) und hat in diesem Zuge sehr an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Seitdem achtet man sorgfältig darauf, nicht mit dem Wissen in Konflikt zu kommen (deswegen hat die katholische Kirche 1996 auch die Evolutionstheorie anerkannt - während sich einige Christen heute mit dem "Kreationismus" gegen die Evolutionstheorie ein ähnliches Rückzugsgefecht liefern).


Um Gott ablehnen zu können, musst Du an ihn glauben [noch kein Text]

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Ein Universum ohne Gott wäre unvorstellbar!

Wenn man sich das Universum nicht ohne kleine, grüne Männchen vorstellen kann - heißt das, dass die kleinen grünen Männchen wirklich existieren? Dieses Argument beweist nichts, außer einem mangelnden Vorstellungsvermögens des so Argumentierenden.



Wissenschaft

Auch die Wissenschaft beruht auf Glauben und Axiomen (= Dogmen)

Wissenschaftler arbeiten mit Hypothesen, die prinzipiell falsifizierbar (verwerfbar) sind. Man nähert sich der Wahrheit, in dem man falsche Hypothesen eliminiert, dies nennt man "kritische Methode". Nicht-falsifizierbare Annahmen gelten als reiner Unsinn, weil sie diesen Erkenntnisprozess stoppen. Das hängt damit zusammen, dass für jede nicht-falsifizierbare Annahme genauso gut auch das Gegenteil wahr sein kann, denn diese ist ebenfalls nicht falsifizierbar. Axiome gibt es in den Naturwissenschaften nicht, sondern nur in der Mathematik - die Mathematik ist eine Geisteswissenschaft, die sich mit der Natur der Welt nicht befasst und darüber keine Aussage macht. Das Unbekannte wird mit dem Bekannten erklärt, und diese Erklärungen werden permanent durch bessere Erklärungen ersetzt.

Eine Theorie hat umso mehr Erklärungswert, je weniger Zusatzannahmen man machen muss (siehe: Ockhams Rasiermesser). Und je mehr Erklärungswert eine Theorie hat, umso besser kann man die Welt damit simulieren.

Dan Barker sagt dazu in seinem Buch "Losing Faith In Faith":

"Wahrheit verlangt keinen Glauben. Wissenschaftler reichen sich nicht die Hände jeden Sonntag und singen: "Ja, Gravitation existiert! Ich glaube an die Gravitation! Ich werde stark sein! Tief in meinem Herzen glaube ich, dass das, was hoch - hoch - hoch geht, auch wieder runter - runter - runter kommen muss! Amen!" Wenn sie es doch täten, dann müssten wir denken, sie seien sich ganz schön unsicher darüber. "

Im religiösen Glauben wird versucht, das Bekannte mit dem Unbekannten zu erklären, es gibt keine kritische Methode, im Gegenteil, man versucht eine Widerlegung durch Immunisierung gegen Kritik zu verhindern, man benutzt Dogmen oder zirkuläre Logik und lässt sich vom Wunschdenken leiten.


Nach dem Motto: "Was nicht sein darf, kann auch nicht sein" leugnet die Wissenschaft die Wunder

(Religiöse) Wunder, so hört man immer wieder, sind per definitionem der Wissenschaft entzogen. Denn ein Wunder ist genau das, was nicht (wissenschaftlich) erklärt werden kann. Die Wissenschaft aber leugnet nichts, sie untersucht nur kritisch - und komischerweise verschwinden die Wunder bislang immer, wenn man sie kritisch prüft. Könnte es nicht umgekehrt sein, dass man über Wunder nur versucht, etwas der kritischen Prüfung zu entziehen? Und genau, weil dies versucht wird, und weil viele der "Wundertäter" (beispielsweise Uri Geller) bislang des Betrugs überführt wurden, deswegen sind die Wissenschaftler skeptisch. Und nach den Erfahrungen haben sie jedes erdenkliche Recht dazu!

Man kann Wunder auch so definieren: Wunder sind Dinge, die nur geschehen können, wenn keine skeptische Prüfung stattfindet (so wie Uri Geller immer nur dann auftrat, wenn er wusste, dass keine Zauberkünstler im Publikum waren - denn die hätten seine Tricks durchschauen können).

Wunder sind auch eine Methode der Immunisierung gegen Kritik. Denn wenn etwas der wissenschaftlichen Deutung entzogen wird, in dem man die Wissenschaft für "unzuständig" erklärt, dann kann es damit auch nicht kritisiert werden. Das Motto "Was nicht sein darf, kann auch nicht sein" wird dann zur Beweislastumkehr benutzt: Jetzt soll der Skeptiker erklären, dass das Wunder nicht stattgefunden hat, was natürlich logisch meist unmöglich ist. Und wenn es nicht widerlegt werden kann, dann muss es wahr sein (der übliche Trugschluss).

Eine weitere Methode, um die Wunder dem Zugriff des skeptischen Forschers zu entziehen, ist die Verlagerung in unerreichbare Sphären - z. B. in die Vergangenheit, der man nicht mehr zugänglich ist. Zwar ist dieses Wunder jetzt meist noch weniger belegbar als vorher und kritisch prüfbar schon überhaupt nicht, aber die Widerlegung ist jetzt vollkommen unmöglich. Das ändert aber überhaupt nichts an der Tatsache, dass derjenige, der das Wunder behauptet, es auch belegen muss! Wenn man also behauptet, Odysseus habe gegen Zyklopen gekämpft, dann kann man sich nicht einfach hinstellen und sagen, es ist wahr, weil Skeptiker es nicht widerlegen können! Man müsste schon Belege bringen (z. B. das Skelett eines Zyklopen - dann wäre es noch nicht im Einzelnen bewiesen, aber zumindest wahrscheinlicher). Sonst hätte man jedes Recht, mit den Schultern zu zucken und zu sagen: "Es wurde nicht mit Fakten untermauert, also stimmt es auch nicht".

Aber bei Religionen sieht dies ganz anders aus. Es ist wichtig, deswegen darf man schwächere Maßstäbe anlegen. Die Wunder der anderen Religionen werden selbstverständlich allesamt angezweifelt, aber die Wunder der eigenen Religion sind sakrosankt! Da werden dann alle möglichen Verteidigungsstrategien aufgebaut. Was bei einem anderen als unredlich gebrandmarkt wird, ist die eigene Methode. Skeptiker werden in Diskussionen bei jeder Behauptung aufgefordert, genaue Belege zu bringen, für alles Belege, und wehe, eine der Quellen erweckt auch nur den Anschein von Dubiosität oder ein Link im Internet funktioniert nicht mehr oder es findet sich nur der Hauch einer Chance daran Kritik zu üben - dann zeigt dies ganz klar, dass der Skeptiker Unrecht hat. Aber die eigenen vollkommen unbelegten Behauptungen und die Abwesenheit aller Belege berechtigt den Skeptiker natürlich und selbstverständlich nicht, auch nur den geringsten Zweifel zu hegen. Alles, was der eigenen Meinung entspricht, wird leichten Herzens (um nicht zu sagen: leichtgläubig) akzeptiert, was wichtig ist, wird ungeprüft übernommen, weil es wichtig ist, aber alles, was der eigenen Meinung widerspricht, muss sorgfältigst und genauestens geprüft werden und der Hauch einer Ungereimtheit berechtigt zu sofortiger Zurückweisung.

Die Regeln des Glaubens:

  • Je wichtiger eine Aussage ist, umso weniger muss man sie prüfen.
  • Je weiter eine Aussage von der eigenen Meinung entfernt ist, umso sorgfältiger muss man sie prüfen.
  • Eigene Wunder bestätigen das Geheimnis des Glaubens, Wunder anderer Religionen sind Betrug.


Die Wissenschaftler haben sich von Gott abgewandt!

Wenn man mit Naturwissenschaften argumentiert, dann wird häufig der "Vorwurf" erhoben, die Naturwissenschaftler hätten sich bewusst und willentlich von Gott abgewandt und nur wegen dieser "Entscheidung" spiele Gott keine Rolle mehr in den Wissenschaften. Dieses Argument ist historisch falsch. Die ersten Naturwissenschaftler waren nämlich fast ausnahmslos Theologen - und selbst jemand wie Charles Darwin war ursprünglich Theologe. Und in den ersten naturwissenschaftlichen Studien wird noch an allen Stellen auf Gott Bezug genommen. Aber im Laufe der Zeit fand man heraus, dass Erklärungen vom Typ "Warum ist A so? Weil Gott es so gemacht hat! Warum ist B so? Weil Gott es so gemacht hat! Warum ist C so? Weil Gott ..." überhaupt nichts erklären, sondern immer das Ende der Erklärungsmöglichkeit und damit auch das Ende des Verstehens markieren. "Weil Gott es so gemacht hat" ist ein Universalargument. Selbst auf der untersten Stufe, der bloßen Beschreibung, kann man an dem Auftauchen des Begriffs "Gott" sofort sehen, dass hier Unverständnis und Unkenntnis signalisiert werden.

Aus diesem Grund fing man an, die Welt zu erforschen, "als ob es keinen Gott gäbe", um zu sehen, wie weit man damit kommt. Und man kam immer weiter und weiter. Gott erwies sich für die Erklärung dieser Welt nicht nur als nutzlos, sondern auch als überflüssig. Und da man mit dieser "Gottlosigkeit" so gute Erfahrung gemacht hat, behielt man sie bei. Ähnliches gilt auch für alle supernaturalistischen Argumente, diese sind ungültig, weil sie nichts erklären (Esoteriker neigen deswegen ebenfalls zu einer gewissen Wissenschaftsfeindlichkeit, weil sie meinen, die Wissenschaft wende sich "gegen" ihre Überzeugungen so aus purer Boshaftigkeit - dabei tut sie dies aus Notwendigkeit). Selbst in den Klöstern und im Vatikan wird heute so geforscht, als ob es keinen Gott gäbe - nicht, weil dort der Atheismus grassiert, sondern aus dieser praktischen Notwendigkeit heraus.


Wissenschaft kann auch nicht alle Wahrheiten finden

Kein ernstzunehmender Wissenschaftler wird dies auch jemals behaupten. Aber aus dieser Tatsache ziehen viele Gläubige den falschen Schluss: "Wenn die Wissenschaft unsicher ist, unser Glauben ist es nicht." Aber - und genau dies ist der Punkt! - wenn bereits Wissen unsicher ist, dann gilt dies für den Glauben erst recht, da er auf einer niederen Stufe der Erkenntnis entsteht. Der Irrtum, dass Glauben sicherer sein könnte als Wissen entsteht dadurch, dass keine Kritik am Glauben zugelassen wird. Dies aber ist eine Schwäche des Glaubens, keine Tugend!

Oft wird mit dem Argument, dass die Wissenschaft viele Irrtümer begangen hat, die Wissenschaft abgelehnt. Nur, woher wissen wir von den Irrtümern der Wissenschaft? Durch die Wissenschaft selbst. Wenn man aus den Irrtümern der Wissenschaft den falschen Schluss zieht, dass diese nicht zuverlässig ist, dann ist die Aufspürung der Irrtümer auch nicht zuverlässig, d. h. man weiß überhaupt nicht (mehr), ob es sich überhaupt um Irrtümer handelt! Es ist ja gerade die Stärke der Wissenschaft, dass sie ihre eigenen Irrtümer erkennt! Beim Glauben hingegen ist - sofern er aus unwiderlegbaren Behauptungen besteht - nicht möglich, einmal begangene Irrtümer überhaupt zu erkennen.


Die Wissenschaftler beschreiben die Welt nur, während die Religion sie erklärt

Das Problem mit dieser Behauptung ist, dass hier zum einen versucht wird, die Welt wieder in zwei Bereiche aufzuspalten, in der Wissenschaft und Religion herrschen, damit die Wissenschaft nicht etwa die Religion kritisieren kann. Es handelt sich also um das altbekannte Motiv der Immunisierung gegen Kritik, verbunden mit der Idee, die Religion sei "irgendwie höherwertig" als die Wissenschaft. Aber diese Behauptung ist schlicht und ergreifend falsch. Das Argument ist sogar doppelt falsch: denn die Wissenschaft ist nicht nur in der Lage, die Welt zu erklären (wenn auch nicht in allen Aspekten), sie kann sogar eine höhere Stufe als die des Erklärens erreichen und die Welt verstehen, während die Religion nicht einmal in der Lage ist, die Welt zu erklären. Hier ist eine sehr merkwürdige Vorstellung im Spiel, was "Erklären" denn nun eigentlich bedeutet.

Was bedeutet beschreiben? Man nimmt Begriffe, und zeigt damit, was in der Welt vor sich geht. Was bedeutet erklären? Man nimmt einen unbekannten Begriff (beispielsweise) und verwendet bereits bekannte Begriffe, um diesen so zu umschreiben, dass er selbst bekannt wird. Was bedeutet verstehen? Das bedeutet, man ist in der Lage, Teile der Welt zu simulieren und sie so nachzuvollziehen, dass man ihr Verhalten erkennen kann, ohne es selbst ausprobieren zu müssen. Alles dies ist Bestandteil sämtlicher Wissenschaften. Beschreibungen sind die Grundlagen für Theorien, Theorien "reduzieren" neue Sachverhalte so, dass sie dem Menschen bekannt werden, weil sie auf bereits Bekanntes zurückgeführt werden, und mit den Theorien simuliert man die Welt so, dass man sogar Prognosen machen kann (was selbst bei so hoch komplexen Geschehnissen wie dem Wetter erstaunlich gut funktioniert), treffen die Prognosen ein so stützen sie die jeweilige Theorie. Könnte man das Wetter vorhersagen, wenn man nicht genaue Erklärungen für die Vorgänge hätte? Nein.

Da die Religion aber nun unbekannte Dinge nimmt, deren Existenz nicht nachgewiesen ist (Gott), und darauf bestimmte Dinge zurückführt, kann man hier nicht von "Erklären" reden, auch nicht beim besten Willen. Unbekanntes mit Unbekanntem zu umschreiben ist keine Erklärung - angenommen, man könnte weder Englisch noch Latein, wäre es dann eine akzeptable Erklärung, wenn jemand das Wort "Window" (= Fenster) mit dem lateinischen Wort "Fenestra" "erklärt"? Nein, denn danach wüsste man immer noch nicht, was "Window" bedeutet. Erst, wenn man sagt, dass "Window" dasselbe meint wie "Fenster", hätte man eine wirkliche Erklärung. Hinzu kommt erschwerend, dass die Religion an entscheidenden Stellen auf die Logik verzichtet, damit ist dann jede Erklärung (die nachvollziehbar sein sollte) grundlegend zerstört, ein Verständnis unmöglich. Tatsächlich vermindert die Religion das Verständnis der Welt.

Man sollte nicht vergessen, dass die christliche Religion lange Zeit eine veraltete und falsche Kosmologie vertreten hat - Religion macht auch Aussagen über die Realität. Wo sie dies nicht tut, wird sie sinnentleert. Und genau dies ist mit dem Christentum nach dem Untergang der alten Kosmologie passiert, in deren Rückzugsgefechte sie sich hat verwickeln lassen - sie verzichtete fortan weit gehend darauf, eine Erklärung der Welt zu liefern, weil sie damit jederzeit von den fortschreitenden Wissenschaften widerlegt werden konnte (diese Lektion haben die Theologen gelernt!). Und da, wo die Wissenschaft beim Erklären hilflos ist, ist es die Theologie erst recht.

Beispiel: Man weiß nicht, wie das Universum entstehen konnte. Jetzt kommen die Theologen mit der Pseudo-Erklärung: Gott hat das Universum geschaffen. Jetzt kann man sich immer noch nicht erklären, wie es nun tatsächlich entstanden ist (hat Gott mit den Fingern geschnippt und es war da? Wie hat Gott die Materie geschaffen? Wie hat Gott die Naturgesetze in Kraft gesetzt?), man hat eine weitere unbekannte Größe: Gott. Woher kommt denn Gott? Wie ist er entstanden? Die Unverständnis des Menschen über diese Welt hat sich, mit dieser Erklärung, vermehrt und nicht vermindert. Erklärungen sollten aber die Menge dessen, was man zunächst nicht versteht, vermindern und nicht vermehren. Eine schlechte Erklärung hinterlässt mehr Fragen als Antworten (wobei auch eine gute Erklärung weitere Fragen nach sich zieht, dies liegt am Münchhausentrilemma. Die Gläubigen verschieben das Etikett "Unbekannt" vom Universum auf Gott und meinen nun, sie hätten damit etwas erklärt! Aber sie haben leider nicht das Unbekannte, sondern das (relative) Wissen über die Welt reduziert.

Aus diesem Grund lautet einer der Kernsätze des kritischen Rationalismus auch, stets diejenige Lösung zu bevorzugen, die die Anzahl der Probleme vermindert, und nicht die zu nehmen, die sie vermehrt. Eine Lösung, die mehr Probleme bereitet als sie löst ist unbrauchbar. Deswegen kann man auf die "Erklärungen" der Theologen gut verzichten, sie tragen zur Lösung der Probleme meist nichts bei. Hinzu kommt, dass die meisten dieser "alleserklärenden" Argumente meist überhaupt nichts erklären.

Theologische "Erklärungen" mögen das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen befriedigen, aber ein forschender Geist fragt weiter und bleibt dabei nicht stehen. Pseudo-Erklärungen lösen nämlich diese Probleme nicht.


Die Religion beschäftigt sich mit der spirituellen Welt, die Wissenschaft mit der materiellen Welt. Beide Sichtweisen "überlappen" nicht

Diese Theorie ist unter vielen Theologen populär. Aber ich bin anderer Ansicht. Zum einen greift die Religion auch stets in unsere "materielle" Lebenswelt ein und meldet dort ihre moralischen Ansprüche an. Zum anderen ist dies eine substanzlose Behauptung, die ich aus den gleichen Gründen ablehne wie den Supernaturalismus.

Wenn diese behauptete "geistige Welt" (nennen wir sie GW) existiert, dann kann sie nicht unabhängig von der materiellen Welt (MW) existieren. Beide, MW und GW müssen miteinander interagieren. Wenn Sie morgens aufstehen, dann bewegen Sie ihre Beine - Bestandteile der MW, in dem Sie in Gedanken ihren Beinen "Befehle" geben. Würden Ihre Gedanken aus der GW keinen Einfluss auf die MW haben, dann würden sich Ihre Beine nicht bewegen, und Sie bekämen auch keine Rückmeldung, wenn Sie sich irgendwo stoßen. Da dies mit großer Zuverlässigkeit funktioniert, gibt es also eine starke Kopplung. Wäre es anders, könnte kein Chirurg durch Durchtrennen von Nervenfasern Ihre geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen und keine Viren Ihr Gehirn lahm legen.

Deswegen wird meist noch zusätzlich angenommen, dass es eine "spirituelle Welt" (SW) gibt, die sich mit Gott etc. beschäftigt, und die kein Bestandteil der Wissenschaft sein kann, weil sie kein Bestandteil der MW ist. Durch Erklärung der Unzuständigkeit der Wissenschaft wird versucht, den Bereich der SW einer kritischen Prüfung zu entziehen - anders gesagt, man soll "einfach glauben" was einem darüber erzählt wird. Diese Immunisierung gegen Kritik sollte einen schon alleine misstrauisch machen.

Aber wir dürfen hier nicht, wie die Gläubigen uns suggerieren wollen, auf alle Möglichkeiten der kritischen Prüfung verzichten. Denn wie wir bei der Beziehung zwischen der GW und der MW gesehen haben, muss es irgendeine Form der Interaktion der SW mit der MW geben. Gibt es keine, dann ist die SW für unser Leben vollkommen irrelevant - und sie ist soweit jenseits unserer Erfahrung, dass jeder Gedanke darüber mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit ein Irrtum ist (so wie etwa Spekulationen über die Planeten einer Sonne in der Galaxie M87, ca. 50 Millionen Lichtjahre von uns entfernt).

Damit etwas für uns real ist, muss es die Sphäre unserer Erfahrung erreichen. D. h. es muss unserer Erfahrung zugänglich sein. Wenn wir unsere Erfahrung darauf nicht anwenden können, dann sind Informationen aus der SW für uns reinstes Chaos, nicht unterscheidbar vom Rauschen im Radioempfänger. Wenn wir unsere Erfahrung nur teilweise darauf anwenden können, dann können wir nicht wissen, in welchen Teilen wir Irrtümer begehen und in welchen Teilen nicht. Dann kann alles ein Irrtum sein. Stellen Sie sich ein Telefonbuch vor, in dem 20% aller Telefonnummern vertauscht wurden. Können Sie von irgendeiner Telefonnummer mit Sicherheit sagen, ob sie zum Ziel führt, ohne es ausprobiert zu haben? Nein. Ohne Prüfmöglichkeit ist das Telefonbuch wertlos. Das gilt dann auch für alle Aussagen, die über die SW gemacht werden!

Wenn die SW aber für unsere Erfahrung auch nur halbwegs zugänglich ist, d. h. auch nur einen minimalen Grad an Verlässlichkeit besitzt, dann fällt sie in den Bereich der Wissenschaft, die sich mit menschlicher Erfahrung beschäftigt, z. B. der Psychologie. Woran sonst sollten wir die SW messen, wenn nicht an unserer Erfahrung? Ansonsten kommen wir wieder dazu, mit "Argumenten" aus der SW Beliebiges auf beliebige Weise zu beurteilen. Dann ist alles möglich. Carl Sagan hat in seinem (sehr empfehlenswerten) Buch "Der Drache in meiner Garage" dies anschaulich illustriert. Wenn mein Nachbar behauptet, er habe einen Drachen in seiner Garage und wir sehen die leere Garage, dann werden wir misstrauisch. Wenn man uns erzählt, der Drache sei unsichtbar und unhörbar und nicht messbar (durch Infrarot, Radiowellen etc.), und man würde ihn erst sehen, wenn man an ihn glaubt - dann würden wir diesen Unsinn zurückweisen. Warum sollte man beim Glauben, speziell dem an die SW, eine Ausnahme machen?

Wenn etwas unsere Welt durchdringt und mit uns in irgendeiner Form interagiert, dann ist es Bestandteil dieser Welt und für uns fassbar und dann können wir es prüfen.


Wissenschaft hat ihren Ursprung in der Religion [noch kein Text]

[noch kein Text]


Religion hat bereits Antworten, wo Wissenschaft noch fragt [noch kein Text]

[noch kein Text]


Die Wissenschaft ist schwach und voller Zweifel, die Religion stark und überzeugt [noch kein Text]

[noch kein Text]



Evolutionstheorie und Kreationismus

Das Universum zeigt Spuren eines genauen Designs - es muss also einen Gott gegeben haben, der es designt hat

Wer hat denn dann Gott designt?

Hier kann man die Argumente (insbesonders die der Kreationisten) einfach umdrehen und gegen sie verwenden.

Formaler Beweis:

  • (P1) Extrem komplexe Phänomene können im Prinzip nicht aus einfachen Phänomen entstehen.
  • (P2) Gott ist - nach christlicher Definition -
    • a.) ein bewusstes Lebewesen und
    • b.) nicht aus einfachen Dingen via Evolution entstanden.
  • (P3) Bewusste Lebewesen sind notwendigerweise extrem komplex.
  • (S1) Aus (P2a) und (P3) folgt, dass Gott extrem komplex ist.
  • (S2) Gott kann nach (P1) und (P2b) nicht aus einfachen Dingen entstanden sein.

Schlussfolgerung: Gott kann nicht existieren, denn extreme komplexe Lebewesen können nicht einfach durch Zufall entstehen (den kompletten Beweis finden Sie unter: Komplexität und Gott). Wenn die Kreationisten mit ihren Behauptungen recht haben, dann gibt es keinen Gott.

Hinzu kommt noch als zweites Argument: Woran kann man Design erkennen? Daran, dass es sich hinreichend von natürlichen Gegenständen unterscheidet. Man kann also ein Design im Universum dann erkennen, wenn es sich von einem Universum ohne Design unterscheidet. Das aber geht nicht.


Es ist total unglaubwürdig, dass alles nur aus Zufall entstanden sein soll [noch kein Text]

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Mensch und Tier, tote und lebende Materie sind doch grundverschieden! Sie können also unmöglich zusammenhängen! [noch kein Text]

[noch kein Text]


Ein Universum, das Naturgesetzen folgt, setzt einen Gesetzesbringer voraus [noch kein Text]

[noch kein Text]


Die Evolutionstheorie ist nur eine Theorie [noch kein Text]

[noch kein Text]



Moral

Moralisches Handeln ohne Gott ist undenkbar [noch kein Text]

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Die Wissenschaft untergräbt jede Ethik! [noch kein Text]

[noch kein Text]


Wer Darwinismus anerkennt, der sehnt sich nach einem brutalen Ausrottungskrieg! [noch kein Text]

[noch kein Text]


Darwinismus war das Fundament für Hitlers Ideologie [noch kein Text]

[noch kein Text]


Abgesehen von einigen Extremisten ist Religion harmlos [noch kein Text]

[noch kein Text]


Die Toleranz verbietet es, Religionen zu kritisieren! [noch kein Text]

[noch kein Text]


Religion lehrt Liebe, Religionskritik folglich gefährlichen Hass [noch kein Text]

[noch kein Text]


Kindern Religionskritik zugänglich zu machen ist jugendgefährdende Indoktrination [noch kein Text]

[noch kein Text]



Bibel

Die Bibel ist das absolut wahre Wort Gottes

Wenn dem so wäre, dann wäre die Bibel eine Letztbegründung. Wenn es eine Letztbegründung gäbe, dann kann man sie wegen des Münchhausentrilemmas nicht verstehen oder als solche erkennen. Da man schon beim Erkennen scheitert, kann man eine falsche nicht von einer echten Letztbegründung unterscheiden. Man kann also nur behaupten, die absolute Wahrheit zu haben, man kann es nicht beweisen. Und wenn man es nicht beweisen kann, ist es eine wertlose Behauptung. Denn wenn man zwischen zwei Positionen nicht unterscheiden kann, dann sind diese (für uns) gleich! Transzendenz besteht nun darin, eine geheimnisvolle Unterscheidung in zwei identische Positionen hineinzuschmuggeln, möglichst, ohne dazu nachvollziehbare Argumente zu benutzen. Das ist 1. unredlich und 2. manipulativ, vor allem, wenn "emotional" argumentiert wird.


Warum aber sollte ich an etwas glauben, wenn man es nicht beweisen kann?

Das mag bestimmte Bedürfnisse befriedigen, aber Glauben ist ein schlechter Ersatz für Wissen. Wissen, so könnte man definieren, ist rational gerechtfertigter Glauben (glauben im Sinne von "vermuten"). Glauben im religiösen Sinne verzichtet auf die rationale Rechtfertigung, geglaubt wird, weil man es in einem bestimmten Kontext für sinnvoll hält, aber dadurch wird der Glauben nicht wahr.

Hinzu kommt, dass der Glauben an eine Letztbegründung von einer niedrigeren Stufe der Erkenntnis kommt. Damit ist der Erkenntnisgehalt zumindest zweifelhaft, meist aber fehlend (und die Schwachheit der Argumente muss dann durch die Intensität des Emotionalen daran Festklammerns kompensiert werden).

Und für eine gute Begründung enthält die Bibel entschieden zu viele Fehler und Widersprüche. Das minimale Wahrheitskriterium der 2. Erkenntnisstufe (interne Konsistenz, Widerspruchsfreiheit) wird von der Bibel nicht erreicht. Das wird meist durch mehr oder weniger "kunstvolle" (und oft sehr willkürliche) Interpretationen "ausgeglichen".


Die Frage "Warum aber sollte ich an etwas glauben, wenn man es nicht beweisen kann?" enthält einen Catch-22

Ja. Denn wenn man etwas beweisen kann, dann braucht man es nicht mehr zu glauben. Glauben ist ja gerade das Für-Wahr-Halten von etwas ohne Belege. Und den meisten Gläubigen wird eingeredet, dieser Beweisverzicht sei eine Tugend. Aber zunächst sollte man trotzdem versuchen, nicht ganz auf Belege und gute Argumente zu verzichten.

Und da Sie den Catch-22 erkannt haben - da sehen sie den Nutzen rationaler Überlegungen doch ein, oder? Und wenn Sie ihn nicht erkannt haben - woher wollen Sie dann wissen, ob sie nicht auch beim Glauben jederzeit auf so einen Trick hereinfallen bzw. bereits hereingefallen sind?


Die Bibel ist wahr wegen der vielen richtigen Prophezeiungen

Dafür enthält die Bibel aber auch jede Menge an falschen Prophezeiungen. Beispiel: Jesus prophezeite das Kommen des "Reichs Gottes" noch zu Lebzeiten seiner Gefolgsleute. Die falschen Prophezeiungen werden meist völlig ignoriert. Man lässt nur das Positive gelten - dies nennt man "selektive Wahrnehmung".

Das Märchen, dass nur Gläubige die Bibel "richtig" lesen könnten, kommt daher, dass sehr selektiv-unkritisch gelesen wird, d. h. man liest stets so, dass die eigene Meinung bestätigt wird (wie immer die gerade auch aussieht). Wenn man der Ansicht ist, dass der Gott der Bibel ein Gott der Liebe ist, dann wird man die Stellen, an denen Schwangere aufgeschlitzt werden auf Geheiß Gottes eben einfach überlesen oder windelweich interpretieren - oder gar das Töten von Menschen als gute Tat preisen. Das ist weder ehrlich noch intellektuell redlich.

Das "Ausblenden" von Dingen, die der eigenen Meinung widersprechen oder das Uminterpretieren von Bibelstellen, bis sie in das eigene Weltbild passen und das selektive, unkritische Lesen sind das Merkmal eines indoktrinierten Verstands. Zeit, die eigenen Denkvoraussetzungen kritisch zu prüfen. Denn ein indoktrinierter Mensch ist eine unfreie Marionette, an deren Fäden ein anderer zieht. Das nennt man Manipulation.

Diese Indoktrination pflanzt zwei falsche Annahmen in den Verstand ein - 1. es gibt eine irrtumsfreie Position und 2. ich habe sie in der Bibel. Von diesen Annahmen aus betrachtet kann man nicht recht haben und wird daher alles, was einen Irrtum aufzeigen könnte, seinerseits für einen Irrtum halten und daher ablehnen! Das aber ist eine echte Denkfalle. Es ist genau umgekehrt: Nur durch das Erkennen von Irrtümern gewinnen wir an Erkenntnis dazu, können wir keine Irrtümer mehr finden, stagniert unsere Erkenntnis, wir hören auf zu wachsen.


Die vielen Wunder sind ein Beweis für die Richtigkeit der Bibel

Waren Sie bei diesen Wundern dabei, um das beurteilen zu können?

Ich bin eine Zeit lang als Zauberkünstler aufgetreten. Nach fast jeder Show habe ich einige Leute danach befragt, was sie gesehen haben. Seitdem habe ich ein ausgesprochenes Misstrauen gegen Augenzeugenberichte bei Wundern. Noch schlimmer steht es um Wunderberichte nach dem Hörensagen (und das ganze NT beruht auf Hörensagen, nicht auf Augenzeugenberichten - ca. 30-40 Jahre nach den Ereignissen erstmals aufgeschrieben).

Bei Wundern haben wir übrigens ein ähnliches Problem wie beim Supernaturalismus. Entweder, sie haben eine natürliche Erklärung oder wir haben momentan keine natürliche Erklärung oder sie beruhen auf einem Zufall. Es nicht erklären zu können bedeutet aber, dass wir über die Ursachen nur vage und wild spekulieren können - wir können aus diesem Unwissen kein Wissen generieren. Auch dann nicht, wenn wir es gerne möchten. Auf eine supernaturalistische Sphäre können selbst Wunder nicht deuten!

Die historischen Wissenschaften sind relativ schwache Forschungen - es sind viele Spekulationen darin enthalten. Alle Forschung wäre aber nichts wert, wenn nicht eine Grundannahme zutreffen würde: Das die Naturgesetze zu allen Zeiten gültig waren. Sollte dies nicht wahr sein, dann können wir Mythos, Fiktion, Erfindung und Tatsachen nicht mehr auseinander halten. Dann wüssten wir nicht, ob die Reisen des Odysseus nicht einfach ein Tatsachenbericht wären oder eine Erfindung - wir könnten nicht sagen, ob Zyklopen wirklich existiert haben oder nicht. Da wir dann Wahrheit und Dichtung nicht mehr auseinander halten könnten, wäre alles wahr und alles Dichtung - gleichzeitig. Das träfe dann auch für die Bibel zu. Wären also die Wunder der Bibel wahr, dann wäre jede Bibelforschung entwertet und man könnte z. B. über Jesus jede beliebige Behauptung mit gleicher Wahrscheinlichkeit aufstellen - das ist sicher nicht im Interesse gläubiger Christen. Wünschen Sie sich lieber nicht, dass unsere Vergangenheit in einem Meer der Beliebigkeit versinkt.


Du kannst die Kritik an der Bibel nicht von außerhalb der Bibel beziehen

Doch. Das kann man, und dies muss man sogar tun. Man kann Zeugenaussagen nicht nur "an sich selbst messen" - kein vernünftiger Mensch würde dies tun.

Aber selbst wenn man die Bibel nur an sich selbst misst, d. h. nur das Kriterium "interne Konsistenz" anwende (das minimale Wahrheitskriterium), dann versagt die Bibel an so vielen Stellen, dass man einfach misstrauisch werden muss.


Die Bibel ist widerspruchsfrei, wenn man sie nur richtig auslegt [noch kein Text]

[noch kein Text]

Nur wer alles über die Bibel weiß, kann sich ein Urteil über sie erlauben [noch kein Text]

[noch kein Text]



Emotionen

Der Glaube tut mir gut und deswegen ist es richtig, zu glauben

Die Wirkung des Glaubens, auf einer Person, hat nichts mit der Wahrheit des Glaubens zu tun. Man kann an die Wirkung von Amuletten glauben, daraus Selbstvertrauen gewinnen und deswegen Probleme leichter lösen. Aber das "Amulett" lässt sich durch etwas Beliebiges ersetzen, solange wir nur glauben.

Als Argument ist das Wohlfühl-Argument deswegen ungültig, weil es auch für alle anderen, widersprechenden Glaubensrichtungen angeführt wird. Z. B. für den Islam. Menschen fühlen sich meist wohl in ihrem Glauben, wenn dies auf die Wahrheit des Glaubens deuten sollte, dann deutet das Argument im Islam darauf, dass es nur einen Gott gibt, im Hindusismus darauf, dass es mehrere Götter gibt, im Christentum darauf, dass es einen trinitarischen Gott gibt, im Buddhismus darauf, dass man Gott nicht erkennen kann, im Jainismus darauf, dass es keine Götter gibt. Wenn ein Argument für die "Wahrheit" von zwei oder mehr sich widersprechenden Dingen spricht, dann ist es ungültig.

Das wird meist übersehen - der Glaube tut einem gut, daher ist er auch richtig. Das ist das, was den Menschen eingeredet wird, und weswegen sie anfangen, zu glauben. Sie glauben zunächst, der Glaube sei wahr. Dann, wenn sie genügend Verstand beisammen haben, um sich ernsthaft mit der Wahrheit zu beschäftigen, wird diese Brücke hinter ihrem Rücken abgebrannt: Jetzt braucht man keine Beweise mehr, keine Gründe, keine Rationalität, jetzt ist es die Wirkung, die als Krücke dienen soll, den Glauben aufrecht zu erhalten.

Aber kann man an etwas glauben, von dessen Wahrheit man nicht überzeugt ist? Nein. Man kann nicht an den Osterhasen glauben, denn man ist überzeugt, dass es den nicht gibt. Man glaubt nicht an Zeus, weil man überzeugt ist, dass es den nicht gibt. Ebenso gilt dies vom Weihnachtsmann usw. usf.

Nur beim Glauben an Gott machen viele Menschen eine Ausnahme - warum nicht beim Weihnachtsmann? Diese Menschen betrügen sich selbst! Sie haben angefangen, zu glauben, und jetzt können die Menschen nicht mehr zurück, aus Angst, in ein Loch zu fallen. Dass man den Glauben rational begründen kann, diese Hoffnung haben die Menschen längst aufgegeben - hätten diese es zu Anfang gewusst, sie hätten nicht erst mit dem Glauben angefangen. Dies ist eine Selbsttäuschung. Man täuscht sich darin, dass der Glauben an etwas nichts mit der Wahrheit zu tun habe. Und die Menschen täuschen sich darin, dass man Wahrheit haben kann, ohne Prüfung und ohne Zweifel.

Placebos wirken deswegen, weil man daran glaubt, nicht, weil diese einen Wirkstoff enthalten. Also mindestens diesen Placebo-Effekt kann man dem Glauben zusprechen. Aber das hat nichts mit der Wahrheit des Glaubens zu tun. Placebos wirken auch bei Atheisten.

Noch ein Zitat:

"Wir sagen uns, es wäre ja sehr schön, wenn es einen Gott gäbe als Weltschöpfer und gütige Vorsehung, eine sittliche Weltordnung und ein jenseitiges Leben, aber es ist doch sehr auffällig, dass dies alles so ist, wie wir es uns wünschen müssen. Und es wäre noch sonderbarer, dass unseren armen, unwissenden, unfreien Vorvätern die Lösung all dieser schwierigen Welträtsel geglückt sein sollte" (Sigmund Freud)

Es gibt "fast" nichts auf dieser Welt, was einem Argument mehr Gewicht verleiht, als der Wunsch, es möge wahr sein. Das Wort "fast" deswegen, weil eine geladene Schrotflinte doch eine noch bessere "Argumentverstärkung" darstellt als ein Wunsch. Das reicht manchen Menschen aus, um etwas als wahr anzuerkennen. "Der Glaube erhebt doch gar nicht den Anspruch bewiesen werden zu müssen bzw. zu wollen" sagen sich diese Menschen, und hier ist der Grund: Weil sie wünschen, es ist so, wie sie glauben, und weil Beweise ihren Glauben zerstören könnten, deswegen darf es keine Beweise geben. Wunsch und Angst sind jetzt die beiden Triebfedern, die den Glauben aufrecht erhalten.

Warum wird so sorgfältig darauf geachtet, dass Glauben nicht bewiesen werden kann? Wäre es nicht schöner, an etwas zu glauben, weil es beweisbar wahr wäre? Beweise haben nur den Haken, dass allzu leicht auch das Gegenteil bewiesen werden kann, und diesem Risiko möchte man sich nicht aussetzen. Das ist der Grund, warum viele Gläubige mit einer gewissen Verächtlichkeit auf Rationalität und Beweise herabsehen und sie für unnötig halten - nicht, weil man sie nicht braucht, sondern weil sie die Angst in sich tragen, Beweise könnten etwas enthüllen, was nicht ihren Wünschen entspricht. Und deswegen wird der Glauben gegen jeden Beleg und jede rationale Überlegung, die seine Falschheit zeigen könnte, so hartnäckig verteidigt. Und deswegen die vielen fadenscheinigen Argumente, mit denen man Beliebiges verargumentieren kann.

Dieses Phänomen tritt nicht nur bei Anhängern einer Religion auf, sondern auch in vielen anderen Zusammenhängen im Alltag - Neurologen und Psychologen können ein Lied davon singen. Aber wenn etwas so wichtig ist wie die Religion (in den Augen ihrer Anhänger), dann sollte man seinen Glauben auch entsprechend würdigen und ihn angemessen prüfen.


Ich glaube an die Liebe - wie jeder Mensch. Und Gott ist die Liebe!

Das ist ein gerne genutzter "Gottesbeweis", den man wohl häufig hört, wenn man mit Gläubigen diskutiert.

Dem liegt folgende Vorstellung zugrunde: "Liebe ist wissenschaftlich nicht nachweisbar, aber Liebe existiert. Mit Gott verhält es sich genauso: Er ist wissenschaftlich nicht nachweisbar, aber er existiert." Das ist ein Argument vom Typ Non sequitur (= keine logische Verbindung), der Versuch, eine unbegründete Analogie zu einem Argument aufzuwerten. Aber selbst die Prämisse ist schon falsch: Selbstverständlich ist Liebe wissenschaftlich nachweisbar! Wenn man einen Menschen an genügend Messgeräte anschließt, dann kann man sehen, wenn er seiner Liebe begegnet (der Pulsschlag beschleunigt sich, die Pupillen weiten sich, die Adern verengen sich und weitere physiologische Merkmale). Außerdem ist die Liebe ein kulturelles Phänomen und daher Untersuchungsgegenstand von tausenden von wissenschaftlichen Untersuchungen. Neuerdings kann man sogar sehen, welche Hirnareale dabei aktiviert werden. Deswegen ist Liebe wissenschaftlich nachweisbar, und sie existiert, wie nahezu jeder Mensch weiß (eine Gotteserfahrung hatten - laut Gallup-Umfrage - nur 10% der amerikanischen Kirchgänger).

Dass Gott die Liebe ist, ist eine Metapher - wenn man sich das AT ansieht, dann ist er überwiegend ein Gott des Krieges, außerdem ist Gott der Schöpfer allen Übels.

Dass es in dem Argument keine logische Verbindung gibt, wird offensichtlich, wenn man es auf andere Gefühle anwendet (und dann liest es sich wie eine Parodie, aber es ist genau dieselbe Logik!):

Ich glaube an den Hass - und Gott ist der Hass. Ich glaube an den Gleichgewichtssinn - und Gott ist das Gleichgewicht. Ich glaube an das kitzlige Gefühl - und Gott ist der Kitzel usw. usf.

Abgesehen davon kann man dieses Argument auch anders parodieren. Angenommen, X sei etwas, von dem man weiß, dass es existiert, was aber nicht wissenschaftlich nachgewiesen werden kann (wobei die interessante Frage mal außer acht gelassen wird, woher man denn dann wissen soll, dass es existiert ...). Dann kann man genauso gut sagen: Man kann X nicht nachweisen - genau wie rosa Einhörner, X aber existiert, und deswegen existieren auch rosa Einhörner. Wenn das ein Beweis sein soll (und tatsächlich wird das so verwandt!), dann "beweist" er alles.

Es gibt aber auch eine ernsthaftere Variante dieses Arguments. Bei diesem Argument wird gesagt, dass es Dinge gibt, die nicht nachweisbar sind, die aber existieren, und dass daher die Abwesenheit eines Gottesbeweises kein Beweis für die Abwesenheit Gottes sei. Auch hier erhebt sich die Frage, wie man wissen will, dass etwas existiert, wenn man keine Nachweismöglichkeit hat. Häufig wird dann mit Phänomenen argumentiert, von denen man sich auch wünscht, sie existierten, für die es aber keinen Nachweis gibt, wie Telepathie, Telekinese u. ä. Eine unbegründete Annahme wird über eine Analogie wie die mit den rosa Einhörnern mit einer anderen unbegründeten Annahme verknüpft, um etwas zu beweisen. Das nennt man dann ... eine schlechte Analogiebildung. Analogien können benutzt werden, um einen Punkt zu illustrieren oder verständlich zu machen, aber nicht, um etwas zu erklären oder zu beweisen.


Die meisten Menschen können den Glauben nicht aufgeben, ohne etwas sehr Wichtiges im Leben zu verlieren

Ja. Aber - sagt dies irgendetwas über den Wahrheitsgehalt des Glaubens aus? Wenn jemand meint, mit einem Irrtum besser leben zu können als mit der (oft unangenehmen) Wahrheit, dann ist das in Ordnung, solange er nicht versucht, anderen seine Meinung aufzuschwätzen.

Es gibt eine Menge Christen, die mit ihrem Glauben ganz zufrieden leben, ihre Kinder nicht damit indoktrinieren (was aber eher selten ist) und die bereit sind, die Staatsgesetze zu akzeptieren und die nicht meinen, in ethischen Diskussionen recht zu haben, weil sie Christen sind. Diese Haltung ist völlig korrekt und akzeptabel.


Ich habe Gott persönlich erlebt!

Ich hatte selbst eine persönliche Gotteserfahrung. Mich hat es aber nicht überzeugt. Andere hat es auch nicht überzeugt. Das ist kein Argument, nur eine schlichte Feststellung.

Es gibt bei dieser Art von (persönlichen) Gottesbeweisen dasselbe Problem wie mit allen anderen Gottesbeweisen auch. Auf der einen Seite müsste Gott ein supernaturalistisches Wesen sein - und wir können keinen supernaturalistischen Standpunkt einnehmen, so sehr wir uns auch bemühen und so real jede persönliche Erfahrung auch ist. Außerdem wäre Gott eine Letztbegründung und diesen Standpunkt können wir auch nicht einnehmen, nicht einmal in unseren Träumen. Das Dilemma einer persönlichen Gotteserfahrung ist, dass wir nicht mehr Erkenntnis oder Begründung daraus gewinnen können, wie aus einem Traum oder einer Halluzination, selbst dann, wenn die Erfahrung real gewesen war. Oder können Sie beweisen, dass Ihr letzter Traum nicht real wahr? Und wie kann man eine Halluzination von einer Gotteserfahrung unterscheiden? Wenn dies nicht möglich ist, dann ist es für mich gleich.

Auch eine Offenbarung bringt uns keinen Gewinn!

Das Problem ist, dass wir nicht wissen können, ob eine subjektive Erfahrung auf irgendetwas zeigt, was sich außerhalb unseres Verstandes abspielt. Wenn wir aber kein Kriterium haben, um zwischen "eingebildet" und "real" zu unterscheiden, dann sind beide Positionen gleich - und zwar mindestens für jeden anderen, nicht für Sie selbst! Wenn aber andere außer Ihnen nicht in der Lage sind, zwischen "Einbildung" und "Realität" von Vorgängen, die in ihrer Psyche abspielen, zu unterscheiden, dann können die anderen Menschen aus Ihren Erlebnissen keine Konsequenzen ziehen.

Der generelle Fehler besteht darin, zu übersehen, dass auch persönliche Erfahrung in erster Linie menschliche Erfahrungen ist, die bestimmten Deutungs- und Interpretationsmustern unterliegen und von diesen beeinflusst bzw. uminterpretiert und in das vorhandene Weltbild eingegliedert werden. Einem Hindu begegnet Shiva, einem Moslem Allah und ein ZEN-Meister oder ein Taoist weigert sich (zu Recht), diese Erfahrung zu interpretieren wegen der damit (zwangsläufig) verbundenen Fehlleistungen. Nur Erfahrungen, die intersubjektiv prüfbar sind, können daher auf etwas zeigen, was sich außerhalb des menschlichen Verstandes befindet. Alle anderen Erfahrungen können auf beliebige Weise gedeutet werden. Daher könnte allenfalls eine objektive Offenbarung (= intersubjektiv deutbar und prüfbar) auf einen Gott deuten. Da Gott diese Probleme der persönlichen Erfahrung kennt und es keine objektive Offenbarung gibt, gibt es nur zwei mögliche Erklärungen: Entweder Gott existiert nicht oder er offenbart sich nicht. Aus beidem folgt, dass Gott weder einen Glauben noch eine Verehrung seiner selbst für erforderlich hält.

Aus dem religiösen Umfeld folgt, wie eine Gotteserfahrung interpretiert wird.

Laut einer Gallup-Umfrage in den USA hatten übrigens nur 10% der Kirchgänger so etwas wie eine "persönliche Gotteserfahrung". Der Rest der Gläubigen kennt Gott offensichtlich nur vom Hörensagen, also auf dieselbe Art, wie man Zeus oder Shiva kennt. Diese kulturelle Determiniertheit spricht nicht gegen eine einheitliche Gotteserfahrung. Wenn die Gotteserfahrung verschieden wäre, dann ergibt sich die interessante Frage, warum Gott sich so verschieden präsentiert. In dem Fall wäre aber die Interpretation zwangsläufig auch eine andere, sie spricht aber dafür, dass hier unbewusst der Erfahrung vorher angelegte Interpretationsmuster übergestülpt werden.

Viele der Menschen, die eine Gotteserfahrung hatten, bezeichnen diese als "realer" als normale Erfahrung (dies deckt sich mit meinen eigenen Erlebnissen). Außerdem schwärmen viele davon, dass dies ihr Leben völlig verändert hat. Auch für mich selbst war das so: Ich glaube seitdem nicht mehr an Gott.


Ich fühle, dass ich recht habe, auch wenn mir momentan keine guten Argumente einfallen

Zu fühlen, man sei im Recht, reicht in einer Diskussion nicht aus. Ist Ihnen noch nie der Gedanke gekommen, wenn sie in einer Diskussion gegen Argumente "verlieren", dann deswegen, weil sie Unrecht haben? Es gibt genau zwei Gründe, warum Ihnen keine besseren Argumente einfallen: Es gibt keine besseren Argumente. Sie haben ihre Position nicht genau genug überdacht. Menschen neigen aus verschiedensten Gründen dazu, 1. abzulehnen, und nur manchmal wird das anerkannt. Das ist aber nur eine Position der Sturheit, auf die man nicht auch noch stolz sein sollte. Wenn man den Verdacht hat, Position 2. sei richtig, dann sollte man nochmal alles in Ruhe überdenken und später mit besseren Argumenten zurückkehren. Findet man keine, dann sollte man ernsthaft in Erwägung ziehen, dass 1. doch richtig war.

Was vergibt man sich, wenn man seine Meinung ändert? Irren ist menschlich.


Wir brauchen Gott, damit der Mensch einen Halt hat

Viele Menschen können einen Lottogewinn auch gut gebrauchen, damit diese einen (finanziellen) Halt haben. Heißt das, dass diese Menschen dann nächsten Monat im Lotto gewinnen? Aus dem "wir brauchen" kann man nicht schließen "... und deswegen existiert es". Das ist reines Wunschdenken (und einer der Gründe, warum Sigmund Freud Religion als Illusion bezeichnet).


Ohne Gott hat das Leben keinen Sinn

Sinn ist etwas, was die Menschen produzieren (herstellen), um es dann einem Gott unterzuschieben. Damit erhält der Sinn des Menschen sozusagen eine "höhere Weihe" - in der Einbildung. Denn auch dieser Sinn kommt aus den Menschen selbst. Wenn Gott existierte, wäre er eine Letztbegründung, damit für die Menschen unverständlich, d. h. "er würde keinen Sinn machen". Wo also soll der Sinn herkommen?

Sinn ist eine menschliche Konstruktion, etwas, was der Mensch in die Welt hineininterpretiert. Da viele Menschen gerne so etwas wie einen "objektiven Sinn" hätten, der sich auf subjektiver Interpretation beruht, projizieren sie diese Sinnstiftung auf Gott und verschleiern damit, dass Gott der Welt genau den Sinn gegeben haben soll, den sie gerne selber hätten, der daher ihrer eigenen Interpretation entspricht.

Wenn Sinn etwas ist, was nur quasi "von außen" gegeben werden kann, dann hat die Existenz Gottes selbst keinen Sinn. Woher sollte dann der Sinn kommen, den er selbst den Menschen gibt? Dadurch, dass der Mensch selbst Gott einen Sinn gibt - und schon bewegt man sich im Kreis, man gibt Gott einen Sinn, den dieser dem Menschen "zurückgibt". Damit ist Gottes Sinn nichts weiter als der eigener Sinn des Menschen ... den Umweg über Gott hätte man sich also auch sparen können.


Liebe und Vertrauen können nicht aus gefühllosen Atomen bestehen, es braucht göttliche Essenz

Liebe und Vertrauen beruhen sind Eigenschaften einer Persönlichkeit, die mit ihrer Umwelt interreagiert. Nur weil ein Atheist davon ausgeht, dass seine Existenz biologisch erklärbar ist und durch die Verschränkung aus Zufall und Kausalität entstanden ist, bedeutet das nicht, dass er keine Gefühle und Wertungen hat. Warum kann ein Atheist nicht davon ausgehen, dass die elektrischen Prozesse in seinem Gehirn ein "Ich"-Bewusstsein entstehen lassen?

Ob das nun eine „wirkliche“ Persönlichkeit im religiösen Sinne oder nur die Illusion von einer wäre, ist dem Atheisten egal. Die Frage nach dem "Warum" diese Werte für ihn eine Bedeutung haben, kann er dadurch beantworten, dass die Gefühle die ihm sein Gehirn aussendet ein positives Gefühl über die Dinge in meiner Umgebung vermitteln und er das Bedürfnis daraus zieht mit anderen Menschen gut klar zu kommen und mit ihnen zusammen zu leben.

Wer nicht an Gott glaubt, muss die Welt als trostlos und kalt empfinden [noch kein Text]

[noch kein Text]



Blasphemie und persönliche Angriffe

Auch der Atheismus ist bloß ein Glauben!

Grundsätzlich ist Atheismus ist das Fehlen eines Glaubens an Gott. Wenn man den Glauben als metaphysischen Glauben nimmt, d. h. als Glauben an die Wahrheit von etwas, wofür es keine Evidenzen gibt, und dies auch noch für wahr hält, dann sind Atheisten meist generell gegen diese Art der Pseudo-Erkenntnis. Wenn man den Begriff des Alltagsglaubens nimmt, dann sind Atheisten für eine rationale Rechtfertigung des Glaubens. Kann man einen Glauben nicht mit der Vernunft begründen, dann sollte man ihn als wilde Spekulation betrachten. Kann man ihn begründen, dann ist auch damit noch nicht seine Wahrheit erwiesen.

Im Sinne von Letzterem lässt sich eine Einteilung in schwachen/negativen Atheismus und starken/positiven Atheismus vornehmen. Der starke Atheismus (auch Antitheismus genannt) ist zwar in der Tat ein Glaube; daran nämlich, dass Gott nicht existiere. Allerdings versteht sich dieser Glaube rational begründet, beispielsweise durch Ockhams Rasiermesser, und damit wilden Spekulationen wie bezüglich rosafarbener Einhörner überlegen. Siehe auch das Argument "Du kannst den Glauben nicht widerlegen".


Atheismus ist eine Religion und seine Anhänger somit nicht besser als religiöse Fundamentalisten [noch kein Text]

[noch kein Text]


Atheisten müssen Dogmatiker sein, sonst wären sie Agnostiker [noch kein Text]

[noch kein Text]


Atheisten sind unmoralische Menschen und deswegen kann man ihren Argumenten nicht trauen

Argumenten muss man nicht trauen, man muss sie nur nachvollziehen können. Dieses Argument ist eigentlich ad hominem (= gegen die Person gerichtet) und damit ein Fehlschluss.


Du wirst als Atheist in der Hölle schmoren

Das ist kein Argument, sondern eine Drohung. Und Drohungen müssen, damit sie wirksam sind, glaubwürdig sein. Ihre Drohung aber ist das nicht. Nur schwache oder schlechte Argumente muss man mit Drohungen verstärken - aber man kann damit auch nur schwache Persönlichkeiten "überzeugen" (= indoktrinieren).

Sind Sie eine so schwache Persönlichkeit, dass Sie sich als Kind davon haben indoktrinieren lassen?

Und was ist, wenn der Islam recht hat? Dann werden Sie auch dort in der Hölle schmoren! Es gibt - wie im Kapitel über die Pascalsche Wette gezeigt - ziemlich viele Möglichkeiten, wieso das auch Ihnen passieren kann.

Viel in der christlichen Religion stützt sich auf Angst - aber Angst ist manchmal ein schlechter Ratgeber. Wenn eine Religion es nötig hat, Angst zu erzeugen, dann muss die Argumentationslage sehr, sehr schlecht sein.

"Der Nachteil des Himmels besteht darin, dass man die gewohnte Gesellschaft vermissen wird." (Mark Twain)


Wie kannst Du es nur wagen, über Gott zu urteilen?

Ich kann nicht anders. Denn wenn ich nicht unterscheiden kann, was von Gott und was von Menschen kommt (es nehmen ja sehr viele Menschen in Anspruch, Gottes Wort zu reden, im Christentum, im Islam, im Judentum, im Hinduismus, im Schintoismus). Viele nehmen Gottes Wort für sich in Anspruch und alle widersprechen sich wechselseitig in fast allem. Und sie widersprechen auch meiner eigenen Gotteserfahrung!

Wie also soll ich unterscheiden können, wer nun Recht hat? Auf mein Herz zu lauschen, wie mir immer wieder vorgeschlagen wird, bringt nichts, das tun andere auch und streiten sich dann über alles. Also bin ich gezwungen, meinen Verstand zu nutzen, um herauszufinden, wer denn nun recht hat. Wie könnte ich anders handeln, wenn mir keiner Kriterien nennen kann, wie ich zwischen richtigen und falschen Gottesworten unterscheiden kann? Zumindest keine Kriterien, die ebenso im Widerspruch zueinander stehen. Soll ich mich auf die Bibel, den Koran oder eine andere der tausend verschiedenen heiligen, von Gott geoffenbarten, Worte richten?

Ich muss also - wenn sich die Gläubigen nicht auf Kriterien einigen können - meine eigenen Kriterien benutzen.

Wer will mich für etwas verurteilen, wenn ich nicht anders handeln kann? Außerdem gibt es noch Euthyphrons Dilemma, welches zeigt, dass wir nicht anders handeln können, als Gott zu beurteilen.

Du redest so gegen den Glauben, weil Du früher Katholik warst

Das ist ein Argument ad hominem (= gegen die Person gerichtet). Argumente sind neutral, sie scheren sich nicht darum, ob sie von einem Katholiken oder einem Protestanten oder einem Stalinisten oder einem Massenmörder oder dem Papst geäußert werden. Weil sie neutral sind, sind sie auch ein so gutes Verständigungsmittel. Ändert sich etwas daran, wenn Adolf Hitler sagt: "2 + 2 = 4"? Wird das durch die Person in seinem Wahrheitsgehalt beeinflusst oder nicht? Wenn nein, ändert sich an einem Argument etwas, wenn sie vom Papst oder von Adolf Hitler geäußert werden? Ändert sich an diesen Argumenten etwas, wenn man sie als Buddhist (oder Ex-Buddhist), als Protestant (oder Ex-Protestant), als Nazi (oder als Ex-Nazi), als ZEN-Meister (oder Ex-ZEN-Meister), als Wissenschaftler oder als Ungebildeter äußert?

Und selbst wenn die Art oder die Reihenfolge der Argumente durch den Glauben (oder Unglauben) und durch die eigene Vergangenheit beeinflusst werden: Ändert dies etwas an dem Wahrheitsgehalt? Wird eine Wahrheit zu einem Irrtum (oder umgekehrt), wenn man sie in einem bayrischen Dialekt ausspricht? Wenn ja, warum sollte das so sein?

Genau deswegen, weil man mit der Vernunft versucht, von allen diesen Dingen zu abstrahieren, deswegen ist sie so wertvoll. Im anderen Fall landet man in der Beliebigkeit - und genau dies tun Sektenangehörige und Fundamentalisten sehr gerne: Sie machen es von der äußernden Person abhängig, ob sie die Kritik gelten lassen oder nicht gelten lassen. Das ist aber nur ein Trick, mehr nicht. Man lenkt von den Argumenten ab und beschäftigt sich stattdessen mit der Person und ihren charakterlichen oder sonstigen Mängeln oder ihrer "zweifelhaften" Vergangenheit (und man wird immer etwas finden oder erfinden können). Redlich ist das nicht.

Ich schreibe manchmal auch "Fundamentalisten sagen, dass ..." aber ich lasse es nicht dabei bewenden - denn da die Person nichts mit dem Argument zu tun hat, illustriert dies nur, aber es ist kein Grund dafür, ob das Argument richtig oder falsch ist. Zu einer guten Diskussion gehört es, die Sach- und die Personenebene nicht zu vermischen. In schlechten Diskussionen herrscht da ein Durcheinander.

Deswegen gelten in Internet-Diskussionen auch folgende Gesetze: Heidtmanns Gesetz "Wer den Lebenslauf seines Gegenübers als Argument missbraucht, hat verloren."

Und:

Hartges Zweites Gesetz: "Wer mit den Lebensumständen einer anderen Person argumentiert, um diese Person dadurch anzugreifen oder in ein schlechtes Licht zu rücken, hat keine Argumente mehr und damit automatisch verloren."

"Gesetze" muss man in Anführungszeichen schreiben, weil es sich dabei mehr um lockere Beobachtungen handelt, die sich aus langen Diskussionen ergeben haben.


Du bist einfach nur starrsinnig und lässt deswegen Jesus nicht in Dein Herz!

Ich bin in der Lage, meine Meinung zu ändern (und habe dies ja bereits getan!) - sind Sie das auch? Und ich argumentiere lieber mit dem Verstand als mit dem Herzen. Hat Ihr Jesus mir dafür etwas zu bieten? Und wenn nein, warum nicht?



Wahrheiten und Beweise

Mein Glaube ist wahr

Wahrheit ist definiert als Übereinstimmung mit den Fakten. Daher kann man Aussagen auf ihren Wahrheitsgehalt kritisch prüfen. Kann man es nicht kritisch prüfen, dann hat die Aussage nichts mit der gängigen Definition von Wahrheit zu tun (gibt es denn mehrere Wahrheiten?). Kann man also Glaubensaussagen keiner kritischen Prüfung unterziehen, dann können diese auch nicht wahr sein, sondern allenfalls unbestimmt. Im Gegenteil, wesentliche Punkte des Glaubens widersprechen dem, was man als wahr annimmt, d. h. geglaubt wird oft im Widerspruch zur Wahrheit. Wenn etwas mit den Fakten übereinstimmt, redet man auch nicht mehr von Glauben, sondern von Wissen, und beides schließt sich gegenseitig aus: Was man weiß, glaubt man nicht, man glaubt nur Dinge, die man entweder nicht weiß oder nicht wissen kann. Man "glaubt" auch nicht an sein Wissen, wie viele Theologen in zweifelhafter Absicht immer weismachen möchten. Siehe dazu den nächsten Punkt.

Manchmal wird auch darauf abgezielt, dass es Sätze gibt, die man als wahr betrachtet, obwohl sie wissenschaftlich nicht belegbar sind, wie etwa diesen Satz: "Bachs Musik ist schön". Diesem Satz werden viele Menschen zustimmen, manchmal sogar mit den Worten: "Ja, das ist wahr". Aber hier handelt es sich um ein Werturteil, und das hat mit Wahrheit nicht das Geringste zu tun. Ob ein Sonnuntergang oder ein Musikstück schön ist, ist eine Geschmacksfrage. Wenn Theologen (die haben immerhin studiert) anfangen, diese Dinge - Wahrheit und Werturteile - durcheinander zu werfen, dann tun sie dies im Irrtum. Wenn andere Gläubige dies tun, dann ebenso in irrender Unkenntnis der Lage. Eine Existenzaussage wie "Gott existiert" ist kein Werturteil (keine Geschmacksfrage), und es ist bezeichnend, dass Gläubige dazu gebracht wurden, dieses miteinander zu verwechseln - manchmal hat man den Eindruck, sie wurden absichtsvoll verwirrt.

Wesentliche Teile des Glaubens werden so definiert, dass sie niemals mit den Fakten kollidieren können - man nennt dies Immunisierung gegen Kritik. Es steckt manchmal eine gewisse Absicht dahinter, eine kritische Prüfung wichtiger Behauptungen unmöglich zu machen - viele Betrüger benutzen leider das gleiche Verfahren, meist zur Fremdtäuschung. Man muss sich immer die Frage stellen: "Warum kann oder sollte man bestimmte Dinge nicht überprüfen?". Warum sollte Gott die Erfüllung seiner Gebote verlangen, wenn er nicht einmal bereit ist, seine Existenz auf überprüfbare Weise zu bestätigen? Warum sollte man an Jesus als Gott glauben, wenn es keine Belege dafür gibt, dass er es war, aber genügend Anzeichen dafür, dass er in Anlehnung an die vielen Gottessöhne vor seiner Zeit (Horus, Mithras, Dionysos, Tammuz, Attis, Adonis, Krishna etc. pp.) später von seinen Anhängern dazu "erhoben" wurde? Glauben wird verlangt und erwartet, wenn die Beweislage schlecht ist und nicht zugunsten der Auffassungen spricht, und um Widersprüche zu übertünchen.

Es gibt zwei weitere monotheistische Religionen, die die Gottessohnschaft von Jesus bestreiten - das Judentum und der Islam. Beide haben dafür ihre guten Gründe, die Juden haben Jesus weder zu seinen Lebzeiten noch später als Sohn Gottes anerkannt (abgesehen von denen, die zum Christentum konvertiert sind). Wenn es so eindeutig wäre, wie von Christen oft behauptet wird, wieso wird diese "Wahrheit" dann nicht von den Juden anerkannt? Nur den Juden "Verblendung" zu unterstellen ist etwas zu einfach, mit denselben Argumenten und denselben Gründen können die Juden diesen Vorwurf zurückgeben.

Wenn also Theologen oder Gläubige zunächst behaupten, der Glauben sei wahr, so handelt es sich um ein Irrtum oder um ein Missverständnis, was den Begriff "Wahrheit" angeht oder um eine bewusst andere Definition. Erst, wenn man ihnen dies klar macht, dann erfolgt der Rückzug auf die Position: "Auch wenn ich keine Belege habe, so kann es dennoch wahr sein" (eine sehr schwache Behauptung). Vor Gericht würde so eine Aussage als unsinnig zurückgewiesen. Etwas kann wahr sein, wenn man keine Beweise hat - es kann aber genauso gut unwahr sein, und wenn man es nicht entscheiden kann, was davon stimmt, sind beide Positionen absolut gleichwertig. Wenn für den Glauben dann aber auch noch eigene Wünsche sprechen, dann sollte man vorsichtig sein, die Wahrscheinlichkeit, sich zu irren, steigt dramatisch. Denn in den meisten Dingen ist das Universum nicht so, wie man es sich wünscht. Man könnte zusammenfassend sagen, dass Glauben und Irrtum ein und dasselbe sind, weil man beides nicht voneinander unterscheiden kann, und man nennt Dinge gleich, wenn sie nicht voneinander unterscheidbar sind.

Und noch etwas, das die Gläubigen gerne anders sehen: Es ist nicht möglich, an Dinge zu glauben, die widersprüchlich sind.


Die christliche Lebensweise ist der Beweis der Wahrheit des Christentums

Wenn ein positiv und als sinnerfüllt empfundenes Leben ein Beweis für die Richtigkeit des Christentums wäre, dann wäre ein Christ, der verzweifelt und depressiv ist, dazu der Gegenbeweis. Aber tatsächlich ist es so, dass die Lebensweise nicht der Beweis für die Wahrheit von irgendetwas sein kann.

Man nehme einmal an, dass die Aussage "Die christliche Lebensweise ist der Beweis der Wahrheit des Christentums" wahr ist. Dann wäre die islamische Lebensweise der Beweis der Wahrheit des Islams, die hinduistische Lebensweise wäre der Beweis der Wahrheit des Hinduismus usw. usf. Da sich diese Religionen in ihrem Wahrheitsanspruch aber gegenseitig ausschließen - wenn das Christentum wahr ist, kann der Islam nicht wahr sein, wenn der Hinduismus wahr ist, können weder Christentum noch Islam wahr sein usw. usf. - und man kann diese Liste noch beliebig um hunderte von sich gegenseitig ausschließenden Religionen ergänzen. Jede dieser Lebensweisen wäre damit ein Beweis für die Falschheit aller anderen, ebenfalls exklusiven Religionen. Da man in allen Religionen Menschen findet, die sehr positiv von ihrer eigenen Religion denken und die meinen, dass sich dies in ihrer Lebensweise widerspiegelt, würden sich diese "Wahrheitsbestätigungen" (wenn es welche wären) gegenseitig aufheben. Denn die "Wahrheit" des einen ist die "Falschheit" des anderen.

Es ändert sich nichts, wenn man statt "positiv und sinnerfüllt" andere Attribute benutzt (wie z. B. sündenfrei oder sorgenfrei etc.). Denn es lassen sich auch nach christlichen Maßstäben sündenfrei lebende Juden oder Moslems finden, die damit die "Wahrheit" des Judentums beziehungsweise des Islams bezeugen und damit gleichzeitig die Falschheit des Christentums.

Nichts, was man an Merkmalen in anderen, widersprechenden Religionen ebenfalls findet, ist ein Argument für irgendeine der Religionen. Es ist allenfalls ein Zeugnis dafür, dass der Glauben unabhängig vom Inhalt positive Wirkungen hat, ein Umstand, den man für kaum bestreitbar halten kann (sonst könnte man nicht erklären, wieso es in der Medizin einen Placebo-Effekt gibt).

Das gilt z. B. auch für Wunderheilungen - diese findet man in allen Religionen und sogar bei Atheisten. Die Wunderheilungen sagen nichts über die Wahrheit der Religionen aus, weil auch hier das Wunder der einen Religion immer die "Falschheit" der anderen Religionen bedeuten würde, wenn man das als Argument gelten ließe. Wenn also jemand auf seine positive Lebensweise als Zeugnis der Wahrheit seines Glaubens hindeutet, so wäre dies nur genau dann der Fall, wenn man diese positive Lebensweise nur in diesem einen Glauben finden würde.

Wenn also jemand Kraft aus seinem Glauben bezieht oder meint zu beziehen, dann ist dies kein Hinweis oder Zeugnis für die Wahrheit des Glaubens, sondern für etwas ganz Anderes.

Ein analoges Argument gilt z. B. auch für Märtyrer oder Wunder.


Das Universum (Materie) kann nicht aus dem Nichts entstehen

Wenn von Nichts auch Nichts kommt, kann Gott nicht aus dem Nichts entstanden sein. Also, sagt man, Gott ist daher ewig. Nun weiß man nicht, ob Gott existiert, vom Universum aber schon. Es hat sich gezeigt, dass man Energie nicht vernichten kann (man kann sie nur von einer Zustandsform in eine andere umwandeln, Energieerhaltungssatz). Folglich zeigt die Unzerstörbarkeit der Energie, dass sie ewig existieren wird. Da Energie nicht langfristig aus dem Nichts entstehen kann, bedeutet dies ferner, dass sie schon ewig existiert haben könnte. Nur ihr Zustand wandelt sich.

Es gibt nicht den geringsten Grund, Gott mit ins Spiel zu bringen. Denn wenn man von Gott annehmen kann, dass er ewig existiert, kann man dies (allerdings aus guten Gründen) vom Universum auch annehmen. Für das Universum spricht (a) die Tatsache, dass man sicher weiß, dass es existiert und (b) die Tatsache, dass Materie/Energie nur wandelbar, aber nicht zerstörbar ist.

Falls Gott das Universum aus dem Nichts geschaffen haben soll, bedeutet dies, dass eben doch etwas aus Nichts entstehen kann, und damit wäre die Auffassung, aus Nichts könne Nichts entstehen, widerlegt. Denn sicher hat Gott nicht einen Teil seiner Energie in das Universum umgewandelt. Folglich hat der Argumentierende selbst die Auffassung, "Von nichts und aus Nichts kommt auch Nichts" widerlegt, wenn er annimmt, Gott könne eben doch etwas aus dem Nichts schaffen. Oder aber er glaubt nicht an den christlichen Gott, der die Welt aus dem Nichts erschaffen hat.

Es gibt noch eine verblüffende Idee von R. A. Schmitz: "Von Nichts kommt Nichts" ist eine Regel, die in unserem Universum gilt, weil es dort etwas gibt. Aber wenn Nichts ist, dann gibt es dort auch keine Regeln, die etwas Derartiges verbieten. Folglich kann das Universum aus dem Nichts entstanden sein ...


Die Nahtoderfahrung der Menschen zeigt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt

Nahtoderfahrungen sind keine Todeserfahrungen - der Betroffene ist nicht wirklich gestorben, er war nur nahe dran. Diese Erfahrung produziert bestimmte Vorstellungen im Gehirn, die momentan untersucht werden. Allerdings gibt es für alle Phänomene bislang sehr gute natürliche Erklärungen.

Die gemachte Erfahrung ist sehr stark vom Glauben abhängig - offensichtlich sieht man mehr oder weniger genau das, was man gerne sehen möchte und was man erwartet zu sehen.


Du bist auf der Suche nach Wahrheit - und nur im christlichen Glauben wirst Du sie finden!

Ich bin ein Wahrheitssucher - das stimmt. Ich suche auch die Änderung - und ich ändere mich, sobald ich bessere Argumente höre. Dass die Gläubigen die besseren Argumente haben, habe ich lange genug geglaubt, aber bin nach sorgfältiger Prüfung aller Möglichkeiten zur gegenteiligen Auffassung gekommen. Wenn Sie bessere Argumente haben, dann bin ich sehr neugierig, sie zu hören. Wenn sie wirklich gut sind, dann ändere ich meine Meinung. Wozu diskutiert man, wenn man nicht auch bereit ist, seine Meinung zu ändern? Nur den anderen überzeugen zu wollen, ohne sich selbst überzeugen zu lassen, nennt man "Belehrung". Warum sollte ich mich von jemandem belehren lassen, der ein schlechtes Vorbild ist, weil er selbst unbelehrbar ist?

Aber mit bloßen Behauptungen wie "nur der christliche Glauben ist wahr" werden Sie mich nicht locken können. Da müsste schon etwas mehr kommen, z. B. überzeugende Argumente. Leider werden viele Diskussionen nur geführt, in dem man eine Behauptung gegen eine andere stellt - was für beide Seiten unbefriedigend ist, weil man sich wechselseitig dann "Unbelehrbarkeit" vorwerfen kann und nicht weiterkommt.


Die vielen Märtyrer bezeugen, dass die Religion wahr ist!

Märtyrer (= Blutzeugen), die sich für ihre Überzeugungen quälen oder töten ließen, belegen überhaupt nichts. In fast jeder Religion gibt es Märtyrer - sind die deswegen alle wahr? Hinzu kommt noch, dass viele der Märtyrer entweder erfundene Personen sind, oder dass die Berichte extrem übertrieben wurden. Diese legendären Übersteigerungen belegen nur, dass vor allem die frühen Christen einen schwärmerischen Hang zur Legendenbildung hatten und es mit der Wahrheit nicht besonders genau nahmen.

Außerdem, wenn die Zahl der Märtyrer etwas wie "Wahrheit" bezeugen würden, dann läge in punkto "Wahrheitsgehalt" der Islam momentan vorne.


Gott ist nicht beweisbar, um unseren Glauben zu testen

Es hat viele Diskussionen um die Beweisbarkeit Gottes gegeben. Wenn man mit Christen diskutiert, dann werden auch stets ein oder zwei dieser "Gottesbeweise" genannt. Insofern kann eine Beweisbarkeit nicht völlig unwichtig sein. Aber nachdem man die "Beweise" widerlegt hat, kommt unweigerlich das Argument "Gott ist nicht beweisbar, um unseren Glauben zu testen" - was natürlich ein Rückzugsgefecht ist. Einige Christen haben genug Erfahrung in Diskussionen, um erst keine Gottesbeweise zu versuchen, weil sie um die Ungültigkeit dieser Beweise wissen, die benutzen dann gleich dieses Argument.

Es wird behauptet, dass sich Gott nicht beweisen lässt, um den Menschen nicht den freien Willen zu nehmen, an ihn zu glauben oder den Glauben zurückzuweisen. Abgesehen von der Frage, woher die Gläubigen dieses denn wissen wollen - es ist ja erstaunlich, was Gläubige alles über Gott wissen, außer sie treffen auf gute Argumente, dann wird mit der "unerforschlichen Natur Gottes" argumentiert - kann dies historisch nicht richtig sein, laut AT ist Gott mehreren Menschen direkt erschienen und hat direkt Einfluss genommen (brennende Dornbüsche, Stimmen vom Himmel, bei Jesus' Taufe, auf einem Berg usw. usf. - manche sollen sogar Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen haben, etwa Moses selbst, Jesaja oder Hiob).

Hat Gott deren "freien Willen" mißachtet? Und wenn ja, warum? Warum nur damals, als Menschen noch an Geister und anderen Unfug glaubten, und nicht heute, wo es Fernsehen gibt und skeptische Wissenschaftler? Außerdem: Wenn man die Existenz Gottes beweisen könnte, dann wäre damit noch nicht ausgesagt, ob es sich um den Gott der Juden, den Gott der Christen, den Gott der Moslems, den Gott der Hinduisten usw. usf. handelt, es gäbe also noch genügend Spielraum, einen spezifischen Glauben zurückzuweisen - der freie Wille der Menschen wäre nicht eingeschränkt.

Dazu im Widerspruch steht auch die Tatsache, dass Christen ihre Kinder christlich erziehen und ihnen den Glauben anerziehen - damit wird der "freie Wille", der Gott den Menschen angeblich gegeben hat, hintenherum wieder negiert. Also glauben die Christen selbst nicht daran, dass man den Kindern einen freien Willen in dieser Frage lassen sollte. Dass dem so ist, kann man empirisch an der Tatsache ablesen, dass in Süddeutschland die Mehrheit der Menschen katholisch und in Norddeutschland die Mehrheit der Menschen evangelisch ist - seit Jahrhunderten. Wer wollte da behaupten, hier sei irgendwo freier Willen mit im Spiel? Dass gerade wehrlose Kinder zum Glauben erzogen werden, deutet darauf hin, dass die Mehrheit der Gläubigen (insgeheim) ganz genau weiß, dass ihre Argumente für den Glauben schwach sind und nicht wirklich überzeugend. Daher sieht dieses Argument eher nach einer "fauler Ausrede" aus. Hier wird suggeriert, dass Glauben etwas Besseres oder Wichtigeres sei als Wissen - als ob Gott den Menschen die Rationalität gegeben hätte, damit er in wirklich wichtigen Fragen dann keinen Gebrauch davon macht. Das passt überhaupt nicht zusammen. Dass Glauben für Gott wichtig ist, ist auch bloße Spekulation - da Gottes Wege unerforschlich sind, stützt sich dieses Argument auf nichts, außer auf die Not, dass man keine Beweise hat. Und das ist schon ganz schön schwach.


Autoritäten

Hitler/Stalin/Mao waren Atheisten, und sieh nur, was sie verbrochen haben! [noch kein Text]

[noch kein Text]


Selbst Einstein glaubte an Gott - er sagte "Gott würfelt nicht"

Dieses Zitat wird gerne verwendet, aber es zeigt nicht, dass Einstein an Gott geglaubt hat, hier ein Zitat von Einstein selbst zu dieser Frage:

"Es ist selbstverständlich eine Lüge, was Sie über meine religiösen Überzeugungen lesen, eine Lüge, welche systematisch wiederholt wurde. Ich glaube nicht an einen persönlichen Gott und habe dies niemals bestritten, sondern es klar ausgedrückt. Wenn es etwas in mir gibt, was man als religiös bezeichnen kann, dann ist es meine ungeheure Bewunderung für die Struktur dieser Welt, soweit sie die Wissenschaft erforscht hat" - Albert Einstein in "The Human Side", editiert von Helen Dukas (Einsteins Sekretärin) und Banesh Hoffman, Princeton University Press.

Es ist schade, dass solche Märchen von Christen erzählt werden. Märchen dieser Art werden natürlich gerne geglaubt, und wenn sie oft genug wiederholt werden, dann werden sie Allgemeingut. So in etwa entstehen auch Religionen.

Außerdem hängt die Wahrheit der Religion sicher nicht daran, dass bestimmte intelligente oder weise oder wissende Menschen auch daran glauben, weil das genauso gut gegen die Religionen spricht, weil auch immer besonders viele intelligente oder weise oder wissende Menschen eben nicht an die Religion glauben. Ohnehin wird diese Art von Argumenten sehr einseitig und selektiv interpretiert: Wenn Einstein an Gott glaubt, dann spricht dies für die Existenz Gottes, tut er es nicht, dann spricht dies nicht gegen die Existenz Gottes, sondern wird als "neutral" angesehen. Anders gesagt, Bestätigungen des Glaubens gleich welcher Art werden akzeptiert, Widerlegungen oder Gegenargumente werden ignoriert.


Auch Voltaire hat seinen Unglauben auf dem Totenbett widerrufen!

Letzte Worte ... die meisten letzten Worte sind nichts weiter als Legenden. Obwohl Voltaire wusste, dass auch über ihn fromme Bekehrungslegenden geschrieben werden würden, und er Vorsorge getroffen hatte, es nützt nichts - über seine letzten Worte wurde christlicherseits gelogen, dass sich die Balken bogen. Voltaire ist nicht das einzige Opfer derartigen frommen Betrugs. Und wenn man schon nicht von Widerruf reden kann, dann wenigstens davon, dass der Ungläubige einen schrecklichen Tod hatte (als ob Christen leichter sterben würden). Das ist meist auch nichts weiter als eine nachtretende Schäbigkeit, man hat oft den Eindruck, hier sei der Wunsch der Vater des Gedankens. Mindestens, so wird berichtet, ist der Betreffende in geistiger Umnachtung gestorben - aber was ist Tod anders als eine geistige Umnachtung?

"Lasst mich in Frieden sterben!" Voltaire (zu den Priestern, die ihm die letzte Ölung erteilen wollten - gehört zu den einzigen letzten Worten, die halbwegs sicher übermittelt worden sind)

Es handelt sich um einen billigen Triumph, von jemandem, der zu Lebzeiten zu stark war, als dass man ihn hätte in die Knie zwingen können, in der Stunde der größten Schwäche (des Todes) zu behaupten, er habe alles widerrufen, wohl wissend, dass sich der Tote nun nicht mehr wehren kann gegen Verleumdungen. Lügen über einen Wehrlosen verbreiten - wer diese Form der Feigheit nötig hat, verrät mehr über sich selbst, als ihm lieb ist.

Auch der Glaube, die letzten Worte eines Menschen, gesprochen meist ohne geistige Klarheit, oft im Delirium, wenn das Gehirn nicht mehr ausreichend Sauerstoff erhält, hätte eine besondere Bedeutung - dieser Aberglaube ist von einer grandiosen Lächerlichkeit. Aber nichts ist so dumm, als dass es nicht noch genügend Leichtgläubige gäbe, die es glauben würden. Und so wird über fast alle Menschen, die stark genug waren, das Christentum abzulehnen, eine Bekehrungslegende verbreitet. Aber angenommen, eine solche Legende wäre doch wahr - was beweist sie?

Sie beweist, dass man sich in Zeiten der geistigen Unklarheit und der Verwirrung und der geistigen Schwäche zum Christentum bekennen kann, und dass viele dies bereits zu ihren Lebzeiten tun und manche erst, wenn der Tod sie ausreichend geschwächt hat. Und mehr besagt es nicht. Hoffnung in letzter Minute ist menschlich.

Und wenn es doch etwas aussagen sollte - dann sollte man nicht unerwähnt lassen, dass es auch Priester gibt, die vor dem Tode ihren "theologischen Selbstmord" zelebrieren, indem sie dem Glauben völlig abschwören - als eine letzte mutige Tat im Leben (mutiger wäre es gewesen, dies zu Lebzeiten zu tun). Und auch dies beweist nichts, außer, dass Christen davon meist nichts wissen, weil alles, was gegen den Glauben sprechen könnte, ignoriert wird.



Sonstige

Man kann die Bibel (oder den Glauben) nur als gläubiger Mensch verstehen

Es gibt verschiedene Arten des Verstehens. Verstehen im Sinne von "gedanklich nachvollziehen" kann man eine Auffassung nur, indem man sich mit ihr beschäftigt. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass man diese Auffassung dann auch teilt! Man kann die Gedankengänge und psychologischen Vorgänge und die Handlungen eines Mörders verstehen, ohne selbst ein Mörder zu sein, und man kann dann auch darüber urteilen. Es hätte auch keiner Verständnis dafür, wenn ein Mörder vor Gericht sagte, dass der Richter kein Urteil über ihn fällen könne, solange der Richter noch keinen Mord begangen habe!

Teilweise kann man bestimmte Dinge sogar nur verstehen, wenn man darüber nüchtern urteilen kann. Dazu darf man aber nicht zu sehr emotional involviert sein (wie beim Zustand des Glaubens). Deswegen kann man behaupten, dass man als Ungläubiger, bzw. Außenstehender eines Glaubens viel mehr darüber versteht! Denn auch das Wissen darum, warum man geglaubt hat, hat man meistens als Ex-Gläubiger immer noch. Man ist nur nicht mehr betriebsblind.

Wenn man unter "Verstehen" ein "die Auffassung teilen" versteht, dann kann man den Glauben nur als Gläubiger verstehen - aber das ist trivial (zirkuläre Logik). Was einem Gläubige damit eigentlich sagen ist Folgendes: "Du kannst nur glauben, wenn Du glaubst". Es gibt noch eine tiefere Form des Verstehens, wenn man selber eigenständig die Gedanken ergänzen und erweitern kann. Ein noch tieferes Verständnis erlangt man, wenn man die Auffassungen auch lehren kann. Das tiefste Verständnis von den Dingen hat man aber erst, wenn man eigenständig Fehler finden kann (das kritische Denken, Stufe 3 der Erkenntnis). Daran scheint es den Gläubigen zu mangeln - deswegen ist das Verständnis des eigenen Glaubens bei den meisten Gläubigen auch eher gering einzustufen, man kann den Vorwurf also umdrehen: "Du glaubst nur, weil Du Deinen Glauben nicht wirklich verstanden hast" - aber da das ein logischer Zirkel ist (genau wie der Vorwurf andersherum), sollte man diese unredliche Taktik lieber nicht benutzen.

Gute Argumente zeichnen sich dadurch aus, dass man sie auch versteht (nachvollziehen kann), wenn man die Argumente noch nicht teilt. Wenn man Argumente nur dann verstehen kann, wenn man sie bereits teilt (verinnerlicht hat), dann sind die Argumente sehr schwach und werden allenfalls emotional verstärkt. Das ist aber nur eine Form der Indoktrination, nicht der Überzeugung. Ein Zeichen dafür, dass die eigene Meinung auf Fremdmanipulation beruht! Eine durch Manipulation oder Indoktrination verinnerlichte Meinung kann man bei sich selbst entdecken, wenn man sich fragt, ob man seine eigenen Auffassungen auch kritisieren kann. Kann man dies nicht, so sollten die inneren Alarmglocken schrillen.

Vieles von dem "Verständnis des Glaubens" beruht darauf, Kritik abzuwehren, nicht zuzulassen, sondern allenfalls nur "Kritik an der Kritik" zu äußern. Deswegen haben viele Gläubige so große Probleme damit, Kritik überhaupt zu verstehen. Sie sind nicht flexibel genug, beide Seiten einzunehmen. Diese mangelnde Flexibilität wird aber von vielen Gläubigen sogar als Vorteil gepriesen! Gleichzeitig wird diese Flexibilität - da man sie nicht hat - auch der Gegenseite abgesprochen. Mit diesem Trick arbeiten alle Sekten, Psycho-Sekten und anderen geschlossenen Denksysteme - das ist sozusagen ihr Erkennungszeichen und ihr Echtheitssiegel.

Übrigens nehmen sehr viele Glaubensrichtungen dieses Argument in Anspruch. Der Moslem wird Ihnen absprechen, den Islam zu verstehen, weil Sie kein Moslem sind. Vielleicht haben Sie die falsche Religion "gewählt" (die Mehrheit der Christen trifft keine Wahl - sie übernehmen eine Wahl) und wissen es nur nicht? Vielleicht müssten Sie auch Hinduist oder Schintoist sein? So betrachtet wären Sie aus Ignoranz (Unkenntnis, Unwissen, Unverständnis) Christ. Auch können Sie nicht wissen, ob Ihr Verständnis der Bibel richtig ist - es gibt eine Fülle unterschiedlicher Auffassungen, gerade z. B. in der zentralen Frage der Erlösung. Dann würden Sie Ihren eigenen Glauben nicht verstehen!

Kennzeichen von Ideologien (und Religionen) ist die Immunisierung gegen (Abwehr von) Kritik.


Alle Menschen sind schuldig geboren worden, und nur der Glauben kann sie erlösen

Schuld wird dem Menschen eingeredet, und dann bietet man ihnen Erlösung an. Das ist ungefähr so redlich wie ein Doktor, der die Leute mit einer Krankheit infiziert, um ihnen dann Medikamente zu verkaufen oder ein bestimmtes Wohlverhalten einzufordern. Davon leben die Kirchen - "Das einzig sichere an der Erlösung ist der Erlös daraus", wie Deschner sagte.


Die Kirchengeschichte ist kein Argument gegen die moralischen Ansprüche der Christen!

Dieses Argument versucht, zwischen einem "idealem" und einem "realen" Christentum zu trennen. Eine ausführliche Diskussion dieses Arguments finden Sie unter Warum Christen die besseren Menschen sind. Hier wird folgende Logik benutzt: Wann immer es um die positiven Aspekte des (realen) Christentums geht, wird dies zugunsten des Christentums insgesamt als Beleg benutzt. Wann immer es um die negativen Aspekte geht (Kreuzzüge, Inquisition etc.) wird zwischen "realem" und "idealem" Christentum unterschieden. Das "ideale" Christentum hätte nämlich keine Kreuzzüge hervorgebracht (dies wird von den meisten Christen nicht bestritten). Aber, so wird gesagt, während die positiven Aspekte vom richtigen Gebrauch der christlichen Ideen zeugen, zeugen die negativen Aspekte von einem (allzu menschlichen) Missbrauch dieser Ideen. Das klingt zunächst sehr plausibel.

Aber während der Kreuzzüge war kaum jemand davon überzeugt, dass es sich um einen Missbrauch handelt. Im Gegenteil. Erst hinterher, nachdem sich gezeigt hat, dass das eine üble Sache war, sprach man von Missbrauch. Man versucht, dies vom Christentum als "unchristlich" abzutrennen, um das Christentum gegen diese Form der Kritik zu immunisieren. Im gleichen Tenor könnte man auch sagen, alle Menschen seien gut, nur habe beispielsweise Jack the Ripper sein Menschsein missbraucht, als er die Prostituierten umbrachte. Folgt man diesem Argument, dann kann man die These, "Alle Menschen sind gut" nicht mehr widerlegen, gleichgültig, ob wir über Hitler oder Stalin diskutieren. Demnach waren auch nur die Gulags des Sozialismus nur ein "Ausrutscher", die Idee des Sozialismus wird damit nicht angetastet.

Aber was nützen die besten Ideen, wenn ihre Umsetzung nicht gelingt? Sollte man nach einer gewissen Zeit dann nicht doch besser an der Idee als solcher zweifeln?


Denn die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott

Dies stammt aus 1 Korinther 3:18-20 und wird gerne zitiert, wenn dem Gläubigen die Argumente ausgehen, und er sieht, dass er eine Diskussion zu verlieren beginnt. Denn die Möglichkeit, eine Diskussion zu verlieren, weil die eigenen Argumente zu schwach sind, gilt für einen wahren Gläubigen nicht. Dieser Spruch ist auch wieder ein Universalargument und dient der Immunisierung gegen Kritik - diesmal kann man es gegen jeden klugen Einwand in die Debatte werfen. Wer den Einwand für klug hält, dem muss man übrigens vorhalten, dass das nicht sein kann, denn dann wäre es nur Torheit vor Gott, so zu reden.

Wenn Weisheit Torheit vor Gott ist, und Torheit vor Weisheit Torheit, dann ist Torheit vor Gott - Torheit im Quadrat, die Steigerung, und nicht das Gegenteil, wie 1 Korinther 3:19 uns weismachen will. Folglich ist der Spruch selbst eine Torheit vor unserer Weisheit und noch eine größere Torheit vor Gott selbst. Und die erwähnte List wirkt wohl nur bei Toren, die sich davon beeindrucken lassen.

Dieser Spruch zeigt übrigens, dass sich das Christentum vorwiegend an einfachere Gemüter richtet - die kann man mit dem Spruch motivieren, sich für was Besseres zu halten als die Menschen mit mehr Klugheit. Ein durchsichtiges Manöver, eine Schmeichelei, die Trickbetrüger auch gerne benutzen, um ihr Opfer in Sicherheit zu wiegen. Warum die Bibel es wohl nötig hat, derart durchsichtige Manöver zu benutzen?


Deine Darstellung des Glaubens ist völlig falsch, wir glauben nämlich ...

Ein paar grundsätzliche Bemerkungen:

(A) Es ist nicht möglich, an zwei Dinge zu glauben, die zueinander widersprüchlich sind. (B) Widersprüche im eigenen Weltbild deuten immer auf ein Missverständnis oder einen Irrtum oder Unkenntnis hin.

Das ist natürlich der Hauptgrund, warum einem Atheisten, wenn er etwas über den Glauben schreibt und die Widersprüche aufdeckt, sofort postwendend-reflexhaft attestiert wird, er habe das nicht richtig verstanden oder falsch dargestellt. Weil Gläubige nämlich oft auch der Auffassung sind, der Glaube müsse widerspruchsfrei sein (übrigens auch offizielle Lehre der katholischen Kirche).

Der Unterschied ist: Wenn ein Gläubiger einen Widerspruch beschreibt, ist es ein Missverständnis. Wenn es ein Atheist tut, ist es Irrtum und Unkenntnis. Das ist der eine Grund, warum man es einem Christen mit der eigenen Darstellung nie recht machen kann.

Der andere Grund ist: Es gibt so viele verschiedene Glaubensrichtungen im Christentum, dass es fast völlig unmöglich ist, einen Satz über das Christentum zu schreiben, der nicht von einigen angezweifelt wird oder als falsche oder verzerrende Darstellung gewertet wird. Man kann es eben nicht allen recht machen.

Diese beiden Gründe sind es dann auch, die Gläubige häufig zu der Auffassung führen: Man kann die Bibel (oder den Glauben) nur als gläubiger Mensch verstehen.


Du hast nur Deine Vorstellung von Gott widerlegt, nicht den echten [noch kein Text]

[noch kein Text]


Gottes Wege sind unerforschlich

Dieses Argument markiert in christlichem Denken den "Notausstieg". Immer, wenn man mit seinen Argumenten am Ende ist, die Widersprüche offensichtlich werden und die Lage verzweifelt ist, dann kommt der Spruch "Gottes Wege sind unerforschlich". Auch dies ist ein Versuch, sich gegen Kritik abzuschirmen. Man nehme einfach mal die Frage nach dem Heilsplan. Dort wird behauptet, wenn man die Christen damit konfrontiert, dass sich die skizzierten Widersprüche "irgendwie" von Gott auflösen lassen (man vertraut darauf - blind - es wäre nur dann nicht blind, wenn man sehen könnte, wie sich die Widersprüche auflösen lassen). Wenn Gott für den Menschen so unerforschlich und überhaupt nicht oder teilweise nicht durch das Denken nachvollziehbar ist, dann müssen die menschlichen Erkenntnisse über ihn schlicht falsch sein. Und "teilweise nicht nachvollziehbar" ist dasselbe wie "überhaupt nicht nachvollziehbar", weil man nicht einmal wissen kann, welche Teile denn nun nachvollziehbar sind und welche nicht (d. h. man weiß nicht, wo man sich irrt - es könnte überall sein). Über so einen Gott kann man alles und nichts glauben (was auch tatsächlich der Fall ist). So ein Gott ist eine beliebige Knetmasse, die man genau in die Lücken und Widersprüche des eigenen Weltbilds einpassen kann.

Wenn Gott hingegen wirklich mit den Menschen kommunizieren wollte, so wüsste er um diese menschliche Probleme, und er müsste sich darauf einstellen - nicht die Menschen! Der Mensch kann von seiner Seite nämlich nichts dazu tun. D. h. Gott selbst (und nicht der Mensch!) müsste alles tun, um Missverständnisse zu vermeiden - und von so einem Bemühen ist, wenn man die vielen christlichen Kirchen, Sekten, Splittergruppen und Gemeinden (von anderen Religionen ganz zu schweigen) so betrachtet, überhaupt nichts zu bemerken. Genau genommen ist dies ein starkes Argument gegen die Existenz Gottes!


Die USA, Vorreiter von Freiheit, Demokratie und Zivilisation, sind eine christliche Nation [noch kein Text]

[noch kein Text]

Wer Religion nach ihren Auswirkungen beurteilt, betreibt gottloses kapitalistisches Zweckdenken [noch kein Text]

[noch kein Text]


Religion ist wichtig für das Überleben und die Entwicklung einer Gesellschaft [noch kein Text]

[noch kein Text]



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