Glaube

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Disambig-dark.png Dieser Artikel bezieht sich auf den Begriff Glaube im religiösen Kontext. Für die umgangssprachliche Bedeutung "für wahr halten" siehe glauben.

Das Wort Glaube meint im religiösen Kontext mehr als ein bloßes Fürwahrhalten. Im Kontext der Offenbarungsreligionen wird Glaube oft als Synonym für Religion verwendet. In genauerer Verwendung bezeichnet es die innere Haltung eines religiösen Menschen in Bezug auf seine Religion. Im Falle einer theistischen Religion bezeichnet Glaube an Gott oder Glaube an Götter auch die persönliche Beziehung, die ein Gläubiger zu einem oder mehreren Göttern entwickelt. Schon in dieser Hinsicht wird oft betont, dass religiöser Glaube nicht reduzierbar ist auf Meinungen der Form, dass ein Gott existiert.

Etymologie

Das Wort „glauben“ ist die Übersetzung des griechischen „pisteuein“ mit vergleichbarem Wortsinn. Im Judentum dagegen wird meist die Vokabel „aman“ verwendet: Sich an etwas festmachen. Ursprünglich gemeint war also nicht das unbestimmte „ich weiß nicht“, sondern im Gegenteil: „ich verlasse mich auf, ich binde meine Existenz an“. Es geht also zentral nicht um einen Gegenpol zum Wissen, sondern um Vertrauen, Gehorsam und Lebensübergabe. [1]


Die hebräische Vokabel „aman“ mit der Schreibung „Aleph-Mem-Nun“ wird nur in der Stammesmodifikation des Hif'il (Aussprache „hä'ämin“) mit dem Wort „glauben“ übersetzt. Diese Stammesmodifikation drückt im allgemeinen einen kausativen Aspekt der Grundbedeutung aus. Die Grundbedeutung der Buchstabenfolge (Wurzel) „Aleph-Mem-Nun“, die auch im ursprünglich hebräischen Wort Amen erscheint, ist „fest“ oder „unerschütterlich“, die Bedeutung im Hif'il ist also „jemanden fest sein lassen“.

Religionsphänomenologische Aspekte

Wie die meisten religiösen Phänomene nimmt religiöser Glaube verschiedenste Formen an, so dass keine erschöpfende Definition möglich ist.

Die genannte persönliche Beziehung kann ebenfalls verschiedene Formen haben, sie kann, aber muss nicht, unterwürfig, stark oder schwach ausgeprägt, freundschaftlich etc. sein.

Für den Gläubigen ist sein Glaube oft Teil seiner Identität, er definiert sich zum Beispiel als Christ, Jude oder Muslim.

Jüdischer Glaube

Der Glaube Abrahams wird oft als beispielhaft beschrieben.

Christlicher Glaube

Hauptartikel: Christlicher Glaube

Glaube aus Sicht des Neuen Testaments

Biblische Texte sind stets interpretationspflichtig. Zwischen vielen Stellen, die mehr implizit zur Deutung des Glaubensbegriff verwendbar sind, wird folgende besonders explizite Formulierung häufig diskutiert:

„Es ist aber der Glaube das feste Vertrauen auf das Erhoffte, ein Überzeugtsein von dem, was man nicht sieht.“ (Hebr 11,1)

Das hier mit „Überzeugtsein“ wiedergegebene griechische elegchos bedeutet auch soviel wie Gegenbeweis, Widerlegung oder „Überführtsein“. In diese Sinne wird hier wohl gesprochen von einem Überführtwerden durch eine „Tatsache“, die jedem äußeren Anschein widerspricht.

Biblische Autoren kennen i.A. keine besondere intellektuelle Befähigung als Voraussetzung um zum christlichen Glauben zu kommen, und diesen zu entwickeln. Texte wie Apg 17 oder Röm 1, 16ff. betonen, dass der Glaube jedem offenstehe und Gottes Existenz durch die Schöpfung bezeugt wird. Eine Konsequenz daraus ist, dass nach diesen Texten (vielen Interpreten zufolge) der Ungläubige unentschuldbar ist.

Paulus betont oft (etwa Hebr 10, 38f), dass Glauben und Annahme der durch Christus bewirkten Erlösung Vorbedingung der Gerechtsprechung von Seiten Gottes (und der Erlangung von Verheissungen wie ewigen Lebens) sei, nicht jedoch Gesetzeswerke. Denn kein Mensch sei aufgrund der Erbsünde fähig, die Gesetze Gottes vollständig und andauernd zu halten. Die Auslegung dieser Texte war lange kontrovers. Die eben erwähnte Tendenz wurde besonders von Theologen wie Luther und Barth herausgestellt.

Systematische Aspekte

Gemeinsam ist den meisten christlichen Strömungen der Glaube, dass alles Seiende durch Gott (Jahwe) geschaffen wurde und im Dasein gehalten wird. Im Mittelpunkt dieser Schöpfung steht der Mensch, der aber nicht aus eigener Kraft zum Guten fähig ist (Erbsünde) und der Liebe Jesu Christi bedarf, um gerettet zu werden und ewiges Leben zu erlangen. Jesus Christus ist nach der christlichen Glaubenlehre der Mensch gewordene Sohn Gottes und mit Gott und dem heiligen Geist dreieinig. Grundlage des Glaubens ist die für Christen heilige Schrift der Bibel, welche als von Gott inspiriert angesehen wird und die Zehn Gebote, insbesondere das Gebot der Nächstenliebe und das Gebot, keine anderen Götter zu verehren.

Kritik an religiösem Glauben

Aus atheistischer Sicht wird Glaube als irrational kritisiert, d.h. er sei nicht mit Beobachtungen empirisch belegbar, sondern aus unzureichendem Wissen, Phantasien und Rechtfertigungsinteressen entstanden. Andererseits argumentieren einige Kritiker des Atheismus, dass auch Formen des Atheismus den Charakter eines "Glaubens" haben. Zu derartigen Kontroversen vgl. Artikel wie Atheismus oder Religionskritik.

Glaube und Vernunft

„Glaube und Vernunft“ ist oftmals ein Obertitel für die Frage, ob und wie man den Glauben vernünftig rechtfertigen kann. Gibt es vernünftige Gründe, an Gott zu glauben? Wie sind religiöse Glaubenssätze, wie ist religiöser Glaube überhaupt zu analysieren? In welchem Rahmen sind solche Fragen überhaupt zu klären? Diese Fragen werden in philosophischen Teildisziplinen (heute meist in der Religionsphilosophie, früher und teils immer noch in der sog. Natürlichen Theologie) behandelt, in teils stärker glaubenswissenschaftlich bestimmtem Rahmen auch in der theologischen Disziplin der Fundamentaltheologie.

Besonders seit dem Mittelalter werden verschiedenene Versuche, die Existenz eines Gottes zu beweisen, diskutiert. Indirekter wird oft zu argumentieren versucht, dass der Glaube zu einem moralischen und konfliktlösenden Handeln befähigen kann. Derartige funktionale Argumentationen sind in ihrer Plausibilität und ihrer Aussagekraft für den Wahrheitswert religiösen Glaubens umstritten.

In diesem Punkt ähnlich wie vor ihm u.a. Schleiermacher erklärt (der zur Verfassungszeit noch J. Ratzinger heißende) Benedikt XVI. in Einführung in das Christentum, dass religiöser Glaube und naturwissenschaftliches Denken auf zwei verschiedenen Ebenen stattfinden, die sich nicht aufeinander reduzieren lassen. Glaube gehöre zum Bereich der Grundentscheidungen, zu denen jeder in irgendeiner Form Stellung beziehen muss, ohne darüber letzte Gewissheit zu haben.

Glaube und Aberglaube

Der Begriff Aberglaube bezeichnet häufig einen den Gesetzen der Erfahrung und der Logik entgegengesetzten Glauben, der manchmal sogar vermeintlich für Wissen gehalten wird. Häufig soll dieses vermeintliche Wissen bestimmten Nutzen bringen. Bis heute populäre Beispiele sind Wahrsage- und Astrologiesendungen. Nutzen bringt dies meist jedoch nur einseitig: für den, der dabei verdient.

Das früheste Zeugnis des Wortes Aberglaube (abergloube) findet sich in einer Glosse aus dem 15. Jahrhundert. Gebildet wurde das Wort wie: Aberwitz (Unklugheit) oder Aberwille (Widerwille). Benutzt wurde es im Sinne von: Missglaube (Luther), oder christlich-abweichender Glaube, als Übersetzung von lateinisch: superstitio. Im 16. Jahrhundert wurde der Begriff allgemeingebräuchlich.

Siehe auch

Literatur

  • Josef Ratzinger: Einführung in das Christentum, 2000, Kösel Verlag, ISBN 3-466-20455-0
  • Josef Ratzinger: Peter Godman: Fragen des Glaubens, Fragen des Lebens, 2006, Kreuz-Verlag, ISBN 3-7831-2683-5
  • Josef Ratzinger; Paolo Flores d'Arcais: Gibt es Gott? Wahrheit, Glaube, Atheismus, 2006, Wagenbach Verlag, ISBN 3-8031-2531-6
  • Reza Hajatpour: Der brennende Geschmack der Freiheit. Suhrkamp Verlag, F/M. 2005. ISBN 3518124099 . (ausgebildeter ehemaliger schiit. Geistlicher)
  • Gret Haller: Politik der Götter - Europa und der neue Fundamentalismus. Aufbau-Verlag - ISBN 3-351-02608-0 . (Zur Staatlichkeit und Privatheit der Religiosität/Glaubensgruppen in Europa. Ihre These lautet, dass es für Europa keine Alternative zur Trennung zwischen Religion und Politik gibt.)

Weblinks


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