Geist

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Geist (griech. pneuma,[1] nous[2] und auch psyche,[3] lat. spiritus,[4] mens[5], animus bzw. anima,[6] hebr. ruach und arab. ruh, engl. mind, spirit, franz. ésprit) ist ein – bis in die Philosophie (Deutscher Idealismus, Philosophie des Geistes), aber auch in andere Wissenschaften wie die Psychologie und Theologie hinein – uneinheitlich verwendeter Begriff der Allgemein- oder Umgangssprache.[7] Im Deutschen kann mit dem Ausdruck Geist auch Gespenst gemeint sein; Heiliger Geist wird in der christlichen Vorstellungswelt dagegen der als Person gedachte "Geist Gottes" genannt.

Im Zusammenhang mit Bewusstsein kann man grob zwischen zwei Bedeutungskomponenten des Begriffs „Geist“ unterscheiden: Mit Psyche verknüpft bezeichnet „Geist“ die mentale Dimension von Menschen und anderen Lebewesen. In diesem Sinne umfasst der Begriff alle mentalen Fähigkeiten und Eigenschaften wie Gefühle, Denken, Wahrnehmung, Problemlösen und Lernen. Mit Begriffen wie Seele oder Transzendenz verknüpft, bezeichnet (reiner) „Geist“ eine spirituelle Dimension im meist gemeinten religiösen Sinn. Die Frage nach der „Natur“ des Geistes ist somit ein zentrales Thema der Metaphysik.

In der Tradition des deutschen Idealismus bezieht sich der Begriff hingegen auf überindividuelle Strukturen. In diesem Sinne ist etwa die Hegelsche Philosophie zu verstehen, aber auch Wilhelm Diltheys Konzeption der Geisteswissenschaften.

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Abbildung aus Robert Fludds Utriusque cosmi maioris scilicet et minoris […] historia, tomus II (1619), tractatus I, sectio I, liber X, De triplici animae in corpore visione

Der Begriff des Geistes

Die moderne Konzeption des Geistes hat ihren Ursprung zum einen in der antiken Philosophie und zum anderen in der Bibel.[8] Während sich in den meisten romanischen Sprachen ein entsprechender Begriff aus dem lateinischen spiritus entwickelte, leitet sich der Begriff des Geistes aus der indogermanischen Wurzel *gheis- für erschaudern, ergriffen und aufgeregt sein ab.[9] Das westgermanische Wort *ghoizdo-z bedeutete wohl „übernatürliches Wesen“ und wurde mit der Christianisierung der Germanen christlich umgedeutet, so dass der Begriff in althochdeutschen (geist) und altenglischen (gást) Schriften als Übersetzung für den biblischen Spiritus Sanctus diente. Diese Bedeutung des Wortes hielt sich jedoch bis heute, so dass „Geist“ auch synonym zu „Gespenst“ sein kann. Eine weitere Bedeutungsebene, die heute jedoch nicht mehr offensichtlich ist, stellt das Wort in einen Zusammenhang mit „Atem, Windeshauch“ als Ausdruck der Belebtheit. So findet sich noch in Luthers Übersetzung der Bibel die Formulierung „der himel ist durchs wort des herrn gemacht und all sein heer durch den geist seines munds“[10]. Auch das lateinische spiritus weist diese Bedeutung auf; es ist mit spirare „atmen“ verwandt.

Zum einen wird der Begriff des Geistes verwendet, um sich auf die kognitive und emotionale Existenz eines Lebewesens zu beziehen. Umstritten ist in der Theorie das Verhältnis von Geist und Gehirn: Während die Theologie und die Philosophie in der Tradition René Descartes' davon ausgehen, dass sich der Begriff „Geist“ auf ein immaterielles Ding bezieht, behaupten viele Naturwissenschaftler und Philosophen, der Geist sei nichts anderes als neuronale Aktivität. In diesem Fall würde sich der Begriff letztlich auf das Gehirn beziehen. Andere Philosophen behaupten wiederum, der Geist sei keine immaterielle Substanz, könne aber auch nicht auf das Gehirn reduziert werden. Die Natur des Geistes ist das Hauptthema der Philosophie des Geistes.

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Johann Gottfried von Herder

„Geist“ beschreibt jedoch nicht nur die mentalen Aspekte, Merkmale eines Lebewesens. In verschiedenen Theorien, gelegentlich auch im Alltag bezieht sich der Begriff auf überindividuelle Objekte, Eigenschaften oder Prozesse. Johann Gottfried Herders Werk Vom Geist des Christentums prägte diese Begriffsverwendung entscheidend mit. Ein zentrales Konzept der deutschsprachigen Kultur wurde „Geist“ spätestens mit dem Werk Georg Wilhelm Friedrich Hegels. Nach Hegel manifestiert sich in Gemeinschaften ein objektiver Geist, während der absolute Geist in Kunst, Philosophie und Religion auszeichnet. Auch die Sozialwissenschaften verwenden den Begriff des Geistes, um auf Merkmale von Gemeinschaften hinzuweisen. In dem Sinne ist etwa Max Webers Rede vom Geist“ des Kapitalismus zu verstehen.[11] Dieser Geist ergibt sich durch die Normen und Werte kapitalistischer Gemeinschaften.

Geist in der Philosophie

Antike

Die Frage, was „Geist“ in der Antike ist, ist bei einem begrifflich so vielschichtigen Wort problematisch. Die durch „Geist“ ausgedrückten Aspekte werden in der griechischen Antike vor allem durch pneuma und nous abgedeckt. (Weniger zentrale Aspekte von Geist beschreibende Wörter sind: psychê, thymos und teilweise auch logos). Pneuma wie auch nous bezeichnen jeweils teilweise ein menschliches Vermögen oder auch ein kosmologisches Prinzip. Pneuma ist dabei der Wortbedeutung nach ein materiell gedachter Körper bewegter Luft. Nous hingegen wird mitunter auch immateriell gedacht. Zumeist wird er bei menschlichen Aspekten rezeptiv gedacht, bei kosmischen anstoßend.

Der menschliche und der kosmologische Bereich werden zumeist getrennt voneinander behandelt, wobei es auch Vermischungen und Erklärungen von einem Bereich auf den anderen gibt. Vermutlich spielen bei diesen Übertragungen v.a. folgende zwei Aspekte eine Rolle:

  1. Bezüglich pneuma der Gedanke, dass bewegte Luft, Atem ein (notwendiger) Bestandteil von Leben ist.
  2. Bezüglich pneuma und nous die Übertragung von Eigenschaften eines Lebewesen auf den Kosmos:
(a) bei pneuma insb. insofern es belebt ist.
(b) bei nous insb. insofern es vernunftbegabt ist.

pneuma

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Der Begriff des Pneumas ist zuerst bei Anaximenes belegt.

Pneuma“ ist zuerst im 6. Jh. v. Chr. bei Anaximenes belegt. Hier findet sich eine Analogie, die pneuma als Lebensprinzip ausweist und auch den Kosmos selbst als belebt vorstellt:

Ebenso wie unsere Seele, welche Luft ist, uns mit ihrer Kraft zusammenhält, so umfasst auch den ganzen Kosmos Wind [oder Atem] (pneuma) und Luft.[12]

Bedeutsam ist der pneuma-Begriff auch in der medizinischen Sprache, in die er durch Diogenes von Apollonia im 5. Jh. v. Chr. gelangt und durch Erasistratos und bis zu Galenos im 2. Jh. n. Chr. weitere Ausprägungen erfährt.[13] Von Galen stammt eine – auch in der späteren, lateinischen Tradition – bedeutende Unterscheidung dreier pneumatischer Prinzipien, die aus dem Zusammenwirken von eingeatmeter Luft und der im Herzen hervorgebrachten Lebenswärme entstehen:

  1. ein physisches pneuma (spiritus naturalis), das die vegitativen Funktionen erhält;
  2. ein lebendiges pneuma (spiritus vitalis), ein Lebens- und Bewegungsprinzip;
  3. ein psychisches pneuma (spiritus animalis), die Seele.[14]

Seit dem Hellenismus und insbesondere in der Stoa vermischen sich die beiden Aspekte menschliches Vermögen und kosmologisches Prinzip im Begriff des pneuma. Pneuma bezeichnet hier die materielle Substanz – die Stoiker waren Materialisten – sowohl der Einzelseele als auch der Weltseele. Pneuma ist somit ein stoffliches und zugleich geistiges Prinzip, das den gesamten – als Lebewesen vorgestellten – Kosmos durchdringt und dessen Organisation bewirkt. Das Pneuma im Menschen ist zum Lebensanfang wie ein unbeschriebenes Blatt, das mit sinnlichen Eindrücken und Vorstellungen gefüllt wird. Es ist zudem der lenkende Seelenteil, der die für Stoiker zentrale Forderung „in Übereinstimmung (mit der – als vernünftig gedachten – Natur) leben“ zu erfüllen ermöglicht.[13] [14]

nous

Menschliches Vermögen

Bei Homer und auch noch bei Xenophanes scheint nous ein Vermögen zu sein, dass sich sowohl auf sinnliche wie auch intelligible Gegenstände richtet und auch noch Empedokles setzt Denken und Wahrnehmen in eins. Für Parmenides hingegen hat der nous nur notwendig existierende und daher nur intelligible Gegenstände. Hinsichtlich der Funktionsweise ist von späteren Vorsokratikern (Empedokles, Anaxagoras, Demokrit) belegt, dass sie den Geist, das Denken als einen körperlichen Vorgang ansehen. Empedokles, der das Prinzip Gleiches wird nur von Gleichem erkannt vertrat, behauptet das Blut sei der Sitz der Erkenntnis, weil es der am besten durchmischte Stoff sei.

Platon und Aristoteles fassen – im Gegensatz zu vielen Vorsokratikern – die Tätigkeit des nous, das Denken, als einen nicht-körperlichen Vorgang auf. Dieser kommt nur dem Menschen zu. Zudem unterscheidet Platon explizit auch sinnlich Wahrnehmbares von Intelligiblem und vertritt – in der Tradition von Parmenides von Elea – sehr deutlich die These, dass Wissen nur gegen die sinnliche Wahrnehmung und den Körper möglich sei.

Aristoteles definiert nous als „das, womit die Seele denkt und Annahmen macht."[15] Er vergleicht den nous – analog wie bei der Wahrnehmung – mit einer leeren Schreibtafel aus Wachs. Er ist unaffiziert, unbestimmt, ein passives Vermögen, dessen Natur darin besteht, im Aufnehmen der Formen das aktual werden zu können, was er denkt. Er ist auch nicht einem bestimmten Organ zugeordnet, sondern körperlos. Im Hellenismus wird das kognitive Vermögen nous sowohl von der Stoa als von Epikur materialistisch aufgefasst. Beide Schulen führen Erkenntnis vollständig auf materiell gedachte Wahrnehmung zurück.[16]

Kosmologisches Prinzip

Nachdem einige frühere Denker einem kosmologischen Prinzip entsprechende Eigenschaften zugeschrieben haben, bekommt der nous bei Anaxogoras eine tragende Rolle in der Welterklärung. Der nous ist für ihn ein Bewegungsprinzip, das er der Materie gegenüberstellt, obgleich er es nicht klarerweise als nicht-materiell beschreibt. Eine ähnliche Funktion weist der von Heraklit angenommene alles verwaltende logos auf, den er als vernünftig beschreibt.

Für Platon weist die Welt Eigenschaften eines beseelten und mit Vernunft ausgestatteten Lebewesens auf und er erklärt ihre Beschaffenheit mit Rückgriff auf eine göttliche Vernunft. Aristoteles nimmt einen unbewegten Beweger an, der die von ihm abhängige Welt und den Himmel als eine Finalursache, d.h. wie ein Geliebtes oder Erstrebtes bewegt. Dessen ununterbrochene Tätigkeit bestehe darin, den besten Gegenstand, sich selbst, zu denken (noêsis noêseôs). Diesen Gott fasst Aristoteles – im Gegensatz zu dem oben thematisierten menschlichen Vermögen – als rein aktual auf. In der Spätantike weist Plotin dem nous die kosmologische Rolle zu, als Demiurg die sichtbare Welt nach Vorlage der Ideenwelt zu formen.[16]

Mittelalter

Augustinus unterscheidet zwischen Geist (mens, animus) und Seele (anima). Er fasst den Geist als eine an der Vernunft teilhabende Substanz auf, die zur Leitung des Leibes bestimmt ist („substantia quaedam rationis particeps regendo corpori accomodata“[17]). Dem Geist kommen wesensmäßig Vernunft (ratio) und Einsicht (intelligentia) zu. Er wird durch die Laster (vitium) geschwächt und muss um seiner Leitungsaufgabe gerecht werden zu können, durch den Glauben (fides) gereinigt werden.

Augustinus beschreibt den menschliche Geist als „Auge der Seele (oculus animae)“. Diesem ist die Erkenntnis ewiger Wahrheiten durch das unveränderliche Licht (lumen incommutabilis) des göttlichen Geistes möglich, das es und das ihr begegnende Seiende erleuchtet. Dieses Licht stellt das Innerste des Menschen selbst dar. Die Wendung (conversio) des Menschen zu diesem Innersten hin ist für Augustinus Selbstvollzug des Geistes und bedeutet die Rückkehr zu seinem eigentlichen Ursprung.

Thomas von Aquin fasst die menschliche Seele als eine geistige Substanz (substantia spiritualis) auf. Im Unterschied zur Tierseele hat sie einen rein geistigen Charakter und ist daher unsterblich. Thomas vertritt eine strikte Leib-Seele-Einheit des Menschen. Die Seele ist Form des Leibes (forma corporis) und teilt ihm ihr Sein mit. Umgekehrt ist aber auch der Geist zur Erkenntnis auf den Leib und seine sinnliche Vermittlung angewiesen. Alle geistigen Erkenntnisse werden mittels des „tätigen Intellekts (intellectus agens)“ von den Sinneswahrnehmungen abstrahiert. Der Mensch als schwächster Strahl der Geistigkeit vermag das rein Geistige nicht zu schauen. Die Erkenntnis vermag nur so weit zu reichen wie der geistige Gehalt des Sinnenfälligen, von dem sie ausgeht, es ihr gestattet. Eine unmittelbare Erkenntnis Gottes ist daher für Thomas ausgeschlossen.

Die menschliche Seele ist bei Thomas die niederste der geistigen Formen. Sie ist ein Vernunftprinzip, das notwendig eines Körpers bedarf, um tätig werden zu können. Sie stellt daher gegenüber der Seele der Engel, die in keinerlei Verbindung mit dem Materiellen steht, eine tiefere Stufe der Geistigkeit dar. Die Seele hängt zwar in ihrer Existenz nicht von der Materie ab, ragt aber doch tief in das Körperliche hinein, da sie ohne den Körper etwas Unfertiges ist. Sie wird bei Thomas zum äußersten und abgeschwächtesten Strahl des Verstandeslichtes, das in Gott aufleuchtet und im Menschen seine unterste Grenze erreicht wie das Sein bei der Materie. Sie steht daher auf der Grenze der geistigen und körperlichen Geschöpfe (in confinio spiritualium et corporalium creaturarum[18].).

Descartes

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Illustration von Descartes: Eine Reizung am Fuß wird über die Nerven ins Gehirn geleitet, interagiert dort mit dem Geist und erzeugt so ein Schmerzerleben.

Bei René Descartes ist der Geist ontologisch von der Materie getrennt, die Wirklichkeit gliedert sich in eine materielle und eine nichtmaterielle Sphäre. Menschen sind im Wesentlichen durch ihren immateriellen Geist ausgezeichnet und unterscheiden sich dadurch von Tieren, die Descartes als Automaten begreift. Zur Stützung seines Leib-Seele-Dualismus entwickelt Descartes Argumente, die bis heute in der Philosophie des Geistes diskutiert werden. So erklärt Descartes, dass man sich klar und deutlich vorstellen kann, dass Geist ohne Materie existiert. Was man sich klar und deutlich vorstellen kann, ist aber zumindest prinzipiell auch möglich. Und wenn es prinzipiell möglich ist, dass Geist ohne Materie existiert, können Geist und Materie nicht identisch sein.[19] Varianten dieses Argumentes findet man in der heutigen Debatte bei Saul Kripke[20] und David Chalmers[21].

Ein anderes Argument Descartes bezieht sich auf die menschliche Sprachfähigkeit: Es sei unvorstellbar, dass ein Automat das komplexe System einer natürlichen Sprache beherrsche. Dieses Argument wird heute von den meisten Philosophen und Wissenschaftlern unter Verweis auf die Erkenntnisse der Computer-, Psycho- und Neurolinguistik abgelehnt. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die menschliche Sprachfähigkeit keineswegs umfassend verstanden ist und dass die Computerlinguistik weit davon entfernt ist, Computer zum Meistern einer natürlichen Sprache zu bringen.

Descartes Bild vom Menschen ist also wesentlich zweigeteilt: Der Mensch besteht aus einem materiellen Körper und einem immateriellen Geist. Körper und Geist interagieren an einer Stelle im Gehirn (der Zirbeldrüse) miteinander. Verbrennt sich eine Person etwa am Fuß, so wird der Reiz durch den Körper zum Gehirn und von dort zum Geist geleitet (siehe Abbildung). Im Geist verspürt die Person Schmerzen, was wiederum eine körperliche Reaktion verursacht. Ein solcher Dualismus hat unter anderem zu erklären, wie diese Interaktion von Geist und Körper genau vorzustellen ist. In der Gegenwartsphilosophie wird dieses Problem unter dem Begriff der mentalen Verursachung diskutiert.

18. und 19. Jahrhundert

Bei Immanuel Kant geht das Nachdenken über den Geist jedoch zunächst in eine andere Richtung. Im Rahmen des transzendentalen Idealismus ergibt die dualistische Gegenüberstellung von Geist und Materie keinen Sinn, da der Geist selbst an der Konstitution der Realität beteiligt ist. Eine vom Geist und seiner Subjektivität freie Realität lässt sich nur als Ding an sich vorstellen. Doch auch mit Bezug auf das Ding an sich lassen sich keine konkreten Aussagen über eine vom Geist unabhängige Realität machen, da das Ding an sich nicht durch die menschlichen Kategorien zu fassen ist. Es lässt sich daher festhalten, dass mit der idealistischen Wende eine Aufwertung des Geistes stattfindet, da der Geist zu einem konstitutiven Element der Realität wird.

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Georg Wilhelm Friedrich Hegel, porträtiert von Jakob Schlesinger, 1831

In der Philosophie des 19. Jahrhunderts, besonders im Deutschen Idealismus, setzt sich diese Tendenz fort. Hegel entwickelt eine Phänomenologie des Geistes und fasst die Denkgeschichte dialektisch als einen geschichtlichen Prozess der Entwicklung des Weltgeistes auf. Diese wird begriffen als die Rückwendung des Absoluten aus seinem Anderssein, der Natur, zu sich selbst. Sie konkretisiert sich in den drei Erscheinungsformen des Geistes: im subjektiven Geist des einzelnen Menschen, im objektiven Geist der menschlichen Gemeinschaftsformen von Recht, Gesellschaft und Staat und dem absoluten Geist, Kunst Religion und Philosophie. In der Philosophie vollendet sich die Rückkehr des Geistes zu sich selbst im absoluten Wissen.

Im deutschen Idealismus wird das Kantische Programm unter Aufgabe der Idee des Dings an sich fortgeführt. Dies rückt den Geist noch weiter in den Fokus der philosophischen Aufmerksamkeit, da nun eine vom Geist unabhängige Wirklichkeit nicht einmal als Grenzbegriff vorhanden ist. In der gegenwärtigen Philosophie des Geistes werden nur noch selten konsequent idealistische Theorien vertreten. Es gilt allerdings auch zu beachten, dass das Leib-Seele-Problem im Rahmen derartiger Konzeption eine klare Lösung hat: Wenn der Geist immer schon konstitutiv für die wissenschaftlich untersuchte Natur ist, so macht es keinen Sinn, zu fragen, ob und wo sich der Geist in dieser Natur zu lokalisieren sei.

Allerdings wird im 19. Jahrhundert der Geist nicht alleine unter idealistischen Vorzeichen untersucht. Insbesondere durch Darwins Entwicklung der Evolutionstheorie wird der Mensch zunehmend auch als ein biologisches System betrachtet. Dies führt dazu, dass viele Naturwissenschaftler den Geist als ein Produkt biologischer Prozesse betrachten. In Deutschland erregen insbesondere die Vulgärmaterialisten um Ludwig Büchner und Carl Vogt mit derartigen Behauptungen Aufsehen. Auch der Evolutionsbiologe Ernst Haeckel will den Geist zu einem wissenschaftlich erfassbaren Phänomen machen. Der Haeckelsche Monismus ist jedoch nicht als Materialismus zu begreifen, da Haeckel in der Tradition Spinozas von einer neutralen Substanz mit geistigen und materiellen Aspekten ausgeht. Allerdings gibt es auch unter den Naturwissenschaftlern des 19. Jahrhunderts ungleich skeptischere Stimmen. Der Elektrophysiologe Emil Heinrich du Bois-Reymond erklärt etwa 1872 in einem einflussreichen Vortrag:

Welche denkbare Verbindung besteht zwischen bestimmten Bewegungen bestimmter Atome in meinem Gehirn einerseits, andererseits den für mich ursprünglichen, nicht weiter definierbaren, nicht wegzuleugnenden Tatsachen 'Ich fühle Schmerz, fühle Lust; ich schmecke Süßes, rieche Rosenduft, höre Orgelton, sehe Roth ...' [22]

Eine weitere Bedeutungskomponente erhält der Begriff des Geistes im 19. Jahrhundert durch Wilhelm Diltheys Gegenüberstellung von Geistes- und Naturwissenschaften.[23] Nach Dilthey sind die Geisteswissenschaften durch eine besondere Methode, die Hermeneutik, ausgezeichnet. Während sich die Naturwissenschaften mit Kausalzusammenhängen beschäftigen, sollen die Geisteswissenschaften zu einem tieferen Verstehen der Phänomene beitragen. Wilhelm Windelband versucht diese Unterscheidung zu präzisieren, indem er betont, dass die Geisteswissenschaften besondere und einmalige Ereignisse erforschen, während die Naturwissenschaften nach allgemeinen Naturgesetzen suchen.

20. Jahrhundert

Im frühen 20. Jahrhundert ist das philosophische Nachdenken über den Geist maßgeblich durch den Wiener Kreis geprägt. Der Wiener Kreis versucht, philosophische Konsequenzen aus der Methodologie des psychologischen (methodologischen) Behaviorismus zu ziehen. Die klassischen Behavioristen erklären, dass sich introspektive Angaben über den Geist nicht überprüfen lassen und daher nicht Teil einer Wissenschaft sein können. Die Psychologie müsse sich daher auf Verhaltensbeschreibungen beschränken. Im Wiener Kreis werden diese Annahmen mit dem Verifikationismus kombiniert, also der These, dass nur überprüfbare Aussagen eine Bedeutung haben. Als Konsequenz erscheinen Aussagen über den Geist als sinnlos, sofern sie nicht nur von Verhalten handeln. Die behavioristische Tradition findet ihre Fortführung in Gilbert Ryles 1949 veröffentlichtem Werk The Concept of Mind (Der Begriff des Geistes), das für mehr als ein Jahrzehnt zur orthodoxen Interpretation des Themas „Geist“ in der angelsächsischen Philosophie wird. Ryle erklärt, dass es ein Kategorienfehler ist, zu behaupten, dass der Geist etwas Inneres sei. In einer gewissen Spannung zum Behaviorismus steht hingegen das Werk Ludwig Wittgensteins. Zwar bestreitet auch Wittgenstein, dass der Geist als ein innerer Zustand zu verstehen sei, grenzt sich jedoch zugleich vom Behaviorismus ab.

In eine entgegengesetzte Richtung führt die von Edmund Husserl begründete Phänomenologie, die sich explizit die Untersuchung subjektiver, geistiger Phänomene zum Ziel macht. Im Verfahren der epoché sollen alle Annahmen über die Außenwelt „eingeklammert“ und so eine Erforschung der puren Subjektivität möglich gemacht werden.[24] Unter Bezugnahme auf Franz Brentano geht Husserl davon aus, dass geistige Zustände im Wesentlichen durch das Phänomen der Intentionalität gekennzeichnet sind. Damit ist gemeint, dass sich mentale Zustände auf etwas beziehen, so bezieht sich etwa die Sehnsucht nach einer Person auf eine Person. Die Husserlsche Phänomenologie übt einen enormen Einfluss auf die Philosophie des 20. Jahrhunderts aus, unter anderen auf Husserls Schüler Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre, der nach Freiburg kam, um bei Husserl zu studieren. In der französischen Philosophie knüpft insbesondere Maurice Merleau-Ponty an Husserls Intentionalitätsbegriff an. Dabei versucht Merleau-Ponty mit dem Begriff des Leibes die Entgegensetzung von Körper und Geist aufzuheben. Der Leib ist ein lebender und aktiv wahrnehmender Körper und lässt sich somit nicht durch eine Entgegensetzung von Geistigem und Nicht-Geistigem fassen.

In den frühen sechziger Jahren findet auch in der angelsächsischen Philosophie eine radikale Abkehr von den behavioristischen Theorien statt.[25] Durch die Erfolge der neurowissenschaftlichen Forschung inspiriert, versuchen Identitätstheoretiker den Geist auf das Gehirn zu reduzieren. Ein analoges Programm wird von Funktionalisten vertreten, die sich jedoch auf Künstliche Intelligenz und Kognitionswissenschaft stützen. Diese reduktiven Bemühungen blieben allerdings nicht unwidersprochen, es wird auf unüberwindbar erscheinende Probleme des Reduktionismus hingewiesen. [26] Mit den Qualia und der Intentionalität hat der Geist nach Meinung vieler Philosophen Eigenschaften, die sich nicht durch Naturwissenschaften erklären lassen.

Durch die Spannung zwischen den Erfolgen der empirischen Forschung und den Problemen des Reduktionismus ist in der Philosophie eine sehr differenzierte Debatte um die Natur des Geistes entstanden. Heute werden verschiedene Formen des Physikalismus, Dualismus und Pluralismus vertreten. Die Eliminativen Materialisten verzichten gänzlich auf die Annahme der Existenz eines Geistes.

Geist in den Wissenschaften

Auch bei dem Blick auf die wissenschaftliche Erforschung des Geistes ergibt sich kein einheitliches Bild. Die Wissenschaften, die sich mit dem Phänomen des Geistes beschäftigen, verfolgen verschiedene Ziele und verwenden zum Teil sehr unterschiedliche Modelle und Methoden. Die relevanten Wissenschaften reichen von den Sozialwissenschaften und der Sozialpsychologie bis hin zu molekularbiologischen und neurochemischen Ansätzen.

Sozialwissenschaft und Sozialpsychologie

In der Sozialpsychologie wird der Einfluss sozialer Interaktion auf geistige Prozesse wie Gedanken oder Gefühle untersucht.[27] Dabei kann der Fokus auf einen weiten sozialen Kontext oder auf zwischenmenschliche Prozesse gerichtet sein. Unterstützung kann die Sozialpsycholgie dabei durch kulturvergleichende oder kulturhistorische Untersuchungen bekommen, in denen etwa dargestellt wird, wie Gefühle (z.B. Liebe oder Eifersucht) sich in verschiedenen Kulturen unterscheiden und entwickelt haben. Die Sozialpsychologie berührt hier auch die klassische anthropologische Frage nach der Universalität von bestimmten geistigen Prozessen. In den Sozialwissenschaften kommt gelegentlich eine überindividuelle Verwendung des Begriffs „Geist“ hinzu. Dies ist etwa der Fall, wenn vom „Geist des Christentums“ oder dem „Geist des Kapitalismus“ die Rede ist. In einer solchen Begriffsverwendung bezieht sich der Begriff des Geistes auf grundlegende Normen und Überzeugungen, die für eine Gemeinschaft konstitutiv sind. Allerdings ist auch diese Verwendung nicht unabhängig vom Geist der Individuen, da die Normen und Überzeugungen für die einzelnen Mitglieder einer Gemeinschaft bindend sind. Der Geist im sozialwissenschaftlichen Sinne ist nur denkbar, wenn es Entsprechungen im Geist der Individuen gibt.

Von der Kognitionspsychologie zur Psychoanalyse

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Beispiel für Priming

Die klassische Wissenschaft des Geistes ist die Psychologie, wobei man innerhalb der Psychologie wiederum zwischen verschiedenen Ansätzen unterscheiden muss. So untersucht etwa die Kognitionspsychologie geistige Prozesse mit möglichst präzisen experimentellen Methoden, um so kognitve Phänomene wie Gedächtnis, Wahrnehmung oder Denken besser zu verstehen. Ein Beispiel hierfür ist die Forschung zum Priming, bei dem mittels Darbietung eines Reizes (Prime) die Verarbeitungszeit eines Zielreizes (Target) beeinflusst wird. Bei Primingexperimenten wird der Versuchsperson eine Aufgabe gestellt, so muss sie etwa präsentierte Bilder benennen (Beispiel: Bild von einem Brot -> Reaktion „Brot“). Präsentiert man der Person kurz vor der Aufgabe einen verwandten ähnlichen Reiz bzw. Prime (etwa das Wort „Käse“), so wird die Versuchsperson die Benennungsaufgabe schneller lösen. Kognitionspsychologen schließen aus diesen Befunden, dass die Begriffe im Geist in einer netzwerkartigen Struktur organisiert sind und die Präsentation des Primes eine Voraktivierung an der richtigen Stelle des Netzwerks auslöst.

In den letzten Jahrzehnten haben die Kognitionspsychologen sehr viele Daten über geistige Prozesse gesammelt und sie gehen zunehmend dazu über, diese Daten in komplexen Modellen zusammenzufassen. In Form von kognitiven Architekturen werden solche Modelle als Computerprogramme realisiert und sollen die Prognose von geistigen Prozessen möglich machen.[28] Derartige kognitionspsychologische Modelle sind jedoch auf grundlegende geistige Prozesse beschränkt, also etwa auf die Wahrnehmung von Bewegungen und Formen oder auf das Kurzzeitgedächtnis. Will man mit Hilfe von psychologischen Untersuchungen komplexe geistige Phänomene, wie etwa Charaktermerkmale oder psychische Erkrankungen verstehen, so muss man auf andere Teildisziplinen (wie etwa die Persönlichkeitspsychologie) zurückgreifen.

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Drei-Instanzen-Modell nach Freud

Einflussreich ist in diesem Zusammenhang auch die Psychoanalyse in der Tradition von Sigmund Freud. Freud machte wie kein anderer Psychologe darauf aufmerksam, dass geistige Prozesse zu weiten Teilen unbewusst ablaufen. So muss sich eine Person etwa keinesfalls im Klaren über ihre Angst oder Wut sein. Gleichzeitig betont Freund, dass die Struktur des Geistes maßgeblich durch die sozialen Normen und Werte einer Gemeinschaft geprägt sind. Freund beschreibt daher die Bildung des Ichs im Drei-Instanzen-Modell als einen Prozess im Spannungsfeld zwischen dem Unterbewussten (Es) und den verinnerlichten Normen und Werten (Über-Ich). [29]

Auch wenn die psychoanalytischen Methoden und auch die psychoanalytische Therapie weiterhin umstritten sind, wird in der Psychologie doch allgemein anerkannt, dass zum umfassenden Verständnis geistiger Strukturen eine Analyse unbewusster und sozialer Prozesse notwendig ist. Es wird zudem akzeptiert, dass eine solche Analyse nicht alleine mit kognitions- oder biopsychologischen Ansätzen durchgeführt werden kann. Will man etwa psychische Erkrankungen wie Phobien oder Depressionen verstehen, so muss man den weiten lebensgeschichtlichen und sozialen Kontext einer Person betrachten.

Geist und Gehirn

Während die Psychologie direkt geistige Prozesse untersucht, ist das Thema der Neurowissenschaften zunächst das Gehirn und nicht der Geist. Zugleich macht die neurowissenschaftliche Forschung jedoch deutlich, dass geistige Prozesse nicht unabhängig vom neuronalen Geschehen sind. So beschreibt etwa die Neurologie den Zusammenhang zwischen Läsionen (Schädigungen) des Gehirns und kognitiven Beeinträchtigungen. Ein Beispiel hierfür sind Aphasien (erworbene Sprachstörungen), bei denen spezifische Beeinträchtigungen oft mit Schäden in spezifischen Gehirnregionen verbunden sind. Große Aufmerksamkeit hat in den letzten Jahren zudem die Suche nach neuronalen Korrelaten des Bewusstseins erfahren. Mit der Hilfe von bildgebenden Verfahren ist es möglich, die neuronalen Aktivitäten im Gehirn zu messen und zu visualisieren: Derartige Methoden erlauben es zumindest in Ansätzen zu untersuchen, welche Aktivitäten im Gehirn vorkommen, wenn eine Person etwas wahrnimmt, fühlt oder denkt. Dabei kann man feststellen, dass bei geistigen Prozessen nicht alle Bereiche des Gehirns gleichmäßig aktiv sind. Vielmehr scheinen mit spezifischen geistigen Prozessen oft auch spezifische neuronale Prozesse verbunden zu sein. Die Erforschung derartiger Verbindungen steckt jedoch noch in den Kinderschuhen, es ist bislang meist nicht möglich, von einer neuronalen Aktivität auf einen bestimmten Geisteszustand zu schließen. [30] Es wird zudem oft bezweifelt, dass dies bei komplexen Gedanken oder Gefühlen jemals möglich sein wird.

Wie ist nun diese Verbindung zwischen geistigen und neuronalen Prozessen zu verstehen? Warum sind etwa Veränderungen des Geistes mit Veränderungen des Gehirns verknüpft? Eine mögliche Antwort lautet, dass die geistigen Prozesse mit den Prozessen im Gehirn identisch sind. Nach einer solchen Theorie wären etwa Kopfschmerzen nichts anderes, als eine bestimmte Aktivität im Gehirn. Auch wenn eine solche Identitätstheorie die systematischen Verbindungen zwischen Geist und Gehirn leicht erklären kann, hat sie doch mit Problemen zu kämpfen. Zweifel an der Gleichsetzung von geistigen Prozessen und Gehirnvorgängen werden oft mit Hilfe des Qualiaproblems artikuliert. Mentale Zustände wie Kopfschmerzen sind durch einen Erlebnisaspekt ausgezeichnet, es fühlt sich auf eine bestimmte Weise an, etwas zu erleben. Wenn nun mentale Zustände mit Gehirnzuständen identisch sind, so müssen auch die Gehirnzustände durch diese Qualia ausgezeichnet und durch die Neurowissenschaften erklärbar sein. Fragt man nun aber, warum ein bestimmter Gehirnzustand mit einem Erlebnis verknüpft ist, so wird man feststellen, dass die Neurowissenschaften hierauf keine Antwort bieten können. Bedeutet dies, dass Zustände nicht mit Zuständen im Geist identisch sind? Diese Frage ist – wie die gesamte philosophische Interpretation der Neurowissenschaftem – weiterhin umstritten.

Geist in den Religionen

Judentum und Christentum

Altes Testament

Im Alten Testament entspricht am ehesten das hebräische Wort „rûah“ dem, was im Deutschen unter „Geist“ verstanden wird. Es bedeutet wie das griechische „pneuma“ und das lateinische „spiritus“ zunächst die bewegte Luft, der Wind. Bei Mensch und Tier bezeichnet die rûah weiterhin den Atem, der den Geschöpfen Leben einhaucht. Als Lebensprinzip ist die rûah Gottes Eigentum; die Geschöpfe leben von ihr und sterben, wenn Gott sie entzieht. Im Menschen übt die rûah die verschiedensten Lebensfunktionen geistiger, willensmäßiger, sittlicher und religiöser Art aus und ist hier mit dem Begriff „næfæsch“ („Seele“) fast synonym.

Gott als die Quelle der rûah ist selbst Geistwesen. So schwebte am ersten Tag der Schöpfung der Geist Gottes über den Wassern (Gen.1.2) und im Buch der Weisheit heißt es „Der Geist des Herrn erfüllt den Erdkreis“ Vorlage:Bibel. Gott teilt sich auserwählten Menschen mit, indem er den Geist über sie kommen lässt. Sie werden charismatisch begabt zu (kriegerischen) Heldentaten, prophetisch-ekstatischen Fähigkeiten und mit dem „Geist der Weisheit“ Vorlage:Bibel erfüllt.

Das Alte Testament kennt auch den bösen Geist, der von Jahwe als dem einzigen Gott ausgehen kann. Dies geschieht dann, wenn die Empfänger Unheil verdienen: „Als Abimelech drei Jahre lang über Israel geherrscht hatte, sandte Gott einen bösen Geist zwischen Abimelech und die Bürger von Sichem, so dass die Bürger von Sichem von Abimelech abfielen“ Vorlage:Bibel. Diese böse Geistesmacht, die dem strafenden Gott unterstellt ist, hat später in der Gestalt Satans eine selbständigere Funktion und sogar ihre eigene Personifikation bekommen.

Neues Testament

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Der Heilige Geist – im Christentum häufig durch eine Taube symbolisiert.

Im Neuen Testament wird „Geist“ mit dem griech. Wort „ pneuma“ bezeichnet. Er meint meist den Geist Gottes, der als „Heiliger Geist“ scharf vom Geist des Menschen unterschieden wird. Er wird noch nicht so deutlich wie später in der Trinitätslehre als personal angesehen, sondern als Medium des göttlichen Handelns. Für das personale Wesen sprechen jedoch Stellen wie die in der Apostelgeschichte Vorlage:BB, in der Hananias und Saphira bestraft werden, weil sie den Heiligen Geist belügen.

Pneuma und Jesus

Der Begriff des Pneuma spielt eine zentrale Rolle in der Geschichte Jesu. Bereits seine Empfängnis geschieht unter Einwirkung des Heiligen Geistes Vorlage:Bibel. Vom Pneuma wird er in die Wüste getrieben, um dort den Versuchungen zu widerstehen Vorlage:Bibel. Als Geistträger übernimmt er sein öffentliches Amt Vorlage:Bibel; auf ihm ruht nun das Pneuma des Herrn Vorlage:Bibel. Mit seiner Hilfe ist Jesus in der Lage, die Herrschaft des Satans zu brechen Vorlage:Bibel. Dies bedeutet allerdings nicht, dass Jesus dämonische Kräfte unterstellt werden dürften Vorlage:Bibel. Die Auferweckung Jesu von den Toten bedeutet einen Übergang in die Seinsweise des Pneuma Vorlage:Bibel, womit Jesus als Herr (Kyrios) identifiziert wird Vorlage:Bibel.

Das Pneuma in der christlichen Gemeinde bei Paulus

Für Paulus ist fast jede Lebensäußerung der Kirche Wirkung des Pneuma. Schon bei der Konstituierung der christlichen Gemeinde ist das Pneuma am Werk Vorlage:Bibel. Das Pneuma ist eine Gnadengabe (Charisma), die bei den Gläubigen unterschiedlich verteilt ist Vorlage:Bibel. Paulus stellt eine Rangfolge der Charismen auf und verlangt ihre Indienstnahme in den Aufbau der Gemeinde Vorlage:Bibel.

Paulus kennt auch ein falsches Pneuma, dass die Gemeinde „aus der Fassung bringen und in Schrecken jagen“ kann Vorlage:Bibel. Es ist daher „die Fähigkeit, die Geister zu unterscheiden“ Vorlage:Bibel.

All das geistige Sein der Gläubigen vollzieht sich im Pneuma. Es wird im Glauben als eschatologische Segensgabe empfangen und mit ihr das „Leben“. Das Pneuma heiligt die Glaubenden; selbst ihr Leib ist ein „Tempel“ des Pneuma. Es bedeutet Freiheit von der Herrschaft der Sünde, des Todes Vorlage:Bibel und des Gesetzes Vorlage:Bibel. Der Gläubige darf aber diese im Pneuma gewährte Freiheit nicht zum „Anlass für das Fleisch“ Vorlage:Bibel nehmen, sondern soll sich in seiner sittlichen Existenz von Pneuma leiten lassen Vorlage:Bibel. Das Pneuma ist zwar das Fundament des Heils, aber noch nicht dessen Erfüllung. Paulus bezeichnet es daher als „Erstlingsgabe“ Vorlage:Bibel oder „Angeld“ Vorlage:Bibel des Gesamtheils. Die Gläubigen erwarten kraft des Pneumas „die erhoffte Gerechtigkeit“ Vorlage:Bibel und v.a die Auferweckung des Leibes Vorlage:Bibel.

Die Unterscheidung zwischen dem Reich des Geistes (und der Liebe) und dem Reich des Fleisches (und der Sünde) war für Paulus zentral. Diese Theologie hat nach Einschätzung von Kritikern dualistische Vorstellungen begünstigt.

Das paulinische Gedankengut wurde später durch Thomas von Aquin in der Summa Theologica weitergeführt und bis heute gilt der Begriff anima forma corporis als unübertroffen.

Buddhismus

Mit dem Begriff des Geistes (citta) wird im Buddhismus etwas bezeichnet, was zur Körperlichkeit hinzutritt. Er wird in der buddhistischen Anthropologie synonym gebraucht zu Begriffen wie Denken (manas) und Bewusstsein (vijñana). „Geist“ wird unter zweierlei Aspekten betrachtet. Zum einen ist er eine Erscheinungsweise der menschlichen Existenz (samsara) und bedarf als solcher der Erlösung (nirvana); andererseits bezeichnet er genau das Instrument mittels dessen die Erlösung erst möglich wird.

Der Geist geht nach buddhistischer Lehre allem Reden und Handeln voraus. Oberste Aufgabe ist es daher, ihn durch die Übung der „Achtsamkeit“ (sati) – dem siebten Glied des achtfachen Pfades – unter Kontrolle zu bringen. Weiterhin ist die Ausrichtung des Geistes, seine Konzentration auf einen Punkt (samādhi) von Bedeutung.

In der |mahayanischen Tradition – vor allem der Yogachara- Schule – des Buddhismus bildet sich ein radikaler Idealismus heraus, der das Wesen der Welt nur noch als Geist interpretiert, wohingegen die Vielheit der Erscheinungen als Trug und Illusion (māyā) betrachtet wird. Der Begriff des Geistes rückt hier in die Nähe des nirwana, das als göttliches Absolutes verstanden wird, das als Prinzip alles Seienden hinter dem Schleier der individualisierenden māyā liegt.

Mystik

In mystischen Schriften und in einigen philosophischen Traditionen wird der Begriff Geist meist in zwei verschiedenen Bedeutungen verwendet. Zum einen als der „menschliche Geist“, der in etwa der heutigen Verwendung von Bewusstsein oder Verstand, aber auch Seele entspricht. Zum anderen als „göttlicher Geist“ oder „absoluter Geist“, der je nach Tradition auch personalisiert als Gott oder Gottheit angeredet wird.[31] Die praktische Überwindung dieser Trennung ist für viele Mystiker dabei die wesentliche Aufgabe [32]. Die philosophische Frage nach der Beziehung zwischen Geist und Körper tritt demgegenüber bei vielen in den Hintergrund.

Die in den mittelalterlichen Klöstern praktizierten „geistlichen Übungen“ werden in „oratio“ (liturgisches Gebet), „lectio“ (Lesung aus den Schriften), „meditatio“ (gegenständliche Betrachtung, Meditation) und „contemplatio“ (gegenstandfreie Anschauung, Kontemplation) unterteilt. Der Verstand und das Denken sollen so zur Ruhe kommen, um den „einen Urgrund“, also den göttlichen Geist, freizulegen. In diesem Sinn besteht dann für den Mystiker kein Unterschied zwischen menschlichem und göttlichem Geist.[33] Auch der Körper des Menschen ist in diesem Verständnis ein Ausdruck des Göttlichen und diesem nicht entgegengesetzt. In der Mystik der frühen Neuzeit wird der eigene Körper des Mystikers oft in besonderer, teils extremer Weise thematisiert [34].

Siehe auch

Literatur

Philosophie

  • Uwe Meixner (Hg.): Zur Geschichte der Philosophie des Geistes, De Gruyter, Berlin, ISBN 3-11-017405-7 . Sammelband mit Beiträgen zur Geschichte von der Antike bis ins 20. Jahrhundert
  • Rudolf Hildebrand: Geist, Niemeyer, Halle, 1926 Klassische und ausführliche Auseinandersetzung mit dem Begriff des Geistes
  • John Searle: Geist. Eine Einführung, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2006, ISBN 3-518-58472-3. Kurze Einführung in das Thema von einem bekannten Gegenwartsphilosophen
  • Ansgar Beckermann: Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes., De Gruyter, Berlin u.a., 2001, ISBN 3-11-017065-5. Ausführlichste deutschsprachige Einführung in die Philosophie des Geistes

Wissenschaft

  • Eric Kandel: Psychiatrie, Psychoanalyse und die neue Biologie des Geistes, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 2006 ISBN 3-518-58451-0 Populärwissenschaftliches Buch des Nobelpreisträgers zu Neurowissenschaflichen und psychoanalytischen Themen
  • Hartmann Hinterhuber: Die Seele. Natur- und Kulturgeschichte von Psyche, Geist und Bewusstsein, Springer, Wien, 2001 ISBN 3-211-83667-5 Historischer Blick auf verschiedene Wissenschaftsdisziplinen
  • Jean E. Charon: Der Geist der Materie, Ullstein Sachbuch, 1982, ISBN 3-548-34074-1 Charon ist theoretischer Physiker

Religion

  • Artikel Geist und Pneuma. in: Lexikon für Theologie und Kirche.
  • Artikel Geist. in: Religion in Geschichte und Gegenwart.

Quellen

  1. von griech. "pnéo" oder "pneío" für: wehen, blasen, hauchen, aushauchen, atmen; "pneuma" bedeutet demnach Hauch, Luftstrom (inkl. Fahrwind und sogar Duft) und Atem sowie als Lebenszeichen auch Leben selbst (wie bei "psyche", s. dort); von besonderem Interesse ist die Bezeichnung "(h)ieròn pneuma" (wörtl. heiliger pn.), die nach dem "Griechisch-Deutschen Schul- und Handwörterbuch" von Wilhelm Gemoll, "dem Gemoll" Verzückung und Besessenheit bezeichnet, sowie der Ausdruck "en pnéumati", der in Exstase bedeutet;
  2. oder "nòos" (s. Noologie) aus *snó[w]os für: Sinn – von idg. *sent- für: gehen, reisen, fahren (s. "Erfahrung") oder allgemeiner eine Richtung nehmen, wenn nicht – nach Der große Duden Bd. 7 Herkunftwörterbuch der Deutschen Sprache – in der urspr. noch engeren Bedeutung von: eine Fährte suchen; griech. noéein bedeutet wahrnehmen, bemerken, erkennen, "nous" daher: Aufmerksamkeit (auf etwas richten), Rücksicht (nehmen und berücksichtigen), auch in den Sinn (kommen) – vgl. unser: "in die Augen fallen" (springen, stechen) und "einfallen", "in den Sinn kommen", z.B. in Form eines spontanen "vor das innere Auge Tretens" u.ä. –, von daher dann vor allem Vermögen (auch) geistiger Wahrnehmung, Ein[e]sicht, Verstand, Vernunft, aber auch Vermögen des Wollens bis hin zum Empfindungsvermögen sowie Gesinnung, Sinnesart, Gemüt, Herz und Seele;
  3. von dem Verb "psýchein" für: hauchen, blasen, auch (ab)kühlen, erkalten, trocknen; "psychä" – wie eigentlich genau zu schreiben wäre – bedeutet demnach: Hauch, insb. aber Atem als Lebensprinzip (Zeichen von) Lebenskraft und Leben (als solches), als verlorenes auch (abgeschiedener) Schatten, in heutiger, von animistischen Seelenvorstellungen bestimmter Ausdrucksweise als "Seele" bezeichnet und von daher dann auch "Seele" Lebender in der besonderen, für die Psychologie relevanten Bedeutung von: Denkvermögen, Verstand und Klugheit, aber auch Gemüt, Herz(haftigkeit) und Mut, wie insges. Sitz der Leidenschaften, Begehrungsvermögen, Lust, Appetit bis hin zur Bezeichnung oder Umschreibung der (ganzen) Person – des Wertvollsten und Kostbarsten...
  4. von "spirare" für: wehen, hauchen, brausen, schnauben, atmen, leben, dichten, duften, ausatmen, aushauchen, erfüllt, beseelt sein;
  5. zum reichen Bedeutungshorizont dieses griech. Wortes s. bei Mens den "Hinweis" in der Anmerkung;
  6. Im Unterschied zu der davon weit abweichenden Verwendung der Wörter "Animus und Anima" bei C.G. Jung geht animus wie griech. pneuma auf den Atem als solchen und weniger wie spiritus auf die Bezeichnung der Aktivität zu atmen zurück; etymologisch steht "animus" mit griech. "ánemos" für: Wind, Sturm in Zusammenhang;
  7. Nach Der große Duden geht "Geist" etymologisch auf die idg. Wurzel *gheis- zurück. Interessanterweise wird damit aber ursprünglich auch hier nichts Geistiges gemeint, sondern in diesem Fall eine emotionale(!) Reaktion, und zwar die des – psychologisch gesehen bemerkenswerten und für uns Menschen im Wortsinn höchst "eigenartigen" – Erschauderns oder Ergriffenseins sowie des (auch für andere sichtbaren) Erregtseins oder Aufgebrachtsein. Der historische Wandel der Bedeutung von "Geist", nach dem es heute möglich ist, von "geistigen Vorgängen" wie Wahrnehmen, Erinnern, Vorstellen, Träumen, Phantasieren und anderen Formen des Denkens zu sprechen, dürfte mit Umständen und Zusammenhängen zu tun haben, die Julian Jaynes in seinem Werk "Der Ursprung des Bewusstseins" (komplett als pdf-Datei; Seitenangaben mit Orig. nicht identisch) schildert; s. insb. seine Ausführungen zur "Erfindung der Seele" S. 350–359. – Nach dem Philosophen und Wissenschaftstheoretiker Dirk Hartmann (in: "Philosophische Grundlagen der Psychologie" S. 80f) wird "Geist" am besten wie Zeit, Raum, Stoff oder Materie u.ä. Allgemeinbegriffe als sog. "Reflexionsterminus" verstanden, "mit dem eine Kategorisierung bestimmter Aussagen" angezeigt werden soll; er schlägt a.a.O. daher vor, "Geist" – zumindest im wissenschaftlichen Sprachgebrauch – auf die Kennzeichnung von "Aussagen über Kognitionen" zu beschränken.
  8. Hellmut Bock: Anglo-American Common Sense and German Geist, in: American Quarterly, 1956, S. 155–165
  9. zu dem weitreichenden psychoevolutionären Hintergrund der hier (auch) sprachhistorisch aufscheinenden Zusammenhängen s. Julian Jaynes' "Der Ursprung des Bewusstseins" (komplett als pdf-Datei; Seitenangaben mit Orig. nicht identisch)
  10. Übersetzung des Ps. 33, zitiert im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm
  11. Max Weber: Die protestantische Ethik und der 'Geist' des Kapitalismus 1904
  12. Anaximenes: Diels-Kranz|DK 13 B 2
  13. 13,0 13,1 G. Verbeke, Geist. II. Pneuma, in: Joachim Ritter u.a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 3, Basel 1974, Sp. 154–166
  14. 14,0 14,1 Francesco Moiso: Geist. 2. Begriffsgeschichte. 2.1 'Pneuma' und die anderen griech. Wörter, in: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.): Enzyklopädie Philosophie, Hamburg 1999, S. 434 f.
  15. Aristoteles: De An. III, 4, 429 a 22 f.
  16. 16,0 16,1 Christoph Horn/Christof Rapp: Vernunft/Verstand. II. Antike, in: Joachim Ritter u.a. (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 11, Basel 2001, Sp. 749–764
  17. Augustinus: De animae quantitate 13.
  18. Thomas von Aquin: Summa theologiae I, 76, 2.
  19. René Descartes: Meditationes de prima philosophia, 1641
  20. Saul Kripke, Name und Notwendigkeit (Naming and Necessity), Blackwell Pub., Oxford, 1981 ISBN 0-631-12801-8
  21. David Chalmers: The conscious Mind, Oxford, Oxford University Press, 1997, ISBN 0-19-511789-1
  22. Emil Heinrich du Bois-Reymond: Über die Grenzen des Naturerkennens, Vortrag, 1872
  23. Wilhelm Dilthey: Einleitung in die Geisteswissenschaften, 1863
  24. Edmund Husserl: Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie. Erstes Buch: Allgemeine Einführung in die reine Phänomenologie 1913
  25. Die Klassiker sind hier: Ullin Place: Is Consciousness a Brain Process? in: British Journal of Psychology, 1956 und John Smart: Sensations and Brain Processes in: Philosophical Review, 1956.
  26. Thomas Nagel: What is it like to be a bat? In: The Philosophical Review, 1974, S. 435–450
  27. Günter Bierbrauer. (2005), Sozialpsychologie, ISBN 3-17-018213-7
  28. John R. Anderson / Christian Lebiere: The atomic components of thought, Erlbaum, 1998, ISBN 0-8058-2816-8
  29. Sigmund Freud: Das Ich und das Es, 1923
  30. Ausnahmen werden beschrieben in: Haynes, J-D., Rees, G: Decoding mental states from brain activity in humans, in: Nature Reviews Neuroscience 7, 2006, S. 523–534 und Kreiman, G., Koch, C. & Fried, I. Category-specific visual responses of single neurons in the human median temporal lobe., in: Nature Neuroscience 3, S. 946–953
  31. So etwa Augustinus, „De vera religione“ 39
  32. So anscheinend bei Meister Eckhart, „Von der Stadt der Seele
  33. In diese Tradition lassen sich auch Texte einreihen wie Angelus Silesius, „Erstes Buch“ 6. Kap.
  34. M. de Certeau: Art. Mystique in: Encyclopédie Universalis; ders: Le corps folié: mystique et folie aux XVIe et XVIIe siècles», in La Folie dans la psychanalyse, Payot, 1977, 189–203 hat dies zu analysieren und erklären versucht.

Weblinks



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