Deutscher Freidenker-Verband

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Der Deutsche Freidenker-Verband e.V. ist eine Weltanschauungsgemeinschaft deutscher Freidenker und Mitglied der Weltunion der Freidenker mit Sitz in Paris.

Freidenker bestehen zwar auf ihrer Unabhängigkeit von Glaubensregeln wie Tabus und Dogmen, beziehen sich aber ausdrücklich auf ethische Grundsätze von Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Gewaltverzicht.

Weltliche Riten

Der Deutsche Freidenker-Verband bietet Anleitung und Unterstützung bei der Gestaltung alternativer weltlicher Zeremonien und Riten zu Geburt, Erwachsenwerden, Heirat und Bestattung wie z.B. bei der Namensweihe (auch: Begrüßungsfeier oder Namensfeier), der Schulentlassungsfeier (später Jugendweihe oder Jugendfeier), Lebensbundfeier und feierlichen Feuerbestattungen.

Geschichte

Deutsche Freigeister, Freireligiöse, Freidenker und Monisten

In Deutschland wird bereits im Vormärz (1815-1848), also in den Jahren vor der europäischen Märzrevolution von 1848, der Widerstand bürgerlicher Freigeister gegen die Dogmen der Kirche deutlich geäußert. Ab 1844 entstehen unter dem Einfluss von Johannes Ronge und Robert Blum zahlreiche freireligiöse Gemeinden, die sich 1859 zum Bund Freireligiöser Gemeinden zusammenschließen. Dieser Bund besteht noch heute, die niedersächsischen und Hamburger Gemeinden nennen sich mittlerweile Freie Humanisten. In dem 1881 in Frankfurt am Main von Ludwig Büchner gegründeten Deutschen Freidenkerbund versammeln sich die ersten ausdrücklichen Atheisten. In Hamburg entsteht im Frühjahr 1882 die sozialdemokratische Freidenker-Gesellschaft, zu einer Zeit, als das Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie, bekannt unter der Bezeichnung Sozialistengesetz, noch in Kraft war. Schließlich wird 1906 von Ernst Haeckel der Deutsche Monistenbund gegründet.

Unterdrückung und Widerstand

Von den Nationalsozialisten werden in Deutschland ab 1934 unterschiedslos fast alle Freidenkerorganisationen verboten. Viele Freidenker sind im Widerstand aktiv, der damalige Vorsitzende des Freidenker-Verbandes Max Sievers wird am 17. Januar 1944 hingerichtet.

Neubeginn

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges bilden sich zahlreiche Gruppierungen neu, seit 1951 besteht der Deutsche Freidenker-Verband und ist seit 1952 Mitglied der Weltunion der Freidenker mit Sitz in Paris. 1991 fusioniert er mit dem Deutschen Freidenker-Verband (DDR). 1993 entsteht durch den Zusammenschluss verschiedener Freidenker- und freigeistiger Organisationen der Humanistische Verband Deutschlands (HVD).

Siehe auch

Literatur

  • Deutscher Freidenkerverband (Herausgeber): Freidenker-Bibliographie. Duisburg, 1977
  • Jochen-Christoph Kaiser: Arbeiterbewegung und organisierte Religionskritik: Proletarische Freidenkerverbände in Kaiserreich und Weimarer Republik. Klett-Cotta, Stuttgart 1981.

Weblinks