Christliche Theologie

Aus Athpedia
Wechseln zu:Navigation, Suche

Christliche Theologie ist die Theologie, die sich auf Jesus Christus als das Wort Gottes (logos theou) zurückführt. Sie wird von Christlichen Theologen ausgeübt und ist als wissenschaftliches Fachgebiet traditionell nach den verschiedenen christlichen Konfessionen unterteilt. Die folgende Übersicht stellt eine ökumenische Zusammenschau der christlichen Theologie dar und erläutert dabei auch konfessionelle Unterschiede.

Teilgebiete

Eine erste Übersicht über die zahlreichen Einzeldisziplinen der Universitätstheologie gibt die Grobgliederung:

  • I. Biblische Theologie,
  • II. Historische Theologie,
  • III. Systematische Theologie,
  • IV. Praktische Theologie.

Die Abgrenzung der vier Hauptbereiche und die Zuteilung der Einzeldisziplinen kann sich jedoch je nach Konfession unterscheiden.

Biblische Theologie

Ausgangspunkt allen Redens von Gott ist für Christen aller Konfessionen die Bibel. So beschäftigt sich ein Großteil der universitären theologischen Forschung und Lehre mit biblischen Schriften.

  • Biblische Exegese nennt man die Übersetzung, Untersuchung und Interpretation von Bibeltexten mit Hilfe bestimmter exegetischer Methoden.
    • Hermeneutik ist allgemein eine wissenschaftliche Reflexion über Bedingung und Möglichkeit des Verstehens: hier von biblischen Texten, speziell als Reflexion über die Methodik der Exegese.
    • Einleitungswissenschaft ist der Teil der Bibelforschung, der ihre Entstehung (Autoren, Traditionen, Ort, Zeit, Umstände) aufzuhellen versucht, um so das nötige Hintergrundwissen für die Exegese bereit zu stellen.

Die Exegese teilt sich traditionell in die beiden Hauptteile der Bibel, das Alte und das Neue Testament. Zu beiden Fächern gibt es die Teilgebiete Einleitung, Geschichte, Theologie und Ethik. Die genaue Abgrenzung ist oft nicht möglich, da die Entstehung der Bibel nur aus der Geschichte Israels heraus verständlich wird, ebenso wie Theologie und Ethik, die sich nicht trennen lassen.

Der Zusammenhang beider "Testamente" wird vor allem in der reformatorischen Theologie vielfach ebenfalls unter dem Namen "Biblische Theologie" verhandelt. Dazu zählt auch die Judaistik für die Zeit "zwischen" den Testamenten, die früher eher als Randgebiet betrachtet und in ihrer Bedeutung für die Bibelexegese unterschätzt wurde.

Historische Theologie

Dieser Oberbegriff umfasst in der Regel die Kirchen- und Dogmengeschichte. Er wird heute oft als Sammelbegriff gegenüber dem früheren Teilgebiet "Kirchengeschichte" bevorzugt, bezeichnet aber kein eigenes Fachgebiet. Er ist ein disziplinübergreifender Zweig, in dem historisch arbeitende Theologiesparten behandelt werden.

Siehe besonders:

Konfessionelle Unterschiede können sich in der unterschiedlichen Epochengliederung bzw. unterschiedlichen Gewichtung einzelner Epochen zeigen.

Systematische Theologie

    • Fundamentaltheologie ist die grundlegende Reflexion der Charakteristik des christlichen Glaubens und seiner Abgrenzung von anderen Weltanschauungen und Religionen. Im Hinblick auf das Letztgenannte wurde sie früher Apologetik genannt. Mit diesem Begriff wird zugleich eine historische Epoche der christlichen Theologie (2. und 3. Jahrhundert) bezeichnet, da in ihr die Erläuterung und vor allem Verteidigung der christlichen Glaubensinhalte gegenüber ihren Kritikern im römischen Reich eine große Rolle spielte.
    • Dogmatik reflektiert die Inhalte des christlichen Glaubens und stellt sie (in der Regel angelehnt an die Reihenfolge der Glaubensbekenntnisse) systematisch dar. Heute unterscheidet man folgende Teilgebiete/Traktate:
      • Theologische Anthropologie Geschöpflichkeit, Gottebenbildlichkeit, Sündenfall, Rechtfertigung des Menschen
      • Gotteslehre Wort und Begriff >Gott< im allgemeinen; der jüdisch-christliche Gott; Schöpfung, Vorsehung, Allmacht, Vater-Sein, Trinität usw.
      • Christologie ist die Reflexion und Auslegung der Person Jesus Christus.
      • Soteriologie ist die Reflexion über das Heil, das mit der Person Jesus Christus verbunden ist.
      • Pneumatologie ist die Lehre vom und Reflexion über den Heiligen Geist.
      • Ekklesiologie ist die Reflexion über Wesen und Wirklichkeit der Kirche im Licht ihrer theologischen Bestimmung.
      • Sakramentenlehre ist die Reflexion über die Sakramente im allgemeinen sowie die Darstellung der sieben Einzelsakramente.
      • Eschatologie (früher: Lehre von den "letzten Dingen") ist die Reflexion über die Hoffnung auf die Vollendung der Welt und die Vollendung der einzelnen Menschen, die sich aus dem Glauben ergeben.
    • Ethik (evangelisch) oder Moraltheologie (katholisch) reflektiert über die Normen, Richtlinien und Prinzipien christlicher Lebensgestaltung.
    • Religionsphilosophie (eher katholisch) reflektiert über das Verhältnis von Glauben zum Wissen. Die reformatorische Theologie betont hier eher den Gegensatz von Glauben und allgemeiner Religion bzw. Theologie und Philosophie.
    • Religionswissenschaft erforscht Religiosität und Religionen allgemein. Ob sie eher zur Systematischen oder zur Historischen Theologie gehört, ist je nach Fakultät verschieden. An manchen Universitäten (z.B. Leipzig) wird die Religionswissenschaft an geistes- oder sozialwissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt und betont den im Gegensatz zur Theologie empirischen Charakter ihrer Arbeit. Als solchermaßen eigenständiges Studienfach kehrt sie die Sichtweise um und betrachtet eher die christliche Theologie als Teilgebiet unter anderen Theologien. Innerhalb der empirischen Religionswissenschaft gibt es eine starke Emanzipationsbewegung gegenüber der Theologie und von ihr beeinflussten Teilen der Religionswissenschaft.

Praktische Theologie

Dieses Teilgebiet gilt der Praxis kirchlichen und christlichen Handelns, z.B. Gottesdienst, Diakonie, Liturgie, Seelsorge usw.

Weiterhin kann es in der Praktischen Theologie mit der Bezeichnung "Pastoraltheologie" zu Verstehensschwierigkeiten kommen, da mit "Pastoraltheologie" in der evangelischen Praktischen Theologie wirklich nur die Person des Amtsträgers in Augenschein genommen wird, während in der katholischen Praktischen Theologie das gesamte Feld der Praktischen Theologie einfach als die "Pastoral" bezeichnet werden kann.

Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass die Zuordnung der einzelnen untergeordneten Fächer zu übergeordneten Fachrichtungen manchmal unsicher ist und durchaus auch anders vorgenommen werden kann, teilweise bestehen auch Überschneidungen und Doppellungen. Den inneren Zusammenhalt der einzelnen Teilgebiete untereinander, die sich durch die Übernahme verschiedener Paradigmen auseinander entwickelt haben und weiterhin auseinander entwickeln, soll die Theologische Enzyklopädie gewährleisten (so zumindest in der evangelischen Theologie).

Katholische Theologie

Nach katholischem Verständnis besteht für die Theologie neben der geoffenbarten Wahrheit der Heiligen Schrift auch die mündlich überlieferte Tradition als Quelle der Erkenntnis. Theologie bindet sich an die vom Lehramt der Kirche festgelegten Lehrentscheidungen (Dogmen). Dabei gehen die nichtamtlichen Lehrentscheidungen nicht prinzipiell über das hinaus, was in der Bibel offenbart wurde, sondern sie klären das Verständnis dessen, was in der Bibel grundgelegt ist.

Evangelische Theologie

Evangelische Theologie gründet sich auf die in der Heiligen Schrift bezeugte Erlösung durch den Glauben an das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi für uns. Sie knüpft nicht nur an die Dogmen und Symbole der Alten Kirche an, sondern ist auch geprägt vom Werdegang der großen Reformatoren. Zu nennen sind besonders Martin Luther, Ulrich Zwingli, Johannes Calvin. Insbesondere ist die Rechtfertigung aus dem Glauben (sola fide) und aus Gnade (sola gratia) ein zentrales evangelisches Thema. Außerdem hat die Reformation etwaige Mängel der Scholastik stärker gewichtet und den Schwerpunkt der Theologie auf die Schrift und das "was Jesum treibet" verlagert.

Heute ist das Bestreben der evangelischen Theologie zu spüren, sich auf die Ökumene einzulassen und das Konfessionelle Zeitalter zu überwinden, in dem sogar aus christlichen Motiven Kriege geführt werden.

Orthodoxe Theologie

Die Ostkirchliche Theologie versteht sich als der Versuch, innerhalb des konkreten kirchlichen Lebens ein vertieftes Verständnis des durch Jesus Christus ein für alle mal den Aposteln geoffenbarten und seitdem tradierten Glaubens zu finden, wobei der Kern dieser Tradition die Bibel ist. Die meisten orthodoxen Theologen sind keine Priester oder Mönche, sondern Laien. Typisch für die orthodoxe Theologie sind: die häufige Bezugnahme auf Aussagen der Liturgie; die merkliche individuelle Färbung durch die einzelne Theologen-Persönlichkeit, aber ohne starke "Schulen"-Bildung; die Betrachtung der Theologie als eine Gottesgabe für vom Heiligen Geist erfüllte Menschen (die so den Segen weitergeben), nicht so sehr als eine von Berufstheologen zu betreibende Wissenschaft; eine konservative (aber nicht fundamentalistische) Grundhaltung. Bedeutende orthodoxe Theologen im 20. Jahrhundert waren z.B. Johannes von Kronstadt, Georg Florovsky, Alexander Schmemann, Seraphim Rose und John Zizioulas.

Siehe auch

Literatur

  • Thomas von Aquin: Summe der Theologie, zusammengefasst, eingeleitet und erläutert von Joseph Bernhart, 3 Bände, 3. durchgesehene und verbesserte Auflage, Stuttgart 1985
  • Becker, Patrick, Gerold, Thomas (Hgg), Die Theologie an der Universität. Versuch einer Standortbestimmung. Lit-Verlag, Münster 2005
  • Erwin Fahlbusch (Hrsg.): Taschenlexikon Religion und Theologie, 5 Bde, Vandenhoeck & Ruprecht, 1983, ISBN 3-525-50123-4
  • Gerhard Ebeling: Studium der Theologie, UTB, 1977, ISBN 3-16-139291-4

Weblinks


Der Text auf dieser Seite basiert, soweit nicht anders angegeben, auf dem Artikel Christliche_Theologie aus der freien Enzyklopädie Wikipedia. Die Inhalte stehen unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Eine Liste der Autoren ist dort abrufbar.