Bischof

Aus Athpedia
Wechseln zu:Navigation, Suche

Bischof (von griech. episkopos „Aufseher, Wächter“) meint speziell in der römisch-katholischen Kirche einen vom Papst unter Berücksichtigung eventueller Sonderrechte (Konkordate) frei ernannten und mit eigener Weihe ausgestatteten Vorsteher einer Ortskirche (Bistum, Diözese). Das Amt bringt bestimmte Vollmachten, Pflichten und Ehrenrechte mit sich.

Geschichte

Das Neue Testament umschreibt mit "Bischof" eine Führungsfunktion in der Ortsgemeinde. Seit 100 u. Z. hat sich ein dreifaches Amt mit Bischof, Presbyter und Diakon entwickelt, die jeweils andere Funktionen innehaben und bis heute unter verschiedenen Bezeichnungen in den meisten christlichen Kirchen anzutreffen sind. Ab dem 2. Jahrhundert finden sich neben den eigentlichen Ortsbischöfen Bischöfe, die über mehrere Gemeinden die Aufsicht führen. Der Verwaltungsbezirk solcher Bischöfe wird Diözese (von griech. oikos „Haus“) genannt und umfasst meist eine Stadt und die umliegenden Dörfer; die Stadt war Bischofssitz. In Auseinandersetzungen mit häretischen Strömungen entwickelte sich eine Norm: Das Bischofsamt gilt als Amt der Lehre und der Liturgie, die auf der Tradition der Kirche fußen.

Heutige Bestimmungen

Ein Bischof ist in der römisch-katholischen Kirche immer ein Mann. Er muss zuerst zum Diakon und dann zum Priester geweiht worden sein. Die Enthebung oder Versetzung eines Bischofs erfolgt allein durch den Papst; auch der Gerichtsstand der Bischöfe ist unmittelbar an der Römischen Kurie, in Strafsachen beim Papst selbst. Ist der zum Bischof Ernannte noch kein Bischof, erfolgt vor dem Amtsantritt die Weihe zum Bischof durch andere Bischöfe, in der Regel drei. Die so genannten Pontifikalien eines Bischofs sind Mitra, Stab, Ring und Brustkreuz). Pontifikalschuhe und Pontifikalhandschuhe sind, u. A. von der Pius-Bruderschaft abgesehen, außer Gebrauch gekommen.

Beim römisch-katholischen Bischofsamt handelt es sich um die höchste Stufe des Weihesakramentes. In den Bischöfen setzt sich die Lehr- und Leitungsvollmacht fort, die Jesus den zwölf Aposteln übertragen hat. In einer ununterbrochenen „Reihe der Handauflegungen“ (so genannte Apostolische Sukzession) seien alle heutigen Bischöfe mit den Aposteln verbunden. Diese Auffassung unterliegt historischen Bedenken: Scipione Rebiba (1504-1577) ist derjenige Kardinal, auf den die meisten namentlich bekannten Sukzessionslinien zurückgehen. 90% der aktuell etwa 4.300 Bischöfe haben ihn zum Stammherrn ihrer Bischofsgenealogie. Doch wer ihn selbst zum Bischof geweiht hat, ist nicht bekannt.

Ein Bischof ist entweder Diözesanbischof („Residierender Bischof“, „Ortsbischof“) oder Titularbischof. Die so genannten Weihbischöfe (Auxiliarbischöfe) sind einem Diözesanbischof als Helfer bei den bischöflichen Funktionen zugeordnet. Der Diözesanbischof, der einer Residenzpflicht unterliegt und zur Visitation seiner Diözese wie zur persönlichen Berichterstattung beim Hl. Stuhl verpflichtet ist, hat für seine Diözese die Fülle der Leitungs- und Lehrgewalt inne und ist der erste Spender der Sakramente. Vorbehalten sind ihm die Spendung des Weihesakramentes (Bischofsweihe, Priesterweihe und Diakonenweihe) und die Firmung. Auch die Spendung bestimmter Sakramentalien wie die Kirch- und Altarweihe bleiben ihm reserviert. Zur Verwaltung der Diözese stehen ihm Kleriker zur Seite, welche die bischöfliche Kurie bilden (z. B. der Generalvikar). Priester- und Laiengremien haben nur beratende Funktionen. Bischöfe beraten sich über die Bistumsgrenzen hinaus in der meist nationalen Bischofskonferenz. Bei Bedarf kann ein Bischof für seine Diözese auch eine Diözesansynode einberufen.

Das Bischofsamt ist ein Amt auf Lebenszeit. Doch mit Vollendung des 75. Lebensjahres sind die Diözesanbischöfe angehalten, dem Papst ihren Amtsverzicht anzubieten. Ein solcher wird nicht immer angenommen.

Lutherische Kirchen

In den lutherischen Landeskirchen Deutschlands (EKD) gibt es in der Regel das Amt des Bischofs, der für eine Region oder eine Landeskirche zuständig ist und gegenüber den Pfarrern der Ortsgemeinden eine Leitungsfunktion wahrnimmt. Dieses Amt wird meist als Bischof bezeichnet, daneben ist die Bezeichnung Landesbischof verbreitet.

Es gibt keine eigene Ordination ("Bischofsweihe"), die Bischöfe werden in ihr Amt eingeführt. Ihre Funktion wird nicht als höherer geistlicher Rang, sondern als eine Art Pfarrer im kirchenleitenden Dienst gesehen. Es gibt keine dem Bischof vorbehaltenen Sakramente. Die Amtsinhaber werden in der Regel von einer Synode für eine bestimmte Zeit oder auf Lebenszeit (meist bis zum 65. oder 68. Lebensjahr) gewählt. In den meisten evangelischen Kirchen kann das Amt sowohl von Männern als auch von Frauen ausgeübt werden.

Zitate

"Wer das Amt eines Bischofs anstrebt, der strebt nach einer großen Aufgabe. Deshalb soll der Bischof ein Mann ohne Tadel sein, nur einmal verheiratet, nüchtern, besonnen, von würdiger Haltung, gastfreundlich, fähig zu lehren; er sei kein Trinker und kein gewalttätiger Mensch, sondern rücksichtsvoll; er sei nicht streitsüchtig und nicht geldgierig. Er soll ein guter Familienvater sein und seine Kinder zu Gehorsam und allem Anstand erziehen. Wer seinem eigenen Hauswesen nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen? Er darf kein Neubekehrter sein, sonst könnte er hochmütig werden und dem Gericht des Teufels verfallen. Er muss auch bei den Außenstehenden einen guten Ruf haben, damit er nicht in üble Nachrede kommt und in die Falle des Teufels gerät“ (Paulus, 1 Tim 3,1-7).