Benutzer:Martin/Theodizeeproblem

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Das Theodizeeproblem

Wenn man längere Zeit mit Christen diskutiert, dann kommt man unweigerlich an einen Punkt, an dem es nicht mehr weitergeht. Das ist immer dann der Fall, wenn die gläubige Position zu den Selbstwidersprüchen gelangt - und das ist zwangsläufig so. Der Grund dafür ist klar: Das Konzept Gott ist in sich sehr widersprüchlich und alogisch. Wenn man sich auf Gott beruft, dann "importiert" man diese Widersprüche in die eigenen Argumente und fängt an, sich selbst zu widersprechen.

Die Gläubigen haben zwei Verteidigungslinien: Die ad hoc Argumentation und die Berufung darauf, dass der Glaube nicht mit dem Verstand zu erfassen sei ("Geheimnis des Glaubens").

Ad hoc zu argumentieren bedeutet: Man führt weitere Zusatzannahmen ein, die das ursprüngliche Argument stützen. Damit wird das unvermeidliche Treffen auf Widersprüche aber nur hinausgezögert. Oft erscheinen diese Widersprüche dann als große Überraschung an unvermuteter Stelle. Und statt einem Widerspruch zu Anfang hat man jetzt einen ganzen Sack voll. Die "wundersame Widerspruchsvermehrung" (warum ist das so) demonstriere ich Ihnen hier anhand eines Grundproblems.

Theologen benutzen seltener ad hoc Argumente, weil sie wissen, dass der Kampf gegen die Widersprüche wie ein Kampf gegen eine Hydra ist: Für einige "abgeschlagene" Widersprüche entstehen zwei Neue. Viele Widersprüche werden vom Diskussionspartner nicht wahrgenommen, weil der auch kein perfektes Gedächtnis hat. Aber sie sind da.

Ein Beispiel: das Theodizeeproblem. Das lautet folgendermaßen:

Wenn (der christliche) Gott allmächtig, allwissend und liebend und allgütig ist, wie kann man dann das Leid in der Welt erklären Wegen der grundsätzlichen Bedeutung dieses Problems starte ich eine neue Reihe zur Theodizee. Diese finden Sie hier. Im Weiteren finden Sie eine stark verkürzte Version des Theodizeeproblems:

Da das Konzept "Allmacht[1], Allwissen [2], Allgüte [3]" in sich widersprüchlich ist, kann es keine logische (= vernunftgemäße, vernünftige) Lösung für dieses Problem geben. Ein guter Mensch wird, wenn er dazu in der Lage ist, danach trachten, Leid zu verhindern. Tut er es nicht, dann weil er nicht konnte, oder weil er nicht wollte - in letzterem Fall aber war er nicht gut. Darüber wird man sofort Einigung erzielen[4].

Es gibt aber sehr viel Leid in dieser Welt. Kann oder will Gott das Leid nicht verhindern Wenn er es nicht kann, ist er nicht allmächtig, wenn er es nicht will, dann ist er nicht allgütig. So oder so, die Grundattribute stehen in einem Widerspruch zueinander. Die Verteidigung der Theologen erfolgt nun durch eine ad hoc Annahme. Diese wird zwar nicht so eindeutig durch die Bibel gestützt (steht sogar teilweise im Widerspruch dazu), aber der Widerspruch muss ja "wegerklärt" werden. Also sagen die Theologen, dass Gott den Menschen so sehr liebte, dass er ihm einen freien Willen gab. Dadurch bekam zugleich der Mensch die Fähigkeit, Böses zu tun, und damit kam auch das Leid in der Welt.

Damit hat man zwei neue Widersprüche erzeugt: Denn der freie Willen steht im Widerspruch zum Allwissen Gottes (wenn Gott vorher weiß, wie ich handle, habe ich keinen freien Willen, wenn er es nicht weiß, habe ich zwar einen freien Willen, aber Gott ist nicht allwissend). Außerdem gibt es Naturkatastrophen, die nicht durch menschliches Handeln verursacht werden, die aber wiederum zu Leid führen. Den ersten Widerspruch (freier Wille versus Allwissen) findet man auch in der Bibel - wenn Gott alles weiß, dann ist mein Schicksal vorherbestimmt, und dann wurde auch vorher festgelegt, wer glaubt und wer nicht (Prädestinationslehre). Dann gibt es keinen freien Willen. Dann ist aber auch jedes Bemühen um moralisches Handeln sinnlos (wenn der Ausgang meiner Handlung festliegt, handle ich, wie ich handle, weil ich nicht anders kann: Ob ich nun Gutes tue oder kleine Kinder aufschlitze), d. h. jede Moral ist zerstört. Damit mein Bemühen überhaupt sinnvoll und moralisch sein kann, brauche ich einen freien Willen - das widerspricht dem Allwissen Gottes.

Der freie Willen betrifft nicht nur uns - er betrifft Gottes Handeln selbst. Dan Barker bemerkt dazu (Übersetzung von mir): Der christliche Gott ist ein personales Wesen, welches allwissend ist.

Um einen freien Willen zu haben, muss man mehr als eine Option haben, von denen jede Einzelne vermeidbar ist. D. h. bevor man eine Wahl trifft, muss es einen Zustand der Ungewissheit während einer Zeitspanne voller Möglichkeiten geben: Du kannst die Zukunft nicht kennen. Selbst wenn man glaubt, man könne die Entscheidung vorhersagen, wenn Du behauptest, Du hättest einen freien Willen, Du musst zugeben, Du hast die Möglichkeit (wenn nicht sogar den Wunsch) Deine Meinung zu ändern, bevor die Entscheidung endgültig ist.

Ein Wesen, welches alles weiß, kann keinen "Zustand der Unsicherheit" haben. Es kennt seine Wahl vorher. D. h. es hat keine Möglichkeit, seine Wahl zu vermeiden, und hat daher keinen freien Willen. Da es keinen freien Willen hat, ist es auch kein personales Wesen, ein personales Wesen, welches alles weiß, kann nicht existieren.

Deswegen existiert der christliche Gott nicht.


Gott hat also keine Willensfreiheit (dann ist er ein Roboter, eine Maschine, die nach einem Programm abläuft - dann ist auch alles Beten sinnlos), oder aber er kann seine eigenen Entscheidungen in Freiheit treffen - dann ist er nicht allwissend und nicht allmächtig (Allmacht setzt Allwissen voraus). In keinem Fall kann es sich um den christlichen Gott handeln.

Naturkatastrophen, Kinder, die sterben, bevor sie ihren "freien Willen" entfalten konnten, stehen nun im Widerspruch zu der Erklärung des Leids generell. Um auch diesen Widerspruch "wegerklären" zu können, macht man eine neue ad hoc Annahme: Eine Welt, in der es einen freien Willen gibt, kann man nicht schaffen, ohne die vielfältigen Formen des Leids. Gott hatte die Wahl zwischen freiem Willen oder Freiheit von Leid, und er hat sich für den freien Willen entschieden. Gott kann keine leidensfreie Welt schaffen, in der die Menschen auch einen freien Willen haben. Das steht wiederum im Widerspruch zur Allmacht - hier scheinen also Gott enge Grenzen gesetzt zu sein.

Und nun haben wir noch einen Widerspruch mehr: Den Glauben an das Paradies, in das Menschen nach ihrem Tod einziehen werden - wenn sie dazu vorherbestimmt wurden, oder wenn sie Gutes getan haben oder wenn sie richtig geglaubt haben. Denn im Paradies soll es kein Leid mehr geben. Nach der Argumentation der Theologen verbringen wir unser Leben im Paradies also als stumpfsinnige Marionetten ohne freien Willen. Wenn aber hier freier Willen und Freiheit von Leid im Paradies möglich sind, dann hätte Gott die Welt gleich so erschaffen können - er kann es also doch! Oder

Nun kommt der Sündenfall wieder ins Spiel, und der hat seine eigenen Probleme und Widersprüche. Denn demnach lebte der Mensch ursprünglich im Paradies, verlor dies aber durch die Erbsünde. Also warf der "allgütige" Gott Adam und Eva (die ursprünglichen Sünder) aus dem Paradies und schuf damit das Leid der Menschen - aller Menschen, denn damit strafte er ja alle Nachkommen. Ist das gerecht oder gut Nein!

Sieht es denn im zukünftigen Paradies besser aus In dem ersten Garten Eden, den Gott schuf, sündigte der Mensch wegen seines freien Willens - wird behauptet, wobei die Frage offen ist, ob er die Konsequenzen kannte. Wer sagt uns, dass es nicht auch im nächsten Paradies genauso ist Dort hat Gott den Sündenfall wegen des freien Willens nicht verhindern können - oder hat er ihn nur nicht verhindern wollen Hat er ihn nicht verhindern können, dann wird dies im zukünftigen Paradies auch so sein, wenn er es beim ersten Mal nicht gewollt hat, dann kann er nicht allgütig sein ... wenn er Adam und Eva schon nicht perfekt schaffen konnte, dann kann er dies mit den wieder auferstandenen Menschen auch nicht!

Und damit kommen wir zu einer neuen ad hoc Annahme: Gott sandte seinen Sohn in die Welt, um die Menschen wieder von dem von Gott geschaffenen Leid zu erlösen ... und mit Jesus tauchen dann eine Fülle neuer Widersprüche und vernunftwidriger Annahmen auf.

Ursprünglich fingen wir an mit "(1) Allmacht und Allgüte sind unvereinbar". Dann kamen wir zu "(2) Allgüte und Leid sind nicht vereinbar". Dann kamen wir zu "(3) Willensfreiheit und Allmacht (Allwissen) sind nicht vereinbar". Dann "(4) Allwissen und moralisches Handeln sind nicht vereinbar". Dann "(5) Vorherbestimmung und moralische Gebote sind nicht vereinbar" (Gebote sind überflüssig, wenn alles vorherbestimmt ist). Dann "(6) Allmacht und die Unmöglichkeit, eine leidensfreie Welt zu schaffen" sind unvereinbar. Und die "(7) Paradiesvorstellung und die Unmöglichkeit, eine leidensfreie Welt zu schaffen" sind unvereinbar. Und die "(8) Vertreibung aus dem Paradies und die Allgüte" sind unvereinbar. Usw. usf.

Statt dem einen ursprünglichen Widerspruch haben wir jetzt acht Stück beisammen und wenn wir bei Jesus weiterdiskutieren, dann vermehren sich die Widersprüche wie die Kaninchen - mit jeder neuen ad hoc Annahme kann man den Widerspruch nämlich nur verschieben oder vermehren, mehr nicht. Und obwohl wir neue Widersprüche haben, ist der ursprüngliche Widerspruch immer noch nicht gelöst! Denn das Problem, das ein allwissendes Wesen selbst keine Willensfreiheit haben kann, steht nach wie vor im Raum.

Dan Barkers Kommentar dazu: "Gib einem Gläubigen genug Seil und er wird sich selbst aufhängen". Je mehr ein Gläubiger seinen Glauben verteidigt, umso schlimmer wird es. Wenn man dies lange genug vorantreibt, steht irgendwann (fast) jede Glaubensannahme mit (fast) jeder anderen im Widerspruch. Die meisten Widersprüche werden durch den psychischen "Mechanichtsnutz" selektive Wahrnehmung und Verdrängung zwar ausgeblendet, aber es bleiben immer noch genug übrig, um sich daran "aufzuhängen".

In dem Moment, in dem man einen Gläubigen durch Nachfragen dazu bringt, seinen Glauben zu verteidigen, verwickelt er sich in Widersprüche. Das gilt z. B. auch für Kreationisten - man muss die Evolutionstheorie (ET) nicht verteidigen. Man braucht nur nach den Alternativen zu fragen. Kreationisten sind meist ohnehin schlecht darauf vorbereitet, ihre Auffassung zu verteidigen, sie können die ET angreifen, mehr aber nicht. Man gebe ihnen nur genug Seil ...

Sobald man also Gott oder eine supernaturalistische Erklärung in eine Diskussion einführt - das gilt auch für Diskussionen über Moral - verwickelt man sich automatisch in Widersprüche. Das ist unvermeidlich. Nun gilt aber auch auf der Erkenntnisstufe 2 (bewusst, aber unkritisch) die Widerspruchsfreiheit als minimales Wahrheitskriterium - Freiheit von Widersprüchen beweist keine Wahrheit, aber Widersprüche beweisen die Falschheit. Erst auf Ebene 3 wird dies zum Prinzip erhoben und damit das Problem gelöst (dafür handelt man sich die Vorläufigkeit allen Wissens ein).

Diese Methode des "Verwickelns in Widersprüche" kann gegen Atheisten nicht verwendet werden, da ihre Grundannahmen nicht in sich widersprüchlich sind. Verwickeln sich Atheisten doch in Widersprüche, dann ist das durch einen Denkfehler verursacht, den man ohne Änderung der atheistischen Grundhaltung auflösen kann. Anders gesagt: Gläubige sind bei Diskussionen automatisch im Nachteil. Charismatische Fundamentalisten verteidigen ihren Glauben auch nicht, sie greifen lieber an - Verteidigung ist ihre Achillesferse.

Um diesen Nachteil kompensieren zu können (denn Gläubige gehen ja von einer Überlegenheit ihrer Ansichten aus) gibt es eine zweite Strategie: Das Suspendieren der Vernunft (um nichts anderes handelt es sich bei dem Bezug auf "Glaubensgeheimnisse"). D. h. immer dann, wenn die Vernunft beim Glauben zu Widersprüchen führt, "rettet" man sich durch Einführung neuer alogischer Elemente ("Gottes Wege sind unerforschlich"). Da ist natürlich auch eine ad hoc Annahme: Immer genau dann, wenn man in einer Diskussion oder beim Nachdenken auf Widersprüche stößt, wird dies als Zeichen gedeutet, die Vernunft überschritten zu haben. Dies steht natürlich im Widerspruch zur Behauptung der Theologen, es sei vernünftig zu glauben.

Die Bereitschaft der Gläubigen, immer genau dann, wenn man auf Widersprüche stößt, für sich selbst und nur für sich selbst die Vernunft "auszusetzen" (zu transzendieren, wie die Theologen sagen) macht die Diskussionen so unfruchtbar - das ähnelt einem Kartenspiel mit Spielern, die, sobald sie verlieren, willkürlich die Regeln des Spiels ändern (aber nur sie selbst "dürfen" das). So ein "Spiel" macht keinen Spaß. Daher kommt oft das Gefühl, mit Gläubigen zu diskutieren sei dasselbe, als wenn man versucht, "einen Pudding an die Wand zu nageln". Deswegen benutzen u. a. (einige) Gläubige auch gerne Argumente ad hominem (= gegen die Person gerichtet), weil man den Glauben leichter verteidigen kann, wenn man von der eigenen Schwäche ablenkt und stattdessen die Person des Gegners angreift. Wenn man in Diskussionen nicht gefestigt ist, dann wird man dadurch in die Defensive gedrängt (aber das ist ein demagogischer und unfairer Trick).

Wir können also Glauben definieren als "das Ignorieren innerer Widersprüche". Das ist sozusagen das wahre "Geheimnis des Glaubens". Deswegen konnte ich auch behaupten, dass der Glauben einer niedrigeren Stufe der Erkenntnis entstammt, also zwar bewusst ist, aber unkritisch (gegen sich selbst). Damit kommt auch das Element der Beliebigkeit ins Spiel.

Die zweite Verteidigungslinie besteht darin, dass der Glauben eben auf Gefühlen basiere, nicht auf dem Verstand alleine (was heißt "alleine"). Das Argument ist von derselben zweifelhaften Qualität: Immer, wenn ich mich in Widersprüche verwickle, dann darf ich mich darauf berufen, dass ich aber trotzdem fühle, im Recht zu sein Wenn der Gläubige das "darf", darf ich das auch Dann stehen aber nur Gefühle gegen Gefühle - damit kehren wir zurück ins Mittelalter, denn wen sich genügend Gefühle aufgestaut haben, dann fängt der Krieg an.

Was ist denn, wenn mir mein Gefühl besagt, ich müsse alle anders Denkenden töten Darf ich mich auch dann auf mein Gefühl berufen, wie die Gläubigen es tun Wenn nein, warum nicht Und, wenn nicht ich, wer darf das dann und aus welchen Gründen Auch hier brauchen wir die Vernunft, wenn wir uns einigen möchten. Vernunft garantiert zwar keine Einigkeit, aber Unvernunft ist ein Garant für Streit.

Der Grund, warum wir uns nicht auf Gefühle berufen können ist der: Gefühle sind Privatsache einer Person und nicht nachvollziehbar (Gefühle kann man auch vortäuschen!). Argumente sind zwischen den Menschen austauschbar und nachvollziehbar - man kann kein gutes Argument vortäuschen (jedenfalls nicht auf Dauer). Damit ist eine wesentliche Täuschungsmöglichkeit eliminiert, der Umgang wird ehrlicher, weil ich den anderen nicht dauernd verdächtigen kann, mich zu belügen. Argumente sind ehrlich, Gefühle können ehrlich sein oder auch nicht - hier gewinnt der bessere Schauspieler (im Zweifelsfall). In solchen Diskussionen ist der Ehrliche dann auch immer der Dumme.

Hinzu kommt der Vorwurf der Beliebigkeit: Wann immer ich die Vernunft aussetze, weil sie gerade mal nicht zu dem von mir gewünschten Ergebnis führt, kann ich so jeden Unsinn rechtfertigen und verteidigen - es macht keine Mühe, sich Weltbilder auszudenken, die auf diese Art und Weise gut und leicht gegen jedes Argument zu verteidigen sind, die aber erkennbar unsinnig sind. Was ist mit den Weltbildern, deren Unsinn für uns nicht erkennbar ist Werden die dadurch richtig Wenn ich keine Möglichkeit habe, ein vernünftiges Weltbild von einem unvernünftigen zu unterscheiden (weil ich mit durch "Suspendierung der Vernunft" selbst den Boden unter den Füßen weggezogen habe, d. h. alle Kriterien vernichtet habe), dann sind beide identisch (verwechselbar, austauschbar, gleich), also sind alle diese Weltbilder auch gleich unsinnig und gleich unwahr. Das klingt hart, aber ich halte diesen Schluss für unvermeidlich.

Die Quelle aller Irrtümer und aller Widersprüche ist Gott selbst (bzw. der Glauben an einen Supernaturalismus)! Und dabei wollte man doch eine Position der absoluten Irrtumsfreiheit haben, den Grundpfeiler, auf den man bauen kann, von dem aus man alles entwickeln kann ... Vernunft, Moral, Sinn etc.

Bemerkenswert viele Gläubige sind übrigens der Ansicht, dass sich der Glauben zwar nicht auf die Vernunft stützt bzw. vollständig damit begründbar ist, aber auch nicht in einen Widerspruch zur Vernunft geraten darf oder kann (dies ist u. a. ein Dogma der katholischen Kirche[5]). Meist sind sie solange dieser Meinung, bis sie sich in genügend Widersprüche verwickelt haben. Dann wird auch diese Position aufgegeben.

Die Vernunft mag nicht viel sein, aber sie ist alles, was wir haben. Auf sie auch noch zu verzichten (und ein teilweiser Verzicht und ein kompletter Verzicht sind letztlich dasselbe) gleicht einem Menschen, der in Seenot sein Rettungsboot zertrümmert, weil es seinen Ansprüchen nicht genügt.

Verwandte Themen Die Rechtfertigung Gottes Erweiteter Text zum Theodizeeproblem.

Die Offenbarung und das Theodizeeproblem Das Verhältnis von Offenbarung und Theodizee. Weiterführende Links zum Thema Wikipedia-Eintrag zum Stichwort Theodizee Interessante Literatur zum Thema Streminger, Gerhard: 1992, Gottes Güte und die Übel der Welt, Das Theodizeeproblem, Mohr Siebeck, Tübingen. Hervorragende Auseinandersetzung mit dem Thema und eine Widerlegung sämtlicher gängiger und weniger gängiger Theodizeen, wobei der philosophische Beweis geführt wird, dass das Problem unlösbar ist.

Drange, Theodore M.: 1998, Nonbelief and Evil: Two Arguments for the Nonexistence of God, Prometheus Books, New York. Zwei Argumente für die Nichtexistenz des (christlichen) Gottes, eines davon ist das Theodizeeproblem, hier systematisch dargestellt und mit einer Widerlegung der meisten bekannten Lösungen des Problems.

Konfusius, er sagt: "Viele Christen verstehen unter "Freiheit des Glaubens" vor allem eine Freiheit von der Vernunft, wir verstehen darunter eine Freiheit zum selbstständigen Denken."

Anmerkungen:

  1. Man hat sich beschwert, ich würde das nur behaupten, obwohl es so einfach wäre, das auch zu zeigen. Also: Wenn Gott allmächtig ist, kann er dann auch einen Stein schaffen, der so schwer ist, dass er ihn nicht aufheben kann". Das erzeugt sofort ein Paradoxon: Kann Gott einen Stein schaffen, der so schwer ist, dann kann er ihn nicht aufheben - kann er ihn nicht schaffen, kann er auch nicht allmächtig sein. Gleichgültig, wie man sich dreht und wendet, Gott ist immer der "Verlierer" und eben nicht allmächtig. Diese Beispiele lassen sich beliebig vermehren, das Konzept der Allmacht ist in sich widersprüchlich. Deswegen wird allerdings inzwischen meistens eine Definition gewählt, die Selbstwidersprüche ausschließt. Das aber würde wiederum bedeuten, dass der Allmacht Gottes durch die Logik Grenzen gesetzt werden - von wem stammt denn dann die Logik und wieso steht diese über Gott In jedem Fall hätten wir dann eine "beschränkte Allmacht", ein in sich widersprüchlicher Begriff.
  2. Zum Problem des Allwissens siehe den Beweis von Barker.
  3. Wenn Gott allgütig ist, wie kann es dann das Böse geben Eben dies ist das Theodizeeproblem. Wenn man auf die Allmacht Gottes als Annahme verzichtet, dann wird Gott übrigens ziemlich schwach, denn in die meisten Geschehnisse greift er nicht ein. Auch dann muss man sich fragen: Warum eigentlich nicht Das Problem ist sowohl logischer als auch moralischer und emotionaler Natur, und das macht es so schwerwiegend.
  4. Eigentlich müsste man nur in die Bibel sehen, in Jesaja 45:7 steht: "der das Licht bildet und die Finsternis schafft, der Frieden wirkt und das Unheil schafft. Ich, der HERR, bin es, der das alles wirkt". Laut der Bibel ist es also Gott selbst, der alles Böse schafft. Da aber niemand willentlich einem Wesen folgen möchte, welches Böses schafft, versuchen die Gläubigen dies zu ignorieren - das Theodizeeproblem entsteht also durch aktive Ignoranz. Aktiv deswegen, weil trotz der Hinweise versucht wird, das Problem wegzuinterpretieren. "Unheil" wird in den verschiedenen Bibelübersetzungen auch verschieden übersetzt, als Unglück (disaster), Übel oder Böses (evil).
  5. Aus dem Katechismus der katholischen Kirche:
    159 Glaube und Wissenschaft. "Auch wenn der Glaube über der Vernunft steht, so kann es dennoch niemals eine wahre Unstimmigkeit zwischen Glauben und Vernunft geben: denn derselbe Gott, der die Geheimnisse offenbart und den Glauben eingießt, hat in den menschlichen Geist das Licht der Vernunft gelegt; Gott aber kann sich nicht selbst verleugnen, noch [kann] jemals Wahres Wahrem widersprechen" (1. Vatikanisches K., Dogm. Konst. "Dei Filius", K. 4: DS 3017). "Deshalb wird die methodische Forschung in allen Disziplinen, wenn sie in einer wirklich wissenschaftlichen Weise und gemäß den sittlichen Normen vorgeht, niemals dem Glauben wahrhaft widerstreiten, weil die profanen Dinge und die Dinge des Glaubens sich von demselben Gott herleiten. Ja, wer bescheiden und ausdauernd die Geheimnisse der Dinge zu erforschen versucht, wird, auch wenn er sich dessen nicht bewußt ist, gleichsam an der Hand Gottes geführt, der alle Dinge trägt und macht, daß sie das sind, was sie sind" (GS 36, 2)