Atheismus

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Als Atheismus wird eine Reihe von Überzeugungen bezeichnet, denen eines gemeinsam ist: ein Nein zum Glauben an die Existenz von einem oder mehreren Göttern. Häufig wird das Wort „Atheismus“ in einem bestimmten Sinne gebraucht: für die Überzeugung, es gebe keinen Gott.

Der Begriff „Atheismus“ leitet sich vom altgriechischen Adjektiv ἄθεος (átheos) ab und bedeutet wörtlich: ohne Gott (Alpha privativum , + θεός (theós) = Gott).

Der Vorwurf des Atheismus war und ist bis in die Gegenwart ein Grund für Verfolgungen und Diskriminierungen. Inzwischen – nach Entwicklungen, die im Zeitalter der Aufklärung einsetzten – wird Atheismus vielerorts toleriert.

Noch immer ist der Atheismus vielfach dem Vorwurf ausgesetzt, er würde mit ethischen Defiziten einhergehen. Auf der anderen Seite erheben manche Atheisten den Anspruch, gerade die Unabhängigkeit von Gott und Religion schaffe gute Voraussetzungen für eine zeitgemäße und tolerante ethische Orientierung.

Inhaltsverzeichnis

Aspekte des Begriffs

Sprachliche Entwicklung

Im antiken Griechenland wurde der Atheismus-Begriff mit dem Alpha privativum gebildet (‚A-theismus’), er hat verschiedene altgriechische Varianten (Substantiv: ἄθεότης im Sinne von „Gottlosigkeit“, „Gottesleugnung“ und „Unglaube“) und er war in Asebie-Prozessen ein hinreichender Anklagepunkt. Die latinisierte Form „Atheismus“ findet sich erstmals bei Cicero, seit Ende des 16. Jahrhunderts erscheint sie im deutschen Schrifttum (althochdeutsch „Atheisterey“[1]) und sie gilt seit Beginn des 18. Jahrhunderts als eingedeutscht.

Wertende Verwendung des Wortes

Die Bezeichnung „Atheist“ war lange Zeit eine Fremdbezeichnung und fand polemische Verwendung als Kampfbegriff. Das Wort wurde lange Zeit im Sinne von „Gottlosigkeit“ auch für Positionen gebraucht, welche durchaus die Existenz eines Gottes akzeptierten, aber hinsichtlich bestimmter Aspekte der Gotteslehre oder sonstiger religiöser Doktrin oder Lebensform abwichen gegenüber dem, was der Sprecher für maßgeblich hielt. Beispielsweise wurden auch die ersten Vertreter des Christentums als gottlos beschimpft. Heute wird das Wort „Atheismus“ zumeist nicht mehr polemisch und sehr häufig auch als Selbstbezeichnung verwendet.

Gegenstand atheistischer Auffassungen

Atheismus wird gewöhnlich verstanden als ein Nein zum Glauben an die Existenz von einem oder mehreren persönlichen Göttern, d. h. ein Nein zu jedem Theismus (ob Monotheismus oder Polytheismus) und zum Deismus.

Gelegentlich wird unter „Atheismus“ eine weitergehende Auffassung verstanden: ein Nein zu Religionen und Transzendentalsystemen aller Art, ein Nein zum Glauben an die Existenz von übernatürlichen Wesen, Wirkkräften oder Mächten. Das umfasst u. a. ein Nein zu Spiritismus, Animismus, Mystizismus, Neu-religiösen Bewegungen, Heidentum und Neopaganismus. – Diese weitergehende Auffassung wird auch als Naturalismus bezeichnet.

Unterschiedliche Ausprägungen des Atheismus

In deutschsprachigen Nachschlagewerken wird „Atheismus“ vielfach als „Verneinung“ oder „Leugnung“ der Existenz Gottes definiert.[2]

Im englischen Sprachraum wird das Wort teilweise in ähnlichem Sinne gebraucht, teilweise in einem weiteren Sinne.

Paul Edwards beschreibt den Sprachgebrauch folgendermaßen: „Atheismus kann definiert werden als die Auffassung, dass ‚Gott existiert’ eine falsche Aussage sei. Aber es gibt auch einen weiteren Sinn, in dem ein Atheist jemand ist, der es ablehnt, an Gott zu glauben, nicht notwendigerweise weil er einen solchen Glauben für falsch hält.“ Edwards erläutert, dass es für diese Ablehnung auch andere Gründe geben könne als die Überzeugung, dass es keinen Gott gebe.[3]

Simon Blackburn hält es für legitim, „Atheismus“ in einem noch weiteren Sinne zu verstehen, nämlich im Sinne von „Nicht-Vorhandensein des Glaubens an Gott“.[4]

Propagiert wird diese Auffassung u. a. von der Atheist Alliance International: „Was ist Atheismus? Atheismus ist der Nicht-Glaube an einen Gott oder Götter. Obwohl einige Atheismus in anderer Weise definiert haben, dies ist das Wesentliche an der Definition.“ [5]

Für den Atheismus im engeren Sinne werden Bezeichnungen verwendet wie „starker Atheismus“, „positiver Atheismus“ oder „expliziter Atheismus“, für den Atheismus im weiteren Sinne Bezeichnungen wie „schwacher Atheismus“, „negativer Atheismus“ oder „impliziter Atheismus“. Der Unterschied wird oft durch folgende Gegenüberstellung verdeutlicht:

Ich bin überzeugt, dass es keinen Gott gibt. (= starker Atheismus)
Ich bin nicht überzeugt, dass es Gott oder Götter gibt. (= schwacher Atheismus)

Auch im deutschen Sprachraum wollen nicht wenige Atheisten ihren Atheismus so verstanden wissen, dass sie nicht der Überzeugung sind, dass es einen Gott gibt – aber nicht unbedingt so, dass sie der Überzeugung wären, dass es keinen Gott gibt. In dieser Weise verwendet Norbert Hoerster das Wort „Atheist“ in seinem Buch Die Frage nach Gott.[6] Bestrebungen, dem Gebrauch und dem Verständnis des Wortes „Atheismus“ in diesem Sinne weitere Verbreitung zu verschaffen, gibt es auch im deutschen Sprachraum. Gelegentlich treffen diese Bestrebungen auf den Einwand, dass ein Mensch, der weder von der Existenz noch von der Nichtexistenz Gottes überzeugt ist, besser anders bezeichnet werde, z. B. als Agnostiker oder als Skeptiker.

Atheismus und Agnostizismus

Agnostizismus besteht in der Auffassung, dass der Mensch nicht wisse, ob es einen Gott gibt oder nicht. Dabei gibt es Abstufungen: von der Auffassung, dass der Mensch das anhand der derzeit verfügbaren Informationen nicht erkennen könne, bis zu der Auffassung, dass der Mensch das prinzipiell überhaupt nicht erkennen könne.

Häufig wird Agnostizismus als eigenständige weltanschauliche Grundhaltung angesehen, die dem Atheismus und wie dem Glauben an Gott gegenübergestellt wird. Darauf besteht beispielsweise der Agnostiker Karlheinz Deschner (s. #Kritik am starken Atheismus durch Agnostiker).

Umstritten ist die Einordnung von Agnostizismus in Verbindung mit nichtreligiöser Lebenspraxis. Teilweise wird ein solcher Agnostizismus als eine Form des schwachen Atheismus angesehen. Paul Edwards jedoch vertritt eine andere Ansicht: „Atheismus in diesem weiteren Sinne bleibt zu unterscheiden von Agnostizismus, der sich des Urteils enthält.“[3]

Atheismus und Unwissenheit

Wenn Atheismus als „Nichtvorhandensein des Glaubens an Gott oder Götter“ definiert wird, dann bedeutet das, dass auch Menschen zu den Atheisten gezählt werden, die noch nie etwas von Gott oder Göttern gehört haben, ja sogar Menschen, die den Begriff „Gott“ gar nicht verstehen können, beispielsweise Säuglinge.

Ob das legitim ist, darüber gab es schon im 18. Jahrhundert unterschiedliche Meinungen. Paul Henri Thiry d’Holbach schrieb: „Alle Kinder sind Atheisten; sie haben keine Vorstellung von Gott.“[7] Voltaire hingegen schrieb: „... ein Kind ist weder Atheist noch Theist; es ist gar nichts.“[8]

Fingeir Hiorth meint dazu: „Wenn ‚Atheist’ dasselbe wie ‚Person ohne Gottesglauben’ bedeutet, dann sollte man das Wort nicht auf Neugeborene anwenden, und auch nicht auf andere Personen, die nie gelernt haben zu sprechen. Das Wort ‚Atheist’ sollte man nur anwenden auf Menschen, die sprechen und ein bisschen denken können, und die auch ein bisschen über die Existenz Gottes nachgedacht haben. Es ist nicht günstig, das Wort ‚Atheist’ anzuwenden auf eine Person, die nicht sprechen kann, und die nie über die Existenz Gottes nachgedacht hat.“[9]

Atheismus und Wahrscheinlichkeitsbegriff

Der englische Philosoph Alfred Jules Ayer bezeichnete es als „charakteristisch für einen Atheisten“ “to hold that it is at least probable that no god exists”[10] – „der Ansicht zu sein, dass es zumindest wahrscheinlich sei, dass kein Gott existiert“.

Eine Verbindung zwischen Atheismus und Wahrscheinlichkeitsbegriff stellt auch der Evolutionsbiologe Richard Dawkins her. Er beschreibt ein Spektrum unterschiedlicher Auffassungen, denen er unterschiedliche Annahmen über die Wahrscheinlichkeit der Existenz Gottes zuordnet:[11]

  • „100 Prozent Wahrscheinlichkeit“.
“In the words of C. G. Jung, ‘I do not believe, I know.’”
„In den Worten von C. G. Jung, ‚Ich glaube nicht, ich weiß.’“
  • „Sehr hohe Wahrscheinlichkeit knapp unter 100 Prozent“
De facto theist. ‘I cannot know for certain, but I strongly believe in God and live my life on the assumption that he is there.’”
De facto theistisch. ‚Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich glaube fest an Gott und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn gibt.’“
  • „Höher als 50 Prozent, aber nicht besonders hoch“
“Technically agnostic but leaning toward theism. ‘I am very uncertain, but I am inclined to believe in God.’”
„Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Theismus. ‚Ich bin unsicher, aber ich neige dazu, an Gott zu glauben.’“
  • „Genau 50 Prozent“
“completely impartial agnostic., 'God's existence and non-existence are exactly equiprobable.'”
„völlig unparteiischer Agnostizismus. ‚Gottes Existenz und Nichtexistenz sind genau gleich wahrscheinlich.’“
  • „Unter 50 Prozent, aber nicht sehr niedrig“
“Technically agnostic but leaning toward atheism. ‘I don’t know whether God exists but I’m inclined to be sceptical.’”
„Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Atheismus. ‚Ich weiß nicht, ob Gott existiert, aber ich bin eher skeptisch.’“
  • „Sehr geringe Wahrscheinlichkeit, knapp über null“
De facto atheist. ‘I cannot know for certain but I think God is very improbable, and I live my life on the assumption that he is not there.”
De facto atheistisch. ‚Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Gott existiert, und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn nicht gibt.’“
  • Wahrscheinlichkeit 0[12]
“Strong atheist. ‘I know there is no God, with the same conviction as Jung “knows” there is one.’”
„Stark atheistisch. ‚Ich weiß, dass es keinen Gott gibt, und bin davon ebenso überzeugt, wie Jung ‚weiß’, dass es ihn gibt.’“

Außerhalb dieses Spektrums steht nach Dawkins eine bestimmte Art von Agnostizismus: Die Überzeugung, dass es prinzipiell unmöglich sei, die Frage zu beantworten, ob Gott existiert oder nicht; dass wir darüber nicht das Geringste sagen könnten. Nach Dawkins sollte dieser Agnostizismus nirgendwo im Spektrum der Wahrscheinlichkeiten angesiedelt werden, auch nicht in der Mitte. Ein weitverbreiteter Irrtum bestehe darin, von der Voraussetzung, dass die Frage nach der Existenz Gottes prinzipiell nicht zu beantworten sei, zu der Schlussfolgerung zu springen, dass Gottes Existenz und seine Nicht-Existenz gleich wahrscheinlich wären.

Begründungen des Atheismus

Begründungen allgemeiner Art

  • „Begründungslast“ („Beweislast“): „Es gibt keine ausreichenden rationalen Gründe, an die Existenz Gottes zu glauben“, schreibt der Philosoph Norbert Hoerster[13] Eine solche Auffassung ist für einige Atheisten Grund genug, nicht an Gott zu glauben. Norbert Hoerster führt aus: „Derjenige, der die Existenz von X behauptet, und nicht derjenige, der die Existenz von X bezweifelt oder auch bestreitet, trägt für sein Urteil die Begründungslast. Dies gilt nicht nur [...] für die Existenz etwa des Yeti. Es gilt genauso für die Existenz Gottes: Den Theisten, der den Gottesglauben für rational hält, trifft erkenntnistheoretisch gesehen die Verpflichtung, als erster irgendwelche Pro-Argumente für diesen Glauben vorzubringen.“
  • Atheismus aufgrund pragmatischer Überlegungen: Es wird behauptet, dass eine Erklärung der Welt auch ohne die Annahme von Göttern auskomme. Die Existenz von Göttern wird zwar nicht ausgeschlossen, aber die Vorstellung, sie würden existieren, wird als unnütz angesehen, weil sie bei der Beurteilung und Erklärung der Welt aus dieser Sicht keinen Nutzen bietet.
  • Kein Postulat von Gott oder Göttern: In der Wissenschaft ist es üblich, sich bei der Suche nach Theorien und Erklärungen auf den Bereich des Natürlichen zu beschränken und darauf zu verzichten, die Existenz von Gott oder Göttern zu postulieren. Diese in der Wissenschaft sehr erfolgreiche Vorgehensweise wird von einigen Atheisten auch für die Herausbildung der persönlichen Weltanschauung als empfehlenswert angesehen.
  • Unterschiede zwischen Religionen: Verschiedene Religionen machen unterschiedliche, teilweise einander widersprechende Aussagen über Gott oder Götter. Daraus folgt, dass diese Aussagen nicht alle wahr sein können. Darin kann ein Grund gesehen werden, jeder einzelnen Aussage über Gott/Götter mit Skepsis zu begegnen. Darüber hinaus kann darin ein Grund angesehen werden, allen Aussagen über Gott/Götter mit Skepsis zu begegnen. Es kann darin ein starkes Argument zugunsten des Atheismus gesehen werden.
  • Atheismus im Rahmen des logischen Positivismus[14]: Die Rede über Götter wird für Unsinn gehalten, weil Sätze, in denen diese Begriffe vorkommen, nicht wahrheitsfähig seien. Hier wird jedoch nicht behauptet, dass es keine Götter gebe. Vielmehr wird der Satz „Es gibt keine Götter“ als genauso inhaltsleer angesehen wie „Es gibt keine Elfen“.

Argumente, die sich auf traditionelle Vorstellungen von Gott beziehen

In Religionen wie Judentum, Christentum und Islam, aber auch in der abendländischen Philosophie haben bestimmte Vorstellungen von Gott eine lange Tradition: Gott sei der Schöpfer der Welt, er sei allmächtig und allwissend, er sei allgütig und gerecht, er sei ein Wesen von höchster Vollkommenheit.

Erwiderungen auf sogenannte Gottesbeweise

Es gab Versuche, die Existenz eines solchen Gottes mit Hilfe rationaler Argumente zu beweisen oder glaubhaft zu machen, sogenannte Gottesbeweise.

  • Im ontologischen Gottesbeweis wird versucht zu zeigen, dass es ein Wesen von höchster Vollkommenheit geben müsse – und das sei Gott.
  • Im kosmologischen Gottesbeweis wird versucht zu zeigen, dass es eine Ursache für die Existenz alles Bestehenden geben müsse, für die Existenz des Kosmos – und das sei Gott.
  • Im teleologischen Gottesbeweis wird auf die zweckmäßige Beschaffenheit der Lebewesen hingewiesen, und ebenso auf die Lebensfreundlichkeit von Naturgesetzen und Naturkonstanten. Es wird versucht zu zeigen, dass all das nur durch das planmäßige Wirken einer Person zu erklären sei – und diese Person sei Gott.

Diese Versuche werden heute nicht nur von Atheisten und Agnostikern, sondern auch von vielen Gläubigen als gescheitert angesehen. Teilweise mit den gleichen Begründungen. Es werden zweierlei Einwände vorgebracht:

  • Alle diese „Gottesbeweise“ verfehlen schon ihr unmittelbares Ziel: Keiner liefert wirklich einen Beweis für das, was mit seiner Hilfe bewiesen werden soll. (mehr dazu unter Gottesbeweis)
  • Selbst wenn das unmittelbare Ziel erreicht werden könnte – der Beweis für die Existenz einer bestimmten Art von Gott – wäre das noch lange kein Beweis für die Existenz eines Gottes, auf den die zentralen Lehren einer bestimmten Religion zutreffen würden. Es wäre beispielsweise kein Beweis für die Existenz eines Gottes, der sich bestimmten Menschen offenbart und mit ihnen interagiert hätte. Und kein Beweis für die christliche Vorstellung vom dreieinigen Gott.

Die Theorie des Intelligent Design kann als eine moderne Variante des teleologischen „Gottesbeweises“ angesehen werden.

  • Gegen diese Theorie werden naturwissenschaftliche Argumente vorgebracht. Insbesondere Argumente der Evolutionstheorie, einer wissenschaftlich fundierten Theorie, die hinreichende Erklärungen für die weitreichende Zweckmäßigkeit der Beschaffenheit von Lebewesen bietet.

Was das Scheitern der „Gottesbeweise“ für den Atheismus bedeutet, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Gläubige, Agnostiker und einige Atheisten betonen, dass das Scheitern von Versuchen, etwas zu beweisen, kein Beweis sei für das Gegenteil. Andere Atheisten halten es für ausreichend, wenn sie die Argumente entkräften können, die für die Annahme der Existenz eines Gottes vorgebracht werden. Denn in Fragen danach, ob etwas existiert, liege die Begründungslast bei dem, der die Existenz behauptet; ein Beweis des Gegenteils sei nicht erforderlich.

Theodizeeproblem

Einen Beweis oder jedenfalls ein starkes Argument für das Gegenteil – nämlich für die Nicht-Existenz eines Gottes, der den traditionellen Vorstellungen entsprechen könnte – sehen viele Atheisten im Theodizeeproblem:

Dass „weder das natürliche noch das moralische Übel – jedenfalls in ihrem tatsächlichen Ausmaß – mit der gleichzeitigen Allmacht, Allwissenheit und Allgüte Gottes zu vereinbaren ist“, meint Norbert Hoerster. Zu diesem Ergebnis müsse man bei nüchterner Betrachtung kommen.[15]

Joachim Kahl sieht darin eine „empirische Widerlegung des Gottesglaubens“.[16] Nach Norbert Hoerster hingegen wäre der Gläubige auch dann „der Notwendigkeit einer Theodizee enthoben“, wenn er nur seine Überzeugung von der Allmacht und Allwissenheit Gottes preisgäbe, oder nur seine Überzeugung von Gottes Allgüte.[15] So sind unterschiedliche Haltungen gegenüber unterschiedlichen Vorstellungen von Gott möglich: Beispielsweise die Haltung des starken Atheismus gegenüber der Vorstellung von einem allmächtigen, allwissenden und allgütigen Gott, und zugleich die Haltung des Agnostizismus oder des schwachen Atheismus gegenüber Vorstellungen von andersartigen Göttern.

Auch der Philosoph John Leslie Mackie vertrat die Auffassung, dass „keine plausible Theodizee in Sicht“ sei. Auch er stellte fest, dass das Problem des Übels „keine schlüssige Widerlegung des Theismus“ darstelle, da die Aussagen des Theismus „in gewisser Weise flexibel“ seien, insbesondere „die zusätzlichen Prämissen, die erforderlich waren, um das Problem explizit zu machen“. Dazu meinte Mackie jedoch, es spreche „sehr viel dafür, dass sich der Theismus nicht widerspruchsfrei darlegen lässt, ohne dass wenigstens eine seiner zentralen Aussagen wesentlich verändert wird.“[17] In einer Gesamtschau kam Mackie zu dem Ergebnis, „dass weitaus mehr gegen die Existenz eines Gottes spricht als dafür.“[18]

Erkenntnisse der Naturwissenschaften versus Dogmen der Religionen

Der US-amerikanische Physiker Victor Stenger ist der Auffassung, dass für die Gotteshypothese nicht nur empirische Belege fehlen, sondern dass sich auch die oftmals Göttern zugeschriebenen Eigenschaften anhand naturwissenschaftlicher Erkenntnisse anfechten lassen. So seien die Schöpfung von Lebewesen durch die Evolutionstheorie, Körper-Seele-Dualismus und Unsterblichkeit durch Neurologie, die Wirkung von Gebeten durch Doppelblindstudien, die Schöpfung des Universums durch thermodynamische sowie quantenphysikalische Überlegungen und göttliche Offenbarungen durch die Geschichtswissenschaft widerlegt worden. Das Universum verhalte sich genau so, wie in Abwesenheit eines Gottes zu erwarten wäre.[19]

Logische Überlegungen versus Dogmen der Religionen

Einige Atheisten vertreten die Ansicht, dass die traditionellerweise Gott zugeschriebenen Eigenschaften schon genügten, um einen Nichtexistenz-Beweis zu führen. Denn wenn es logische Widersprüche gibt im Bereich dieser Eigenschaften, dann folgt daraus nach den Gesetzen der Logik, dass ein Gott mit diesen Eigenschaften nicht existieren kann. Wenn diese Eigenschaften als unverzichtbarer Bestandteil des Begriffes „Gott“ angesehen werden, dann heißt das, dass Gott nicht existieren kann.

Einen logischen Widerspruch sehen einige Atheisten zwischen Allmacht und Allwissenheit, einige sogar schon im Begriff der Allmacht selbst (Allmachtsparadoxon).

Andere hingegen sehen bei Begriffen wie „Allmacht“ und „Allwissenheit“ einen Spielraum für Interpretationen, der es ermöglicht, Begriffe dieser Art so zu verstehen, dass logische Widersprüche vermieden werden.

Argumente, die sich auf andere Vorstellungen von Gott beziehen

Kritik an Immunisierungsstrategien

Je weniger der Theologe über seinen Gott aussagt, um so geringer wird sein Risiko, mit Erfahrungen der Wirklichkeit dieser Welt in Konflikt zu geraten. Wenn er beispielsweise an der Allmacht Gottes Abstriche macht, dann kann er sagen, dass Gott für bestimmte Ereignisse nicht verantwortlich sei, und dass diese Ereignisse folglich nicht gegen die Annahme der Existenz Gottes sprächen. In neuerer Zeit gehen einige christliche Theologen darin recht weit, bis zu Aussagen wie: „Gott hat keine anderen Hände als unsere.“[20]

Eine weitere Möglichkeit, sich einer kritischen Diskussion zu entziehen, besteht in der Vermeidung von klaren, verständlichen und eindeutigen Aussagen. So zitiert Norbert Hoerster den Theologen Hans Küng: „Er beschreibt Gott als ‚die absolute-relative, diesseitig-jenseitige, transzendent-immanente, allesumgreifend-allesdurchwaltende wirklichste Wirklichkeit im Herzen der Dinge, im Menschen, [...] in der Welt’ (Küng II, S. 216)“, und weiter: „Nach seiner Sichtweise ist Gott ‚durch keinen Begriff zu begreifen, durch keine Aussage voll auszusagen, durch keine Definition zu definieren: er ist der Unbegreifliche, Unaussagbare, Undefinierbare’ (Küng II, S. 659).“ [21] Diese Ausführungen Küngs bezeichnet Hoerster als „verschwommen vielsagend und eben damit nichtssagend“. [22]

Atheisten bemerken zu derartigen Immunisierungen gegen Kritik, dass diese ihren Preis fordern: Sie müssen mit einem Verlust an inhaltlicher Aussage erkauft werden. Über einige heutige Theologen schreibt Norbert Hoerster: „... sie definieren ‚Gott’ in einer Weise, die die Existenz Gottes, konsequent betrachtet, zu einer folgenlosen Leerformel werden lässt.“ [23]

Kritik am Pantheismus

Der Pantheismus wird von Richard Dawkins folgendermaßen charakterisiert: „Pantheisten glauben überhaupt nicht an einen übernatürlichen Gott, sondern benutzen das Wort ‚Gott’ als Synonym für die Natur, für das Universum oder für die Gesetzmäßigkeiten, nach denen es funktioniert.“[24] Durch einen Sprachgebrauch dieser Art, kritisiert er, sei „viel unglückselige Verwirrung“ entstanden. [25]

Im Pantheismus sehen einige Kritiker den Versuch, den Verlust des traditionellen Gottesglaubens zu verschleiern. Der Philosoph Arthur Schopenhauer nannte den Pantheismus „nur eine Euphemie für Atheismus“ und schrieb dazu: „Ein unpersönlicher Gott ist gar kein Gott, sondern bloß ein mißbrauchtes Wort, [...] ein Schiboleth für Philosophieprofessoren, welche, nachdem sie die Sache haben aufgeben müssen, mit dem Worte durchzuschleichen bemüht sind.“[26]

Geschichte atheistischer Züge in frühen Hochkulturen des Orients

Die frühesten belegbaren Formen des theoretischen Atheismus finden sich in den alten Hochkulturen des Ostens.

In Indien weisen einige der ältesten philosophischen Systeme indischen Denkens atheistische Formen auf. Hierzu zählen der Jainismus, das Samkhya (beide entstanden ca. im 6. Jh. v. Chr.), sowie das Vaisheshika und das Nyaya. Insbesondere die Tradition des Samkhya ist im indischen Denken bis heute lebendig geblieben.

Auch die ursprüngliche mündliche Lehre Buddhas, die vielleicht am getreuesten von der buddhistischen Schule des Theravada übernommen wurde, trägt agnostische oder atheistische Züge. Sie beschäftigt sich nicht mit einem Jenseits und erklärt die Welt weder auf idealistische noch auf materialistische Weise, ohne magische oder mystische Elemente. Götter (deva) werden zwar erwähnt, jedoch sind sie weder für die Schöpfung der Welten (deren Teil sie sind), noch für eine mögliche Erlösung vom leidvollen Dasein von Bedeutung und zudem dem irdischen Kreislauf unterworfen. Diese Form des Buddhismus beschäftigt sich beinahe ausschließlich mit dem Weg zur Erlösung aus dem Kreislauf aus Leben und Tod (Samsara). Sie kann daher mit dem französischen Autor Louis de la Vallée-Poussin eher als philosophische Disziplin denn als Religion bezeichnet werden. Andere Schulen des Buddhismus wie der heute weit verbreitete Mahayana-Buddhismus ergänzten den ursprünglichen Buddhismus später mit zahlreichen religiösen Vorstellungen, so dass die atheistische Ausrichtung rein äußerlich betrachtet abgeschwächt wurde, im Kern der Lehren aber erhalten geblieben ist.

Der Daoismus, der im 4. Jh. v. Chr. in China entstand, negiert die Existenz einer Schöpfergottheit.

Ob die Hebräer einen theoretischen Atheismus kannten, ist umstritten. Jean Meslier sah in einigen Stellen des Alten Testaments Belege für die Existenz von Atheisten. So z. B. in Ps 10,: „Es redet stolzen Sinnes der Frevler: / 'Nie wird er strafen, es gibt keinen Gott!' / Dies ist all sein Sinnen und Trachten.“ Diese Interpretation wird von den meisten Exegeten jedoch nicht geteilt. Ihrer Meinung nach würden an den besagten Stellen stets nur bestimmte Eigenschaften Gottes geleugnet, nie aber seine Existenz.

Die Fachliteratur sieht mitunter im Zervanismus der antiken Perser, mit dem übergeordneten unpersönlichen Prinzip des Zervan, eine Form des Atheismus.

Über die Existenz eines praktischen Atheismus in frühen Kulturen kann nur spekuliert werden, da er naturgemäß keine schriftlichen oder archäologischen Zeugnisse hinterlässt, wie es auf der anderen Seite religiöse Kulte tun (Tempel etc.).

Geschichte des Atheismus im Okzident

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Der Atheismus war in Antike und Mittelalter ein Phänomen, das sich auf eine kleine Minderheit zumeist Intellektueller beschränkte. In der Regel war sowohl das private, als auch das öffentliche Leben von religiösen Vorstellungen durchdrungen. Während sich die kritischen Auseinandersetzungen innerhalb der römisch-katholischen Kirche im späten Mittelalter verstärkten und in der Reformation einen vorläufigen Höhepunkt fanden, wurde der Atheismus in der Zeit der Aufklärung in Frankreich erstmals zur Staatsdoktrin erhoben, später wurden die meisten Staaten säkularisiert. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden verschiedenste atheistische Positionen mit breitem theoretischen Fundament entwickelt (Marxismus, Existentialismus, analytische Philosophie). Heute gilt der methodische Atheismus in den Wissenschaften – vor allem den Naturwissenschaften – als 'Standard'. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts hat sich der praktische Atheismus im Okzident faktisch zu einer Mehrheitsposition entwickelt.

Griechische und römische Antike

Vorsokratiker

Im Okzident finden sich die frühesten Fragmente atheistischer Philosophie bei den griechischen Vorsokratikern. Atheistische Positionen liegen hier jedoch kaum in Form einer kompletten atheistischen Philosophie vor und oft sind die Grenzen zwischen religiösen, pantheistischen, agnostizistischen und atheistischen Positionen fließend. Allgemein scheint den Vorsokratikern jedoch die Tendenz zum Materialismus zu sein.

Als Urvater des Materialismus kann Parmenides von Elea (6./5. Jh. v. Chr.) gesehen werden. Er verneinte jegliche Transzendenz und betrachtete die Welt als einzige Realität. Die meisten Vorsokratiker verneinten aufgrund ihrer zyklischen Vorstellung von der Zeit die Existenz einer Schöpfung.

Empedokles (* zwischen 494 v. Chr. und 482 v. Chr; † zwischen 434 v. Chr. und 420 v. Chr.) sah in Göttern nur Personifizierungen der vier Elemente. Kritias (* 460; † 403 v. Chr.) betrachtete die Religion als menschliche Erfindung, die der Aufrechterhaltung der moralischen Ordnung dienen sollte. Der gleichen Auffassung war Demokrit (* 460; † 371 v. Chr.), einer der Begründer der Lehre der Atomistik, die die Welt auf rein materialistische Weise, mit Hilfe kleinster, unzerstörbarer, ewig bestehender Atome erklärt.

Die ideengeschichtliche Leistung der vorsokratischen Naturphilosophen besteht darin, dass sie sich nicht mehr mit einer Erklärung der Welt durch Mythen zufrieden gaben, sondern nach einem (stofflichen) Urgrund, einer Ursache (lateinisch: principium) für die Entstehung der Welt und ihrer beobachtbaren Phänomene (wie z. B. der Bewegung) fragten. Dieses Hinterfragen wird zu Recht als Beginn der westlichen Philosophie gesehen.

Skeptizismus und Hellenismus

Auch skeptizistische und agnostische Positionen, wie sie die Sophisten und Sokrates (*469; † 399 v. Chr.) vertraten, waren im griechischen Denken verbreitet. Zugleich wurde das Infragestellen der Religion jedoch als Bedrohung und bestrafenswertes Delikt betrachtet, was sich an den überlieferten Prozessen wegen Gottlosigkeit festmachen lässt. Einige der Angeklagten vertraten hierbei offenbar nicht nur eine agnostische, sondern eine dezidiert atheistische Position (Diagoras von Melos, Theodorus von Kyrene).

In den philosophischen Systemen des Hellenismus wird die Existenz von Göttern zwar oft nicht explizit verneint, sie spielen aber keinerlei Rolle für das menschliche Leben. Die atomistische Lehre Demokrits wurde insbesondere von Epikur wieder aufgenommen und weiterentwickelt (Epikureismus). Epikur sah die Vermeidung von Leid und das Erstreben von Freude als Ziel und Sinn des Lebens. Auch er suchte also das Heil auf Erden, im Diesseits. Den Tod, der nicht zu fürchten sei, sah er als Ende des Lebens. Götter existierten zwar, sie interessierten sich aber nicht für das menschliche Leben.

Auch der Kynismus, deren berühmtester Vertreter Diogenes von Sinope (* ca. 400; † 325 v. Chr.) war, kann als atheistische Philosophie verstanden werden. Die Kyniker lehnten alle gültigen staatlichen, moralischen und religiösen Vorschriften ab und strebten durch Bedürfnislosigkeit eine Rückkehr zu einem natürlichen, 'animalischen' Leben an.

In der römischen Antike wurden einige dieser griechischen Denktraditionen aufgenommen und teilweise weiterentwickelt, ohne dass radikal neue atheistische Konzepte entstanden wären. Die Zuordnung eines Denkers zum Atheismus ist aufgrund des oft dünnen Quellenmaterials häufig unsicher. Zudem trifft man häufig auf Denker, die zwar ein materialistisches Weltbild vertreten, gleichzeitig aber an die Existenz von Göttern glauben. Bis ins 2. Jahrhundert war der Epikureismus von großem Einfluss. Vertreter waren unter anderem Lukrez und Horaz. Auch dem von der Stoa beeinflussten Kaiser Mark Aurel, sowie dem Stoiker Seneca wird gelegentlich eine atheistische Haltung zugeschrieben.

Mittelalter

Traditionell wird das „christliche Mittelalter“ als Zeitalter angesehen, in dem die Menschen, mit der Ausnahme kleiner jüdischer und muslimischer Minderheiten, einhellig dem Christentum angehangen hätten. Allerdings wurde dieses Bild in jüngerer Forschung verfeinert und teilweise korrigiert: Zahlreiche Historiker gehen nun davon aus, dass es im Mittelalter sehr wohl Atheismus gab, und zwar sowohl in seiner praktischen, als auch – zumindest ansatzweise – in seiner theoretischen Form. Der Glaube habe das Mittelalter zwar dominiert, der Atheismus habe aber im Leben und Denken einer Minderheit überdauert. In jedem Fall erschwert die oft dürftige und fast durchgängig christlich geprägte Quellenlage eine definitive Zuordnung einzelner Denker oder Personengruppen zum Atheismus.

Ansätze des theoretischen Atheismus

Seit dem 13. Jahrhundert ist eine zunehmende Kritik christlich-katholischer Glaubensinhalte zu beachten. Eine wesentliche Rolle scheint hierbei die Wiederentdeckung aristotelischer Lehren und deren Interpretation durch arabische Philosophen gespielt haben. Wirkungsmächtig waren insbesondere der Aristotelismus und der Averroismus. Bedeutend war, dass Aristoteles, obwohl er „Heide“ war, doch als der Meister des logischen Denkens galt. Die aristotelische Philosophie widerspricht der christlichen Lehre insbesondere in zwei Punkten: Sie verneint die Schöpfung und die Unsterblichkeit der Seele. Daher wurde das Unterrichten seiner Physik und Metaphysik auch wiederholt durch päpstlichen Erlass untersagt.

Dennoch erstritt sich die Vernunft vom 11. bis 13. Jahrhundert eine zunehmend größere Unabhängigkeit vom Glauben. Petrus Abaelardus forderte ein, dass der Glaube den Regeln der Vernunft nicht widersprechen dürfe. Boethius von Dakien trat für die strikte Trennung von rational erfassbarer Wahrheit und Glaubenswahrheiten ein. Siger von Brabant ging noch weiter und bestritt zahlreiche zentrale christliche Dogmen. Die christliche Autorität reagierte einerseits mit Zensur und Repression. Zudem gab es jedoch auch verstärkte Bemühungen, den Glauben durch Gottesbeweise zu untermauern.

Die größte Herausforderung war jedoch vielleicht der Nominalismus Wilhelm von Ockhams. Wilhelm von Ockham erklärte alle Versuche, Glaubenssätze mit den Mitteln der Vernunft zu beweisen, für von vornherein zum Scheitern verurteilt. Diese skeptische Position hat sich im Christentum bis heute in der so genannten negativen Theologie erhalten.

Ansätze des praktischen Atheismus

Im 12. Jahrhundert provozierten die Goliarden, junge städtische Studenten, in ihren Liedern mit z. T. bewusst obszönen atheistischen Positionen wie „ich bin begieriger nach Wollust als nach dem ewigen Seelenheil“. Eine skeptische Haltung in Bezug auf viele Glaubenssätze nahmen auch die englischen Lollarden ein. Auch einige der so genannten „Blasphemiker“ könnten Atheisten gewesen sein. So bezeichnete Simon von Tournai sowohl Moses, als auch Jesus Christus und Mohammed als Betrüger. Daneben lebten auch pantheistische Weltanschauungen in kleineren Glaubensgemeinschaften und unter Einzelpersonen fort. Sie sind zwar nicht dem Atheismus im engeren Sinne zuzuordnen, forderten aber wohl den christlichen Glauben heraus. Vertreter sind insbesondere die Pariser Theologen David von Dinant und Amalrich von Bena, sowie die Brüder und Schwestern des freien Geistes.

Im Volk ist die Existenz von Ungläubigen in zahlreichen Berichten von Wundern bezeugt. Zudem lassen sich im einfachen Bauernvolk naturalistisch-atheistische Positionen nachweisen. So wurde unter anderem die Existenz einer unsterblichen Seele und die Wiederauferstehung Christi verneint. Gegen Ende des Mittelalters gibt es auch zunehmend Klagen christlicher Pfarreien über die schwache Präsenz der Gemeinde in der sonntäglichen Messe.

Als mittelalterliche Bevölkerungsteile, die besonders vom Atheismus betroffen waren, werden Söldner und Exkommunizierte genannt. Die Zahl letzterer ging allein in Frankreich zeitweise in die Zehntausende.

Reformation

Die Reformation brachte zunächst keine Abkehr vom (christlichen) Glauben. Dennoch ist sie ein wichtiger Wendepunkt nicht nur in der Geschichte der Religion, sondern auch in der des Atheismus.

Durch die Reformation konnten sich mit den protestantischen Konfessionen erstmals Kirchen neben der katholischen etablieren, die zu stark waren, um dauerhaft unterdrückt werden zu können. Auf Dauer waren beide Seiten zur religiösen Toleranz gezwungen. Diese Entwicklung hin zur Toleranz sollte später auch Atheisten zugute kommen. Durch die auf die Reformation folgenden Religionskriege diskreditierten sich die sich bekriegenden Kirchen in den Augen vieler selbst. Deutlich trat der Widerspruch zwischen öffentlich gepredigter christlicher Nächstenliebe und tatsächlichem Handeln der damaligen Kirchen beispielsweise in der offenkundigen Barbarei der Hugenottenkriege zutage. Bedeutsam ist auch, dass die katholische Kirche ihr bis dahin beinahe unantastbares Deutungsmonopol für die Auslegung der Bibel und damit beträchtlich an Autorität auch auf geistigem Gebiet verlor.

Politisch trug die Reformation entscheidend zur Emanzipation der Staaten aus der Bevormundung durch die Kirche bei, die sich nun vielfach ihrerseits im Landesherrentum und Absolutismus den Staaten unterordnen musste. Diese Umkehr der Machtverhältnisse war eine zwingende Voraussetzung, um letztlich die Trennung von Kirche und Staat zu ermöglichen. Die dadurch garantierte Glaubensfreiheit weitete sich, auch wenn der Weg dorthin keineswegs ohne Repressionen verlief, schließlich auch zur Respektierung des Rechts auf Glaubenslosigkeit aus.

Aufklärung

Das Zeitalter der Aufklärung brachte den ersten theoretisch ausformulierten Atheismus der Neuzeit mit sich.

Aufklärung in Frankreich

Baron d'Holbach, 1766

Das früheste Zeugnis eines dezidierten Atheismus in der Neuzeit findet sich im „Theophrastus redivivus“, einer Schrift eines anonymen französischen Autors aus dem Jahr 1659. Die Existenz Gottes wird darin bestritten, die Nützlichkeit der Religion hingegen anerkannt. Berühmt geworden sind die „Pensées et sentiments“ des französischen, katholischen Pfarrers Jean Meslier (1664–1729). Meslier hatte seine Gedanken in Form eines Testaments in nur drei Exemplaren hinterlassen. Im Gegensatz zum 'Theophrastus' verbindet Meslier seinen Atheismus mit einem Antiklerikalismus: Er polemisiert gegen Kirche und Krone, die er als Ausbeuter und Unterdrücker der Armen sieht.

Eine frühe öffentliche Verneinung der Existenz Gottes in der Neuzeit findet sich bei Baron d'Holbach (1723–1789) in seinem 1770 entstandenen Werk „Système de la nature“. Baron d'Holbach sah in der Religion die größte Feindin der natürlichen Moral.

1782 verfasste der britische Physiker Matthew Turner (eventuell als Co-Autor) unter einem Pseudonym das atheistische Pamphlet „Answer to Dr Priestley's Letters to a Philosophical Unbeliever“.

Auch Denis Diderot (1713–1784), einer der bekanntesten Philosophen der Aufklärung, vertrat in seinen kirchen- und religionskritischen Werken „Pensées philosophiques“ (1746) und dem „Lettre sur les aveugles à l'usage de ceux qui voient“ (1749) zunächst eine deistische, dann eine atheistische Position. Letzteres Werk brachte Diderot eine Haftstrafe ein. Diderot war Herausgeber der Encyclopédie, die einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung lieferte.

Voltaire übte scharfe Kritik an Kirche und Klerus und griff in zahllosen Schriften und Briefen die christliche Religion teils mit scharfsinnigem Spott, teils mit feinsinniger Ironie an. Allerdings ließ er bei allem, was er schrieb, nie einen Rest an Vorsicht außer acht (die Zeit, in der Häretiker auf dem Scheiterhaufen landeten, war noch nicht lange vorbei). Sein Bekenntnis zum englischen Deismus und seine gelegentlichen Attacken gegen den Atheismus können auch hierin ihren Grund finden. In dem Artikel Athéisme schrieb er unter anderem: Der Atheismus ist der Fehler einiger Leute von Geist, der Aberglaube ist der Fehler der Dummköpfe; und Lumpen sind Lumpen. Wenn sich Voltaire auch häufig zum englischen Deismus bekannte, wirkte er auf seine Zeitgenossen durch seinen Stil und die Art, wie er seinen Deismus vortrug, durchaus wie ein Atheist. Fritz Mauthner bezeichnete Voltaire als „den Feldherrn und Staatsmann der französischen und europäischen Freidenker“.

Immanuel Kant

Gemäß Immanuel Kant (Kritik der reinen Vernunft) gibt es keinen Beweis für oder gegen die Existenz eines höchsten Wesens, der auf reiner Anwendung der menschlichen Vernunft beruht. Wie Kant in der Dialektik, dem zweiten Hauptteil der Kritik der reinen Vernunft, zu zeigen versucht, führen alle Gottesbeweise zu Antinomien (unauflösbaren Widersprüchen). Damit ist Kant vielleicht das prominenteste Beispiel eines Agnostikers im engen Sinne des Wortes: Kant verneint die Erkennbarkeit Gottes.

Gott wie andere Ideen, die über die Erfahrung hinausgehen, nennt Kant transzendentale Ideen. Dagegen erkennt er den sog. regulativen Charakter dieser transzendentalen Ideen an:

Ich behaupte demnach: die transzendentalen Ideen sind niemals von konstitutivem Gebrauche, so, dass dadurch Begriffe gewisser Gegenstände gegeben würden, und in dem Falle, dass man sie so versteht, sind es bloß vernünftelnde (dialektische) Begriffe. Dagegen aber haben sie einen vortrefflichen und unentbehrlichnotwendigen regulativen Gebrauch, nämlich den Verstand zu einem gewissen Ziele zu richten, in Aussicht auf welches die Richtungslinien aller seiner Regeln in einem Punkt zusammenlaufen, der, ob er zwar nur eine Idee (focus imaginarius), d. i. ein Punkt ist, aus welchem die Verstandesbegriffe wirklich nicht ausgehen, indem er ganz außerhalb der Grenzen möglicher Erfahrung liegt, dennoch dazu dient, ihnen die größte Einheit neben der größten Ausbreitung zu verschaffen. (Kant, KdrV, A 644)

Vereinfacht gesagt bedeutet dies nach Kant: Alle Grenzen möglicher menschlicher Erfahrung überschreitenden Dinge (Gott, Unsterblichkeit, Unendlichkeit) seien zwar nicht durch reine Vernunft erkennbar, heißt beweisbar, geben dem Verstand aber eine gewisse Einheit. Anders gesagt: sie bezeichnen genau die Grenzlinien zwischen spekulativem und reinem Vernunftgebrauch. Regulativ sind sie deswegen, weil sie ein Ziel abstecken, an dem der Verstand sich orientieren kann.

Beschäftigt sich Kant in der Kritik der reinen Vernunft mit der theoretischen Seite der Vernunft („Was kann ich wissen?“), so behandelt die Kritik der praktischen Vernunft deren praktische Seite („Was soll ich tun?“). Gott wird hier als eine Art Postulat eingeführt: Die Imperative (kategorischer, hypothetischer) setzen das Faktum eines moralischen Gesetzes voraus. Das moralische Gesetz verpflichtet jeden Menschen zur Sittlichkeit (und letzten Endes zur Befolgung des Kategorischen Imperativs). Das Problem für Kant besteht nun darin, zu zeigen, ob und wie die Befolgung des moralischen Gesetzes auch zu einem für alle Menschen befriedigenden Gesamtzustand führt. Diesen Zustand nennt Kant Glückseligkeit. Glückseligkeit ist sozusagen das resultative, soziale und äußerliche Pendant zur individuellen Sittlichkeit, das, was die innere Sittlichkeit auch zu einem für alle Menschen wünschbaren Ziel macht. Die Frage ist nämlich: Wenn ich sittlich handeln soll, ist dann auch sicher gestellt, dass ich glücklich werde? Die Instanz nun, die genau sicherstellt, dass sittliches Verhalten auch zu Glückseligkeit führt, ist Gott. Jetzt wird auch klar, warum Gott im System der Vernunfterkenntnisse für Kant eine regulative Idee ist. Gott sei zwar nicht erkennbar (intelligibel), jedoch wird er als Postulat (nicht weiter begründbare Voraussetzung) benötigt, um gewisse moralische Gesetze zu rechtfertigen.

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Georg Wilhelm Friedrich Hegel

In der Nachfolge blieb Kants theistischer Skeptizismus oder partieller Agnostizismus weitgehend unbeachtet. Der Deutsche Idealismus (Fichte, Schelling, Hölderlin, Hegel) redete zwar von Gott als dem absoluten Weltgeist oder einem absoluten Ich, kümmerte sich hingegen wenig um die Antinomien der Vernunft. Aus heutiger Sicht wird Kants Postulierung eines Gottes als 'missing link' zwischen Sittlichkeit und Glückseligkeit eher als Mangel seiner Theorie gesehen. Kants individualistischer Theorie fehlt schlicht der gesellschaftliche Horizont von Sittlichkeit. In seiner Rechtsphilosophie kommt Hegel hingegen ohne ein solches ad-hoc-Postulat zur Begründung der Sittlichkeit aus. Stattdessen steht der absolute Weltgeist (=Gott) für Hegel theoretisch wie historisch am Anfang seines dialektischen Systems. Dabei macht Hegel sozusagen aus der antinomischen Misere der Dialektik eine neue Tugend, indem das dialektische Prinzip der Selbstwidersprüchlichkeit zu einer eigenen Methode ausbaut.

19. und 20. Jahrhundert

Materialistischer Atheismus (Marx, Engels, Feuerbach)

Karl Marx gilt wohl nach wie vor als einer der prominentesten Vertreter des Atheismus, wird doch Marxismus noch heute mit dem Konzept einer radikalen Religionskritik verbunden. Im strengen Sinne der weiter oben gemachten Definition des Begriffes von Atheismus (im Sinne eines Götterverneinen oder Nicht-an-Götter-Glaubenden) ist Marx kein Atheist, da sich für ihn das ganze Problem erst im Rahmen der Klärung der gesellschaftlichen Funktion von Religion stellt. Anders gesagt: Für Marx ist die Frage, ob es Gott gibt oder nicht, erst einmal keine epistemische (Frage des Wissens oder Wissen-Könnens) und auch keine ontologische (Frage der Existenz), sondern – modern gesprochen – eine soziologische oder gesellschaftliche Frage.

Dazu das Zitat (Zweite These über Feuerbach): Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme, ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, das heißt die Wirklichkeit und Macht, die Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit eines Denkens, das sich von der Praxis isoliert, ist eine rein scholastische Frage.

Wegweisender Überblick:

Marx' Religionskritik findet sich vor allem in zwei einschlägigen Werken/Texten. Sie sind gleichzeitig Grundlage dieser Darstellung:

Weitere Stellen bei Marx (und Engels) sind zu finden in:

  • Das Kapital an verschiedenen Stellen, jedoch nie systematisch behandelt (gut hier die Stelle über den Warenfetischismus)
  • Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft (zit. mit „Anti-Dühring“) von Friedrich Engels aus dem Jahr 1878

Bezugspunkte für Marx' Religionskritik sind vor allem die Theorien von:

Feuerbachs religionskritische Grundlagen: Materialistischer Anthropozentrismus

Grundlage der marxschen Religionskritik ist Feuerbachs Wesen des Christentums, in dem dieser zwei wesentlich neuartige und zumindest gegenüber Hegel an Klarheit überlegene Thesen aufstellt:

  1. Religion ist nicht (nur) eine historische oder transzendente Tatsache, sondern (vor allem) eine Leistung des menschlichen Bewusstseins (also der Einbildungskraft bzw. Phantasie)
  2. alle Religionen unterscheiden sich nur ihrer Form nach, haben aber eines gemeinsam: sie spiegeln die unerfüllten Bedürfnisse der menschlichen Natur wider – Gott und alle religiösen Inhalte sind nichts anders als psychologische Projektionen, die ihre materiellen Ursachen in der Natur des Menschen besitzen

Feuerbachs Ausgangspunkt zur Herleitung seiner Thesen ist die Natur des Menschen. Wesentlich für Feuerbach ist, dass Menschen Bedürfnisse und Wünsche besitzen und diese in bestimmter Hinsicht unerfüllt bleiben, weil der Mensch – so würden wir heute sagen – ein Mängelwesen ist. Das ist sein anthropologischer Kern, den Marx weitgehend übernehmen wird. Von Hegel übernimmt Feuerbach die idealistische Auffassung, dass es das Bewusstsein und seine Leistungen sind, die seine Praxis bestimmen. Im Zentrum steht für Feuerbach dabei die menschliche Einbildungskraft. Es seien nun die unerfüllbaren und andauernd unerfüllten Bedürfnisse, die der Mensch mit Hilfe seiner Einbildungskraft in ein religiöses Reich projiziere. Die religiösen Gehalte verweisen nach Feuerbach auf die unerfüllten Bedürfnisse und damit auf die als unvollkommen erlebte Natur des Menschen. In seinem Hauptwerk versucht er, dies anhand der Begriffe Liebe, Endlichkeit, Sterblichkeit, Ungerechtigkeit zu zeigen: Die religiöse Vorstellung der Unsterblichkeit der Seele sei ein Reflex auf die unvollkommene Natur des Menschen als sterbliches Wesen, die der Allgüte Gottes ein Reflex auf die Unmöglichkeit, alle Menschen gleichermaßen zu lieben, usw.

Feuerbachs Theorie der Religionskritik wurde später und wird heute in Verbindung mit dem Begriff „religiöser Anthropomorphismus“ bzw. „Anthropozentrismus“ oder unter dem Schlagwort „Projektionstheorie“ diskutiert. Schlagwortartig mag man sie unter folgenden Mottos zusammenfassen: Nicht Gott hat die Menschen, sondern die Menschen haben Gott geschaffen. oder „Homo Homini Deus!“ (der Mensch ist des Menschen Gott)

Die Erklärung der Religion hat also – nach Feuerbach – vom Menschen auszugehen, sie aus ihm herzuleiten und sie wieder auf ihn zu beziehen: der Mensch ist der Anfang der Religion, der Mensch der Mittelpunkt der Religion, der Mensch das Ende der Religion (Das Wesen des Christentums, Teil I)

Marx' Kritik an Feuerbach als Radikalisierung seiner Religionskritik

Kurzdarstellung: Marx übernimmt die Projektionstheorie Feuerbachs. Auch für ihn ist die Welt der Religion keine ontologische Kategorie, sondern gehört in den Bereich menschlicher Tätigkeiten. Auch für ihn reflektiert Religion ein Bedürfnis, und auch für ihn ist Religion die Widerspiegelung einer Wirklichkeit und nichts Transzendentes.

1.) Marx kritisiert erstens jedoch einen wesentlichen Mangel an Feuerbachs Religionskritik: Feuerbach tue so, als ob jeder Mensch als Individuum oder als abstraktes Wesen seine Religion produziere, wohingegen der Mensch – so Marx – vor allem als konkret-praktisches und damit schon immer vergesellschaftetes (gesellschaftliches) Wesen zu begreifen sei. Feuerbach löst das religiöse Wesen in das menschliche Wesen auf. Aber das menschliche Wesen ist kein dem einzelnen Individuum innewohnendes Abstraktum. In seiner Wirklichkeit ist es das Ensemble der gesellschaftlichen Verhältnisse. (Thesen über Feuerbach, These 6) Und genau deswegen spiegele Religion auch nicht irgendwelche abstrakten, individuellen Bedürfnisse, sondern konkrete gesellschaftliche Bedürfnisse der Menschen wider.

2.) Neben dieser Theorie der vergesellschafteten Religiosität kritisiert Marx zweitens an Feuerbach, dass es mit der neuen anthropozentrischen Interpretation von Religion noch nicht getan sei: Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern. (These 11) Diese – immer wieder zitierte und leider meist falsch verstandene – These soll besagen, dass unter dem Blickwinkel der Praxis – und dies ist nach Marx die „gegenständliche Tätigkeit“ (= Arbeit als verändernde Aneignung von Natur) – Feuerbachs Theorie die Welt nur noch einmal in eine religiöse Welt verdoppelt und damit Religion zwar erklärt, jedoch nicht fragt, was dies praktisch für die gläubigen Menschen und die gesellschaftlichen Verhältnisse bedeutet. Und genau hier besitzt Religion gemäß Marx ihre praktische Aufgabe: Sie verhindere verändernde Praxis, weil sie die Menschen mit der Idee eines vom Erdenreich abgelösten und unabhängigen, vollkommenem Himmelreichs vertröste und umneble. Darauf bezieht sich auch Marxens Schlachtruf, wonach Religion „Opium des Volkes“ sei (in: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie).


Friedrich Nietzsche

Friedrich Nietzsche (1844–1900) wird oft als der Atheist schlechthin gesehen, was insbesondere an markanten Zitaten wie Gott ist tot festzumachen ist. Streng genommen ist aber gerade dieser viel zitierte Satz nicht dezidiert atheistisch, da er die Existenz eines, wenn auch toten, Gottes nicht per se verneint. Der Atheismus Nietzsches tritt dagegen bei seinem Ausspruch, Gott sei „eine viel zu extreme Hypothese“ (Fragment „Der europäische Nihilismus“ (KSA 12, 5[71]) deutlicher hervor. Die christliche Gottesvorstellung hielt er für widerlegt und überholt. Daran, dass Nietzsche selbst an keinen metaphysischen Gott glaubte, besteht kaum ein Zweifel; dies ist allerdings auch nicht der Schwerpunkt seiner Argumentation.

Insgesamt hat Nietzsche die Kritik an der (christlichen) Moral seiner Zeit priorisiert, er sah die „christliche Sklavenmoral“ als hinderlich für die Erhebung des Menschen zu neuer Größe an. Diese Kritik der christlichen Moral ist zwar charakterisiert von zahlreichen polemischen und invektiven Äußerungen Nietzsches („Was war der größte Einwand gegen das Dasein bisher? Gott“), zeigt sich aber auch vor allem in einer historisch-wissenschaftlichen (Genealogie der Moral) und philosophischen Auseinandersetzung mit Begriff und Zweck von Moral (v. a. Morgenröte und Die fröhliche Wissenschaft). Für Nietzsches Atheismus ist kennzeichnend, dass er sich eben nicht gegen die Verneinung höherer Werte stellt, sondern gegen die Werte der christlichen Moral; letztlich sogar gegen jede Moral, die die Instinktgewissheit, welche sich im biologischen Trieb zu einer nie enden wollenden Selbstüberwindung zeigt („Wille zur Macht“) und somit zum Leben „Nein“ sagt. Nietzsches Ansicht nach galt das aber bis zu einem gewissen Grade für alle bisherigen Philosophien, Religionen und Künste – obwohl diese eindeutig „Instrumente im Dienste des wachsenden Lebens“ sind und sein müssten.

Nietzsche bezeichnete sich folglich als den „ersten Immoralisten“ (Ecce Homo) und bezeichnet damit eine Haltung des bewussten Verzichts auf eine Rückbindung an eine metaphysische Ordnung und Wahrheit. In Also sprach Zarathustra versuchte er im bewussten Anklang an den Stil der Bibel, die „frohe Botschaft“ vom „Übermenschen“ (also einer Moral, die im Dienste des Lebens steht) zu konkretisieren.

„Das psychologische Problem im Typus des Zarathustra ist, wie der, welcher in einem unerhörten Grade Nein sagt, Nein tut, zu allem, wozu man bisher Ja sagte, trotzdem der Gegensatz eines neinsagenden Geistes sein kann; wie der das Schwerste von Schicksal, ein Verhängnis von Aufgabe tragende Geist trotzdem der leichteste und jenseitigste sein kann – Zarathustra ist ein Tänzer -; wie der, welcher die härteste, die furchtbarste Einsicht in die Realität hat, welcher den „abgründlichsten Gedanken“ gedacht hat, trotzdem darin keinen Einwand gegen das Dasein, selbst nicht gegen dessen ewige Wiederkunft findet, – vielmehr einen Grund noch hinzu, das ewige Ja zu allen Dingen selbst zu sein, „das ungeheure unbegrenzte Ja- und Amen-sagen“ ...“ (aus Ecce Homo)

Man versteht Nietzsche schlecht, wenn man in seinem Atheismus bloß einen nihilistischen Trieb zur Entwertung der Kultur sieht. Nietzsche kritisiert zwar die Moral und versteckt seine Abneigung vor den christlichen Idealen nicht – jedoch wollte er diese Abwertung einbinden in sein Programm der „Umwertung aller Werte“, die letztlich dem Ziel dient neue Werte zu schaffen. Der Typus Zarathustra sollte so etwas wie der erste Prophet dieser neuen „ja-sagenden Moral“ sein, die im Dienste des Lebens steht anstatt es in seiner freien Entfaltung zu hindern.

Nietzsches Atheismus ist also ein notwendiges Zwischenprodukt, das im Prozess der „Umwertung der Werte“ den Boden für eine „Selbstbesinnung der Menschheit“ bereiten soll, die letztlich in eine bejahende, lebensfrohe Moral mündet. Atheismus bedeutet hier die Ablehnung von metaphysischer Ordnung und die Verneinung des damit verbundenen Gottglaubens. „Gottlosigkeit“ aber insofern, als der Gott, der schadet, abgelehnt wird, nicht der Götterglaube selbst. Im Antichrist beschreibt er das Gegenteil dessen, einen „gesunden“, schadlosen Götterglauben, folgendermaßen:

„Ein Volk, das noch an sich selbst glaubt, hat auch noch seinen eignen Gott. In ihm verehrt es die Bedingungen, durch die es obenauf ist, seine Tugenden, – es projicirt seine Lust an sich, sein Machtgefühl in ein Wesen, dem man dafür danken kann. ... Religion, innerhalb solcher Voraussetzungen, ist eine Form der Dankbarkeit. Man ist für sich selber dankbar: dazu braucht man einen Gott. -“

Folglich ist es auch schlüssig, warum Nietzsche den, in seiner Diktion, pessimistischen (also lebensfeindlichen) christlichen Gottesbegriff immer wieder mit dem „optimistischen“, gewalttätigen dionysischen Gottesbegriff kontrastiert. Nicht der Gottesglaube selbst schadet, sondern der Glaube an einen jenseitigen, metaphysischen Gott, wie der des Christentums. Nietzsches Atheismus ist damit eine zugleich punktuell (um den Gottesbegriff) konzentrierte und zugleich von der Schadhaftigkeit der metaphysischen Denkweise abgeleitete Form seiner Religionskritik.

Sigmund Freud

Sowohl Sigmund Freud (1856–1939) als auch andere Psychoanalytiker versuchten in einer naturgeschichtlichen Deutung die Entstehung von Religionen (und vieler anderer Erscheinungen) als die Erfüllung unbewusster, auch unterdrückter Wünsche des Menschen zu erklären. Als Beleg dienten Freud die Ähnlichkeiten zwischen kultisch-religiösen Handlungen und den Handlungsabläufen neurotischer Besessenheit. In seinem Buch Totem und Tabu kommt er zu der Schlussfolgerung: Illusionen, Erfüllungen der ältesten und stärksten, dringendsten Wünsche der Menschheit seien eben die Religionsvorstellungen. Die Herleitungen, in denen sowohl die Darwinsche Urhorde als auch der Ödipuskomplex herangezogen werden, gelten als spekulativ. In einer verallgemeinerten Form, nämlich dass Religionen sehr wohl vorgeben, starke bewusste wie auch unbewusste Wünsche und Sehnsüchte der Menschen zu erfüllen, gilt Freuds These als unbestritten. Wenn Freuds Schlussfolgerungen auch nicht direkt den Theismus widerlegen, bieten sie doch gewisse Ansatzpunkte, religiöse Phänomene durch psychische Vorgänge zu erklären und die Notwendigkeit der Annahme übernatürlicher Kräfte zu verneinen.

Existenzialistischer Atheismus

Einen existenzialistischen Atheismus im eigentlichen Sinne gibt es nicht, da der Existenzialismus kein geschlossenes Lehrgebäude darstellt und unter diesem Begriff sehr disparate weltanschauliche, philosophische, ja auch theologische Konzepte versammelt werden. Sie reichen von Stirner über Schopenhauer, Kierkegaard, Heidegger, Camus bis Sartre und Jaspers.

Nimmt man als Referenzpunkt den französischen Existenzialismus, so ergibt sich folgende atheistische Auffassung. Der wichtigste existenzialistische Grundsatz Sartres findet sich in seinem bekannten Satz wieder, wonach die (menschliche) Existenz der Essenz (dem Wesen) vorausgehe. Es gibt kein Wesen (hier sowohl personal als Gott verstanden als auch abstrakt als Natur des Menschen), wonach und wodurch der Mensch konzipiert wurde. Da der Mensch zu Beginn „Nichts“ ist und sich ständig selbst entwirft, bedeute Gott als jemand, der so etwas wie eine menschliche Natur konzipiert hat, eine Beschränkung dieses konstitutiven Selbstentwurfs. Stattdessen ist nach Auffassung der Existenzialisten der Mensch von Beginn an zur absoluten Freiheit verdammt. Für die Neoexistenzialisten der Sartre-Schule ist Gott zunächst also das, was die absolute Freiheit des Menschen beschränkt.

„Wenn Gott nicht existierte, wäre alles erlaubt“, schreibt Dostojewski, und ganz existenzialistisch könnte man hinzusetzen: „Und weil er nicht existiert, ist der Mensch zur Verantwortung verdammt“. Wie ist das zu verstehen? Wenn Gott existierte, gäbe es etwas, was der menschlichen Existenz vorausginge, auf das er sich als Grund seines Handelns berufen könnte. Fällt dieser Grund weg, ist der Mensch absolut verlassen und muss die Gründe seines Handelns vollständig aus sich selbst schöpfen. Erst jetzt, wo prinzipiell alles erlaubt ist, ist er als Individuum voll verantwortlich für sein Handeln. Für Neoexistenzialisten ermöglicht erst eine Welt (genauer: eine Existenz) ohne Gott die wahre Verantwortung des Menschen.

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Jean-Paul Sartre

Die neoexistenzialistische Auffassung (Sartre, Camus) übernimmt Heideggers Daseinsbegriff (Sein und Zeit) für die Existenz. Demnach seien drei Dinge für die menschliche Existenz charakteristisch: Die Geworfenheit, der Entwurf und die Verfallenheit. Wesentlich für die atheistische Grundhaltung der Neoexistenzialisten ist die Geworfenheit: Der Mensch ist kein Abbild einer Idee oder eines Vorbilds oder Bauplans, sondern er wird als tabula rasa auf die Welt geworfen.

Im Atheismuskonzept des Neoexistenzialismus geht es nicht allein um die Zurückweisung eines personalen Gottes, dem die Menschen sich zu verantworten haben, sondern auch aller Konzepte, die als Theorien der Natur des Menschen auftreten: Sei es die Gesellschaft (der Mensch als soziales Wesen), sei es die Ökonomie (der homo oeconomicus) oder seien es anthropologische Konzepte (der Mensch als des Menschen Wolf, als Egoist) – alle werden sie vom Existenzialismus zurückgewiesen mit dem Verweis, sie leisteten nur die Ent-Verantwortung des Menschen, weil dieser damit auf ihm äußerliche, sachliche Zwänge hinweisen könne. Damit kann der Existenzialistische Atheismus auch als Versuch verstanden werden, gegen die angeblichen Sachzwänge moderner Gesellschaften aufzubegehren (was die Neoexistenzialisten, vor allem Sartre, im Verlauf der Studentenrevolten 1968 in Frankreich auch taten).

Analytische Philosophie

In der im 20. Jahrhundert entwickelten Analytischen Philosophie wurden Fragen nach der Existenz oder Nichtexistenz von Göttern sowie metaphysische Fragen anfänglich als unsinnig, nicht behandelbar oder gar als irrelevant angesehen.

In der zeitgenössischen Analytischen Philosophie ist jedoch das Interesse an religionsphilosophischen Themen wieder erwacht. Philosophen wie William Alston, John Leslie Mackie, Alvin Plantinga, Robert Merrihew Adams, Richard Swinburne, David Alan Johnson und Antony Flew griffen erneut klassische Probleme auf, wie die Frage nach der Natur der Wunder und die Beurteilung der Argumente, die für oder gegen die Existenz Gottes vorgebracht wurden.

Plantinga, Mackie und Flew diskutierten die logischen Aspekte der Frage, ob oder inwieweit es möglich ist, unter Hinweis auf den hohen Wert des freien Willens das Theodizeeproblem zu lösen.

Atheismus in verschiedenen Erscheinungsformen

Heute stellt sich im westlichen Kulturkreis der Atheismus in einer Vielzahl von Ausrichtungen dar: Beispielsweise sind die Freidenkerbewegung, der Humanismus und der Existenzialismus eng mit dem Atheismus verbunden.

Sozialismus, Kommunismus und Anarchismus sind zum großen Teil atheistisch geprägte Weltanschauungen. Philosophische Erscheinungsformen des Atheismus sind Materialismus und philosophischer Naturalismus.

Atheismus und Politik

Im Lauf der Geschichte kamen Atheisten vielfach mit den politischen Autoritäten in Konflikt. Auf Atheismus stand in vielen Staaten gar die Todesstrafe. So galt in der Antike die Leugnung der jeweiligen Staatsgötter und die oftmals damit einhergehende Weigerung, ihnen zu opfern, als direkt gegen den Staat gerichteter Akt und wurde dementsprechend geahndet. Um sich vor Anfeindungen zu schützen, gaben Atheisten daher nicht selten vor, Deisten bzw. Pantheisten zu sein.

Heute enthalten die Verfassungen vieler demokratischer Staaten das Menschenrecht auf Religionsfreiheit, das das Recht einschließt, Atheist zu sein oder zu werden. Jedoch nicht in allen diesen Staaten gibt es eine vollständige Trennung von Staat und Religion. So beginnt die Präambel des Grundgesetzes für die Bundesrepublik Deutschland mit den Worten: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen ...“ Die Präambel der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft beginnt mit den Worten: „Im Namen Gottes des Allmächtigen!“ Im Jahre 1998 scheiterte bei einer Totalrevision der Verfassung ein Vorstoß, um diese Präambel zu streichen. Einige heutige Strafgesetzbücher – wie etwa das deutsche – enthalten noch einen Gotteslästerungsparagraphen.

Auf der anderen Seite konnte der Atheismus seit dem 20. Jahrhundert, zumindest in seiner marxistischen Ausprägung, aber auch selbst zur Staatsdoktrin werden. In Albanien wurde 1967 (bis 1990) ein totales Religionsverbot ausgerufen, und das Land bezeichnete sich als „erster atheistischer Staat der Welt“. Auch im so genannten Ostblock wurde der Atheismus gefördert, während gelebte Religiosität meist zumindest argwöhnisch betrachtet wurde, oft auch mit Nachteilen verbunden war oder gar gezielt verfolgt wurde.

Eine staatliche atheistische Politik ist zu unterscheiden vom Laizismus, bei dem es um die Trennung von Staat und Kirche geht bzw. um die Trennung von Staat und Religion; dabei steht der Staat der Religion neutral, nicht aber feindlich gegenüber.

Atheismus und Religion

Jüdischer und christlicher Atheismus

Die Religionskritik der Bibel ist der Ausgangspunkt eines jüdischen und christlichen Atheismus.

Das Judentum beschreibt Douglas Rushkoff, Professor für Kommunikationstheorie an der New York University, aufgrund der Bilderlosigkeit des biblischen Gottes als Ausweg aus der Religion (Nothing Sacred: The Truth about Judaism, 2004).

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) interpretiert biblische Begriffe „nicht-religiös“ und spricht von einem „religionslosen“ Christentum: „Christsein heißt nicht, in einer bestimmten Weise religiös sein, ... , sondern es heißt Menschsein ... Jesus ruft nicht zu einer neuen Religion auf, sondern zum Leben“ (Widerstand und Ergebung: Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft).

In den 1960ern bildete sich in den USA eine Gruppe von radikalen Theologen, welche unter dem Satz „Gott ist tot“ einen christlichen Atheismus proklamierte. Vertreter dieser Richtung sind der Theologe Thomas J. Altizer (The Gospel of christian atheism, 1966), William Hamilton (Radical Theology and the Death of God, 1966), Paul van Buren (The secular meaning of the Gospel, 1963) oder Gabriel Vahanian (The death of God, 1961).

Der „Tod Gottes“, also die vermeintliche Unmöglichkeit, in der modernen Welt rational an einen Gott zu glauben, sei, so beispielsweise J. Altizer, eine gute Nachricht, da sie den Menschen von einem transzendenten Tyrannen befreit habe. Die säkulare Botschaft der Evangelien beziehe sich gemäß Paul van Buren allein auf den „Befreier“ Jesus von Nazareth. Während der Glaube an einen (jenseitigen) Gott abgelehnt wird, steht bei den „christlichen Atheisten“ die ethisch-moralische Botschaft Jesu, die rein auf das Diesseits bezogen wird, im Mittelpunkt.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich auch eine Verknüpfung von Atheismus und Christentum entwickelt, die sich explizit auf das Schweigen Gottes angesichts der Ermordung von Millionen von Juden durch deutsche Nationalsozialisten im sog. Holocaust bezieht. Die deutsche Theologin Dorothee Sölle ist die bekannteste Vertreterin dieser Richtung.

Beeinflusst wurden einige Theologen der „Gott-ist-tot-Theologie“ auch durch die religionsphilosophischen Gedanken Ernst Blochs im dritten Band seines Hauptwerkes Das Prinzip Hoffnung. 1968 hat Bloch Gedanken daraus zusammengefasst, präzisiert und erweitert in dem Buch Atheismus im Christentum, in dem sich der Satz findet: „Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein, gewiss aber auch: nur ein Christ kann ein guter Atheist sein“. Dorothee Sölle, von Bloch beeinflusst, veröffentlichte ebenfalls 1968 ein Buch mit einem ganz ähnlichem Titel: Atheistisch an Gott glauben. Atheismus bedeutet bei Ernst Bloch wie auch bei Dorothee Sölle nicht den Verzicht auf Sinnhaftigkeit oder Transzendenz, sondern die Abkehr von einem allzu theistischen Gottesbild, der Vorstellung eines Gottes, der als allmächtiger, allwissender und allgegenwärtiger Gott Not und Leid bis hin zu Auschwitz zugelassen hat (siehe auch: Theodizee-Frage).

Atheismus und Wissenschaft

In der wissenschaftlichen Erforschung der Welt stellte sich schon frühzeitig ein Dilemma heraus: Die Theorie, A folgt aus B und B folgt aus nichts, weil B von Gott gemacht wurde, brachte bezüglich B keinen Erkenntnisgewinn. Im Gegenteil, man musste sich neben den Gedanken zu B nun auch noch Gedanken zu Gott machen. Man hatte also de facto eine zusätzliche Unbekannte in der Rechnung. Die Alternativen, den Forschungsprozess abzubrechen und auf weitere Erkenntnisse bezüglich B zu verzichten oder aber die Existenz Gottes in Frage zu stellen, waren je nach historischem Hintergrund beide unangenehm. Die Lösung: Unabhängig von der Religiosität oder Areligiosität der beteiligten Wissenschaftler wird unterstellt, dass die „Gotteshypothese“ kein zulässiges Explanans, d. h. kein legitimer Faktor bei der ursächlichen Erklärung naturwissenschaftlicher Phänomene, sei. Diese forschungspraktische Grundhaltung wird als methodologischer oder pragmatischer Atheismus bezeichnet und ist etablierte wissenschaftliche Praxis.

Die Frage, ob wissenschaftliches Denken den Dogmen der Religionen widerspricht, wird derzeit von den Wissenschaftlern, die sich öffentlich zum Thema äußern, kontrovers beantwortet. Einige, z. B. Stephen Jay Gould, vertreten den Standpunkt, dass die Wissenschaft mit der Religion nicht in Konflikt stehe, da sich erstere mit Empirie, letztere hingegen mit Fragen letzter Begründung und moralischen Werten befasse. Andere, z. B. Richard Dawkins, Steven Weinberg und Norman Levitt, behaupten, dass Theismus mit einer wissenschaftlichen Weltsicht grundsätzlich unvereinbar sei, da Wunder wie die Auferstehung Jesu Christi die Naturgesetze außer Kraft setzen müssten; die Wissenschaft führe demnach zwangsläufig zu Atheismus, Deismus oder Pantheismus. [27] Ihnen zufolge sind Religionen nicht dazu qualifiziert, Antworten auf Fragen zu geben, auf die die Wissenschaft – gleichgültig ob noch nicht, oder prinzipiell – keine Antwort hat. Victor J. Stenger weist darauf hin, dass selbst potenziell übernatürliche Phänomene wie die Wirkung von Gebeten überprüfbar sind. [28]

Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts gab es noch mehrere wirkungsmächtige, intellektuell sogar hegemoniale „wissenschaftliche Weltanschauungen“, darunter den Marxismus in mehreren politischen Ausformungen, die Psychoanalyse oder den Neopositivismus, die ohne Wenn und Aber atheistisch waren und den Religionen eine schädliche Wirkung attestierten. [29]

Praktischer Atheismus

In den Industrieländern des Westens gehören heutzutage viele Menschen nominell und auch organisatorisch zu den Kirchen („Namenschristen“), glauben aber weder an die zentralen Glaubensinhalte des Christentums (sofern überhaupt bekannt), noch richten sie ihr Leben danach aus. Sie sind also in ihrer Lebenspraxis Atheisten. In Abgrenzung zum theoretisch-philosophisch reflektierten Atheismus wird diese Lebensweise oft als praktischer Atheismus bezeichnet.

Der praktische Atheismus beschränkt sich nicht auf westliche Länder. So bezeichnet sich beispielsweise China als atheistischer Staat. Es ist jedoch davon auszugehen, dass ein großer Teil, wenn nicht die Mehrheit der atheistischen Bevölkerung Chinas Religionen nicht aus theoretischen Erwägungen ablehnt, sondern dass Religion für sie aus historischen Gründen keine Rolle spielt.

Atheismus und Moral

Eine bestimmte „Moral des Atheismus“ gibt es nicht. Vielmehr ist Atheismus mit den unterschiedlichsten moralischen Vorstellungen vereinbar.

Den Anhängern des Atheismus wird, oft auch unterschwellig, unterstellt, dass mit dem Fehlen des Glaubens an Gott auch die Verneinung moralischer Werte einhergehe, was dem Vorwurf des Nihilismus entspricht. So bezeichnete der christliche Philosoph Ravi Zacharias den Atheismus als "jeden Wertes beraubt" und schließt eine Gründung moralischer Prinzipien ohne Rückgriff auf höhere Wesen eher aus. Papst Benedikt XVI. schrieb in seiner Enzyklika Caritas in Veritate: „... stellen die ideologische Verschlossenheit gegenüber Gott und der Atheismus der Gleichgültigkeit, die den Schöpfer vergessen und Gefahr laufen, auch die menschlichen Werte zu vergessen, heute die größten Hindernisse für die Entwicklung dar. Der Humanismus, der Gott ausschließt, ist ein unmenschlicher Humanismus. Nur ein für das Absolute offener Humanismus kann uns bei der Förderung und Verwirklichung von sozialen und zivilen Lebensformen – im Bereich der Strukturen, der Einrichtungen, der Kultur, des Ethos – leiten, indem er uns vor der Gefahr bewahrt, zu Gefangenen von Moden des Augenblicks zu werden.“[30] (kursiv in der Enzyklika)

Einige Religionskritiker vertreten entgegengesetzte Auffassungen. So Michael Schmidt-Salomon, der im Rahmen eines Vortrags seine Ansicht begründete, dass eine zeitgemäße Ethik auf religiöse Versatzstücke nicht nur verzichten könne, sondern sogar zwingend darauf verzichten müsse, um der „in letzter Instanz kriegstreiberischen religiösen Gettoisierung der Menschheit“ entgegenzuwirken“.[31]

Der katholische Staatsrechtler Ernst-Wolfgang Böckenförde schrieb: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Dieses so genannte Böckenförde-Diktum wird nicht selten so gedeutet, dass Demokratien auf Religion als Garant gemeinsamer Grundwerte angewiesen seien. Gegen diese Deutung wendet sich Gerhard Czermak. Er meint, Böckenförde werde „gründlich missverstanden, wenn nicht instrumentalisiert“, wenn aus seinem Diktum abgeleitet werde, „der Staat müsse die Kirchen und Religionsgesellschaften als Wertestifter in besonderer Weise fördern, weil man sonst die Zerstörung fördere [...] Er (Böckenförde) spricht von Wagnis und verweist auf die in der Gesellschaft wirkenden höchst unterschiedlichen Kräfte zurück. Es geht ihm darum, dass alle Gruppierungen mit ihrem je eigenen, auch moralischen, Selbstverständnis zur Integration eines Teils der Gesellschaft beitragen.“[32]

Tatsächlich liegt vielen Atheisten eine grundsätzliche Verneinung ethischer Werte fern. Viele Atheisten fühlen sich ethischen Grundsätzen verpflichtet, z. B. den Idealen von Humanismus und Aufklärung, den Menschenrechten und der Toleranz.

Nach Ansicht einiger Philosophen können moralische Prinzipien durchaus objektiv geltende Vorschriften darstellen, die von der menschlichen Vernunft entdeckt oder aufgestellt werden und nicht von göttlichem Wollen abhängen, wie etwa Kant darzulegen suchte.

Eine Trennung von Moral und Theismus stellt die Auffassung dar, die u.a. John Leslie Mackie in seinem Buch Ethik und Richard Dawkins in seinem Buch Der Gotteswahn ausführen, nämlich dass Moral an den Prozess der biologischen Evolution gekoppelt und ein Ergebnis eines gesellschaftlich beeinflussten Entwicklungsprozesses sei. Hieraus könnte folgen, dass die menschliche Moral auch dann Bestand hätte, wenn Religionen in Verfall gerieten.

Empirisch ist das Verhältnis von Religion und Moral nicht geklärt. Einige Untersuchungen legen nahe, dass persönliche Moral nicht von persönlicher Religiosität abhängig ist. So fand z.B. Franzblau[33] bei Atheisten größere Ehrlichkeit, und Ross[34] bei Atheisten größere Hilfsbereitschaft gegenüber Armen. Gero von Randow deutet Studienergebnisse folgendermaßen: „Sozialpsychologische Studien wiederum erweisen eine auffallend geringe Kriminalität unter Nichtgläubigen. Das sollte umgekehrt auch nicht zu ihren Gunsten ins Feld geführt werden, denn sie sind tendenziell sozial besser gestellt und gebildeter als die Gläubigen, jedenfalls im Westen; wir haben es hier also nicht mit einem Religions-, sondern mit einem Klasseneffekt zu tun.“[35]

Aus atheistischer Perspektive erscheint es fragwürdig, wenn bestimmte Theisten ihr Verhalten und ihre ethische Bewertung von Verhalten ausschließlich oder weitgehend an vermeintlich göttlichen Geboten ausrichten. „Es erscheint als höchst problematisch, etwas so Notwendiges wie die Moral auf die Basis von so Dubiosem – wie es der religiöse Glaube ist – stellen zu wollen. Wie sollte auf diese Weise eine wirkliche Orientierung und Lebenskunde möglich sein?“, schreibt Gerhard Streminger.[36] Atheisten kritisieren die Art und Weise, in der einige Theisten sich ihre Urteile darüber bilden, welche Verhaltensweisen ethisch wünschenswert sind und welche nicht: dass sie sich weniger an den Konsequenzen für die Betroffenen orientieren als an Festsetzungen, die einem transzendenten Wesen zugeschrieben werden. Ein Mord zum Beispiel wäre aus einer theistischen Perspektive dieser Art nicht bereits deshalb eine schlechte, zu sanktionierende Handlung, weil der Verlust des Lebens für das Opfer ein schwerer und höchst unerwünschter Verlust wäre. Vielmehr wäre der Mord, streng genommen, erst vermittels göttlicher Festsetzung zu verurteilen – was die Möglichkeit von Ausnahmen offen ließe, wenn der Theist zu der Meinung gelangte, dass diese Ausnahmen den göttlichen Festsetzungen entsprächen.

Von einigen religiösen Menschen wird dem Atheismus vorgeworfen, keine ausreichende Grundlage für ethische Konzepte bieten zu können: Nur Religionen böten ein von einer göttlichen Instanz gegebenes Gesetz, das für jeden Menschen gleichermaßen verbindlich sei. Ohne ein solches allgemeinverbindliches Gesetz sei es schwieriger, eine gemeinsame ethische Grundlage für eine Gesellschaft zu finden.

Atheisten können erwidern, mit Religionen sei das nicht besser. Keine Religion könne überzeugend begründen, warum ausgerechnet ihr Gesetz von einer göttlichen Instanz gegeben worden sein soll und deshalb Allgemeinverbindlichkeit beanspruchen können soll. Keine Religion könne überzeugend begründen, warum man überhaupt von der Existenz irgendeiner göttlichen Instanz ausgehen soll. So dürfe jeder Mensch davon ausgehen, dass die Gesetze der Religionen ebenso von Menschen gemacht seien wie alle anderen Gesetze und Verhaltensregeln, teils in bewusster Absicht, teils ungeplant im Rahmen sozialer Interaktionen, unter dem Einfluss von Vernunft und Einsicht, von Irrtümern und Vorurteilen sowie, nicht zuletzt, auf der Basis der Interessen derjenigen, die über genug Macht verfügten, um ihre Vorstellungen durchzusetzen.

Die in vielen Religionen zu findende Behauptung, die Gesetze seien von einer göttlichen Instanz gegeben, habe möglicherweise in vergangenen Zeiten dazu beigetragen, die soziale Struktur vieler Gruppen und Völker zu stabilisieren. Aber erstens sei das kein Grund, diese Behauptung für zutreffend zu halten. Und zweitens habe sich in neuerer Zeit immer wieder gezeigt, dass der Anspruch der Religionen auf Allgemeinverbindlichkeit ihrer Gesetze es eher schwieriger als leichter gemacht habe, eine gemeinsame ethische Grundlage für eine Gesellschaft zu finden. Nicht selten habe der Versuch, diese Allgemeinverbindlichkeit durchzusetzen, zu Verfolgungen und Vertreibungen geführt, sogar zu Glaubenskriegen. Doch auch ohne solche Gewalttätigkeiten sei die Überzeugung, die eigenen ethischen Konzepte seien von einer göttlichen Instanz gegeben, für die Erarbeitung einer gemeinsamen ethischen Grundlage vielfach eher hinderlich als förderlich. „Prallen Anhänger religiös fundierter Ethiken aneinander, so sind Konflikte in vernünftiger Weise kaum zu lösen, da alle sich von Gott geleitet fühlen; alle glauben, dass die eigenen Gebote objektiv gegeben, eben gottgewollt seien“, schreibt Gerhard Streminger.[37]

Aufgrund solcher Vorstellungen, kritisieren Atheisten, seien viele Gläubige weniger bereit, ihre Vorstellungen in Zusammenarbeit mit anderen Menschen weiterzuentwickeln. Das erschwere die Anpassung von Verhaltensregeln an neue gesellschaftliche Gegebenheiten. Beispiel: Für die ethische Beurteilung einer Scheidung mache es einen Unterschied, ob die Frau in diesem Falle materieller Not und gesellschaftlicher Ächtung ausgesetzt sei, oder ob sie materiell abgesichert und gesellschaftlich akzeptiert sei. Zudem behindere mangelnde Bereitschaft zur Weiterentwicklung die schnelle und umfassende Umsetzung von guten neuen ethischen Konzepten, z. B. von den Menschenrechten.

Statistisches

Atheismus in Europa

Nimmt man die religiöse Selbsteinschätzung der Bürger in Umfragen als Maßstab, so liegt in den Ländern der Europäischen Union der Anteil „überzeugter Atheisten“ bei ca. 5 %. Besonders hoch ist die Rate überzeugter Atheisten in Frankreich (14,6 %), und den neuen Bundesländern Deutschlands (21,7 %).[38] In den USA liegt die Zahl überzeugter Atheisten bei 1,2 % (Stand hier: 1990).

Die tatsächliche Zahl der praktischen Atheisten ist schwer abzuschätzen. Statistische Umfragen aus den Jahren 1999 und 2000 legen aber nahe, dass in Europa wenigstens ein Drittel der Bevölkerung praktische Atheisten sind. So bezeichnet sich in Europa ca. ein Drittel der Bevölkerung als unreligiös. Auf die Frage, „Wie wichtig ist Religion in ihrem Leben?“, gab knapp die Hälfte der befragten Europäer „nicht wichtig“ (28,9 %) oder „überhaupt nicht wichtig“ (20,5 %) zur Antwort.[38]

Die Eurobarometer-Studie Social Values, Science and Technology ermittelte 2005 in einigen europäischen Ländern die Verbreitung der Gläubigkeit. Danach glauben 52% der Bevölkerung in 25 untersuchten Ländern an Gott, weitere 27% glauben an eine höhere Macht oder Lebenskraft und 18% sind ungläubig.[39] Für Deutschland ermittelte die Studie 25% Ungläubige sowie 8% für Österreich und 9% für die Schweiz.

Untersuchungen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland zeigen, dass die tatsächliche Mitgliedschaft in einer Kirche nicht zwangsläufig mit Gläubigkeit gleichzusetzen ist. So sind beispielsweise 20,6% der evangelischen Kirchenmitglieder Atheisten.[40] Der Anteil der Konfessionslosen in Deutschland wird von fowid mit 32,5% angegeben.[41]

Ein weiteres Indiz dafür, dass heute ein großer Teil der Getauften praktische Atheisten sind, stellen die niedrigen Besuchsraten christlicher Gottesdienste dar. So lag die Besuchsrate katholischer Gottesdienste im Jahr 2003 in Deutschland bei nurmehr ca. 15 % der Kirchenmitglieder. [42]

Die Anzahl aller Atheisten weltweit beträgt nach einer vorsichtigen Schätzung zwischen 500 und 750 Millionen.[43]

Kritik

Kritik am Atheismus durch Theisten

Es wurden verschiedene Versuche unternommen, den Atheismus mit Hilfe von Gottesbeweisen als philosophisch unhaltbare Position zu erweisen. Eine solche philosophische Kritik am Atheismus übt die Natürliche Theologie. So argumentiert Thomas von Aquin [44], dass der Glaube an Gott die einzige philosophisch haltbare Position sei, während man dem Glauben an Gott „entgegenstehende Irrtümer“ (errores contrarios) widerlegen könne. Die Existenz Gottes sei eine „beweisbare Wahrheit“ (demonstrativa veritas), die ohne Rückgriff auf die Bibel, allein mit den Mitteln der menschlichen Vernunft bewiesen werden könne. Dazu führt Thomas vor allem die aristotelischen Gottesbeweise an.

Der englische Lordkanzler Francis Bacon beschuldigte den Atheismus, wie Georges Minois schreibt, „den Menschen zum Tier herabzuwürdigen, da er mit keiner höheren Natur mehr verbunden sei.“[45]

Kritik am starken Atheismus durch Agnostiker

In seinem Aufsatz Warum ich Agnostiker bin[46] schreibt Karlheinz Deschner: „Der Theismus behauptet, der Atheismus leugnet Gott. Den Beweis aber [...] bleibt jeder schuldig. Denn niemand kann Gott, niemand jedoch auch seine Nichtexistenz beweisen“ (S. 139), „Doch scheut der Agnostiker auch das unwiderrufliche Nein. [...] Er ist vorsichtig, doch nicht aus Angst. [...] Nie aber gibt er Mutmaßungen als Wahrscheinlichkeiten, nie Wahrscheinlichkeiten als Gewissheiten aus“ (S. 140), „Da ein ‚höchstes Wesen’ weder zu verifizieren noch freilich, infolge unserer Erkenntnisbegrenzung, zweifelsohne auszuklammern ist, erscheint mir die agnostische These verantwortbarer, konsequenter als die atheistische. Wobei der kritische Atheist, der die Gottesidee als unbegründbar und überflüssig ablehnt, dem Agnostiker natürlich näher steht als der dogmatische Atheist, der sie assertorisch[47] verneint.“ (S. 143)

Siehe auch

Religionskritik, Kirchenkritik, Bibelkritik, Gottesbeweis, Apologetik, Bright, Fliegendes Spaghettimonster, Unsichtbares rosa Einhorn

Literatur

Nachschlagewerke

  • Gordon Stein (Hrsg.): The encyclopaedia of unbelief. Bd. 1–2. Prometheus, New York 1985. ISBN 0-87975-307-2. (DAS Nachschlagewerk zum Thema)

Literatur zu Atheismus und Religionskritik

  • Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. (Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann). 2. Auflage. Alibri, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-93-271077-0. (Eine kritische Untersuchung der Bibel, ihrer Ethik und ihrer psychologischen Auswirkungen; und eine kritische Auseinandersetzung mit christlichen Vorstellungen von heute, von modernen Theologen und anderen prominenten Christen)
  • Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte. 4. Auflage. btb Goldmann, München 1996, ISBN 3-44-272025-7
  • Heinz Fastenrath: Kurswissen Religionskritik. Klett, Stuttgart 1993, ISBN 3-12-929541-0 (Ein Abriss atheistischer Grundpositionen. Feuerbach, Marx, Nietzsche, Sartre. Zahlr. Erweiterug. u. Neuaufl. 1999, 2001)
  • Ludwig Feuerbach: Das Wesen der Religion. Hegner, Köln 1965 (Darmstadt 2005, div. Nachdr.), ISBN 3-53-418943-4
  • Sigmund Freud: Massenpsychologie und Ich-Analyse. Die Zukunft einer Illusion. Fischer, Frankfurt am Main 1993 (Religion als Zwangsneurose?)
  • Sigmund Freud: Totem und Tabu. Fischer, Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-59-610451-3. (Erklärungsversuch des Ursprungs von Religion und Sittlichkeit mit Hilfe der Psychoanalyse)
  • Norbert Hoerster (Hrsg.): Religionskritik. Für die Sekundarstufe II. Reclam, Stuttgart 1984, ISBN 3-15-009584-0 (Sehr empfehlenswert.)
  • Robert Kehl: Der Wandel im religiösen Denken. Fischer, Frankfurt am Main 1998, ISBN 3-83-010163-5.
  • John Leslie Mackie: Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes. Übers. v. R. Ginters. Reclam, Stuttgart 1982 und 1985, ISBN 3-15-008075-4 (das einflussreichste anti-theistische Werk nach 1945)
  • Fritz Mauthner: Der Atheismus und seine Geschichte im Abendland. Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1923 (Nachdr. Georg Olms, Hildesheim 1963, 1985).,ISBN 3-48-700379-1 (überaus umfangreiches Werk, gilt gemeinhin als wichtigster Text zum Thema Atheismus)
  • Georges Minois: Geschichte des Atheismus. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Böhlaus Nachfolger, Weimar 2000, ISBN 3-74-001104-1 (umfassendes Buch zur Geschichte des Atheismus)
  • Michel Onfray: Wir brauchen keinen Gott. Warum man jetzt Atheist sein muss. Piper, München 2006, ISBN 3-49-204852-8
  • Karl-Heinz Weger: Religionskritik. Verlag Styria, Graz 1991, ISBN 3-22-211999-6 (Viele Originaltextstellen aus grundlegenden Werken des Atheismus)

Atheismus-kritische Literatur

  • Wolfgang Cramer: Gottesbeweise und ihre Kritik – Prüfung ihrer Beweiskraft. Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 1967, ISBN 3-46-500070-6
  • Clive S. Lewis: Pardon, ich bin Christ. Brunnen, Gießen 2002, ISBN 3-76-553150-2 (Lewis war Professor für englische Literatur und Philosoph, er kritisiert den Atheismus mit philosophischem Anspruch)
  • Richard Swinburne: Die Existenz Gottes. Reclam, Ditzingen 1987, ISBN 3-15-028434-1
  • Thomas von Aquin, Kath. Akademikerverband (Hrsg.): Summe der Theologie. Salzburg 1934 (Lateinisch – Deutsch)
  • Thomas von Aquin: Summe gegen die Heiden (Summa contra gentiles). Hrsg. und übers. v. Karl Albert und Paulus Engelhardt unter Mitarbeit von Leo Dümpelmann. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2001, ISBN 3-53-400378-0 (Lateinisch – Deutsch)

Literatur zum religiösen Atheismus

  • Ernst Bloch: Atheismus im Christentum Frankfurt a. M. 1968 Suhrkamp-Verlag ISBN 3518281631
  • Alasdair MacIntyre, Paul Ricoeur: Die religiöse Kraft des Atheismus. Karl Alber, Freiburg-München 2002, ISBN 3-49-548066-8
  • Raimon Pannikkar: Gottes Schweigen. Die Antwort des Buddha für unsere Zeit. Kösel, München 1992, ISBN 3-46-620359-7
  • Eckhart Pilick: Bewußtsein des Unendlichen – Feuerbachs Religionskritik und die freie Religion. Peter Guhl, Rohrbach 2004, ISBN 3-93-076061-4
  • Dorothee Sölle: Atheistisch an Gott glauben. dtv, München 1994, ISBN 3-42-330400-6

Weblinks

Quellen

  1. Großes vollständiges Universal Lexikon aller Wissenschaften und Künste, Johann Heinrich Zedler (Hrsg.), Halle/Leipzig 1732, S. 2016–2025.
  2. Beispiele:
    • Brockhaus: „die Leugnung der Existenz eines persönlichen Gottes oder persönlicher Götter jenseits der erfahrbaren Welt“ (c) Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2001
    • DUDEN Fremdwörterbuch: „Gottesleugnung, Verneinung der Existenz Gottes oder seiner Erkennbarkeit“
    • DUDEN Deutsches Universalwörterbuch: „Weltanschauung, die die Existenz Gottes leugnet“
    • Metzler Philosophie Lexikon – als eine von zwei Bedeutungen wird genannt: „Leugnung eines persönlichen Gottes“ (als die andere: „Verneinung der Existenz transzendenter, der Sinneserfahrung oder Vernunfteinsicht nicht zugänglicher Mächte“)
  3. 3,0 3,1 Paul Edwards schrieb: "Atheism may be defined as the view that 'God exists' is a false statement. But there is also a broader sense in which an atheist is someone who rejects belief in God, not necessarily because such belief is judged to be false. It may be rejected because it is incoherent or meaningless, because it is too vague to be of any explanatory value, or because, as LaPlace put it in his famous exchange with Napoleon, there is no need for this 'hypothesis'. Atheism in this broader sense remains distinct from agnosticism, which advocates suspense of judgement. It is surely possible to justify atheism in this broader sense without having to 'examine every object in boundless space and eternal time.'" (Paul Edwards, God and the Philosophers, Prometheus 2008; diese Quellenangabe stammt von wikipedia:Diskussion:Atheismus)
  4. Simon Blackburn schrieb: "Atheism. Either the lack of belief that there exists a god, or the belief that there exists none." (Blackburn, Simon. Oxford Dictionary of Philosophy. 2nd ed. Oxford: Oxford University Press, 2005; diese Quellenangabe stammt von wikipedia:Diskussion:Atheismus)
  5. “What is atheism? Atheism is the non-belief in a god or gods. Although some have defined atheism in other ways, this is the definitional essence.” (Quelle: Atheism: Frequently Asked Questions)
  6. Norbert Hoerster schreibt: „Denjenigen, der an die Existenz Gottes glaubt, wollen wir als ‚Theisten’, denjenigen, der nicht an die Existenz Gottes glaubt, als ‚Atheisten’ bezeichnen.“ (Die Frage nach Gott, Verlag C. H. Beck, ISBN 3-406-52805-8, S. 13)
  7. « Tous les enfants sont des athées; ils n'ont aucune idée de Dieu. »; in "Le Bons-Sense", 1772, zitiert nach einem Beitrag im Wikipedia-Portal Philosophie
  8. Georges Minois, Geschichte des Atheismus, S. 423
  9. Fingeir Hiorth, Atheismus – genau betrachtet , S. 36 f
  10. Language, Truth and Logic. 1946 (2nd ed.). New York: Dover, 1952. p. 115; (Benutzer-Übersetzung)
  11. Richard Dawkins, The God Delusion, S. 50-51; Verlag: Bantam Press, ISBN 0593058259; Der Gotteswahn, S. 72–73 im Ullstein-Taschenbuch, ISBN 978-3-548-37232-7
  12. von Dawkins nicht ausdrücklich angegeben
  13. Norbert Hoerster, Die Frage nach Gott, S. 114; Verlag C. H. Beck, ISBN 3-406-52805-8
  14. Logical Positivism, Encyclopædia Britannica, Inc.
  15. 15,0 15,1 Unlösbarkeit des Theodizee-Problems
  16. Die Antwort des Atheismus: „Es gibt keinen Gott“
  17. Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes., S. 280; (Übers. Rudolf Ginters) (1985) Reclam, ISBN 3-15-008075-4
  18. Das Wunder des Theismus. Argumente für und gegen die Existenz Gottes., S. 402; (Übers. Rudolf Ginters) (1985) Reclam, ISBN 3-15-008075-4
  19. Stenger, Victor J.: God: The Failed Hypothesis: How Science Shows that God does not Exist. Prometheus, Amherst 2007, ISBN 1-59102-481-1
  20. z. B. Dorothee Sölle, [1]
  21. Norbert Hoerster, Die Frage nach Gott, S. 117 f, ISBN 3-406-52805-8; „Küng II“ = Existiert Gott?, 2. Aufl., München 2001
  22. Norbert Hoerster, Die Frage nach Gott, S. 118, ISBN 3-406-52805-8
  23. Norbert Hoerster, Die Frage nach Gott, S. 117, ISBN 3-406-52805-8
  24. Richard Dawkins, The God Delusion, S. 18, ISBN 9780593055489, übersetzt in Der Gotteswahn, S. 31, ISBN 978-3-548-37232-7
  25. Richard Dawkins, Der Gotteswahn, S. 24, ISBN 978-3-548-37232-7
  26. Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena I, S. 130 f, ISBN 3-257-20427-2
  27. Alan Sokal: Pseudosciences et postmodernisme: adversaires ou compagnons de route?, S. 157. Odile Jacob, Paris 2005, ISBN 2-7381-1615-9
  28. Stenger, Victor J.: God: The Failed Hypothesis: How Science Shows that God does not Exist, S. 77–111. Prometheus, Amherst 2007, ISBN 1-59102-481-1
  29. Vgl. etwa Sigmund Freud: Die Zukunft einer Illusion. (1927) et passim
  30. Enzyklika Caritas in Veritate
  31. Die neuen 10 Gebote - Ethik ohne Religion, Vortrag am 31. Mai 2006 in München
  32. Gerhard Czermak, Religions- und Weltanschauungsrecht, S. 36, Absatz 71
  33. Abraham Franzblau, „Religious Belief and Character Among Jewish Adolescents,“ Teachers College Contribution to Education, no. 634 (1934)
  34. Murray Ross, Religious Beliefs in Youths, New York 1950
  35. Die Zeit vom 22.3.2007, Ungläubige Demut
  36. Religiöse Ethik – ein Wintermärchen?
  37. Religiöse Ethik - ein Wintermärchen?
  38. 38,0 38,1 Loek Halman (Zusammensteller): The European Values Study: A Third Wave. Source Book of the 1999/2000 European Values Study Surveys., 2001
  39. Eurobarometer-Studie Social Values, Science and Technology
  40. fowid-Datenblatt Atheistenquote
  41. fowid-Datenblatt Religionszugehörigkeit 1950-2005
  42. Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholische Kirche in Deutschland – Statistische Daten 2003, März 2005
  43. Atheism: Contemporary Rates and Patterns
  44. summa contra gentiles, Buch I, Kapitel 2-13
  45. Georges Minois, Geschichte des Atheismus, S. 203; ISBN 3-7400-1104-1
  46. Friedrich Heer/Joachim Kahl/Karlheinz Deschner, Warum ich Christ/Atheist/Agnostiker bin, herausgegeben von Karlheinz Deschner, ISBN 3-462-01234-7
  47. assertorisch: behauptend, versichernd

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