Allwissenheit

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Allwissenheit ist eine Eigenschaft, die in vielen traditionellen religiösen Vorstellungen einem Gott – oder dem einzigen Gott – zugeschrieben wird. So in den monotheistischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – und in philosophischen Vorstellungen, die im Verbreitungsgebiet dieser Religionen entstanden sind.

Definition

Unterscheiden kann man:

  • potentielle Allwissenheit, die Fähigkeit, alles zu wissen, was man wissen möchte und was zu wissen möglich ist

und

  • totale Allwissenheit, tatsächliches Wissen über alles, was zu wissen möglich ist.[1]

Allwissenheit und freier Wille

Viele moderne Theologen sind der Auffassung, dass Gottes Allwissenheit eher potentiell („inhärent“) sei als total, und dass Gott sich entschieden habe, seine Allwissenheit zu begrenzen, um seinen Geschöpfen ihren freien Willen und ihre Würde zu erhalten.[2]

Eine Allwissenheit, die ein vollständiges Wissen über die Zukunft einschließen würde, würde nach bestimmten Auffassungen die Möglichkeit eines freien Willens ausschließen. Denn, so wird argumentiert, Wissen sei nur möglich über etwas, das bereits feststeht. Wenn nun schon feststünde, was jedes Wesen in Zukunft wollen würde, dann wäre kein Wille mehr frei. Niemand könnte dann einen freien Willen haben, weder ein Gott noch ein Mensch.

Ob Determinismus und freier Wille einander tatsächlich ausschließen, das ist umstritten. Der Kompatibilismus bejaht die Vereinbarkeit von Determinismus und freiem Willen, der Inkompatibilismus verneint sie. Umstritten ist, in welchem Sinne ein Wille denn „frei“ sein könnte, ja, ob es so etwas wie einen „freien Willen“ überhaupt gibt.

Allwissenheit und Allmacht

Allwissenheit wird vielfach für eine logische Konsequenz von Allmacht gehalten.

  • Nach Auffassung von Prof. Dr. Gerhard Streminger ist Allwissenheit die Voraussetzung für Allmacht: „Die Eigenschaft der Allwissenheit dürfte bereits im Begriff der Allmacht enthalten sein, denn ein Wesen, dem es an Wissen fehlt, fehlt es auch an Macht. Ist ein Wesen hingegen allmächtig, so ist es auch allwissend.“ [3]
  • Andererseits könnte Allwissenheit als Folge von Allmacht auftreten: Denn ein allmächtiges Wesen müsste die Fähigkeit haben, sich jede gewünschte Information zu verschaffen. Somit müsste ein allmächtiges Wesen zumindest potentiell allwissend sein.

Auf der anderen Seite gibt es die Auffassung, dass Allwissenheit und Allmacht eines Gottes einander ausschlössen – jedenfalls wenn man Allwissenheit so versteht, dass sie vollständiges Wissen über die Zukunft einschließt. Wenn ein Gott wüsste, dass bestimmte Ereignisse in der Zukunft eintreten würden, dann müsste das schon feststehen; und dann hätte er nicht mehr die Möglichkeit, etwas daran zu ändern. Das wäre eine Einschränkung seiner Macht, er wäre nicht allmächtig.

Allwissenheit, Allmacht und Güte

Gegen die Vorstellung von einem Gott, der Allwissenheit, Allmacht und Güte in sich vereinigen würde, gibt es einen vieldiskutierten Einwand: Warum gibt es dann auf dieser Welt so viel Böses und so viel Leiden? Bekannt ist dieser Einwand unter der Bezeichnung „Theodizeeproblem“.

Fußnoten

  1. basierend auf einer Übersetzung eines Auszugs aus der englischen Wikipedia, 9. Juni 2007
  2. basierend auf einer Übersetzung eines Auszugs aus der englischen Wikipedia, 9. Juni 2007. Als Beispiel wird dort angegeben: John Polkinghorne Science and Theology – eine Erörterung seines Standpunkts und der Standpunkte von anderen wissenschaftlichen Theologen
  3. VON DER GÜTE GOTTES UND DIE LEIDEN DER WELT. EIN ÜBERBLICK ÜBER DAS THEODIZEEPROBLEM, aus: Aufklärung und Kritik 1/2003, S. 11 ff.