Alienismus

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Alienismus, ein von Horst Herrmann eingeführter Begriff, bezeichnet nicht das in Science-Fiction-Romanen oft anzutreffende Denkmodell, aliens lebten unter uns und beherrschten uns längst, sondern die Ansicht, Wahrheit und Heil seien, wenn überhaupt, nicht in menschlichen Wirklichkeiten und Welten zu finden, sondern „irgendwo da draußen“. So gesehen weist der Alienismus eskapistische, „weltflüchtige“ Tendenzen auf. Er sucht sein Heil im Modell eines „Deus ex machina“, also einer unerwartet und unerklärt auftretenden Person oder Begebenheit, die in einer Notsituation hilft oder die Lösung bringt. Religionen sind geprägt von Leugnungs- und Vermeidungssyndromen sowie - ein Ersatz für die Zuwendung zu Welt und Menschen - von alienistischen Bezügen, zumal sie Wahrheit, Hoffnung - als außerweltlich gefasste Haupttugend - und Heilszusage auf „transzendente“, „übernatürliche“ Quellen gründen, die rational nicht zu erklären sind.

Alienismus gehört mit Possessionismus und Sekurantismus zu einem weit verbreiteten Dreier-Schema, dem Gegenentwurf zu Haltungen des Agnostizismus. Die übliche Trias erscheint alienistisch, indem sie sich auf eine fremde, außerweltliche Macht stützt, sie ist possessionistisch, da sie sich ein für allemal im Besitz der letzten und höchsten Wahrheit sowie im Besitz eines Wissens über eben diese glaubt, und sie ist stark sekurantistisch geprägt, weil sie erst zu ihrem Ziel gekommen ist, wenn sie sich absolut sicher (in ihrem Gott) wähnt.

Literatur

Horst Herrmann: Agnostizismus. Freies Denken für Dummies, Wiley-VCH, Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-70426-2.