Abermals krähte der Hahn

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Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Kirchengeschichte ist ein kirchengeschichtliches Werk des Autors Karlheinz Deschner.

Deschner schreibt einleitend zu seinem Buch: {{#if:

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„Diese Kirchengeschichte, von einem Laien für Laien geschrieben, ist allgemeinverständlich und setzt nichts voraus als Interesse und Liebe zur historischen Wahrheit.“

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Titel

Der Titel des Buchs geht auf eine Stelle aus dem Markusevangelium zurück, in der Jesus zu Petrus sagt: „Wahrlich, ich sage dir: Heute, in dieser Nacht, ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen."

Weiter heißt es dann im griechischen Originaltext: - Kai euthys ek deuterou alektōr ephonēsen. -„Und abermals krähte der Hahn.

Inhalt

Das 1962 erschienene Werk, das sich kritisch mit dem Christentum auseinandersetzt, ist nach Darstellung des Autors "von einem Laien für Laien geschrieben". Den inhaltlichen Schwerpunkt bildet die Darstellung der Entwicklung der antiken Kirche. Diese wird ergänzt durch kritische Betrachtungen zur Rolle vor allem der katholischen Kirche im Mittelalter und in der Neuzeit. Das Werk ist in vier Bücher unterteilt. Ein ausführlicher Anmerkungsteil ist beigefügt. Hier werden die Quellen zu mehr als 4000 Textstellen im Buch benannt, die Liste der benutzten Sekundärliteratur umfasst mehr als 700 Titel.

Erstes Buch, Die Evangelien und ihr Umkreis:

Die Geschichtlichkeit Jesu wird untersucht, ebenso die Frage nach der Entstehungsgeschichte der Evangelien. Hierzu werden verschiedene historische Quellen herangezogen, die die zahlreichen frühgeschichtlichen "Umdeutungen" der biblischen Texte belegen sollen. Es werden vergleichende Betrachtungen zu Buddha, Asklepios u.a. angestellt.

Einleitend weist Deschner darauf hin, dass kirchliche Kräfte über die Jahrhunderte ein Interesse daran hatten, dass die Laien vom Originaltext der Bibel fern gehalten wurden und führt zwei Belege an.

Die Synode von Toulouse bestímmte im Jahr 1229: {{#if:

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„Die Laien dürfen die Bücher des Alten und Neuen Testaments nicht besitzen.“

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In einem kirchlichen Gutachten unter Papst Julius III. (1550-1555) heißt es: {{#if:

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„Endlich ist unter allen Ratschlägen, die wir zur Zeit geben können, der wichtigste, mit allen Kräften dahin zu streben, daß niemand auch das geringste aus dem Evangelium vorzüglich in der Volkssprache zu lesen erlaubt ist und werde.“

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Zweites Buch, Paulus:

In diesem Buch geht der Autor den Polarisationen in der christlichen Urgemeinde, sowie dem tatsächlichen und dem vermeintlichen Wirken des Paulus nach. Zur Rolle der Frau und zu den Anfängen des Zölibates gibt es in diesem Abschnitt eigene Kapitel.

Drittes Buch, Der Frühkatholizismus:

Vom Autor werden die Gründe für die frühchristliche Expansion untersucht, sowie die Einrichtung erster christlicher Ämter und die Anfänge des Papsttums. Der Entstehung des Heiligenkultes aus der Märtyrer-Verehrung im 3. Jahrhundert wird in diesem Abschnitt ebenso nachgegangen wie dem Marienkult.

Viertes Buch, Die siegende Kirche

In diesem Buch wird die Auseinandersetzung der katholischen Kirche mit Juden, Heiden und Ketzern anhand zahlreicher historischer Belege dargestellt. Der Stellung der katholischen Kirche zum Krieg ist ein eigenes Kapitel gewidmet.

Kritik

Deschners Werk Abermals krähte der Hahn gilt unter Kirchenkritikern als ein Standardwerk der Kirchenkritik, ist andererseits (vor allem unter Theologen und Kirchenhistorikern) aber auch heftig umstritten. Es greift auf ein umfängliches Studium älterer und zur Abfassungszeit aktueller Literatur zurück und kann auch von interessierten Laien gelesen werden. Darüber hinaus empfiehlt der Autor seinen Lesern ausdrücklich: ..die Lektüre katholischer Werke, vorausgesetzt eben, dass man sie wenigstens mit einigen Werken ihrer Gegner vergleicht.

"Abermals krähte der Hahn" wurde seit seinem Erscheinen sehr kontrovers diskutiert. Kritisch wird unter anderem eingewandt:

  • Deschners Werk sei in vielen Einzelheiten ungenau und enthalte eine Reihe faktischer Irrtümer, die mit sorgfältiger historischer Arbeit nicht vereinbar seien. Beispiele seien die ohne Belege vorgebrachte Behauptungen, die Vulgata sei von der Kirche jahrhundertelang abgelehnt worden oder es gebe in der römischen Kirche erst seit dem 14. Jahrhundert eine kirchliche Trauung. Ein extremer Fall sei es, wenn er die Zahl der ermordeten Hexen, die dem Heiligen Stuhl zum Opfer gefallen sei, mit neun Millionen angibt. Die heutige Forschung geht für die gesamte Hexenverfolgung (auch in protestantischen Gebieten) von deutlich unter 100.000 Opfern aus.
  • Die vielen Anmerkungen und Belegstellen täuschten Wissenschaftlichkeit nur vor, da wichtige Aussagen gar nicht belegt seien, die Belegstellen zum Teil wissenschaftlichen Ansprüchen in keiner Weise genügten (dies sei etwa für die Zahl der Hexenverbrennungen der Fall), die zitierten Werke nicht korrekt wiedergäben oder auch die tatsächliche Quelle für eine Aussage verschleierten oder zumindest schwer nachvollziehbar machten.
  • Um seine kritische Tendenz zu unterstützen, lasse Deschner teilweise durch seine Formulierungen neutrale oder in sich positive Vorgänge in einem schlechten Licht erscheinen, so wenn er etwa über Hieronymus schreibt: "Der päpstliche Sektretär änderte dabei [bei der Herstellung eines einheitlichen lateinischen Textes] den Wortlaut der Vorlage, die er als Basis für seine 'Berichtigung' der vier Evangelien benutzte, an 3500 Stellen", ohne mit einem Wort zu erwähnen, dass Hieronymus das im Rückgriff auf den griechischen Urtext getan hätte.
  • Durch seine Methode, einseitig negative Tatbestände zu sammeln und diese zum Teil noch polemisch zu übersteigern, lasse er ein historisch undifferenziertes und falsches Bild der Geschichte des Christentums als Ganzem, wie auch einzelner Perioden und Persönlichkeiten entstehen, das nur noch eine Karikatur der tatsächlichen historischen Begebenheiten darstelle. Dies sei insbesondere auch deshalb fragwürdig, da er durch seine Formulierungen immer wieder nahelege, dass seine Darstellung einen Gesamteindruck ermögliche. (So wenn er etwa sein Werk in der Einleitung eine "Kirchengeschichte" nennt.)

Verteidiger des Werkes Deschners wenden dagegen ein, dass Deschner keine Falschbehauptungen nachgewiesen werden konnten, da er ja fast ausschließlich die Arbeiten von Theologen für sein Werk herangezogen hätte. So stünde die kirchliche Kritik vor dem Dilemma, das Werk entweder gar nicht zu kritisieren oder letztendlich die eigenen Theologen zu treffen (mit eventuell fatalen Folgen). Negativkritik habe sich damit im Wesentlichen auf Vorwürfe wie "Einseitigkeit", "Unausgewogenheit" u.dgl. beschränkt, bzw. auf einige wenige Details (wie die Zahl der Hexenverbrennungen), die für das Gesamtwerk von nur untergeordneter Bedeutung seien. Aber auch diese Negativkritiken seien selber in die Kritik geraten, denn man gelange schnell zu Fragen wie "Darf ein Wissenschaftler den Gegenstand seiner Forschung frei wählen?" oder "Ist die Wirklichkeit ausgewogen?".

Positivkritik wurde dahingehend geäußert, dass erstmals ein sich fast ausschließlich auf historische Tatsachen (die in den Theologenkreise natürlich lange bekannt waren) stützendes kirchenkritisches Werk, für den Laien verständlich aufbereitet, geschaffen worden sei.

Siehe auch

Literatur

  • Deschner, Karlheinz: Abermals krähte der Hahn; Eine kritische Kirchengeschichte von den Anfängen bis zu Pius XII., Stuttgart: Günther, 1. A. Dezember 1962; diverse Neu-Auflagen mit wechselnden Untertiteln im Rowohlt-Verlag, Econ-Verlag und im Goldmann Verlag

Weblinks


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