Unerfüllte Prophezeiungen in der Bibel

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Version vom 3. Januar 2009, 16:19 Uhr von Nikolai (Diskussion | Beiträge) (Historisch belegtes Nichteintreffen biblischer Prophezeiungen)
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Unerfüllte Prophezeiungen in der Bibel dürfte es nicht geben, wäre die Bibel, wie einige Christen meinen, ein göttlich inspiriertes und irrtumsfreies Wort Gottes. Die Bibel selbst bestätigt dieses Prinzip:

... Wenn ein Prophet im Namen des Herrn spricht und sein Wort sich nicht erfüllt und nicht eintrifft, dann ist es ein Wort, das nicht der Herr gesprochen hat. Der Prophet hat sich nur angemaßt, es zu sprechen. ...[1]

Naherwartung

Ein Hauptgegenstand der Predigten Jesu war das „Reich Gottes“. Das Kommen dieses Reiches stehe nahe bevor, prophezeite er; einige seiner Zuhörer würden es erleben:

Amen, ich sage euch: Von denen, die hier stehen, werden einige den Tod nicht erleiden, bis sie den Menschensohn in seiner königlichen Macht kommen sehen.[2]

Ein derart spektakuläres Ereignis ist jedoch offensichtlich nicht eingetreten. „Es bedarf keines Wortes, dass sich Jesus in der Erwartung des nahen Weltendes getäuscht hat“, schrieb der Theologe Rudolf Bultmann.[3]

Durch die Bibel selbst bezeugtes Nichteintreffen biblischer Prophezeiungen

  • Laut 2. Könige 22:20 sollte Josia friedlich sterben. Aber laut 2. Könige 23:29-30 starb er gewaltsam.
  • Auch die prophezeite Zerstörung Ninives innerhalb von 40 Tagen (Jona 3:4) fand dann doch nicht statt (Jona 3:10).

Historisch belegtes Nichteintreffen biblischer Prophezeiungen

  • Ägypten sollte gering werden und sich nicht mehr über andere Völker erheben (Hesekiel 29:15).

Tatsächlich aber besiegte Ägypten zu Beginn des 19. Jahrhunderts den Sudan und beherrschte das fremde Land.

  • Laut Jeremia 42:17 sollten alle Juden, die nach Ägypten auswandern, umkommen.

Dennoch wanderten Juden nach Ägypten aus, aber anstatt - wie prophezeit - umzukommen, errichteten sie ein kulturelles Zentrum in Alexandrien, wo ihre Nachkommen noch heute leben.

  • Laut Jesaja 17:1-3 sollte Damaskus keine Stadt mehr sein, sondern für immer verlassen.

Aber Damaskus existiert bekanntlich heute immer noch.

  • Laut Hesekiel 26 sollte Tyrus zerstört und nie wieder aufgebaut werden.

Tyrus erlebte zwar militärische Gewalt und auch Vernichtung, aber es existiert heute immer noch (bzw. wieder) eine Stadt Tyrus.

  • Unbeschnittene und Unreine sollten Jerusalem nicht mehr betreten (Jesaja 52:1).

Aber es dürfte wohl offenkundig sein, dass nach wie vor Unbeschnittene und "Unreine" Jerusalem weiterhin betreten.

  • Den Juden wird eine bedrängnisfreie Heimat versprochen, in der sie angstfrei leben sollen (2. Samuel 7:10).

In der Tat leben heute zwar wieder Millionen Juden in Israel, aber diese leben dort bedauerlicher Weise wohl kaum völlig frei von Angst und Bedrängnis, weil es nämlich in Palästina bekanntlich immer wieder zu terroristischer und militärischer Gewalt kommt.

Fußnoten

  1. Deuteronomium = 5. Mose 18,22, zitiert nach der Einheitsübersetzung
  2. Matthäus 16,28; zitiert nach der Einheitsübersetzung
  3. zitiert nach: Karlheinz Deschner, Abermals krähte der Hahn, S. 26

Literatur

  • Karlheinz Deschner: Abermals krähte der Hahn. Eine kritische Betrachtung kirchlicher Lehren und ihrer historischen Hintergründe. Knesebeck, München 2004, ISBN 3442720257
  • Johannes Maria Lehner: Und die Bibel hat doch NICHT Recht. Historia, Ulm 2005, ISBN 3980869113
  • Walter-Jörg Langbein: Lexikon der biblischen Irrtümer. Von A wie Auferstehung Christi bis Z wie Zeugen Jehovas. Langen/Müller, München 2003, ISBN 378442922X
  • Walter-Jörg Langbein: Lexikon der Irrtümer des Neuen Testaments. Von A wie Apokalypse bis Z wie Zölibat. Langen/Müller, München 2004, ISBN 3784429750
  • Klaus Schmeh: Planeten und Propheten. Ein kritischer Blick auf Astrologie und Wahrsagerei. Alibri, Aschaffenburg 2006, ISBN 3-86569-008-4
  • C. Dennis McKinsey: Encyclopedia of Biblical Errancy, Prometheus Book, Amherst 1995, ISBN 0879759267

Weblinks

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