Renaissance

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Das französische Wort Renaissance bedeutet Wiedergeburt. Bezogen auf seinen Ursprung bedeutet der Begriff die „kulturelle Wiedergeburt der Antike“. Im weiteren Sinne meint Renaissance daher die Wiedergeburt des klassischen Altertums in seinem Einfluss auf die Wissenschaft, die Literatur, die Gesellschaft, das Leben der vornehmen Kreise und die Entwicklung der Menschen zu individueller Freiheit im Gegensatz zum Ständewesen des Mittelalters. Im engeren Sinne versteht man unter der Renaissance eine kunstgeschichtliche Epoche.

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Leonardo da Vinci: Proportionsstudie nach Vitruv (1492)

Allgemein wird der Begriff Renaissance auch verwendet, um die Wiedergeburt der Werte, Bauwerke usw. eines vergangenen Zeitalters oder einer Werteordnung zu bezeichnen.

Zeitliche Einordnung

Die Anfänge der Renaissanceepoche werden im 14. Jahrhundert in Italien gesehen; als Kernzeitraum gilt das 15. und 16. Jahrhundert. Gegenüber dem älteren wissenschaftlichen Modell einer Initalbewegung in Italien und der unaufhaltsamen nachfolgenden Ausbreitung über Europa geht man heute in den Kulturwissenschaften immer mehr von einer mehrsträngigen und vernetzten Situation wechselseitiger Einflüsse aus.[1] [2]

Der Renaissance voraus ging die kulturgeschichtliche Epoche der Gotik, der Renaissance folgte der Barock.

Etymologie

Erstmals wurde der Begriff ital. rinascita oder Rinascimento = Wiedergeburt) 1550 von dem italienischen Künstler und Künstlerbiographen Giorgio Vasari verwendet, um die Überwindung der mittelalterlichen Kunst zu bezeichnen. Vasari unterscheidet in der Entwicklung der Kunst drei Zeitalter:

  1. das glanzvolle Zeitalter der griechisch-römischen Antike;
  2. ein Zwischenzeitalter des Verfalls, das etwa mit der Epoche des Mittelalters gleichgesetzt werden kann;
  3. das Zeitalter des Wiederauflebens der Künste und der Wiedergeburt des antiken Geistes im Mittelalter seit etwa 1250.

So hätten bereits die italienischen Bildhauer, Architekten und Maler der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, darunter Arnolfo di Cambio, Niccolò Pisano, Cimabue oder Giotto di Bondone, „in dunkelsten Zeiten den Meistern, die nach ihnen kamen, den Weg gewiesen, der zur Vollkommenheit führt“.

Um 1820/30 wurde er in der heute geläufigen Schreibweise aus dem Italienischen ins Französische übernommen, bis etwa 1840 im deutschsprachigen Schrifttum eine Entlehnung aus dem Französischen erfolgte, um eine kulturgeschichtliche Epoche Europas während des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit zu benennen. Der Begriff wurde maßgebend vom Basler Historiker Jacob Burckhardt mit seinem Werk „Die Kultur der Renaissance in Italien“ geprägt.

Ursprünge der Renaissance

Es gibt verschiedene Theorien, warum sich die Renaissance im Italien des ausgehenden Mittelalters entwickelt hat:

Assimilation des griechischen und arabischen Wissens

Das Wissen und die Ideen der Antike, die im Europa des Früh- und Hochmittelalters vergessen wurden, waren in Klosterbibliotheken, im arabischen Kulturkreis und Byzanz bewahrt worden. Wissenschaftler wie Gianfrancesco Poggio Bracciolini oder Niccolo Niccoli durchsuchten die Bibliotheken nach Werken klassischer Autoren wie Platon, Cicero und Vitruv.[3] Außerdem wurde während der fortschreitenden Reconquista auf der Iberischen Halbinsel eine Vielzahl von Werken griechischer und arabischer Autoren erobert. Alleine die Bibliothek von Cordoba soll 400.000 Bücher umfasst haben.[4]

Der Niedergang des Byzantinischen Reichs nach dem Vierten Kreuzzug bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Türken führte auch dazu, dass griechische Gelehrte nach Italien kamen, die das Wissen über die Kultur der griechischen Antike mitbrachten, welches im Byzantinischen Reich nach dem Untergang Westroms nahezu 1000 Jahre lang konserviert worden war. Bereits einige Jahre vor dem Ende des Oströmischen, also Byzantinischen (griechischen) Reiches war der Italiener Giovanni Aurispa nach Konstantinopel gegangen und hatte 1423 von dort über 200 Codizes mit Texten antiker profaner Literatur nach Italien gebracht.[5]

Soziale und politische Strukturen

Auch die sozialen und politischen Gegebenheiten im Italien des ausgehenden Mittelalters können ein Grund für die Umbrüche sein. Italien existierte nicht als politische Einheit, sondern war in kleinere Stadtstaaten und Territorien aufgeteilt. Im 15. Jahrhundert war Italien eine der am stärksten urbanisierten Gegenden Europas. Die Städte waren Republiken, auch wenn wir sie aus heutiger Sicht als Oligarchien bezeichnen würden, und boten relative politische Freiheit, die sich in wissenschaftlichen und künstlerischen Fortschritten widerspiegelte.[6] Die Position der italienischen Städte als Handelszentren brachten sie in Kontakt mit entfernten Gegenden, vor allem mit der Levante. Der Wohlstand, der durch den Handel entstand, machte es möglich, große öffentliche und private Kunstprojekte in Auftrag zu geben. Außerdem konnte mehr Zeit für Bildung aufgewendet werden.[7]

Der Schwarze Tod

Eine weitere Theorie macht den "Schwarzen Tod" und die daraus resultierende Änderung der Weltanschauung im 14. Jahrhundert für die Renaissance verantwortlich. Er führte dazu, dass man sich stärker auf das Irdische statt auf Spiritualität und Jenseits konzentrierte. Außerdem wurden religiöse Kunstwerke finanziert. Dies alles erklärt jedoch nicht, warum die Renaissance in Italien begann, da es sich um eine Pandemie handelte, die überall in Europa wütete und nicht nur in Italien. Vermutlich muss die Renaissance als komplexes Zusammenspiel aller Faktoren gesehen werden.

Selbstverständnis

Das wesentliche Charakteristikum ist die Wiedergeburt des antiken Geistes. Der Humanismus ist die wesentliche Geistesbewegung der Zeit. Vorreiter waren italienische Dichter des 14. Jahrhunderts wie Francesco Petrarca, der durch seine ausgiebige Beschäftigung mit antiken Schriftstellern und durch seinen Individualismus den Glauben an den Wert humanistischer Bildung förderte und das Studium der Sprachen, der Literatur, der Geschichte und Philosophie außerhalb eines religiösen Zusammenhangs - als Selbstzweck - befürwortete. Das theozentrische Weltbild des Mittelalters wurde abgelöst durch eine stärker anthropozentrische Sicht der Dinge.

Diese „Wiedergeburt“ manifestierte sich darin, dass zahlreiche Elemente des Gedankenguts der Antike neu entdeckt und belebt wurden (Schriften, Baudenkmäler, Skulpturen, Philosophen, etc.). Dies wird insbesondere in den Künsten und ihren neuen, als fortschrittlich empfundenen Prinzipien deutlich, in denen die mystisch-geistig orientierte Formensprache des Mittelalters von weltlicher, mathematisch-wissenschaftlicher Klarheit abgelöst wurde. Als beispielhaft für die neue Weltsicht kann die Proportionsstudie von Leonardo da Vinci betrachtet werden. In ihr wird der Mensch in seiner körperlichen Beschaffenheit in das Zentrum gesetzt und zum Maßstab für ein neues Ordnungssystem gemacht. Man kann die Renaissance damit als Beginn der neuzeitlichen anthropozentrischen Weltsicht begreifen.

Philosophie

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Seite mit Holzschnittbordüre aus dem ersten Band des neunbändigen Gesamtwerkes über die Schriften des Hl. Hieronymus (ca. 350–420), das bei Johannes Froben (1460–1527) in Basel vom 13. Januar bis 25. August 1516 gedruckt wurde. Wesentlich mitgearbeitet hat an der Ausgabe Erasmus von Rotterdam. Original im Besitz von Henryart

Die Philosophie der Renaissance wendet sich vom scholastisch vorchristlich aristotelischen Denken ab und ist vor allem dem Platonismus verpflichtet. Sämtliche Schriften Platons wurden ins Lateinische übersetzt. Viele Denker der Renaissance hängen dem Neuplatonismus an, der durch Georgios Gemistos Plethon, Marsilio Ficino und Giovanni Pico della Mirandola verbreitet wird. Eine weit verbreitete Geisteshaltung unter Gelehrten der Renaissance war auch der Humanismus.

Bildende Kunst

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Leonardo da Vinci, Dame mit Hermelin. Im Besitz des Czartoryski-Museum in Krakau

In der Kunst waren Brunelleschi, Ghiberti und Donato di Niccolò di Betto Bardi (Donatello) die Bahnbrecher der neuen Richtung, die schon in der Protorenaissance des 13. und 14. Jahrhunderts in den Pisani und in Giotto und anderen Künstlern ihre Vorläufer gehabt hatten. Grob kann man sagen: In Italien wird die Zeit etwa von 1420 bis 1600 als Renaissance bezeichnet, im übrigen Europa etwa die Zeit von 1500 bis 1600.

Zur Nachahmung der antiken Kunst gesellte sich im 15. Jahrhundert die intensivere Beschäftigung mit der Natur, die einen wichtigen Aspekt in der Entwicklungsgeschichte der Renaissancekunst darstellt. Schon vor Vasari hatten Dichter wie Boccaccio den Maler Giotto dafür gerühmt, dass er die Dinge so naturgetreu wie niemand vor ihm abzubilden verstand. Die Tendenz, Gegenstände und Personen der Natur gemäß zu gestalten, war seitdem ein Hauptanliegen der Künstler. In nahezu perfekter Ausprägung gelang ihnen eine solche naturalistische Darstellungsweise allerdings erst seit dem 15. Jahrhundert. Daher beschränken Kunsthistoriker den Renaissancebegriff meist nur auf die Kunstäußerungen des 15. Jahrhunderts, des Quattrocento, und auf die des 16. Jahrhunderts, des Cinquecento.

Eng mit der Forderung nach der Naturwahrheit in der Kunst hängt das Bekenntnis der Künstler zur Antike zusammen. Man bewunderte die antiken Kunstwerke als mustergültige Beispiele naturgemäßer Gestaltung und damit als nachzuahmende Beispiele dafür, wie man selbst die Natur darzustellen hatte. Der italienische Architekturtheoretiker Leon Battista Alberti forderte darüber hinaus, dass sich die Künstler darum bemühen sollten, „den antiken Meistern nicht nur gleichzukommen, sondern sie womöglich noch zu übertreffen“. Das heißt: Gute Kunst sollte das, was einem die Realität bietet, nicht getreu abbilden, sondern versuchen, das Naturvorbild zu verbessern und zu idealisieren.

Neben der Neubestimmung des Verhältnisses der Kunst zur Natur und der Verehrung der Antike stellte die Renaissance also auch die Frage nach dem Wesen der Schönheit. Die Künstler versuchen z.B., den idealschönen Menschen darzustellen. Ideale Maße und Proportionen spielen sowohl bei der Darstellung des menschlichen Körpers in der Malerei und Skulptur als auch bei der Konzipierung von Gebäuden eine Rolle. Die Künstler entwickeln mit der Zentralperspektive eine Methode, mit mathematischer Exaktheit Verkürzungen in der Raumtiefe darzustellen.

Üblicherweise teilt man die kunstgeschichtliche Epoche der Renaissance, vor allem die italienische Renaissance, in drei Perioden ein:

  1. Frührenaissance
  2. Hochrenaissance
  3. Spätrenaissance oder Manierismus

Den ersten Abschnitt der Renaissance nennt man Frührenaissance (von etwa 1420 bis 1490/1500). Sie nimmt ihren Ausgangspunkt in Florenz mit den Skulpturen Donatellos, den Bronzereliefs Ghibertis, den Fresken Masaccios und den Bauten Filippo Brunelleschis. Die Zeit von ca. 1490/1500 bis 1520 bezeichnet man als Hochrenaissance. Zentrum dieser Periode, die sich durch das Streben nach höchster Vollkommenheit und Harmonie in der Kunst auszeichnet, ist das päpstliche Rom. In diese Zeit fallen Bramantes Zentralbau-Entwürfe für die neue Peterskirche in Rom, Leonardo da Vincis berühmteste Bilder („Das Abendmahl“; „Mona Lisa“, „Dame mit Hermelin“), Raffaels Ausmalung der „Stanzen“ (der Gemächer des Papstes) und sein berühmtestes Altarbild, die „Sixtinische Madonna“, Michelangelos Skulpturen („David“, „Moses“) und seine Fresken an der Decke der Sixtinischen Kapelle sowie Dürers Meisterstiche. Es folgt die etwa bis 1590 reichende Periode der Spätrenaissance oder des Manierismus, die durch unterschiedliche künstlerische Tendenzen gekennzeichnet ist. So neigt der Manierismus zu Übertreibungen des Formenrepertoires der Hochrenaissance (z.B. übertriebene Raumfluchten, überlange und verdreht dargestellte menschliche Körper in heftiger Bewegung). Ein Merkmal des Manierismus ist z. B. die Figura serpentinata, wie sie der Bildhauer Giovanni da Bologna in seinem „Raub der Sabinerin“ (1583) dargestellt hat. Menschliche Gestalten werden dabei als sich schlangenartig nach oben windende Körper wiedergegeben. Die letzte Phase der Spätrenaissance geht dann allmählich in den Barockstil über.

Doch nicht überall in Europa läuft die Epoche der Renaissance nach einem identischen Muster ab. Während in Italien der Geist der Renaissance am frühesten einsetzte, besonders blühte und gleichermaßen Einfluss auf die Malerei, Bildhauerei und Architektur nahm, begann im Norden die Renaissance erst um oder nach 1500 und konnte sich hier nur bedingt und mit nationalem Einschlag durchsetzen. Auch sind in den Ländern außerhalb Italiens die Architektur und Bildhauerkunst stärker als die Malerei von der Antike beeinflusst worden. In Frankreich und Deutschland vermischte sich der antike Stil mit nationalen Elementen, welche in der ersten Epoche der Renaissance, der Frührenaissance, naturgemäß stärker hervortraten als in der Periode der Spätrenaissance, welche die antiken Formen üppiger und kräftiger ausbildete und so zu den Übertreibungen des Barockstils überleitete. Eine nationale Färbung hat die Renaissance auch in den Niederlande]n, in Polen, in England und in Spanien erfahren.

Wichtige Renaissancekünstler

Malerei

Die Mehrzahl der Gemälde der Renaissancekunst sind Altarbilder und Fresken religiösen Inhalts, die für Kirchen gemalt wurden. Die religiöse Gestalt wurde jedoch vermenschlicht, indem sie in einer irdischen Umgebung dargestellt wurde (Alltagskleidung). Außerdem entstanden Bilder mit weltlichen oder heidnisch-mythologischen Themen (z. B. Allegorien, antike Götter- und Heldensagen, antike Geschichte) und individuelle Bildnisse zeitgenössischer Persönlichkeiten. Daneben entwickelten sich auch erste Landschaftsdarstellungen und Sittenbilder, die das zeitgenössische Leben repräsentieren. Die Landschaftsdarstellungen sollten jedoch nicht ein genaues Abbild der Wirklichkeit darstellen, vielmehr symbolisierten sie das Grundprinzip der Schönheit. Diese Schönheit wurde als Natur definiert.

Die Raumtiefe wird mit den Mitteln der Zentralperspektive, also eines Fluchtliniensystems, geometrisch genau konstruiert. Hinzu kommen die Mittel der Luft- und Farbperspektive. Um ein dreidimensional wirkendes Bild auf einer zweidimensionalen Fläche darstellen zu können, musste sich der Künstler an optische und geometrische Regeln halten. Diese legten fest, dass der Horizont waagerecht auf Augenhöhe des Betrachters liegt. Um einem Bild räumliche Tiefe zu verleihen, laufen all seine parallel zum Erdboden verlaufenden Tiefenlinien auf einen Fluchtpunkt zu, der auf der Horizontlinie liegt.

In der Renaissance wurde immer mehr Wert auf die Anatomie des Menschen gelegt. Die Künstler erforschten Muskelzüge, Bewegungen, Verkürzungen und die Körperproportion an sich. Trotz dieser genauen Studien wurde der nackte menschliche Körper, wie bereits in der Antike, als Akt in idealisierten Proportionen dargestellt. Der Künstler sah seine Aufgabe darin, aus der Fülle der menschlichen Natur das Schöne herauszufiltern und so körperliche Vollkommenheit auszudrücken. So kommt es auch, dass die Nacktheit symbolisch für die Unschuld stand, da sie als natürlich empfunden wurde und so ursprüngliche Schönheit ausdrückte. All diese Auffassungen von der menschlichen Gestalt wurden wie andere Dinge aus der Antike übernommen.

Ein symmetrischer, harmonisch ausgewogener Bildaufbau, unterstützt durch innerbildliche Kreis-, Halbkreis- und Dreiecksformen, wurde in der Malerei bevorzugt.

Bildhauerei

Die Bildhauer der Renaissance schaffen vor allem Standfiguren und Bildnis-Büsten. Auf den Plätzen der Städte werden Monumentalplastiken, beispielsweise in Form von Reiterstandbildern aufgestellt. Die Grabplastik für weltliche und geistliche Würdenträger verbindet - z. B. in Form eines Wandgrabmals - die Skulptur mit der Architektur zu einem Gesamtkunstwerk.

Renaissancebildhauer orientieren sich bei ihrer Arbeit an antiken Vorbildern. Skulpturen werden allseitig durchmodelliert, der Mensch in seiner Nacktheit dargestellt, die Beinstellung erfolgt oft im klassischen Kontrapost. Anatomische Vorstudien dienen dazu, den menschlichen Körper wirklichkeitsgetreu wiederzugeben.

Architektur

Prinzipiell kann man in der Architektur der Renaissance drei Tendenzen ausmachen. Die eine besteht darin, die Formensprache der Antike in klassischer Strenge wieder zu beleben. In Italien war dieses Ziel mit der Hochrenaissance durch Donato Bramante gegen 1500 erreicht und setzte sich von da an in ganz Italien durch. Italienische Renaissancebauten wurden klar, überschaubar und harmonisch ausgewogen konzipiert.

Die Architekten orientierten sich bei den Grundrissen an einfachen idealen geometrischen Formen wie dem Quadrat oder dem Kreis. Man entlehnt Bauelemente wie Säulen, Pilaster, Kapitelle, Dreiecksgiebel etc. direkt der (Griechischen) Antike. Daneben kommt es zu eigenen, von antiken Vorbildern abgeleiteten Entwicklungen, etwa der toskanischen Säule. Die einzelnen Bauglieder hatten unter sich und mit dem ganzen Gebäude in Übereinstimmung zu stehen. Man studiert die Architektur-Traktate des römischen Baumeisters Vitruv, um daraus Anhaltspunkte für idealschöne Proportionen zu gewinnen.

Die zweite Tendenz besteht darin, der Antike entlehnte, aber auch neue formensprachliche Elemente wie in der mittelalterlichen Baukunst in analogischer Weise zu variieren, ohne eine streng gesetzmäßige Baukunst anzustreben. Wichtiger als die klassische Regel ist der inhaltliche Aspekt der antikisierenden Motive, die hohes soziales Prestige, aber auch antikes Ethos vermitteln.

Die dritte Tendenz ist die Weiterverwendung gotischer Motive, die im Gegensatz zu den antiken Formen als modern empfunden werden und gerne zur Kennzeichnung von Kirchengebäuden verwendet werden.[8]

Auf der Seite der Architekturtheorie findet sich erstere Tendenz im Architekturtraktat wieder, letztere im Musterbuch. Generell kann gesagt werden, dass je stärker eine Kultur das Mittelalter nicht als Kulturverfall und im Gegensatz zur Antike empfand, desto mehr wurde die zweite und dritte Tendenz bevorzug, d. h. das gilt vor allem im mittel- und nordeuropäischen Raum.

In Frankreich war die klassische antikisierende Strenge der Hochrenaissance gegen 1550 eingeholt (vgl. Westflügel des Louvre 1550 - 1558 durch Pierre Lescot), daneben gab es aber zahlreiche Kirchenbaustellen, auf denen noch mit gotischen Motiven gebaut wurde. Auf der iberischen Halbinsel bilden beide Tendenzen ein Nebeneinander, das sich bis in die Barockzeit fortsetzt. Im germanischen Europa und Polen kam es teilweise zu einer Vermischung beider Tendenzen (z. B. Heidelberger Schloss oder Wawel Schloss in Krakau), jedoch blieb die analogische Form der Renaissance bis zum Schluss dominant.

Entsprechend diesen drei Tendenzen kann man sich an unterschiedlichen Stilkriterien orientieren:

a) Antikische, klassizistische Renaissance:

  • Akademisch korrekte Säulenordnungen nach der Lehre des Vitruv.
  • Betonung der Horizontalen
  • Säulenschäfte nach dem Vorbild der Antike entweder kanneliert oder glatt.
  • Grundrisse und Fassaden mit Rücksicht auf Symmetrie und Regelmäßigkeit gestaltet.
  • Der Architekt versteht sich als Künstler und gehört der gebildeten Oberschicht des Landes an.


b) Analogische Renaissance (Früh- bzw. nordische Renaissance):

  • Die Nachahmung antiker Bauelemente wie Gebälke, Kapitelle oder Profile geschieht nicht in voller Strenge, sondern gemäß der mittelalterlichen Baupraxis nur imitatorisch-variierend. Teilweise stammen die Vorlagen aus der der Antike ähnlichen romanischen Architektur. Beispiel: Der Turm der Heilbronner Kilianskirche ab 1513
  • Häufig reiche Ornamentierungen durch Maßwerk, Arabesken, später durch Rollwerk, Beschlagwerk, Schweifwerk u. a.
  • Vertikale in der Tradition der Gotik nach wie vor stark betont
  • Soziologisch oft der Tradition mittelalterlicher Handwerksbetriebe verpflichtete, aber auch im höfischen Umfeld angesiedelte Werkmeister und Architekten. Die Werkmmeister sind in der Regel keine Intellektuellen wie in Italien.
  • Säulenschäfte werden oft noch zusätzlich mit Ornament überzogen.
  • Oft asymmetrische Grundrisse und Fassaden.

c) Renaissancegotik oder auch Nachgotik:[9] .[10]

  • Verwendung jener gotischen Motive und Bauelemente, auch in Verbindung mit antiken Motiven, die immer noch modern gelten und noch nicht als „gotisch“ abgewertet sind (z.B. Rippengewölbe, Maßwerkfenster, Maßwerkbrüstungen). Ein Beispiel ist die Kirche St. Mariä Himmelfahrt (Köln)


Zu den frühen Renaissance-Schlössern Deutschlands zählt Schloss Hartenfels in Torgau, hier erfolgten zwischen 1533 und 1544 Um- und Erweiterungsbauten im Stil der Frührenaissance, manchmal wird aber auch schon die Albrechtsburg über Meißen (ab 1471) aufgrund ihrer zahlreichen Innovationen zur Renaissanceepoche gerechnet. Der Schönhof in Görlitz wurde ab 1526 erbaut. Beispiele für den frühen deutschen Sakralbau der Renaissance sind die Fuggerkapelle in Augsburg (ab 1508) und der Turm der Heilbronner Kilianskirche (ab 1513).

Dichter und Schriftsteller der Renaissance

In der Literatur leiten im 14. Jahrhundert Dante Alighieris „Göttliche Komödie“ (La Divina Commedia, 1307-21), Francesco Petrarcas Briefe, Traktate und Gedichte und Giovanni Boccaccios Il Decamerone (1353) das Zeitalter der Renaissance ein. Graf Baldassare Castiglione beschreibt in Il Cortegiano (1528) den Idealtypus eines Renaissancemenschen.

Man darf auch nicht vergessen, dass die Literatur nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg in der Renaissancezeit einen ungeheuren Aufschwung nahm.

Zu den berühmten Dichtern und Schriftstellern der Renaissance zählen:

Musik

Die Musik der Renaissance war zunächst durch das Zeitalter der Franko-Flamen bestimmt, ab der Mitte des 16. Jahrhunderts kamen die wesentlichen Impulse dann aus Italien, besonders durch Komponistenströmungen wie die Florentiner Camerata, die Römische Schule und die Venezianische Schule.

Einige bedeutende Komponisten der Renaissance:

  • Guillaume Dufay (1400–1474)
  • Johannes Ockeghem (1425–1497)
  • Josquin Desprez (1440–1505)
  • Heinrich Isaac (1450–1517)
  • Jacob Obrecht (1450–1505)
  • Paul Hofhaimer (1459–1537)
  • Mateu Fletxa el Vell (1481-1553)
  • Ludwig Senfl (1486–1543)
  • Thomas Tallis (1505–1585)
  • Hans Neusiedler (1508–1563)
  • Giovanni Pierluigi da Palestrina (ca. 1525–1594)
  • Orlando di Lasso (1532–1594)

Besondere Eigenschaften und Stilmittel der Renaissancemusik:

  • Musik als Werk von (nicht mehr anonymen) Komponisten;
  • Musik zur geselligen Unterhaltung (z. B. Liebes-, Trink- und Jahreszeitenlieder) statt alleinigen Gotteslobes;
  • reiche Polyphonie (Mehrstimmigkeit) in der Kirchenmusik, homophon behandelte Volkslied-Melodien im weltlichen Bereich;
  • Instrumentenbau in ganzen Familien: Blockflöten, Gamben und viele mehr (v. a. Blasinstrumente), dazu die Laute;
  • prinzipielle Austauschbarkeit von Vokal- und Instrumentalpartien, keine feste Instrumentierung;
  • gegenüber der mittelalterlichen Musik geändertes Harmonie-Empfinden: Terzen und Sexten werden seit der Renaissance als konsonant empfunden.

Ökonomie/Soziales

Ökonomisch kam es in der Renaissance zur Durchbrechung des mittelalterlichen Zinsverbots und zur Abschaffung der mittelalterlichen Brakteatenwährung. Dies ermöglichte einerseits den Aufstieg der frühneuzeitlichen Bankhäuser wie die der Fugger oder der Medici, andererseits bedeutete das für viele – insbesondere für die Landbevölkerung – einen beträchtlichen sozialen Abstieg. Die sich daraus ergebenden sozialen Spannungen entluden sich u. a. durch die Bauernkriege.

Die Einführung der Doppelten Buchführung in Konten (Doppik) erlaubte eine sehr viel stärkere Kontrolle des Erfolges wirtschaftlicher Unternehmungen. Auch dies trug wesentlich zum Aufstieg der Medici und Fugger bei.

Nachweise

  1. Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien, München 1998.
  2. Marina Belozerskaya: Rethinking the Renaissance. Burgundian Arts accross Europe, Cambridge (MA) 2002.
  3. Strathern, Paul: The Medici: Godfathers of the Renaissance (2003) p81-90, p172-197
  4. The Islamic World to 1600, University of Calgary Website (Stand 10.05.2007)
  5. History of the Renaissance, HistoryWorld (Stand 10.05.2007)
  6. Julius Kirshner, "Family and Marriage: A socio-legal perspective" Italy in the Age of the Renaissance: 1300-1550, ed. John M. Najemy (Oxford University Press, 2004) p.89
  7. Jacob Burckhardt, "The Republics: Venice and Florence," The Civilization of the Renaissance in Italy (trans. by S.G.C. Middlemore, 1878)
  8. Hermann Hipp: Studien zur "Nachgotik" des 16. und 17. Jahrhunderts in Deutschland, Böhmen, Österreich und der Schweiz. 3 Bde. Diss. Tübingen 1979.
  9. Ethan Matt Kavaler: Renaissance Gothic. Pictures of Geometry and Narratives of Ornament. In: Art History 29 (2006), S. 1 - 46.
  10. Hermann Hipp: Die Bückeburger "structura". Aspekte der Nachgotik im Zusammenhang mit der deutschen Renaissance. In: Renaissance in Nord-Mitteleuropa I (= Schriften des Weserrenaissance-Museums Schloß Brake 4). München, Berlin 1990. S. 159 -170.

Literatur

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  • Jan Bialostocki: Spätmittelalter und beginnende Neuzeit. Propyläen-Verlag, Berlin 1990. ISBN 3-549-05107-7
  • Boris von Brauchitsch (Hrsg.): Renaissance. Das 16. Jahrhundert, Galerie der großen Meister. DuMont, Köln 1999. ISBN 3-7701-4620-4
  • Jakob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Insel-Verlag, Frankfurt/M. 2003. ISBN 3-9332-0389-9
  • Peter Burke: Die europäische Renaissance. Zentren und Peripherien. Beck, München 2005. ISBN 3-406-52796-5
  • André Chastel: Italienische Renaissance. Beck, München 1965.
  • André Chastel: Kunst, Ideen, Geschichte. Der Mythos der Renaissance. Edition Skira, Genf 1969.
  • Denys Hay: Die Renaissance. Die Rückwendung zur Antike. Rheingauer VG, Eltville 1986. ISBN 3-88102-078-0
  • Ernst Gombrich: Zur Kunst der Renaissance. Ausgewählte Aufsätze. Klett-Cotta, Stuttgart
    • 1. - Norm und Form. 1985. ISBN 3-608-76146-2
    • 2. - Das symbolische Bild. 1986. ISBN 3-608-76147-0
    • 3. - Die Entdeckung des Sichtbaren. 1987. ISBN 3-608-76148-9
    • 4. - Neues über alte Meister. 1988. ISBN 3608-76152-7
  • Ludwig H. Heydenreich: Studien zur Architektur der Renaissance. Fink, München 1981. ISBN 3-7705-1066-6
  • Johan Huizinga: Das Problem der Renaissance. Wagenbach, Berlin 1991. ISBN 3-8031-5135-X
  • Michael Jäger: Die Theorie des Schönen in der italienischen Renaissance. DuMont, Köln 1990. ISBN 3-7701-1739-5
  • Hubert Janitschek: Die Gesellschaft der Renaissance in Italien und die Kunst. Vier Vorträge. Spemann, Stuttgart 1879.
  • Georg Kauffmann: Die Kunst des 16. Jahrhunderts. Propyläen-Verlag, Berlin 1990. ISBN 3-549-05108-5
  • Paul Oskar Kristeller: Humanismus und Renaissance. Fink, München
    • 1. - Die antiken und mittelalterlichen Quellen. 1974.
    • 2. - Philosophie, Bildung und Kunst. 1976.
  • Richard Mackenney: Renaissances. The cultures of Italy, ca. 1300 - ca. 1600. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2005. ISBN 0-333-62905-1
  • Walter Paatz: Die Kunst der Renaissance in Italien. Kohlhammer, Stuttgart 1961.
  • Volker Reinhardt: Die Renaissance in Italien. Geschichte und Kultur. Beck, München 2002. ISBN 3-406-47991-X
  • Die Renaissance. Maler des 15. und 16. Jahrhunderts, Eltville a.Rh.: Bechtermünz Verlag, 1989 (Darstellung von 27 Malern der Renaissance und ihrer Werke)
  • Frederick A. van Scheltema: Die Kunst der Renaissance. Kohlhammer, Stuttgart 1957.
  • Erwin Panofsky: Die Renaissancen der europäischen Kunst. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2004. ISBN 3-5182-8483-5
  • Anne Schunicht-Rawe, Vera Lüpkes (Hrsg.): Handbuch der Renaissance. Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich. DuMont, Köln 2002. ISBN 3-8321-5962-2
  • Jeffrey C. Smith: The Northern Renaissance. Phaidon Books, London 2004. ISBN 0-7148-3867-5
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  • Edgar Wind: Heidnische Mysterien in der Renaissance. Suhrkamp, Frankfurt/M. 1987. ISBN 3-5182-8297-2
  • Heinrich Wölfflin: Die klassische Kunst. Einführung in die italienische Renaissance. Schwabe, Basel 1983. ISBN 3-7965-0286-5
  • Manfred Wundram: Renaissance. Reclam, Stuttgart 2004. ISBN 3-15-018173-9
  • Marina Belozerskaya: Rethinking the Renaissance. Burgundian Arts accross Europe. Cambridge (MA) 2002.

Weblinks

Siehe auch



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