Latein: Unterschied zwischen den Versionen

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Als '''Latein''' (lat. ''lingua latina'' „lateinische Sprache“) bezeichnet man die [[Sprache]], die ursprünglich vom Volksstamm der [[Latiner]], den Bewohnern von [[Latium]] mit [[Rom]] als Zentrum, gesprochen wurde. Es war [[Amtssprache]] des [[Römisches Reich|Römischen Reichs]] und zu dieser Zeit dominierende [[Verkehrssprache]] in weiten Teilen Europas. Als [[Sprachtod|tote Sprache]] hat es heute vor allem in der [[Lateinische Kirche|Lateinischen Kirche]] und im [[Bildungswesen]] der [[Westliche Welt|westlichen Welt]] große Bedeutung.
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Als '''Latein''' (lat. ''lingua latina'' „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner, den Bewohnern von Latium mit Rom als Zentrum, gesprochen wurde. Es war Amtssprache des Römischen Reichs und zu dieser Zeit dominierende Verkehrssprache in weiten Teilen Europas. Als tote Sprache hat es heute vor allem in der [[Lateinische Kirche|Lateinischen Kirche]] und im Bildungswesen der westlichen Welt große Bedeutung.
  
Innerhalb der [[Indogermanische Sprachen|indogermanischen Sprachen]] gehört Latein zur Gruppe der [[Italische Sprachen|italischen Sprachen]]. Es bildete die Grundlage für alle heutigen [[Romanische Sprachen|romanischen Sprachen]]. [[Sprachtypologie|Sprachtypologisch]] zählt Latein zu den [[Fusionaler Sprachbau|fusionalen]] und zu den [[Akkusativsprache]]n.
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Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen. Sprachtypologisch zählt Latein zu den fusionalen und zu den Akkusativsprachen.
 
 
== Epochen ==
 
* [[Frühlatein]] vor 240 v. Chr.
 
* [[Altlatein]] (240 – 75 v. Chr.)
 
* [[Klassisches Latein]] (75 v. Chr. – 2. Jahrhundert n. Chr.)
 
* [[Spätlatein]] (2. – 7./ 8. Jahrhundert)
 
* [[Mittellatein]] (9. – 15. Jahrhundert)
 
* [[Humanistisches Latein]] (15. – 17. Jahrhundert)
 
* [[Neulatein]] (17. Jahrhundert bis heute)
 
 
 
=== Entwicklung ===
 
Ursprünglich in Rom und dem umliegenden Gebiet ([[Latium]]) gesprochen, verbreitete Latein sich nach und nach in den von [[Rom]] eroberten Gebieten. Neben [[Griechische Sprache|Griechisch]] war Latein die Amtssprache des [[Römisches Reich|römischen Reiches]]. Dabei blieb die lateinische Hochsprache seit augusteischer Zeit (um Christi Geburt) in Syntax und Grammatik (ungeachtet stilistischer Veränderungen) weitgehend unverändert, während sich das gesprochene ''Vulgärlatein'' weiter entwickelte. Wegen der [[Kultur|kulturellen]] Überlegenheit des Ostens verlor es dabei zeitweise in [[Nordafrika]] und selbst in Rom in bestimmten Zusammenhängen seine Vorrangstellung. So war die [[Liturgie]]sprache der römischen Christen bis um [[200]] das Griechische. In dieser Zeit flossen zahlreiche griechische [[Lehnwort|Lehnwörter]] ins  Lateinische ein (hierbei war besonders der Einfluss [[Tertullian]]s entscheidend). Insgesamt betrachtet, war Latein aber seit dem [[1. Jahrhundert]] die ''lingua franca'' der westlichen Reichshälfte und verdrängte vielfach die vorrömischen Sprachen.
 
 
 
Während der [[Spätantike]] (seit ca. 300) begannen sich verschiedene Volkssprachen und Mundarten phonetisch und grammatikalisch immer stärker von der lateinischen [[Standardsprache|Hochsprache]] wegzuentwickeln. Diese auf dem [[Vulgärlatein]] basierenden regionalen Dialekte leben heute in den verschiedenen [[Romanische Sprachen|romanischen Sprachen]] fort. Obwohl das Hochlateinische in der ausgehenden Spätantike bzw. im frühen [[Mittelalter]] kaum noch gesprochen wurde, entstanden noch im [[6. Jahrhundert]] Werke in klassischem Latein ([[Boethius]], [[Corippus]]). Noch Papst [[Gregor der Große]] ging um 600 davon aus, dass seine auf Latein verfassten Predigten vom einfachen Volk verstanden würden; alles spricht dafür, dass erst im späten [[8. Jahrhundert]] Latein und die romanischen Volkssprachen als unterschiedliche Sprachen wahrgenommen wurden: Als epochales Datum gilt oft das Konzil von Tours im Jahr [[813]], auf dem beschlossen wurde, fortan Predigten in den „Volkssprachen“ zuzulassen, da die Gläubigen kein Latein mehr verstünden.
 
 
 
Im [[Byzantinisches Reich|Oströmischen Reich]] war Latein bis ins frühe [[7. Jahrhundert]] neben Griechisch eine der beiden offiziellen Amtssprachen. Danach wurde es in Byzanz nur noch von sehr wenigen Gelehrten verstanden.
 
 
 
Im Westen übernahmen die Germanen mit den Grundelementen der spätrömischen Verwaltung auch die lateinische Sprache, die in der Verwaltung bis in die frühe Neuzeit vorherrschend blieb. Seit der [[Völkerwanderung]] und [[Christianisierung]] der (zunächst zumeist [[Arianismus|arianischen]]) Germanenvölker wurde Latein im Westen des früheren Römischen Reiches und in den römisch-katholischen Folgestaaten Sprache des [[Klerus]] ([[Kirchenlatein]]), der [[Rechtswissenschaft]] ([[Glossator]]en) und der sich bildenden [[Hochschule]]n (''studia generalia'') verwendet. Latein bildete somit die [[Schriftsprache]], vor allem für das kirchliche und weltliche Urkundenwesen ([[Diplomatik]]) im frühen [[Europa]].
 
 
 
In [[Völkerrecht|völkerrechtlichen]] [[Vertrag|Verträgen]] (z. B. im [[Westfälischer Friede|Westfälischen Frieden]] von [[1648]]) dominierte Latein bis in das [[17. Jahrhundert]] hinein. Es bildet noch bis ins [[20. Jahrhundert]] den [[Affix]]vorrat für die [[Terminologie]] in den [[Wissenschaft]]en und verliert durch die fortschreitende Absorption in die [[Englische Sprache|englische]] und andere Sprachen lediglich an direkter, nicht jedoch an indirekter Bedeutung. Es wird an vielen Schulen unterrichtet.
 
 
 
=== Antike ===
 
==== Antike Schreibweisen ====
 
Die lateinische Sprache wurde ursprünglich als ''scriptio continua,'' d. h. als zusammenhängender Fluss von Zeichen ohne Zwischenräume geschrieben. Auch Satzzeichen und Kleinbuchstaben wurden in der [[Antike]] nicht verwendet, da auf Wachstafeln wenig Platz zum Schreiben und [[Papyrus]] teuer war. Die [[antike]]n lateinischen Texte sind für uns heute daher schwer zu lesen.
 
 
 
Vergleiche folgendes Beispiel:
 
 
 
''Alte Schreibweise:''
 
AVREAPRIMASATAESTAETASQVAEVINDICENVLLO
 
SPONTESVASINELEGEFIDEMRECTVMQVECOLEBAT
 
POENAMETVSQVEABERANTNECVERBAMINANTIAFIXO
 
AERELEGEBANTVRNECSVPPLEXTVRBATIMEBAT
 
IVDICISORASVISEDERANTSINEVINDICETVTI
 
NONDVMCAESASVISPEREGRINVMVTVISERETORBEM
 
MONTIBVSINLIQVIDASPINVSDESCENDERATVNDAS
 
NVLLAQVEMORTALESPRAETERSVALITORANORANT
 
NONDVMPRAECIPITESCINGEBANTOPPIDAFOSSAE
 
NONTVBADIRECTINONAERISCORNVAFLEXI
 
NONGALEAENONENSISERANTSINEMILITISVSV
 
MOLLIASECVRAEPERAGEBANTOTIAGENTES
 
 
 
''Heutige Schreibweise:''
 
Aurea prima sata est aetas, quae vindice nullo,
 
sponte sua, sine lege fidem rectumque colebat.
 
poena metusque aberant nec verba minantia fixo
 
aere legebantur, nec supplex turba timebat
 
iudicis ora sui, sed erant sine vindice tuti.
 
nondum caesa suis, peregrinum ut viseret orbem,
 
montibus in liquidas pinus descenderat undas,
 
nullaque mortales praeter sua litora norant.
 
nondum praecipites cingebant oppida fossae,
 
non tuba directi, non aeris cornua flexi,
 
non galeae, non ensis erant: sine militis usu
 
mollia securae peragebant otia gentes.
 
 
 
''Auszug aus [[Ovid]]s [[Metamorphosen (Ovid)|Metamorphosen]]: Die [[Schöpfung]]'' (Das goldene Zeitalter)
 
 
 
Details zu den verwendeten Buchstaben finden sich in dem Artikel [[Lateinisches Alphabet]]. Siehe zu diesem Thema auch: [[Paläografie]] (dort ''[[Paläografie#Lateinische Paläografie|Lateinische Paläografie]]''), [[Capitalis]], [[Versalschrift]] und [[Majuskel]].
 
 
 
==== Antike Aussprache ====
 
Auf die antike Aussprache der lateinischen Sprache geht der Artikel [[Lateinische Aussprache]] ein.
 
 
 
==== Literatur ====
 
Mit antiker lateinischer Literatur beschäftigt sich u. a. der Artikel [[Lateinische Literatur]].
 
 
 
=== Gegenwart ===
 
Auch heute ist Latein in Deutschland noch an vielen [[Gymnasium|Gymnasien]] zu finden. In der Schweiz wird Latein bereits in der obligatorischen [[Sekundarstufe I]] als Freifach angeboten. Für entsprechende weiterführende Schulen ([[Matura|Maturitätsschulen]] mit Drittsprache Latein, Schwerpunkt Latein oder Griechisch) müssen dabei die in der Grundschule erworbenen Lateinkenntnisse nachgewiesen sein.
 
 
 
Etwa ein Drittel aller Gymnasiasten im deutschen Sprachraum lernt Latein als erste, zweite oder dritte [[Fremdsprache]]. An [[Humanismus|humanistischen]] Gymnasien wird dem Lateinischen, neben dem [[Griechische Sprache|Griechischen]], eine herausgehobene Bedeutung zugemessen, was bis ins 19. Jahrhundert auf eine aktive Beherrschung des Lateinischen zielte.
 
 
 
Tatsächlich werden auch heute noch für zahlreiche Studiengänge das [[Latinum]] oder Lateinkenntnisse gefordert, insbesondere in zahlreichen [[Geisteswissenschaft|geisteswissenschaftlichen]] Fächern. Das Latinum ist als Studienvoraussetzung für die Fächer [[Medizin]] und [[Rechtswissenschaft|Rechtswissenschaft]] weitgehend abgeschafft - nicht aber in Österreich - häufig jedoch nicht in Fächern wie [[Anglistik]], [[Philosophie]] oder [[Musikwissenschaft]].
 
 
 
Unabhängig von den Studienanforderungen wird von Befürwortern des Lateins betont, dass das Erlernen der lateinischen Sprache weiterhin Basis für die korrekte Verwendung von [[Fremdwort|Fremdwörtern]] sei, das Erlernen anderer romanischer Sprachen wesentlich erleichtere und erhebliche [[Transfer]]-Effekte für die Denkschulung auftreten. Das Übersetzen lateinischer Texte fördere auf Grund der erheblichen Komplexität vieler lateinischer Sätze auch das logische Denken. Insbesondere vermittelt der Lateinunterricht ein tieferes Verständnis grammatischer Struktur als die modernen Sprachen, da die Grammatik im Lehrplan stärker akzentuiert ist.
 
 
 
Von den Gegnern ist hingegen zu hören, dass die Auseinandersetzung mit jeder Art von [[Grammatik]], egal welcher Sprache, das strukturierte Denken fördere, wobei diese Auseinandersetzung in modernen Fremdsprachen zugunsten des Einübens der korrekten Aussprache und gängiger Gesprächssituationen in den Hintergrund tritt.
 
Aus deutschen und US-amerikanischen Untersuchungen geht hervor, dass zwischen absolviertem Lateinunterricht und der Beherrschung der englischen Sprache in Schrift und vor allem Wort eine signifikante [[Korrelation]] besteht. Ein tatsächlicher kausaler Zusammenhang ist allerdings nicht nachgewiesen worden.
 
 
 
Da auch im modernen [[Lateinunterricht]] die Sprachproduktion eindeutig der Rezeption (Leseverstehen) untergeordnet ist, glauben viele, Latein falle Menschen mit ausgeprägter Begabung für [[Mathematik]] und formelle Denkvorgänge generell leichter als andere [[Fremdsprache]]n, wohingegen Menschen mit ausgeprägter Begabung für intuitives Erlernen von Sprachen andere Fremdsprachen leichter fänden. Dieser Zusammenhang lässt sich allerdings nicht häufig verifizieren: Die Erfahrung zeigt, dass die Schülerleistungen in Latein überwiegend Hand in Hand mit denen in der Muttersprache und anderen Fremdsprachen gehen.
 
 
 
==== Modernes Latein ====
 
Auch heute werden deutsch-lateinische [[Lexikon (Buch)|Lexika]] aufgrund neulateinischen Wortgutes herausgegeben, z. B. das „lexicon auxiliare“ oder das vom [[Vatikan]] herausgegebene „[[lexicon recentis latinitatis]]“, welches erst im Jahre [[2004]] eine Neubearbeitung erfuhr.
 
Der [[Finnland|finnische]] Rundfunksender [[Yleisradio|YLE (Yleisradio)]] verbreitet Wochennachrichten in neulateinischer Sprache. [[Radio Bremen]] veröffentlicht regelmäßig die Nuntii Latini in schriftlicher und gesprochener Version.
 
Seit [[April]] [[2004]] veröffentlicht auch die deutschsprachige Redaktion bei [[Radio Vatikan]] Nachrichten auf Latein („News auf Latein“ www.radiovaticana.de). Dabei handelt es sich um ursprünglich deutsche Meldungen. Gero P. Weishaupt, Priester und promovierter Kirchenrechtler, der mehrere Jahre in Rom gelebt und im Vatikan gearbeitet hat, übersetzt sie für die Redaktion ins Latein. Die Lateinsite der Homepage von Radio Vatikan „News auf Latein“ richtet sich an des Lateins kundige Leser, die sich für aktuelle kirchliche Nachrichten auf Latein interessieren, und dient der Förderung des Lateins auch außerhalb der kath. Liturgie, wozu Papst Benedikt XVI. im Dezember 2005 anlässlich einer Audienz für die Teilnehmer des jährlich im Vatikan stattfindenden „Certamen Vaticanum“ aufgerufen hat.
 
Ende 2005 erschien eine kurze Geschichte der Schweizergarde anlässlich des 500jährigen Bestehens der Garde im Jahre 2006. Gero P. Weishaupt hat den ursprünglich von Ulrich Nersinger, Autor verschiedener Bücher und „Vatikanist“, in Deutsch herausgegebenen Text in die Sprache T. Ciceros übersetzt. Das „opusculum“ trägt den Titel: Ulrich NERSINGER/Gero P. WEISHAUPT, Pontificia Cohors Helvetica (1506-2006), Bonn, Verlag nova et vetera 2005.
 
Sehr beliebt ist auch die lateinische Fassung der [[Asterix]]-Comics, die der deutsche [[Altphilologie|Altphilologe]] Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus) verfasst hat. Die österreichische Tageszeitung [[Kurier]] bringt wöchentlich eine Meldungsübersicht in lateinischer Sprache.
 
 
 
Der Autor [[Nikolaus Groß (Autor)|Nikolaus Groß]], beruflich seit zehn Jahren Deutsch-[[Lektor]] in [[Seoul]], hat 2004 eine komplett latinisierte Übertragung von [[Patrick Süskind]]s ''[[Das Parfum]]'' im Brüsseler Verlag der [[Fundatio Melissa]], einem überregionalen Verein zur Pflege des gesprochenen Lateins, veröffentlicht. Dem Buch ist mit dem „Glossarium Fragrantiae“ eine größere Liste aktualisierter [[Neologismus|Neuschöpfungen]] beigegeben. Vom selben Wortartisten existiert des weiteren ein Buch über den Baron ''Mynchusanus'' (Münchhausen). [[2003]] erschien bereits der erste Teil der [[Harry Potter|Harry-Potter]]-Bücher von [[Joanne K. Rowling]] auf Latein (Harrius Potter et Philosophi Lapis). Daneben gibt es noch viele weitere Übersetzungen „klassischer“ Werke ins Latein, so zum Beispiel [[Karl May]]s [[Winnetou|Winnetou III]] oder [[Der kleine Prinz]] (Regulus) von [[Antoine de Saint-Exupéry]].
 
 
 
Durch das [[Internet]] ist die Verfügbarkeit alter lateinischer Texte sowie das Entstehen neuer lateinischer Texte erheblich begünstigt worden. Inzwischen gibt es sogar lateinische Fassungen von [[Popmusik|Pop]]songs. Daneben entstehen auch neue Popsongs in Latein, etwa ''Cursum Perficio,'' gesungen von [[Enya]], ''Liberatio,'' eines von vielen lateinischen Musikstücken der Gruppe „[[Krypteria]]“ gesungen von [[Sylvia Gonzalez Bolivar]], oder bei Gruppen der [[Dark Wave|Dark-Wave]]- bzw. [[Gothic (Kultur)|Gothic]]-Szene ([[Jugendkultur]]). [[Roma Ryan]] hat neben ''Cursum Perficio'' für [[Enya]] noch weitere Songs in Latein verfasst. In Internetforen wie ''Grex Latine Loquentium'' kommunizieren Teilnehmer aus vielen Ländern ausschließlich in Latein. Die [[:la:Pagina prima|Wikipedia auf Latein]] enthält seit [[Juli 2007]] mehr als 14.000 Artikel. <ref> [http://la.wikipedia.org/wiki/Pagina_prima Hauptseite der Lateinischen Wikipedia] </ref>
 
 
 
In der klassischen beziehungsweise neoklassischen Musik findet Latein ebenfalls Verwendung. So hat etwa der niederländische Komponist [[Nicholas Lens]] auf seinem Werk [[Flamma Flamma]] ein lateinisches [[Libretto]] vertont, für sein Werk [[Terra Terra]] hat Lens selbst ein Libretto in lateinischer Sprache verfasst. Nicht zu vergessen sind auch die zahlreichen Vertonungen lateinischer Gedichte wie z. B. von [[Jan Novák]]. [[Carl Orff]] unterlegte mehreren seiner Vokal-Kompositionen Texte in Latein oder Griechisch. [[Igor Strawinski]] ließ das nach [[Sophokles]] von [[Jean Cocteau]] in französischen Versen verfasste Libretto zu ''„[[Ödipus]] Rex“'' von [[Jean Daniélou]] ins Lateinische übersetzen.
 
 
 
== Latein in den Wissenschaften ==
 
 
 
In der [[Biologie]] erfolgt die Namensbildung der wissenschaftlichen Namen lateinisch und griechisch, wobei neuere Vorschläge vorsehen, die Regeln nur aus der lateinischen Sprache zu entnehmen. In der [[Medizin]] sind die [[Nomenklatur (Anatomie)|anatomischen Fachbegriffe]] überwiegend lateinisch, für die einzelnen Organe wird zusätzlich auch latinisiertes [[Griechische Sprache|Griechisch]] verwendet. Die Krankheitsbezeichnungen leiten sich aus dem Griechischen ab. Zahlreiche [[Sprichwort|Sprichwörter]] haben einen lateinischen Ursprung und sind teilweise auch in der deutschen Übersetzung zu geflügelten Worten geworden. In den Rechtswissenschaften existieren verschiedene lateinische Lehrsätze und Fachbegriffe ([[Latein im Recht]]). Auch in der [[Geschichtswissenschaft]] spielt vor allem Latein weiterhin eine große Rolle. In der [[Meteorologie]] werden lateinische Begriffe in der [[Wolke]]nklassifikation eingesetzt.
 
Auch in der [[Pharmazie]] ist Latein üblich, deutsche Apotheker und Ärzte verwenden als Rezeptsprache Latein, vor allem in Abkürzungen. So existiert für jeden [[Arzneistoff]] neben dem internationalen [[IUPAC]]-Namen auch ein lateinischer Name, ebenso wird für jede [[Arzneipflanze]] neben dem deutschen auch ein lateinischer Name geführt, oftmals auch vermischt mit Bezeichnungen griechischen Ursprungs.
 
  
 
== Latein in der katholischen Kirche ==
 
== Latein in der katholischen Kirche ==
  
Latein ist die [[Amtssprache]] des [[Vatikanstaat]]s. Die [[Römisch-katholische Kirche|katholische Kirche]] veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein und erst mit ihrer Veröffentlichung in Latein erhalten sie ihre verbindliche Gültigkeit. Das gilt für die [[Liturgie|liturgischen]] Bücher, den [[Katechismus]], den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben ([[Enzyklika|Enzykliken]]).
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Latein ist die Amtssprache des [[Vatikanstaat]]s. Die [[Römisch-katholische Kirche|katholische Kirche]] veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein und erst mit ihrer Veröffentlichung in Latein erhalten sie ihre verbindliche Gültigkeit. Das gilt für die [[Liturgie|liturgischen]] Bücher, den [[Katechismus]], den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben ([[Enzyklika|Enzykliken]]).
 
Bis zur Liturgiereform 1970 unter [[Paul VI.]] war Latein die offizielle Gottesdienstsprache (vgl. [[Tridentinische Messe]]) und ist dies (laut [[Sacrosanctum Concilium#III. Die Erneuerung der heiligen Liturgie|Sacrosanctum Concilium]]) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst [[Benedikt XVI.]] bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Im März 2007 empfahl er in dem Schreiben „Sacramentum caritatis“ ausdrücklich die Anwendung des Lateinischen in Gottesdiensten.
 
Bis zur Liturgiereform 1970 unter [[Paul VI.]] war Latein die offizielle Gottesdienstsprache (vgl. [[Tridentinische Messe]]) und ist dies (laut [[Sacrosanctum Concilium#III. Die Erneuerung der heiligen Liturgie|Sacrosanctum Concilium]]) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst [[Benedikt XVI.]] bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Im März 2007 empfahl er in dem Schreiben „Sacramentum caritatis“ ausdrücklich die Anwendung des Lateinischen in Gottesdiensten.
  
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''Siehe auch:'' [[Lateinische Kirche]]
 
''Siehe auch:'' [[Lateinische Kirche]]
 
== Lateinische Wörterbücher ==
 
Das erste lateinische Wörterbuch ist ''De verborum significatione'' von [[Marcus Verrius Flaccus]], das von [[Sextus Pompeius Festus]] exzerpiert wurde. [[Paulus Diaconus]] überführte dieses Werk seinerseits ins Mittelalter, wo weiterhin in [[Glossar]]en der Wortbestand des Lateinischen aufgelistet wurde.
 
 
Eine kurzgefasste Geschichte der lateinischen Lexikographie gibt Dietfried Krömer im [[Pauly-Wissowa|Pauly]]<ref>Der neue Pauly, hg. Manfred Landfester, Bd. 15/1 (La-Ot), Stuttgart und Weimar 2001 (Metzler), S. 126-50.</ref>.
 
 
Die lateinisch-deutsche Lexikographie beschreibt Martin Hellmann in seinem Aufsatz „Überblick über die neuere lateinisch-deutsche und deutsch-lateinische Lexikographie“ <ref>„Überblick über die neuere lateinisch-deutsche und deutsch-lateinische Lexikographie“ Germanistische Linguistik, Heft 166 (2002), S. 55-91.</ref> Eine besondere Bedeutung in diesem Zusammenhang hat vor allem der [[Abrogans]], ein lateinisch-althochdeutsches Wörterbuch, welches als ältestes deutsches Buch gilt.
 
 
Bibliographisch aufgearbeitet wird die lateinische Lexikographie in der „Illustrierten Bibliographie lateinischer Wörterbücher“ von Richard Wolf <ref>[http://www.richardwolf.de/latein/index.html Richard Wolf: Illustrierte Bibliographie lateinischer Wörterbücher]</ref>.
 
 
== Referenzlisten ==
 
[[Bild:Latin_dictionary.jpg|thumb|250px|Mehrbändiges lateinisches Wörterbuch im Lesesaal der [[Universitätsbibliothek Graz]]]]
 
* [[Liste lateinischer Ortsnamen]]
 
* [[Liste lateinischer Präfixe]]
 
* [[Liste lateinischer Redewendungen]]
 
* [[Liste lateinischer Suffixe]]
 
* [[wiktionary:la:Auxilium:Palindroma|Liste lateinischer Palindrome (Im Lateinischem Wiktionary)]]
 
* [[Lateinische Zahlwörter]]
 
* [[Liste latinisierter Namen]] - [[:en:List of Latinised names]]
 
  
 
== Literatur==
 
== Literatur==
 
* Joachim Grzega: „Latein - Französisch - Englisch: Drei Epochen europäischer Sprach- und Wortschatzgeschichte“, in: Grzega, Joachim, ''EuroLinguistischer Parcours: Kernwissen zur europäischen Sprachkultur'', Frankfurt: IKO, 2006, S. 73-114. ISBN 3-88939-796-4.  
 
* Joachim Grzega: „Latein - Französisch - Englisch: Drei Epochen europäischer Sprach- und Wortschatzgeschichte“, in: Grzega, Joachim, ''EuroLinguistischer Parcours: Kernwissen zur europäischen Sprachkultur'', Frankfurt: IKO, 2006, S. 73-114. ISBN 3-88939-796-4.  
* [[Jules Marouzeau]]: ''Das Latein'', München (dtv) 1969
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* Jules Marouzeau: ''Das Latein'', München (dtv) 1969
 
* Wilfried Stroh: „Latein als Weltsprache“; in: Hölkeskamp, K.-J./Stein-Hölkeskamp, E. (Hgg.): ''Erinnerungsorte der Antike. Die römische Welt'', München (C.H.Beck) 2006, S. 185-201.
 
* Wilfried Stroh: „Latein als Weltsprache“; in: Hölkeskamp, K.-J./Stein-Hölkeskamp, E. (Hgg.): ''Erinnerungsorte der Antike. Die römische Welt'', München (C.H.Beck) 2006, S. 185-201.
* [[Karl-Wilhelm Weeber]]: ''Mit dem Latein am Ende? Tradition mit Perspektiven'', Göttingen (V&R) 1998 (ISBN 3-525-34003-6)
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* Karl-Wilhelm Weeber: ''Mit dem Latein am Ende? Tradition mit Perspektiven'', Göttingen (V&R) 1998 (ISBN 3-525-34003-6)
 
* Karl-Heinz Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus): ''Meine ersten Wörter und Sätze Latein'', ars edition, 1992, ISBN 3-7607-4575-X
 
* Karl-Heinz Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus): ''Meine ersten Wörter und Sätze Latein'', ars edition, 1992, ISBN 3-7607-4575-X
* [[Handbuch der Altertumswissenschaft]]
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* Handbuch der Altertumswissenschaft
 
* Sidney Allen: ''Vox Latina. Guide to the Pronunciation of Classical Latin''. Cambridge University Pr. 1978 (ISBN 978-0521379366)
 
* Sidney Allen: ''Vox Latina. Guide to the Pronunciation of Classical Latin''. Cambridge University Pr. 1978 (ISBN 978-0521379366)
 
== Quellen und Einzelnachweise ==
 
<references />
 
  
 
== Weblinks ==
 
== Weblinks ==

Aktuelle Version vom 27. Juli 2007, 21:13 Uhr

Als Latein (lat. lingua latina „lateinische Sprache“) bezeichnet man die Sprache, die ursprünglich vom Volksstamm der Latiner, den Bewohnern von Latium mit Rom als Zentrum, gesprochen wurde. Es war Amtssprache des Römischen Reichs und zu dieser Zeit dominierende Verkehrssprache in weiten Teilen Europas. Als tote Sprache hat es heute vor allem in der Lateinischen Kirche und im Bildungswesen der westlichen Welt große Bedeutung.

Innerhalb der indogermanischen Sprachen gehört Latein zur Gruppe der italischen Sprachen. Es bildete die Grundlage für alle heutigen romanischen Sprachen. Sprachtypologisch zählt Latein zu den fusionalen und zu den Akkusativsprachen.

Latein in der katholischen Kirche

Latein ist die Amtssprache des Vatikanstaats. Die katholische Kirche veröffentlicht alle amtlichen Texte von weltkirchlicher Bedeutung in Latein und erst mit ihrer Veröffentlichung in Latein erhalten sie ihre verbindliche Gültigkeit. Das gilt für die liturgischen Bücher, den Katechismus, den Codex des kanonischen Rechts sowie die päpstlichen Rechtsvorschriften (canones, decretales) und Rundschreiben (Enzykliken). Bis zur Liturgiereform 1970 unter Paul VI. war Latein die offizielle Gottesdienstsprache (vgl. Tridentinische Messe) und ist dies (laut Sacrosanctum Concilium) offiziell noch heute, wobei andere Sprachen jedoch gleichfalls erlaubt sind. Tatsächlich werden nur noch sehr wenige Gottesdienste in Latein gehalten. Der gegenwärtig amtierende Papst Benedikt XVI. bevorzugt bei seinen Messen aber das Lateinische vor dem Italienischen. Im März 2007 empfahl er in dem Schreiben „Sacramentum caritatis“ ausdrücklich die Anwendung des Lateinischen in Gottesdiensten.

Für die Pflege und Weiterentwicklung der lateinischen Sprache rief Papst Paul VI. 1976 die Stiftung Latinitas ins Leben, welche sich darum bemüht ein dem neuzeitlichen Sprachgebrauch angemessenes Latein zu erstellen. Hierzu veröffentlicht sie neben einer Zeitschrift das Lexicon recentis latinitatis, das Lexikon des Neulateins, welches in seiner letzten Überarbeitung 2004 mit 15.000 neuen Begriffen erschien, darunter etwa das lateinische Wort für „Computer“ „instrumentum computatorium“.

Siehe auch: Lateinische Kirche

Literatur

  • Joachim Grzega: „Latein - Französisch - Englisch: Drei Epochen europäischer Sprach- und Wortschatzgeschichte“, in: Grzega, Joachim, EuroLinguistischer Parcours: Kernwissen zur europäischen Sprachkultur, Frankfurt: IKO, 2006, S. 73-114. ISBN 3-88939-796-4.
  • Jules Marouzeau: Das Latein, München (dtv) 1969
  • Wilfried Stroh: „Latein als Weltsprache“; in: Hölkeskamp, K.-J./Stein-Hölkeskamp, E. (Hgg.): Erinnerungsorte der Antike. Die römische Welt, München (C.H.Beck) 2006, S. 185-201.
  • Karl-Wilhelm Weeber: Mit dem Latein am Ende? Tradition mit Perspektiven, Göttingen (V&R) 1998 (ISBN 3-525-34003-6)
  • Karl-Heinz Graf v. Rothenburg (Rubricastellanus): Meine ersten Wörter und Sätze Latein, ars edition, 1992, ISBN 3-7607-4575-X
  • Handbuch der Altertumswissenschaft
  • Sidney Allen: Vox Latina. Guide to the Pronunciation of Classical Latin. Cambridge University Pr. 1978 (ISBN 978-0521379366)

Weblinks


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