Kitab i Aqdas: Unterschied zwischen den Versionen

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Der Kitab-i-Aqdas (arabisch ‏الكتاب الاقدس‎ al-kitāb al-aqdas, DMG al-kitāb al-aqdas, „das heiligste Buch“, Bahai-Transkription Kitáb-i-Aqdas) ist eines der wichtigsten Offenbarungswerke Baha’u’llahs. Er zählt zu den Heiligen Schriften der [[Baha'i]] und kann in Ergänzung zu den früheren mystischen und theologischen Offenbarungswerken des Religionsstifters als religiöses Gesetzbuch bezeichnet werden. Der Kitab-i-Aqdas entstand um 1873 und liegt im originalen Wortlaut in arabischer Sprache vor.<ref>Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Kitab-i-Aqdas Kitab-i-Aqdas] in der deutschsprachigen Wikipedia</ref>
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Der '''Kitab-i-Aqdas''' (arabisch ‏الكتاب الاقدس‎ al-kitāb al-aqdas, DMG al-kitāb al-aqdas, „das heiligste Buch“, Bahai-Transkription Kitáb-i-Aqdas) ist eines der wichtigsten Offenbarungswerke Baha’u’llahs. Er zählt zu den Heiligen Schriften der [[Baha'i]] und kann in Ergänzung zu den früheren mystischen und theologischen Offenbarungswerken des Religionsstifters als religiöses Gesetzbuch bezeichnet werden. Der Kitab-i-Aqdas entstand um 1873 und liegt im originalen Wortlaut in arabischer Sprache vor.<ref>Artikel [http://de.wikipedia.org/wiki/Kitab-i-Aqdas Kitab-i-Aqdas] in der deutschsprachigen Wikipedia</ref>
  
 
Im vollständigem Wortlaut wurde es erst 1992 auf Englisch und erst 2000 auf Deutsch veröffentlicht.
 
Im vollständigem Wortlaut wurde es erst 1992 auf Englisch und erst 2000 auf Deutsch veröffentlicht.

Version vom 6. April 2013, 18:13 Uhr

Der Kitab-i-Aqdas (arabisch ‏الكتاب الاقدس‎ al-kitāb al-aqdas, DMG al-kitāb al-aqdas, „das heiligste Buch“, Bahai-Transkription Kitáb-i-Aqdas) ist eines der wichtigsten Offenbarungswerke Baha’u’llahs. Er zählt zu den Heiligen Schriften der Baha'i und kann in Ergänzung zu den früheren mystischen und theologischen Offenbarungswerken des Religionsstifters als religiöses Gesetzbuch bezeichnet werden. Der Kitab-i-Aqdas entstand um 1873 und liegt im originalen Wortlaut in arabischer Sprache vor.[1]

Im vollständigem Wortlaut wurde es erst 1992 auf Englisch und erst 2000 auf Deutsch veröffentlicht. Vermutlich u.a. wegen folgender relevanter Tatbestände, die in den Ausführungen der Bahá'í gemeinhin ausgespart werden:

  • Die Ehepflicht. Wörtlich: »Gott hat euch den Ehestand verordnet« (Kitáb-i-Aqdas, Abschn. 63), auch wenn in einem Anhang ( Fragen & Antworten, 46) ebendiese Pflicht eigenartigerweise sogleich wieder als »nicht bindend« beschrieben wird.
  • Die Mehrehe. Das Kitáb-i-Aqdas lässt die Mehrehe (Polygamie) zu, wenngleich die Einehe (Monogamie) favorisiert wird. Wörtlich: »Hütet euch, mehr als zwei Frauen zu nehmen. Wenn sich der Mann mit einer einzigen Gefährtin … begnügt, so werden beide in Ruhe leben.« Gleichzeitig ist dem Mann erlaubt, auch eine »Jungfer« in Dienst zu nehmen, doch mag er dies »mit Anstand tun« (Kitáb-iAqdas, Abschn. 63). Im Anhang zum Buche Aqdas (Erläuterungen, 89), wird die Mehrehe (hier eingeschränkt auf die Bigamie) dann aber relativiert (»dieser Wortlaut des Kitáb-i-Aqdas scheint die Bigamie zu erlauben«) und gesagt, dass »der Text in Wirklichkeit die Einehe vorschreibt«, auch wenn davon im Originaltext nicht die Rede ist. Empfohlen wird dort lediglich, nicht mehr als zwei Frauen zu ehelichen. Besonders mysteriös wird es spätestens dadurch, dass Baha'u'llah scheinbar selber nicht einmal in den Fragen und Antworten vom Recht auf Bigamie abgeht (siehe Fragen & Antworten 30), Shogi Effend dies ihm aber in den Erläuterungen attestiert.
  • Die Ehescheidung. Das Kitáb-i-Aqdas geht nur vom Scheidungsbegehren des Mannes aus (Abschn. 68), während im Buch-Anhang (Erläuterungen, 100) auch der Frau das Scheidungsrecht zugestanden wird – und zwar vom »Hüter« Shoghi Effendi, der nach bahá’istischer Rechtsauffassung keine Rechtsetzungsgewalt hatte (vgl. Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, 1977, S. 215).
  • Die Sexualität. Erlaubt ist nur die eheliche Verbindung von Mann und Frau (Kitáb-i-Aqdas, 19, 49). Unehelicher oder außerehelicher Geschlechtsverkehr sind demnach unter Strafandrohung verboten (Fragen & Antworten, 23, 49; Erläuterungen, 36, 77).
  • Die Homosexualität. Der Text des Kitáb-i-Aqdas (Abschn. 107) nennt nur die Pädophilie, die in der Auslegung (Erläuterungen, 134) aber generell auf sämtliche homosexuellen Praktiken ausgedehnt wird.
  • Das Erbrecht. Trotz behaupteter Gleichstellung der Geschlechter sind die Frauen gegenüber den männlichen Erben nicht gleichberechtigt (Kitáb-i-Aqdas, 20, 25). Personen, die nicht Bahá’í sind, sind von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen. Wörtlich: »Wer, unbeschadet der Erbkategorie, außerhalb des Glaubens steht, wird als nicht vorhanden betrachtet und ist nicht erbberechtigt« (Fragen & Antworten, 34).
  • Die körperliche Stigmatisierung rückfälliger Diebe. Wörtlich: »Verbannung und Gefängnis sind verfügt für den Dieb, und nach der dritten Tat bringt ihm ein Mal auf seiner Stirn an, damit er, so gezeichnet, in den Städten Gottes und in Seinen Ländern keine Aufnahme finde.« In den Erläuterungen (71) zum Buche Aqdas lesen wir: »Die Markierung auf der Stirn des Diebes soll die Menschen vor seinen Neigungen warnen.« Über die Art dieses »Mals« (Brandmal, Einkerbung, Schmiss?) wird nichts gesagt.
  • Die Todesstrafe. Diese ist vorgesehen für Brandstiftung und Mord. Wörtlich: »Wer ein Haus vorsätzlich durch Feuer zerstört, den sollt ihr auch verbrennen. Wer einem anderen vorsätzlich das Leben nimmt, den sollt ihr auch töten.«

Der Wortlaut wird durch einen eigenen von Shogi Effendi hinzugefügten Teil (Erläuterungen) erweitert, wobei aber zahlreiche Bestimmungen des Kitáb-i-Aqdas in der Auslegung (Fragen & Antworten, Erläuterungen) eine teilweise einschränkende, ja gegensätzliche (Um-)Interpretation erfahren, was insofern problematisch erscheint, als die Gesetze Bahá’u’lláhs göttliches Recht darstellen und somit als unfehlbar und invariabel gelten. Der Herausgeber des Buches Aqdas, das Universale Haus der Gerechtigkeit, ist zur Auslegung der heiligen Texte nicht befugt. Allein Abdu'l Bahá (Bahá’u’lláhs Sohn und dessen Nachfolger) und Shoghi Effendi (von 1921-1957 »Hüter der Sache Gottes«) waren berechtigt, die offenbarten Texte auszulegen (zu erläutern), ihnen aber keinen anderen Sinn zu verleihen. Folglich gibt es im Bahá’ítum keine Instanz, die befugt wäre, das Offenbarungsgut Bahá’u’lláhs verbindlich auszulegen, zu modifizieren oder abzuschaffen. Nach Auffassung der Bahá’í besteht zwischen Lehrgewalt (Auslegung) und Jurisdisktionsgewalt (Rechtsgewalt) eine klare Trennung (vgl. Die Weltordnung Bahá’u’lláhs, S. 215), die in der Praxis aber nicht eingehalten wird. Das Universale Haus der Gerechtigkeit ist als Träger der Jurisdiktionsgewalt (nicht der Lehrgewalt) nur befugt, Gesetze zu erlassen, die nicht bereits im Buche Aqdas festgelegt sind und also die bestehende und unveränderliche Rechtsordnung Bahá’u’lláhs nicht tangieren.
Es wird seitens der Baha'i-Führung erläutert, dass die "Fragen & Antworten" von einem gewissen Zaynu'l-Muqarrabin an Baha'u'llah selbst gestellt wurden. Bleibt aber dann die Frage offen, warum Baha'u'llah nicht selber den Text dem neuen Sinn gemäß modifiziert hat (zumal ausgerechnet er, falls er von der Ehepflicht abgegangen sein soll [siehe Fragen & Antworten 46], total inkosistent zu seinen weiteren Aussagen dazu gewesen wäre)

Literatur

  • Bahá’u’lláh: Kitáb-i-Aqdas. Das Heiligste Buch. Bahá’í-Verlag, Hofheim 2000. ISBN 3 87037 339 3.
  • Schaefer, Udo: Das Recht der Religionsgemeinschaft der Bahá’í. Grundlagen, Prinzipien und Strukturen. In: Kirche & Recht – Zeitschrift für kirchliche und staatliche Praxis. Heft 4/2001, Seiten 19-48.
  • Borrmann, Kai: Das Aqdas. Ergon-Verlag, Würzburg 2005. ISBN 3 89913 463 X.
  • Ficicchia, Francesco: Baha’i - Einheitsreligion und globale Theokratie. Ein kritischer Einblick in die Universalreligion der Zukunft. Verlagshaus Monsenstein und Vannerdat, Münster 2009. ISBN 978 3 86582 806 4.

Weblinks

  • Kitab-i-Aqdas auf Deutsch [1]

Fußnoten

  1. Artikel Kitab-i-Aqdas in der deutschsprachigen Wikipedia