Homosexualität

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Homosexualität ist in vielen Religionen ein Diskussionsfeld. Weil viele religiöse Gruppierungen Homosexualität strikt ablehnen, meist unter Berufung auf heilige Texte, religiöse Schriften oder Traditionen, fühlen sich religiös geprägte Homosexuelle häufig in einen Gewissenskonflikt gedrängt und für weniger oder nicht religiös geprägte homosexuelle Menschen ist es ein Hauptgrund, bestimmten religiösen Gruppen oder Kirchen fernzubleiben bzw. atheistisch zu leben.

In westlichen Ländern wird meist vorrangig mit der Familie, welche homosexuelle Menschen nicht gründen könnten, argumentiert, da die herkömmliche Familie als ein wesentliches Lebensziel angesehen wird; wobei das Thema Regenbogenfamilien hierbei in der Diskussion verdrängt oder vergessen wird.

Das anderswo häufig genannte Argument von der grundsätzlichen „Sündhaftigkeit“ oder schlichten „Falschheit“ von Homosexualität wird dagegen insbesondere in Europa von den Angehörigen der entsprechenden religiösen Gemeinschaften weniger akzeptiert.

Christentum

Zur Homosexualität gibt es innerhalb des Christentums keine einheitliche Meinung. Während die römisch-katholische Kirche, die orthodoxen Kirchen und die meisten evangelikalen und konservativen Protestanten eher ablehnende oder bestenfalls tolerante Haltungen vertreten, gibt es andere theologische Richtungen, die sich neutral, tolerant, oder akzeptierend gegenüber Homosexualität positionieren. Neben der Metropolitan Community Church und der Alt-Katholische Kirche sind hier insbesonders der in Deutschland aktive IKvu-Mitgliedsverein Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche (HuK e. V.), aber auch die evangelikale Initiative Zwischenraum[1] und die ehemals mit ihr assoziierte ökumenische Initiative „Christlich-Sicher-Geborgen“[2] zu nennen.

Der Altkatholische Bischof Joachim Vobbe hat in seinem weiter unten zitierten Hirtenbrief das besondere Spannungsverhältnis zwischen Homosexuellen und Kirchen auf den Punkt gebracht:

„In diesem Zusammenhang möchte ich stellvertretend für meine eigene Kirche ein Schuldbekenntnis nachholen: Die Kirche hat – vermutlich aufgrund ihrer eigenen distanzierten Einstellung – beharrlicher geschwiegen zur Ausgrenzung, Verfolgung, Verstümmelung und Tötung homosexueller Menschen als zu manchen anderen Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es ist deshalb verständlich, wenn das Verhältnis von Homosexuellen zur Kirche immer noch mitgeprägt ist von Traumatisierungen. Aufgrund dieser geschichtlichen Belastung ist es wohl bisweilen noch recht schwer, unbefangen miteinander umzugehen und differenzierende Aussagen zu machen, die nicht als Diffamierung oder Diskriminierung empfunden werden.“

Von Jesus Christus selbst sind keine Aussagen über homosexuelles Verhalten überliefert, weder im Positiven noch im Negativen. Seine Freundschaft zu Außenseitern und Sündern zieht sich jedoch durch das ganze Neue Testament. Am ehesten lässt sich vielleicht (Mt,19,12) heranziehen, wo Jesus davon spricht, dass „manche von Geburt an zur Ehe unfähig“ sind, dies ohne Verurteilung. Auch heilt Jesus den Diener eines römischen Hauptmannes auf dessen Bitte hin. Es ist ungewöhnlich, dass ein heidnischer Hauptmann sich für einen einfachen Sklaven so vor einem Juden demütigt. Dies wird von manchen liberalen Auslegern so interpretiert, dass es sich um einen Geliebten des Römers gehandelt habe, was für Jesus dann ebenso offensichtlich gewesen wäre. (Siehe auch: Homosexualität im Neuen Testament)

Andererseits wurde bereits im mosaischen Gesetz Homosexualität klar verurteilt:

„Und wenn ein Mann bei einem Manne liegt, wie man bei einem Weibe liegt, so haben beide einen Gräuel verübt; sie sollen gewisslich getötet werden, ihr Blut ist auf ihnen.“ (Lev,20,13).

Paulus griff dies im Römerbrief auf:

„Darum hat sie Gott dahingegeben in schändliche Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; desgleichen haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind in Begierde zueinander entbrannt und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den Lohn ihrer Verirrung, wie es ja sein musste, an sich selbst empfangen.“ (Röm1,1,26-27)

Römisch-Katholische Kirche

Gemäß der römischen Glaubenskongregation ist die homosexuelle Neigung oder Tendenz zwar „ungeordnet“ und nicht dem Schöpfungssinn von Sexualität entsprechend, aber als solche noch nicht sündhaft, während bewusst und frei vollzogene homosexuelle Akte als schwere Sünde angesehen werden. Da nach offizieller Auffassung der römisch-katholischen Kirche Homosexualität die göttliche Ordnung verletzt, könne keine Kompromisshaltung eingenommen werden. Allerdings solle die betreffende Person die Verbindung zur Kirche nicht abbrechen. In einer Stellungnahme der Kongregation für die Glaubenslehre vom 3. Juni 2003 wird festgestellt:

„Nach der Lehre der Kirche kann die Achtung gegenüber homosexuellen Personen in keiner Weise zur Billigung des homosexuellen Verhaltens oder zur rechtlichen Anerkennung der homosexuellen Lebensgemeinschaften führen.“

Kritiker des Vatikans weisen in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die „Achtung“, von der hier (und auch im Weltkatechismus) gesprochen wird, bei der Unterscheidung zwischen zölibatären heterosexuellen Priesteramtsanwärtern und zölibatären homosexuellen Priesteramtsanwärtern - die nach einer jüngeren Veröffentlichung des Vatikans bei „leichten homosexuellen Tendenzen“ eine dreijährige Probefrist ableisten müssen, bei „starken homosexuellen Tendenzen“ dagegen als untauglich erachtet werden -, offenbar ohne konkrete Folgen sei.

Im Bezug auf die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Partnerschaften fährt die Stellungnahme von 2003 fort:

„Das Gemeinwohl verlangt, dass die Gesetze die eheliche Gemeinschaft als Fundament der Familie, der Grundzelle der Gesellschaft, anerkennen, fördern und schützen. Die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften oder deren Gleichsetzung mit der Ehe würde bedeuten, nicht nur ein abwegiges Verhalten zu billigen und zu einem Modell in der gegenwärtigen Gesellschaft zu machen, sondern auch grundlegende Werte zu verdunkeln, die zum gemeinsamen Erbe der Menschheit gehören.“

Einer der maßgeblichen kurialen Wortführer gegen gleichgeschlechtliche Partnerschaften ist Papst Benedikt XVI., der sich schon in seiner Zeit als Kardinal und Vorsitzender der Glaubenskongregation entsprechend geäußert hat. Im Zusammenhang mit Gesetzen zu homosexuellen Lebenspartnerschaften fordert er beispielsweise:

„Wird der gesetzgebenden Versammlung zum ersten Mal ein Gesetzentwurf zu Gunsten der rechtlichen Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften vorgelegt, hat der katholische Parlamentarier die sittliche Pflicht, klar und öffentlich seinen Widerspruch zu äußern und gegen den Gesetzentwurf zu votieren. Die eigene Stimme einem für das Gemeinwohl der Gesellschaft so schädlichen Gesetzestext zu geben, ist eine schwerwiegend unsittliche Handlung.“ [3]

Innerhalb der Kirche wird diese Haltung jedoch nicht mehr in allen Ländern von der Mehrheit getragen, sondern es gibt hier große kulturelle Unterschiede zwischen den verschiedenen katholischen Gebieten. Nach einer aktuellen Befragung, die von der Bischofskonferenz Brasiliens in Auftrag gegeben wurde, geben 62 % von 1831 befragten katholischen Priestern an, dass sie die Verurteilung der Homosexualität durch die katholische Kirche nicht teilen. [4] Eine ältere Umfrage vom Januar 2001, durchgeführt von der Utrechter Universität im Auftrag der Zeitschrift „Gay Krant“, ergab, dass von 339 befragten katholischen Priestern in Holland 56 % eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft in ihrer Kirche segnen würden, 83 % würden dies im Privaten tun [5]. In den Vereinigten Staaten ergab eine Umfrage, dass 55% der Katholiken gegen eine Schwulenehe sind [6]. So zeigt sich auch bei manchen Theologen inzwischen eine andere Haltung[7]; andere Strömungen halten freilich mit dem offiziellen Lehramt der Kirche fest an der traditionellen Ablehnung [8].

Orthodoxe Kirche

Die Orthodoxe Kirche hält sich in ethischen Fragen an die traditionelle Auffassung des Christentums der ersten Jahrhunderte. Bloße homosexuelle Neigungen gelten nicht als Sünde, da jeder Mensch böse Neigungen habe. Die praktische Auslebung von Homosexualität gilt dagegen als Sünde. Die Gläubigen sind angehalten, bösen Neigungen aller Art, darunter auch der Homosexualität, nicht nachzugeben, sondern sie ihr Leben lang zu bekämpfen.

Nach der Weihe von Gene Robinson zum ersten offen in einer homosexuellen Partnerschaft lebenden Bischof der zur anglikanischen Kirchengemeinschaft gehörigen Protestant Episcopal Church in the USA haben Papst Shenouda III. von der koptisch-orthodoxe Kirche, Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas von der Syrisch-orthodoxen Kirche und Katholikos Aram I. von der Armenischen Apostolischen Kirche vorgeschlagen, weitere ökumenische Gespräche mit der anglikanischen Kirche zu verschieben, bis die diesbezügliche Situation in der anglikanischen Gemeinschaft geklärt ist. Die Russisch-Orthodoxe Kirche brach nach der Bischofsweihe von Robinson alle Zusammenarbeit mit der Episcopal Church ab.

Ein Großteil der Rastafari-Anhänger vor allem auf Jamaika, die sich teilweise der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche angeschlossen haben, pflegen eine ausgesprochene Ablehnung der Homosexualität – unter anderem sichtbar in der Reggae-Musik, in der u. a. zum Mord an Schwulen und Lesben aufgerufen wird. Allerdings finden sich solche Texte vor allem im säkularen Dancehall-Reggae, weniger im religiösen Roots Reggae.

Protestantische und evangelische Kirchen

Da diese Kirchen und Gemeinschaften keine gemeinsame oberste weltliche Autorität kennen (außer der Bibel) gibt es hier eine große Bandbreite; insbesondere einige Freikirchen (z. B. Baptisten) verurteilen Homosexualität noch wesentlich schärfer als die katholische Kirche.

Die Evangelische Kirche Deutschland (EKD) vertritt allgemein eine liberalere Haltung zur Homosexualität. So können in den Landeskirchen der EKD homosexuelle Pastoren mit ihrem standesamtlich liierten Partner offiziell im Pfarrhaus leben und wohnen und werden in einigen Landeskirchen (z.B. Nordelbien]) besoldungsrechtlich wie Ehepaare behandelt.

Die folgenden Landeskirchen der EKD sehen homosexuelle Paarbindungen nicht als sündhaft an und erlauben daneben auch eine öffentliche Segnung dieser standesamtlich liierten Partnerschaften in ihren Kirchen, soweit die Ortspastorin bzw. der Ortspastor einverstanden ist: heinland, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Nordelbien, Braunschweig, Pfalz, Hessen-Nassau, Oldenburg, Bremen, Westfalen.

Die Evangelisch-methodistische Kirche erlaubt keine offen praktizierenden Homosexuellen als Geistliche und verbietet ihren Geistlichen die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare. Sie hat in ihrer Generalkonferenz 2005 mit Zweidrittelmehrheit eine Lockerung dieser Bestimmungen über Homosexualität abgelehnt. Die Methodistische Kirche in Großbritannien entschied sich auf ihrer Jahreskonferenz im Juni 2005 mit großer Mehrheit dafür, die Möglichkeit zu eröffnen, gleichgeschlechtliche Paare zukünftig zu segnen und lehnt den Sündenbegriff ab.

Die Generalsynode der United Church of Christ sprach sich am 4. Juli 2005 in Atlanta mit großer Mehrheit als erste größere Kirche in den USA dafür aus, dass gleichgeschlechtliche Paare das Recht auf Heirat erhalten sollten und Segnungen in den Kirchen erlaubt sind.

In der Anglikanischen Kirche ist die Haltung zur Homosexualität höchst umstritten: befürwortend die anglikanische Kirchen in USA, Kanada und teilweise in England -- ablehnend die meisten anglikanischen Kirchen in der Dritten Welt, die die Mehrheit der anglikanischen Kirchengemeinschaft ausmachen. Die Brisanz dieser Frage nahm mit der Weihe von Gene Robinson als Bischof von New Hampshire zu.

Besonders konservative evangelische Freikirchen sehen in der Praxis von Homosexualität eine Gräuelsünde, wollen aber ihre Ablehnung der Sünde nicht auf die vermeintlichen Sünder ausdehnen und akzeptieren daher enthaltsame Schwule und Lesben. Allerdings ist die kulturelle Norm von Ehe und Familie in diesen Gruppen sehr stark (anders als die römisch-katholische Kirche kenne sie keinen lebenslangen Zölibat). Deshalb ermuntern sie Menschen, die vom gleichen Geschlecht sexuell angezogen werden, durch Gebet, eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus, Therapie und Selbsthilfegruppen ihr Leben zu ändern, damit sie künftig im Einklang mit ihrem Verständnis des göttlichen Willens „als Mann und Frau“ leben können. Ob die Neigung zur Homosexualität auf diese Weise überwunden werden kann (siehe: Ex-Gay-Bewegung), ist in diesen Gruppen höchst umstritten. Außerhalb solcher Gruppen wird diese Möglichkeit nicht für realistisch gehalten.

Andererseits gibt es auch evangelische freikirchliche Kirchen und Gemeinden, die Homosexuelle explizit willkommen heißen und keine Vorbehalte gegen Homosexualität haben. Es gibt sogar eine Freikirche, die Metropolitan Community Church, die sich explizit an homosexuelle („LesBiSchwule“) Menschen wendet.[9]

Alt-Katholische Kirche

Die deutschen Altkatholiken haben seit langem eine sehr liberale Haltung gegenüber der Homosexualität vertreten. Eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften befürworten sie grundsätzlich mit der Begründung, wenn zwei Menschen den Pfarrer um den Segen Gottes für etwas ersuchen, so ist es nicht die Sache des Pfarrers als bloßem Boten Gottes, ihnen diesen zu verwehren, unabhängig von seiner persönlichen Meinung.

In seinem Hirtenbrief zum Ehesakrament stellte Bischof Joachim Vobbe seine Haltung zum Thema gleichgeschlechtlicher Partnerschaften wie folgt dar:

„Unbestritten dürfte für uns Christen sein, dass gleichgeschlechtlich empfindende Menschen einen ebensolchen Anspruch darauf haben, zu lieben und geliebt zu werden und - vor allem - sich selbst achten zu dürfen, wie andere Menschen auch. Unbestritten ist weiter, dass Bindungen an die Nachfolge Jesu, Liebe und Treue einen biblisch begründeten Eigenwert haben - jenseits der Bewertung sexueller Orientierung oder gar konkreter sexueller Praktiken."

„Sicherlich darf man feststellen, dass eine gleichgeschlechtliche Verbindung (...) etwas anderes ist als eine Ehe. Grad der Verbindlichkeit, Ziel, Dauer und Intensität der Verbindung sind nicht per se den Regeln einer Ehe unterworfen. Eine Zeugung von Kindern aus eigener Partnerschaft ist nicht möglich und ja auch eigentlich nicht intendiert. Die künstliche Insemination oder die Befruchtung durch einen „Leihvater“ bei lesbischen Paaren oder die Adoption von Kindern durch homosexuelle Paare wird nicht zuletzt aufgrund der wachsenden Erkenntnisse über den Wert der Bipolarität und Komplementarität von Mann und Frau in der Erziehung beziehungsweise über den Wert der Kenntnis unserer biologischen Eltern als ethisch äußerst problematisch angesehen und von den Kirchen der Ökumene wie auch von anderen, nichtkirchlichen Meinungsträgern abgelehnt."

„Die Frage einer Segnung kann sich aber meines Erachtens an den Kriterien messen lassen, an denen sich auch andere nichteheliche, individuelle gemeinschaftliche und/oder zölibatäre Lebensformen orientieren, nämlich: Wollen die Menschen, um die es hier geht, ihr Leben gemeinsam (oder, im Falle von Zölibatären, allein) aus dem Geist der Nachfolge Jesu Christi gestalten und in den Horizont Seiner Verheißungen stellen? Und - eventuell: in welchen speziellen Punkten wollen sie dies tun? Diese Fragen beziehen sich auf individuelle Regeln, an die sich konkrete Menschen einvernehmlich binden wollen. Sie sind mithin nicht Sache einer offiziellen, einheitlich-kirchenamtlich geregelten Institution und Liturgie, sondern sollten von den betroffenen Personen oder Personengruppen mit dem Seelsorger vor Ort in Verantwortung vor dem Wort Gottes, der Lehre der Kirche und der Situation der Lokalgemeinde entschieden werden." [10]

Eine generelle Gleichstellung mit der Institution bzw. dem Sakrament der Ehe wird allerdings mit Verweis auf die Bibel abgelehnt.

Die insgesamt liberale Haltung der Altkatholischen Kirche hat zu einem gewissen Zulauf durch Homosexuelle geführt, die zu einer christlichen Kirche gehören wollen, aber in den größeren Kirchen ausgegrenzt werden. In der Altkatholischen Kirche sind sie so zu einer voll integrierten, geachteten Minderheit geworden.

Ebenso ermöglichte die christkatholische (= altkatholische) Kirche in der Schweiz 2006 die Segnung homosexueller Paare in ihren Kirchen und erlaubt offiziell die Mitarbeit von homosexuellen Priestern sowie deren Partnerschaft.

Zeugen Jehovas

Die Zeugen Jehovas warnen nach ihrer Überzeugung davor, seine Mitmenschen zu hassen, selbst wenn man „einen starken Abscheu gegen bestimmte Lebensweisen“ empfindet und empfehlen allen Christen „mit allen Menschen Frieden zu halten“ ((Röm,12,9); (Röm,12,17-19)). Sie warnen auch explizit davor, Homosexuelle zu misshandeln oder missachten, denn nach dem christlichen Glauben würden wahre Christen ihre Mitmenschen als mögliche Nachfolger Christi betrachten und sie mit Respekt und Würde behandeln. Gleichzeitig wird Homosexualität von den Zeugen Jehovas allerdings ausdrücklich als Sünde abgelehnt. Homosexualität ist für sie kein „normaler Lebensstil".[11] Schwule und Lesben werden, sofern sie jemals Mitglied waren und nicht abstinent leben, aus der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen.

Christian Science

Innerhalb Christian Science gibt es verschiedene Standpunkte. Nach einer vorübergehenden Liberalisierung haben im Bostoner Vorstand in jüngster Zeit wieder konservativere Kräfte das Sagen. Die Initiative Emergence International engagiert sich für eine Neubewertung.

Islam

Gesetzliche Aspekte (Schari'a)

Der Koran fordert die Bestrafung von Homosexualität:

Und diejenigen, die es von euch [Männern] begehen, strafet beide. Und so sie bereuen und sich bessern, so lasset ab von ihnen. Siehe, Allah ist vergebend und barmherzig (Sure 4, Vers 16).

Die Wortwahl erscheint relativ milde im Vergleich mit der Verurteilung anderer Vergehen, z. B. dem im vorausgehenden Vers behandelten außerehelichen Verkehr. Im Koran bleibt die Art der Bestrafung offen, was in den islamischen Rechtsschulen ( madhahib) zu einem Dissens geführt hat. Während die Hanafiten als größte Rechtsschule des Islam die Entscheidung darüber in das Ermessen des einzelnen Richters stellen, sehen die Hanbaliten, analog zum Ehebruch die Steinigung vor. Die Wahhabiten genannte Richtung des sunnitischen Islams hanbalitischer Richtung sieht ebenfalls die Todesstrafe vor. In sechs islamischen Ländern kann Homosexualität mit dem Tode bestraft werden: im Jemen, Iran, Saudi-Arabien, Sudan (nördliche Landesgebiete), Nigeria (nördliche Landesgebiete) und Mauretanien. In vielen anderen islamisch geprägten Staaten werden Haftstrafen verhängt. Seit dem Spätmittelalter sind sich die islamischen Juristen einig, dass auf Analverkehr zwischen Männern die Todesstrafe steht.

Siehe auch:

Die Bedeutung gleichgeschlechtlicher Liebe

Im Einklang mit der christlichen Tradition (aber in Abweichung von der jüdischen) assoziiert der Koran die Sünden von Lots Volk an einigen Stellen auch mit den Ausschweifungen zwischen Männern: Es gibt fünf Stellen im Koran, die sich auf schwules und lesbisches Verhalten beziehen. Manche befassen sich offensichtlich mit „femininen Männern“ und „maskulinen Frauen“. Die zwei wichtigsten Verweise auf homosexuelles Verhalten im Koran ist einmal die 7. Sure, Vers 80-81:

„80 Und (wir haben) den Lot (als unseren Boten gesandt). (Damals) als er zu seinen Leuten sagte: ‚Wollt ihr denn etwas Abscheuliches begehen, wie es noch keiner von den Menschen in aller Welt vor euch begangen hat? 81 Ihr gebt euch in (eurer) Sinnenlust wahrhaftig mit Männern ab, statt mit Frauen. Nein, ihr seid ein Volk, das nicht maßhält."

Und zum anderen die Sure 26, Vers 165[-166]:.

„165 Wollt ihr euch denn mit Menschen männlichen Geschlechts abgeben 166 und (darüber) vernachlässigen, was euer Herr euch in euren Gattinnen (als Ehepartner) geschaffen hat? Nein, ihr seid verbrecherische Leute.“(1).

Beide Verweise beziehen sich auf schwule und nicht auf lesbische Sexualität, da diese im Koran nicht erwähnt wird. Lut wird in den hebräischen Schriften als „Lot“ bezeichnet. Diese Passage ist ein offensichtlicher Verweis auf die Ereignisse bei Sodom und Gomorrah.

Dies scheint zu implizieren, dass es vor der ersten Erwähnung in Sodom keine Homosexualität gab. Dies ist ein ausschließlich im Islam existierendes Konzept, das weder im jüdischen noch im christlichen Glauben vorkommt. Diese Passage verbindet die Sünden von Sodom - den Grund für die Zerstörung - mit Homosexualität. Deswegen werden Männer, die Sex mit Männern haben, seitdem von religiöser Seite als luti bezeichnet, der Analverkehr zwischen ihnen als liwāt (لواط).

Ein scheinbares Paradox ergibt sich daraus, dass die islamische Tradition die erotische Attraktivität des eigenen Geschlechts als ein natürliches und universelles Faktum betrachtet. So heißt es in einem dem Propheten Muhammad zugeschriebenen Hadith:

„Starre nicht auf bartlose Knaben, denn sie haben Augen, die verführerischer sind als die Jungfrauen [huris].“

Ähnlich äußert sich der im Jahr 1200 n. u. Z. verstorbene hanbalitische Rechtsgelehrte Ibn al-Gauzi:

„Derjenige, der behauptet, dass er keine Begierde empfindet [wenn er schöne Knaben erblickt], ist ein Lügner, und wenn wir ihm glauben könnten, wäre er ein Tier, nicht ein menschliches Wesen.“

Dies schlägt sich auch in den Paradiesbeschreibungen des Koran nieder, wo nicht nur „großäugige Jungfrauen“, sondern auch Jünglinge, „gleich verborgenen Perlen“ (Sure 52, Vers 24), auf die (männlichen) Wiederauferstandenen warten und sie als Mundschenke bedienen:

„Die Runde machen bei ihnen unsterbliche Knaben mit Humpen und Kannen (von Wein) und einem Becher (voll) von Quellwasser.“ (Sure 56, Vers 17-18)

Die romantische Liebe ('isq) zwischen Männern wird – unter der Voraussetzung, dass sie keusch ist – vom Islam vollständig akzeptiert. So schreibt der Universalgelehrte Ibn Hazm

„Liebe wird von der Religion weder missbilligt, noch vom Gesetz verboten; denn jedes Herz ist in Gottes Hand.“

Gleichzeitig führt aber die Verwerfung von unkeuschen Handlungen zwischen Männern für den strenggläubigen Muslim zu einem inneren Glaubenskampf (dschihad) gegen sein eigenes Selbst (nafs). Einem bekannten Hadith zufolge gilt derjenigen, der in diesem Kampf obsiegt, als „Liebesmärtyrer“:

„Wer liebt und keusch bleibt und sein Geheimnis verbirgt und stirbt, stirbt als ein Märtyrer.“

Eine etwas andere Haltung nimmt die sufische Tradition ein. In ihr spielt die leidenschaftliche Zuneigung zwischen dem „Liebenden“ und dem „Geliebten“ eine konstitutive Bedeutung für die mystische Annäherung an Gott. Dies ist aber auf keinen Fall körperlich, also zwischen zwei Menschen (Männern) zu sehen, sondern der Liebende ist ein Synonym für den Suchenden, also den Sufi, der Geliebte ist ein Synonym für Gott.

Judentum

Im orthodoxen Judentum gilt für alle Menschen eine Heiratspflicht, was natürlich für Homosexuelle große Probleme mit sich bringt. Ebenso wird homosexueller Geschlechtsverkehr abgelehnt, wobei von Menschen mit homosexueller Veranlagung eine heterosexuelle Lebensweise erwartet wird. Dagegen gibt es auch nichtorthodoxe, z.B. liberale oder rekonstruktionistische Gemeinden, welche Homosexualität und homosexuellen Menschen positiv gegenüberstehen. Während die für eine Verurteilung herangezogenen Stellen in der Tora den selben Interpretationsschwierigkeiten wie beim Christentum unterworfen sind, ist der Talmud in seiner Verurteilung männlicher homosexueller Handlungen, insbesondere des Analverkehrs, eindeutig, zur weiblichen Homosexualität findet sich jedoch lediglich eine Diskussion zur Jungfräulichkeit, jedoch keine wertende Erörterung. Auch der Schulchan Aruch bekräftigt klar das Verbot männlicher und auch weiblicher homosexueller Handlungen. Im orthodoxen Judentum ist somit ein Verbot zweifelsohne gegeben. Da nichtorthodoxe Formen des Judentums ein anderes Verständnis religiöser Pflichten haben, wird Homosexualität dort meist akzeptiert oder aktiv willkommen geheissen.

Eine liberale Gemeinschaft schwuler, lesbischer und bisexueller Jüdinnen und Juden in Deutschland besteht unter dem Namen Yachad (hebräisch יחד für gemeinsam).

Buddhismus

Noch mehr als bei anderen Religionen ist die Haltung des Buddhismus zur Homosexualität ein sehr komplexes Thema. Es wäre einerseits falsch, von einer Ablehnung der Homosexualität zu sprechen, andererseits wäre die Aussage irreführend, dass der Buddhismus Homosexualität offenherzig begrüßen würde. Im Buddhismus gibt es viele Richtungen und Schulen, so dass es auch unterschiedliche Sichtweisen der Homosexualität gibt.

Buddhisten setzen sich nicht mit der Frage nach „richtig“ und „falsch“ auseinander, so dass ein Buddhist kaum je anderen sagen würde, wie sie sich verhalten sollen. Buddha ermutigte vielmehr die Menschen, in ihr Inneres zu sehen und für sich selbst eine Wahrheit zu finden - selbst wenn dies bedeutete, dass sie seine Lehren nicht beachten - und daran ihr eigenes Leben auszurichten:

„Glaube nicht an irgendetwas einfach nur, weil du es gehört hast. Glaube nicht an irgendetwas einfach nur, weil viele darüber sprechen. Glaube nicht an irgendetwas einfach nur, weil du es in einem religiösen Buch geschrieben fandest. Glaube nicht an irgendetwas nur wegen der Autorität deiner Lehrer und der Alten. Glaube nicht an Traditionen, weil sie über viele Generationen überliefert worden sind. Wenn du aber beobachtet und analysiert hast, wenn du zu der Auffassung gelangt bist, dass etwas vernünftig ist und zum Guten hinführt und dem einzelnen und der Allgemeinheit nützt, dann akzeptiere es und lebe dementsprechend.“

Buddha lehrte die große Bedeutung des Mitgefühls für alle lebenden Wesen und alle Menschen, ohne Rücksicht darauf, um wen es geht und was derjenige getan hat. Keine Handlung wird jemals als „gut“ oder „böse“ bezeichnet; vielmehr wird die Absicht und die Auswirkung im Gesamtzusammenhang betrachtet. Im Zen-Buddhismus gibt es beispielsweise sogar Berichte von Lehrern, die ihre Schüler durch unerwartetes oder gar aggressives Verhalten verwirrt haben - allein zum Zweck, ihnen zur Erleuchtung zu verhelfen.

In den meisten buddhistischen Klöstern gibt es jedoch verbindliche Vorschriften hinsichtlich des sexuellen Verhaltens. Nach buddhistischen Vorstellungen führt Begehrlichkeit zum Leiden und soll deswegen überwunden werden. Dies gilt auch für das sexuelle Begehren, unabhängig davon, auf welches Geschlecht es sich richtet. Mönche versuchen deswegen, von sexueller Begierde frei zu kommen, um Körper und Geist rein zu halten. Die sexuelle Orientierung eines Menschen ändert sich nicht nachdem ein Keuschheitsversprechen gegeben wurde. Die Verpflichtung zur Enthaltsamkeit gilt für buddhistische Mönche und Nonnen mit jeder sexuellen Orientierung.

Die grundsätzliche Forderung der Reinhaltung von Körper und Geist gilt zwar auch für Laien, doch wird daraus offenbar nicht die Forderung nach Enthaltsamkeit abgeleitet.

Der US-amerikanische Schriftsteller und Poet Allen Ginsberg bekam auf die Frage an seinen buddhistischen Lehrer, den bekannten tibetischen Meditationslehrer Chögyam Trungpa, nach seiner Einschätzung der Homosexualität gefragt, sinngemäß diese Antwort: Es geht zwischen Menschen nicht um die Form ihres Körpers sondern um die Form ihrer Beziehung.


Referenzen

  1. http://www.zwischenraum.net
  2. http://www.christlich-sicher-geborgen.net
  3. Erwägungen zu den Entwürfen einer rechtlichen Anerkennung der Lebensgemeinschaften zwischen homosexuellen Personen, 3. Juni 2003, Josef Kard. Ratzinger
  4. http://www.networld.at/index.html?/articles/0417/15/79989.shtml
  5. http://www.advocate.com/html/news/012601/012601news06.asp
  6. Pew Forum, 2003
  7. beispielsweise Lexikon für Theologie und Kirche
  8. Die sittliche Beurteilung der Homosexualität
  9. MCC Köln
  10. Bischof Joachim Vobbe: Gott traut uns. Wir trauen Gott. Gedanken zum Ehesakrament. S. 39 ff. Alt-Katholischer Bistumsverlag 2003, ISBN 3-934610-19-6
  11. Erwachet vom 8. Dezember 1997. "Allgemein gesagt, sind Christen deshalb nicht schnell dabei, ihre Mitmenschen zu hassen. Selbst wenn sie einen starken Abscheu gegen bestimmte Lebensweisen empfinden, sind sie nicht darauf aus, anderen Schaden zuzufügen, und sie hegen auch keinen Groll gegen diese Menschen und wollen ihnen nichts Böses. Vielmehr rät die Bibel Christen, ‘mit allen Menschen Frieden zu halten’" ... "Die Bibel läßt keinen Raum für Rechtfertigungen, Zugeständnisse und Doppeldeutigkeit: Homosexuelle Praktiken, Ehebruch und Hurerei sind in Gottes Augen durchweg verwerflich. Wahre Christen schwächen daher den biblischen Standpunkt über ‘schändliche sexuelle Gelüste’ nicht ab, einfach um populärer zu werden oder in der heutigen Kultur eher akzeptiert zu werden. Und sie heißen auch keine Bewegung gut, die Homosexualität als normalen Lebensstil propagiert." ... "Natürlich duldet Jehova nicht, daß man sich über seine vollkommenen Sittenmaßstäbe fortgesetzt und hartnäckig hinwegsetzt. Dennoch hält er stets den Weg zur Versöhnung frei."

Literatur

  • Michael Bochow (Hrsg.); Rainer Marbach (Hrsg.): Homosexualität und Islam. Hamburg 2003. ISBN 3935596243.
  • John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality : Gay People in Western Europe from the Beginning of the Christian Era to the Fourteenth Century. Chicago; London 1980. ISBN 0226067114.
  • Steven Greenberg: Wrestling with God and Men : Homosexuality in the Jewish Tradition. Madison 2004. ISBN 0299190900.
  • Daniel A. Helminiak: What the Bible Really Says About Homosexuality. San Francisco 2000. ISBN 188636009X.
  • Michael Klöcker und Udo Tworuschka (Hg.): Ethik der Weltreligionen, Ein Handbuch, Darmstadt 2004.
  • Arlene Swidler: Homosexuality and World Religions. Valley Forge 1993. ISBN 156338051X.
  • Jim Wafer: Muhammed and Male Homosexuality. In: Stephen O. Murray (Hrsg.); Will Roscoe (Hrsg.): Islamic Homosexualities : Culture, History, and Literature. New York; London 1997. ISBN 0814774687.
  • Valeria Hink: Streitfall Liebe. Biblische Plädoyers wider die Ausgrenzung homosexueller Menschen. Claudius Verlag 2003. ISBN 3532622939.

Weblinks

Originaltexte


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