Ein unmoralisches Verhältnis

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"Ein unmoralisches Verhältnis. Bemerkungen eines Betroffenen zur Lage von Staat und Kirche in der Bundesrepublik Deutschland" war der Titel eines im Umkreis des sogenannten Kirchenpapiers der F.D.P. erschienenen Buches von Horst Herrmann, das heftige Reaktionen auslöste. Immerhin handelte es sich um die erste kritische bis ablehnende, jedenfalls unerwartete und "antizyklische" Stellungnahme eines Professors der katholischen Theologie in Deutschland zu dem als befriedet geltenden und für beide Seiten profitablen Thema Staat und Kirche.

Inhalt

Das Buch belegt seine Hauptthese, es handle sich beim Verhältnis zwischen Staat und Kirche in Deutschland um eine nur unmoralisch zu nennende Partnerschaft, mit zahlreichen Beispielen: Kirchensteuer, Religionsunterricht, theologische Universitätsfakultäten, milliardenschwere Subventionen an die Catholica, Caritas, Privilegierung von kirchlichem Personal, Reichskonkordat mit Hitler (1933), Bundeswehrseelsorge. Bezweckt wurde zum einen eine "revolutionäre Wendung zur Moral" in der Kirche selbst, zum anderen ein politisches Handeln der Deutschen.

Reaktionen und Konsequenzen

Nachdem vergeblich versucht worden war, das Buch tot zu schweigen, griffen Kirchenvertreter zu einem probaten Mittel: Der Autor sollte zum einen widerrufen, zum anderen zusagen, solche Themen nicht mehr öffentlich anzusprechen. Da er einen Widerruf strikt ablehnte, wurde ihm 1975 - "mit Rücksicht auf die Studierenden" - die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Das war der erste Fall in der Bundesrepublik Deutschland. Heinrich Böll, der sich als Erster einer Reihe von Schriftstellern und Wissenschaftlern für den Autor eingesetzt hatte, sah sein Urteil bestätigt: Ein Theologe kann ungefährdet ein Dogma wie die päpstliche Unfehlbarkeit oder die Jungfrauengeburt angreifen. Nimmt er großkirchliche Privilegien wie die Kirchensteuer aufs Korn, ist er schnell weg vom Fenster.

Horst Herrmann, dem jede Diskussion seiner Thesen versagt worden war, beantragte schließlich ein so genanntes Lehrbeanstandungsverfahren gegen den Bischof von Münster und verlor, wie nicht anders zu erwarten, den Prozess, für den gegen ihn ein Kardinal, vier Bischöfe und fünf Theologieprofessoren aufgeboten worden waren. Die römische Kongregation für die Glaubenslehre schloß sich der Einschätzung durch die Deutsche Bischofskonferenz an.

Aktuelle Diskussion

Eine Diskussion der angesprochenen Themen, die in der Bundesrepublik bei Erscheinen des Buches ausgeblieben ist, kann in den letzten Jahren zunehmend ausgemacht werden. Wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben beispielsweise der IBKA und die Giordano-Bruno-Stiftung (GBS). Rechtliche Konsequenzen sind allerdings bis heute ausgeblieben. Keine einzige Partei nimmt sich ernsthaft des Themas an, obgleich es sich um Milliardensummen an Subventionen u. Ä. handelt.